Beiträge von Erdinger

    Servus Schorsch,

    für dieses Phänomen, dass man entweder auf dem Brief alle Leistungen oder 20 Pfennige auf dem Rückschein frankierte, habe ich auch noch keine Lösung. Eine Erklärung, die gerne vorgebracht wird, ist, dass es sich im letzteren Fall um nachträglich verlangte Rückscheine handelte, woran ich nicht so ganz glaube. (Auch bei deinem Brief sieht man, dass der Rückschein von vornherein vorgesehen war.) Einer weiteren Erklärung zufolge hat das mit dem Emolumentenwesen zu tun, was ich noch weniger glaube.

    Lieber Ralph,

    für die Kreuzerzeit ist das Fenster für korrekt behandelte Briefe mit Rückschein sehr eng. Erst im 1868 wurde Gegenseitigkeit im Rückscheinverfahren zwischen dem Norddeutschen Bund und den USA vereinbart (im November 1868 in den USA bekanntgegeben). Davon haben auch Württemberg und Bayern profitiert, die ihre Post in die Vereinigten Staaten in der Regel der Post des Norddeutschen Bundes anvertrauten.

    Servus Schorsch,

    guter Fang!

    Zweifel angesichts der Gewichtsgrenze von 20 Gramm spielte für deutsche Absender insofern keine große Rolle, als un- oder unterfrankierte Briefe immer auf dem direkten Weg zu instradieren waren. (Siehe die entsprechende bayerische Verordnung, abgedruckt im RB 78, S. 6039.) Wenn die Frankierung eines Briefs selbst in der sechsten oder siebten Gewichtsstufe für den direkten Weg ausreichte, ging er über Hamburg oder Bremen nach New York.

    Die Amerikaner hatten sogar einen gewissen Vorteil gegenüber deutschen Postkunden: Das Gewicht der einfachen Briefe ab USA durfte eine Unze (28,35 Gramm) betragen – in Gegenrichtung nur 20 Gramm.

    ... um auf #446 zurückzukommen: Zum Glück habe ich schon etwas Ähnliches, allerdings Jüngeres:

    Brief von Marktheidenfeld nach Columbus, Ohio, 15. Januar 1910. UPU-Auslandsfranko für den einfachen Brief 20 Pfennige, jeweils 20 Pfennige für Einschreiben und Rückschein frankiert, entsprechende handschriftliche Vermerke unter dem Absendereindruck, wiederholt von anderer Hand auf Französisch: Avis de Reception. Der dreizeilige rote Kastenstempel in drei Sprachen wurde vermutlich auf dem Weg von Hamburg oder Bremen in die USA bei der Bearbeitung im Schiffspostamt abgeschlagen. In New York kamen alle europäischen Einschreiben in verplombten Briefbeuteln an und wurden sofort an fünf regionale Distributionszentren (»interior post offices«) oder den New York zugewiesenen Distrikt weiterverteilt (Eingangsstempel der New York Registry Division vom 27. Januar). In den USA war der Einschreibdienst unabhängig von der gewöhnlichen Briefpost organisiert und obligatorisch mit der Ausstellung von Rückscheinen verbunden.

    Der Brief kam am 29. Januar 1910 in Columbus an, erwies sich unter der Adresse 954 New York Avenue allerdings als unzustellbar. Nachforschungen bzw. Ausschreibungen (Stempel »UNCLAIMED« bzw. »Second Notice/FEB 1 – 1910«, gestempelte bzw. handschriftliche Bearbeitungsvermerke 26529 und 30258) blieben ergebnislos. Diese Dokumentation sowie die rote Notiz Name not in city directory gehen auf die 1907 aktualisierte Section 948 der Postal Laws and Regulations von 1902 zurück. Auf jeder unbestellbaren eingeschriebenen Briefsendung sollte nach dreißig Tagen Aufbewahrung der Grund der Unzustellbarkeit vermerkt werden, ehe die Weiterleitung ins Dead Letter Office in Washington erfolgte. In gleicher Weise wurde der Rückschein behandelt, der nicht von der Sendung getrennt werden durfte. Am 28. Februar wurde der Brief in Columbus ans Dead Letter Office abgefertigt, wo er am 2. März 1910 unter der Nummer 63179 im Buch 39 des laufenden Verzeichnisses eingetragen wurde. Das Dead Letter Office bearbeitete täglich zehntausende Sendungen. Weil der Absender deutlich erkennbar war, wurde der Brief ohne Öffnung mehrfach mit dem Stempel »RETOUR« gekennzeichnet und nach Marktheidenfeld zurückgeleitet, wo er am 27. März 1910 wieder eintraf und offenbar zu den Akten genommen wurde.

    Ja eh, deshalb im Konjunktiv ...

    Da kann man (fast) den ganzen Weg verfolgen, in New York umgeschrieben mit neuem E-Zettel, in Chicago zweimal ausgehängt (oder in der Zeitung ausgeschrieben, müsste man ermitteln), dann nach Washington ins Dead Letter Office und von dort über NY retour. Immerhin hatte der Absender seinen Namen auf der Rückseite hinterlassen, sonst hätte die Rückbriefstelle tätig werden müssen.

    Liebe Freunde,

    ich kann noch zwei aus 1956 beisteuern:

    Dorfen, 3.8.1956, H2-integriert, 10,5 kg (»4 Steins«), DM 18,65

    Erding, 8.8.1956, H2-integriert, 3,8 kg, DM 6,75

    Ist die jeweils gestrichene Wertangabe auf den Paketkarten ein Hinweis auf zollamtliche Abfertigung (etwa »erledigt, übertragen in eine Liste, Paketkarte bleibt ja hier in Hamburg«)?

    Hallo Harald,

    stimmt, #5 ist eine feine Sache. Bremen ist eines der exklusivsten altdeutschen Gebiete, deshalb ist es auch wichtig, das Vorwort zu lesen – in diesem Online-Archiv stecken zwei Jahrzehnte Arbeit drin. Till Neumann ist zudem Bremen-Prüfer und hat Zugang zu Originalmaterial, nicht nur zu Auktionskatalogen und Homepages.

    Um es auf den Punkt zu bringen, du brauchst für deine Datenbank:

    • mindestens einen Koordinator für die Zusammenarbeit der ArGen
    • einen oder mehrere Ansprechpartner in den jeweiligen ArGen
    • mindestens einen Administrator für die Datenbank
    • eine Datenbank, die programmtechnisch aktuell bleibt
    • zahlreiche (!) verlässliche (!!) Zuarbeiter über einen längeren Zeitraum (!!!), die nach einheitlichen Kriterien arbeiten (!!!!)
    • mehrere Sachbearbeiter mit Administratorenrechten, die das revidieren, was die Zuarbeiter angesichts der Menge des Materials zwangsläufig übersehen, und die darauf achten, dass alles so getaggt ist, dass man es auch wiederfindet, wenn man danach sucht

    Ist ja alles ganz einfach, man muss ja nur die Kräfte bündeln. Allein bei Philasearch sind für den Bereich Altdeutschland derzeit rund 35.000 Angebote registriert, davon entfallen auf Bayern schon rund 7.500. Was ist davon wichtig oder datenbankreif, was nicht?

    Um es einmal drastisch zu formulieren: Komisch, immer wenn man zu bequem ist, selbst etwas zu machen, dann fallen einem die ArGen ein.

    Es ist ja schön, dass den ArGen so viel zugetraut wird. Allerdings wird deren Leistungsfähigkeit merkwürdigerweise gerne überschätzt. Die meisten ArGen sind froh, wenn sie ihren Vorstand vollständig besetzen können. Das heißt vier Leute, die auch nur über je ein Gehirn, zwei Augen, zwei Arme (nicht etwa acht) verfügen und ihre Freizeit für ihr Spezialgebiet opfern. Ein Hobby wohlgemerkt, kein bezahlter Vollzeitjob. Die Vernetzung der ArGen untereinander beruht meist auf persönlichen Kontakten/Freundschaften, nicht auf offiziellen Kanälen.

    Und da will ich jetzt gerne mal aus dem Nähkästchen plaudern: Etwa 20 bis 30 % der Mitglieder sind für Jahrestreffen mobilisierbar, wobei die Anwesenheitszahl bei der eigentlichen Hauptversammlung meist drastisch abfällt. Etwa 10 bis 15 % der Mitglieder liefern Beiträge für den Rundbrief, einige regelmäßig, die meisten sporadisch. Der Rücklauf bei gezielten Aufrufen im Rundbrief ist spärlich bis nicht vorhanden.

    Die meisten Mitglieder beschränken sich auf ihre Sammlungen, ohne Anspruch auf bleibende schriftliche Werke oder größeres Engagement. Das respektiere ich und ich freue mich, wenn sie zu einem unserer Treffen kommen. Sie unterstützen unsere Arbeit durch ihre Mitgliedsbeiträge.

    Harald, ich lese immer gerne deine Beiträge über Blattgestaltung und darüber, wie viel Zeit und Überlegung du in jedes einzelne Blatt steckst. Ich beneide dich, denn als Rundbriefredakteur seit 2016 und zweiter Vorsitzender einer ArGe seit 2017 habe ich diese Zeit eher nicht (und hatte sie vorher schon aus beruflichen Gründen nicht):

    2011: Rundbriefe 1-25 eingescannt, Scans bearbeitet und schick gemacht (Ränder/Flecken entfernt), durchsuchbare PDFs erstellt, Register erarbeitet, für CD-Rom vorbereitet, rund 1000 Seiten180 Stunden
    2014: Rundbriefe 26-50 eingescannt, Scans bearbeitet und schick gemacht (Ränder/Flecken entfernt), durchsuchbare PDFs erstellt, für CD-Rom vorbereitet, kein Register erarbeitet wegen Augenkrankheit120 Stunden
    2016: Übernahme der Rundbriefredaktion/-gestaltung mit neuem Layout, zwei Hefte pro Jahr mit rund 100 Seiten samt Druckabwicklung80 bis 120 Stunden pro Ausgabe, nicht eingerechnet das Verfassen eigener Beiträge
    2016: Band 1 der neuen Schriftenreihe gestaltet mit Layoutentwicklung und Druckabwicklung, 88 Seiten plus Einband50 Stunden
    Seit 2017: mit Peter Zollner Stamm-Standbesetzung bei der Münchner Briefmarkenmesse/Philatelia zwei bis drei Tage im Jahr
    2019/2020: Stempelhandbuch von Dr. Joachim Helbig eingescannt, Scans bearbeitet und schick gemacht (Ränder/Flecken entfernt), durchsuchbare PDFs erstellt, rund 2000 Seiten 160 Stunden
    2019: Jahresgabe »Die Verwendung der bayerischen Quadratausgabe in der Rheinpfalz« gestaltet mit Layoutentwicklung und Druckabwicklung, 136 Seiten70 Stunden
    2022/23: Drei Bücher unserer Schriftenreihe gestaltet mit Layoutentwicklung und Druckabwicklung, zusammen etwa 700 Seiten300 Stunden

    Das ist nur der leicht darstellbare Teil. Es geht mir weder darum, meine persönlichen Verdienste herauszustreichen noch darum, zu jammern. Denn meine Kollegen an der ArGe-Spitze haben ebenfalls eine Menge zu tun, um den Laden am Laufen zu halten, und das ist in anderen ArGen nicht anders. Ich gebe hier nur einen subjektiven Einblick. Und ja, ich weiß, wie man Arbeit organisiert, denn ich arbeite beruflich mit hohem Termindruck. Und ja, ich nutze bereits automatisierte Bearbeitungsmöglichkeiten in Indesign, Photoshop etc.

    Tut mir Leid, das muss jetzt an dieser Stelle einfach mal raus (und ist auch nicht persönlich gemeint, Harald), denn diese Frage kommt mit großer Regelmäßigkeit in Foren auf und wird durch ständiges Wiederholen weder sinnvoller, noch kommt sie ihrer Verwirklichung jemals näher: Ich habe es satt, wenn von Leuten, die keine Ahnung von der Leitung auch nur eines größeren Vereins und insbesondere von der praktischen Umsetzung ihrer leicht dahingesagten Idee haben, die spärliche Freizeit anderer, bereits Engagierter vorsorglich in Anspruch genommen wird, und sei es auch nur wohlgemeint und als Gedankenspiel. Ist alles doch im wohlverstandenen Eigeninteresse der ArGen und für die Zukunft der Philatelie wichtig yatatayatatayatata ...

    Wer so etwas wie eine laufend gepflegte Altdeutschland-Datenbank möchte, ist aufgerufen, sie selbst auf die Beine zu stellen. Sicher ein schönes Hobby, aber ganz sicher nicht meines. In einem so fehlertoleranten und von Rechthaberei kaum angekränkelten Gebiet wie der Philatelie ist das sicher eine überaus dankbare Aufgabe, die reichlich Befriedigung verschafft.

    Einmal Andy Warhol, bitte (schwarz = 1541, magenta = 1542) . Sehr praktisch, dass im Sem-Katalog beide Stempel direkt nebeneinander abgebildet sind – da stimmen wenigstens die Größenverhältnisse.

    Beim älteren Stempel ragt die 8 unten heraus.

    Beim jüngeren sind alle Ziffern annähernd gleich groß, mit kleineren Abständen, wie Kilian schon schreibt. Außerdem ist die 8 alla Pisana nach rechts geneigt.

    Liebe Freunde,

    die von Ungarn-1867 in #7 gezeigte VO von 1862 steht in diesem Jahrgang übrigens nicht alleine:

    Hier noch die in Martins Beitrag in der Quelle zitierte VO von 1858:

    Meine Vermutung: Dr. Zangerle könnte sich in der Zeile vertan und diejenige zitiert haben, die den Versand von Briefen nach Hawaii beschreibt – da stehen tatsächlich 33 Kreuzer.

    Wenn mich mein getrübter Verstand nicht trügt, gab es 1862 vier Versandwege:

    über England 30 x

    über Frankreich 30 x

    über USA 39 x

    über Preußen/USA 52 x