Beiträge von wuerttemberger

    Ich habe mir den Einführungsvortrag von Rene Smolarski mit großem Interesse angehört und ich finde nicht, dass die Briefmarken bis zur Einführung der einheitlichen Markwährung eine unergiebige Quelle sind. Man könnte vielleicht mal der Frage nachgehen, warum alle süddeutschen Staaten zu Beginn Ziffernmarken herausgaben und später auf Wappenmarken umstellten. Wollten sie etwa dem mit dem Herrscherbild auf den Briefmarken selbstbewusst auftretenden Preußen etwas entgegensetzen? Auch Österreich hat zu Beginn gleich mal sein Staatswappen präsentiert. Thurn und Taxis in diesem Zusammenhang zu erwähnen führt in die Irre, weil gerade TuT viele politische Gebiete postalisch versorgte und somit gar keine Alternative zu Ziffernmarken hatte.

    Das Gebiet Germania ist ein (post)geschichtliches Minenfeld in dem sich schon viele Philatelisten verlaufen haben. Dort tun die Historiker gut daran alles kritisch zu hinterfragen, was sie von Seiten der Philatelie so vorgesetzt bekommen.

    Jetzt bin ich sehr gespannt wie die Reihe weitergeht und versuche auch einmal online dabei zu sein.

    Lieber Ulrich und Norbert,


    Mir scheint, dass es sich nicht um Notpaketkarten handelt, sondern jeweils um eine notwendige Adresspräzisierung.
    Was meint ihr?

    Das ist keine Adresspräzisierung. Wie Ulrich schon schrieb wurde eine Notadresse ausgestellt, wenn das Paket (Fahrpost) schon angekommen war und die zugehörige Paketkarte (Briefpost) noch fehlte.

    Lieber Bayernspezi,


    ich sehe schon Dein Problem mit der Laufrichtung der französischen Bahnpostverbindung, aber es entbehrt jeglicher Grundlage. Wäre der Brief rechtsrheinisch nach Mühlhausen oder gar Basel gelaufen, so fehlt der badische Bahnpoststempel und der weiter südlich gelegene Grenzübergangsstempel nach Frankreich. Die Komplikationen mit einem Transit über Basel lassen wir einfach mal weg.

    Jetzt kommt wieder mein Einwand mit dem fehlenden Leitvermerk auf. Wie sollten die Postler so weit im Süden wissen, das das Beaufort in Luxemburg gemeint sein sollte? Die ursprüngliche Entfernung von Ludwigshafen nach Beaufort (Luxemburg) beträgt 160 km. Das ist für einen Ort ohne Postanstalt nicht mehr in der Nähe. Es ergibt deshalb überhaupt keinen Sinn den Brief weit in den Süden zu schicken - ohne Leitvermerk! - um ihn dann wieder in den Norden zu transportieren und dann einen fehlenden Grenzeingangsstempel (sic!) in Forbach abzuholen.

    Zockerpeppi hat es schon in hervorragender Weise dargelegt, warum der Brief niemals in Luxemburg angekommen sein kann. Der Ankunftsstempel ist zweifelsfrei französischen. Sie hat die Kenntnisse und ich vertraue ihr unbedingt.


    Über die Bahnpoststempel in Frankreich kann ich Dir keine seröse Auskunft geben. Das müssen andere für mich übernehmen. Bei der Recherche hier im Forum wurden etliche Briefe aus Bayern nach Frankreich gezeigt, aber die Rückseite wurde öfters vergessen.


    LG


    wuerttemberger

    Die Reihenfolge der Stempel ist ganz klar. Der Brief wurde von Ludwigshafen nach Forbach geschickt und erhielt dort seinen Grenzeingangsstempel. Dann hat dieser Brief Frankreich nicht mehr verlassen. Woher sollten auch die Postler in Forbach wissen, dass ein kleiner Ort in Luxemburg gemeint sein könnte? Ohne Leitvermerk ist das unmöglich!

    Bayernspezi

    Ich kann Dir noch eine kleine Hilfe an die Hand geben.

    Schaut man die Adresse genauer an, so vermisst man jeglichen Leitvermerk. Also muß es sich um einen bekannten Ort handeln, der in der Nähe lag oder einen weiter entfernten Ort, den die Postbeamten zu dieser Zeit kannten. Die Frankatur spricht schon für eine größere Entfernung. Ein kleiner Ort in Luxemburg war sicherlich nicht allgemein bekannt und erforderte zwingend einen Leitvermerk, denn sonst war eine richtige Weiterleitung nicht möglich.

    Die Schreibweise Befaurt für Belfort ist natürlich für uns heute eine harte Nuss zu knacken, aber damals hat man nicht selten so geschrieben wie man gesprochen hat und manchmal noch einen Buchstaben verschluckt oder hinzugefügt. Die Postbeamten in Ludwigshafen hatten aber den richtigen Riecher und den Brief flugs an die französische Grenze spediert. Was sich allerdings die Franzosen bei der Schreibweise gedacht haben wird wohl für immer im Dunkeln bleiben ....

    Die württembergische Taxe von Bopfingen bis Heilbronn betrug 6 Kreuzer. Der badische Transit hat dann 4 Kreuzer gekostet. Man sieht das auch an den unterschiedlichen Rötelstiften. Der Bruchstrich und die 4 sind von der gleichen Hand geschrieben.

    Der folgende Beleg gefällt mir ganz besonders, zeigt er doch in hervorragender Weise, wie die normalen Überwachungsstellen gearbeitet haben.


    Brief vom 20. Nov. 1915 aufgegeben durch den königlichen Hoflieferanten Peter Rixius aus Ludwigshafen nach Lausanne in der Schweiz. Der Brief wurde zuerst postalisch bearbeitet und der Maschinenstempel von Ludwigshafen hat auf der Rückseite einen fetten Abklatsch hinterlassen. Die Briefklappe war dabei eingesteckt. Die Überwachungsstelle hat den Brief zensiert und ihn dann mit dem Verschlußzettel zugeklebt. Der Bandstempel geht unter der Briefklappe weiter, das kann man aber nicht zeigen, ohne den Brief zu beschädigen.

    Immer wenn man es eilig hat kommt mal wieder was dazwischen.

    Hier eine Eilbotenkarte des Schweizer Konsulats in München nach Kriens im Kanton Luzern.


    Es ging um eine Eheschließung und bei den bewegten Zeiten damals konnte man es schon mal eilig haben. Leider kam ein Postsperre dazwischen und die eilige Postkarte vom 18. Okt. 1915

    wurde erst am 22. Okt 1915 auf den Weg gebracht. Der R2 " aus militärischen Gründen verzögert" erklärte die uneilige Versendung. Hoffentlich war es noch nicht zu spät ...