• Der wandernde Schneider Christian Schneider aus Neipperg wurde im April 1845 wegen Krätze im Gutleuthaus zu Tübingen behandelt. Die Verköstigung kostete 24 Kreuzer je Tag. Daneben wurden noch Medikamente und 1 Bad nebst Seife abgerechnet. Diese Kosten wurden seiner Heimatgemeinde aufgebürdet, die den Betrag entweder von seinen Verwandten einforderte oder wie in diesem Fall wegen Armut aus einer Stiftungskasse beglich. Der Brief ging mindestens 3 mal zur Post. Am 19. Mai nach Brackenheim mit der Rechnung. Diese wurde dann mit dem Ort Neipperg verhandelt. Dann ging der Brief mit dem Geld zurück nach Tübingen wobei irrtümlich der Betrag auf der falschen Adressseite angebracht und wieder gestrichen wurde. Letztlich ging der Brief am 30. Mai nach Brackenheim als Quittung wieder zurück. Hübscher Brief.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Auf Stiftungsfeste Sache muss man erst einmal kommen. Sache konnte man ja einfach lesen aber Stiftung? Da hätte ich kein „t“ drin gefunden, der Schreiber hat wohl die Querstriche gespart

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Ja klar, es ist abgekürzt geschrieben, aber beide „t“ sind ohne Querstrich, oder übersehe ich da was?

    Der Mann mit dem eigenwilligen "t" hat sich am Ende des Briefes als Stiftgspfl. Vogt namhaft gemacht. Selbst bei seinem Namen hat das "t" keinen Querstrich. Den Querstrich hat er zwar angesetzt ihn aber direkt nach unten gezogen, damit er schneller weiterschreiben konnte. Jede Schrift hat so seine Eigenheiten. Ich schreibe ein "ck" oder "ch" auch nicht mehr voll aus, sondern ziehe es zu einer Ligatur zusammen. Das hat sich eben so entwickelt, aber man kann es trotzdem noch lesen.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Unterstützung. Klar, bei der Abkürzeritis hieß es Stiftgs-Sache. Von denen hat Ralph mir schon einige entziffert. Ich glaube, der hat eine Liste mit Kürzeln in der Schublade. ;)


    wuerttemberger bitte ich um Schriftprobe, ob man seine Ligaturen noch lesen kann. ^^


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo zusammen,


    noch ein Württemberg-Beleg, bei dem es sich nur um eine Briefhülle handelt:

    am 5. November 1846 wurde in Reutlingen ein Schreiben verschickt an


    Wohllöbl. Schulheißenamt

    Bergerhausen

    O.A. Biberach.

    frei.


    Da Biberach und Bergerhausen keinen Kilometer auseinander lagen, war der Brief bei den auf der Rückseite notierten 4xr recht schwer. Da war anscheinend einiges beigefügt. Da man sparsam war wurde, die Hülle gedreht und am 9.Nov.1846 in Biberach zur Post gegeben. Gerichtet an


    Königlichem AmtsNotariat

    in

    Pfullingen

    frei


    Hier haben wir auf der Rückseite wieder 4xr notiert und auf der Vorderseite 1xr. Ist das Bestellgeld?


    Dieter

  • Hallo Dieter,


    kleine Berichtigung, es handelt sich nicht um einen Baden-Beleg, sondern um einen Württemberg-Beleg, da es sich um Biberach an der Riss handelt, das 1806 zu Württemberg kam.

    Der Brief war auch nicht sonderlich schwer, sondern er lag in der 1. Gewichtsstufe. Pfullingen hatte zu dieser Zeit noch keine Posteinrichtung, sondern wurde von Reutlingen aus versorgt. Die vorderseitig angeschriebene 1 war das Bestellgeld.

    Nach der gedruckten "Brief-Taxe" kostete das Porto eines einfachen Briefes von Biberach nach Reutlingen 4 Kr.


    Grüße

    Karl

  • Hallo Karl,


    Schande auf mein Haupt. Immerhin an der richtigen Stelle gezeigt.

    Mit 4 xr haben die Württemberger ordentlich kassiert. Mit dem Bestellkreuzer lag ich also richtig. Wie der HASS mir gerade verraten hat bekam Pfullingen erst 1848 ein Postamt.


    beste Grüße


    Dieter

  • 4 Kreuzer war der Tarif für einen bis einschließlich 1/2 Loth schweren Brief für die Entfernung von 6 bis 12 Postmeilen. Die Entfernung Reutlingen Biberach beträgt 11 Meilen.

    Kassiert hat nicht Württemberg direkt, sondern TuT. Die waren damals soetwas wie ein Subunternehmen in Sachen Postbeförderung.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Die Briefposttarife wurden 1814 festgelegt. Sie galten bis zum Beitritt Württembergs zum DÖPV. Nur das Gewicht für einen einfachen Brief wurde irgendwann auf 1 Loth erhöht.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Hallo zusammen,


    hierzu ein Brief aus Altdorf nach Radolfzell. Adressiert ganz kurz


    An

    Grosh.(erzogliche) Stadtpfarramt

    Radolfzell


    D.S.


    Eigentlich ist das Schreiben unspektakulär. Innen jedoch erfahren wir, daß mit diesem Dienst-Brief 50 xr Insertionsgebühr verschickt wurden. Der Empfang wurde unten mit einem Vermerk bestätigt.

    Gab es solch einen Versand von Geld im normalen Brief öfter?

    Die Rückseite ist leer.


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    großherzogliche Stadtpfarramt steht da.


    Wie Heribert schon sehr anschaulich darstellt, konnte man Münzen beifügen, obwohl es dann eigentlich ein Wertbrief war. Aber vlt. hatte man nur bei der Briefpost Portofreiheit und um die nicht zu gefährden, gab man halt ein paar Münzen in den Faltbrief in der Hoffnung, dass allles gut ausgehen würde. Andernfalls hätte man bei Briefverlust keine Reklamationsmöglichkeit gehabt ... eine Risikoabwägung, aber häufig ist das generell nicht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus