Beiträge von Erdinger

    Lieber Heribert,


    das ist ja noch fast ein Jugendbildnis!

    Gegen Ende seines Lebens war Lothar Anselm etwas fülliger geworden und trug eine Art Beatles-Haarschnitt.


    Lieber Heribert,


    ein Freund von mir, der theologisch viel beschlagener ist als ich, wirft auf solche Portraits nur einen müden Blick und sagt dann: »Aha, ein Germaniker*!« Damit bringt er zum Ausdruck, dass Habitus und vor allem Haartracht sich deutlich von Vertretern der alten Reichskirche wie Karl Augusts Vorgänger Lothar Anselm unterscheiden. Die Ersteren kämmten die der Tonsur entgangenen Haare nach hinten, die Letzteren eher nach vorn. Das muss man auch erst mal wissen.


    * ehemaliger Seminarist im Collegium Germanicum in Rom

    Hallo Tim,


    danke sehr für die Tipps, sehr hilfreich. Man findet für diesen Soldaten sogar die Stammkarte aus der Kartei des Internationalen Roten Kreuzes in Genf!

    Billom gehörte, wie du schon schreibst, zur 13., Romans aber zur benachbarten 14. Militärregion.

    Der rechte Stempel ist leider sehr schlecht abgeschlagen, aber nach etwas Herumspielen mit diversen Filtern könnte da schon eine »13e Région« stehen. Ist das jetzt ein Leit- oder ein Zensurstempel? »Viser« heißt soviel wie anstreben, zielen. »PG visé« könnte also heißen, der Kriegsgefangene wurde in die 13. Militärregion verlegt.

    Ich ließe mich aber mit Freuden eines Besseren belehren.

    Liebe Freunde,


    einen Brief aus meinem Heimatbereich in ein Kriegsgefangenenlager nach Frankreich im Ersten Weltkrieg konnte ich bisher noch nicht vorweisen. Deshalb hat es mich gefreut, dieses Stück aus den USA repatriieren zu können. Kleines Plus am Rande: der Reservestempel von Lengdorf vom 7. Februar 1917. Damit können wir die Verwendungszeit etwas strecken (bei Holzmayr bisher nur vom 2. Februar verzeichnet).

    Vor Jahren hätte ich eine Postkarte kaufen können, aber da saß der Stempel nur halb drauf, hier ist der Ortsname wenigstens klar und vollständig lesbar.



    Über ein Lager in Billom im Département Puy-de-Dôme in der Auvergne konnte ich bisher noch nichts herausfinden. Zensiert wurde anscheinend in Romans(-sur-Isère im Département Drôme?).


    Est-ce qu’il y a de littérature conçernant les dépôts des Prisonniers de guerre allemands en France et la censure de lettres ?

    Hallo Björn,


    zunächst einmal müsste ein sehr viel schärferer Scan vom planen Original vorliegen (800–1200 dpi bei Originalgröße), am besten alles von einem Scanner mit immer gleichem Setup. Selbst dann gibt es noch genug Kantenunschärfen und Farbverläufe, die einem Bearbeiter das Leben schwer machen. Da ist je nach Abschlagqualität also noch viel Handarbeit nötig.


    Deshalb sind in praktisch allen mir bekannten Stempelhandbüchern die Abbildungen von Hand nachgezeichnet oder mit dem Computer generiert. Ganz früher hat man beim Fotografen mit Farbfiltern gearbeitet, aber das war noch im Schwarz-Weiß-Zeitalter. Bei Photoshop gibt es vergleichbares, da muss man im Farbbereich aber sehr genau wissen, was man tut.


    Was spricht eigentlich dagegen, den Fond so zu belassen und nur störende Elemente wie Schriftzüge zu beseitigen?

    Außerdem legt man die Latte für Stempelfälscher minimal höher.


    Ich könnte aber mal einen Freund in der Reprobranche fragen, wenn Details bekannt sind (Anzahl der zu bearbeitenden Stempel, zeitlicher Rahmen etc.).

    Hallo Dampfmaschine,


    willkommen im Forum.


    Was mich angeht, wäre mir der Ansatz (noch) zu radikal. In eigenen Beständen zu blättern, hat schon etwas. Ich kann aber das Prinzip gut verstehen, weil für mich der intellektuelle Reiz das reine "Habenwollen" stets übersteigt. Ich führe mehrere digitale Sammlungen zu Registraturzwecken. Wenn ich all dies Material physisch mein Eigen nennen wollte, müsste ich Massen von Briefen kaufen, die ich weder brauche noch jemals wieder verkaufen könnte, ich müsste anbauen und würde irgendwann vermutlich den Überblick verlieren.


    Ich kenne auch den vom Ausstellungswesen abgeleiteten Gedanken, dass man möglichst alle Belege, die man im Rundbriefbeitrag einer ArGe zeigt, selbst haben muss. Wenn ein Kunsthistoriker alle Gegenstände oder Werke, die er für eine Forschungsarbeit braucht, anhand eigener Sammlungsstücke beschreiben müsste, gäbe es diese Disziplin nicht. Wer stellt sich schon einen gotischen Dom in die Wohnung?


    Die sogenannten philatelistischen Großsammler haben mich ebenfalls nie wirklich beeindruckt. Ich will ihnen die grundsätzliche Kenntnis nicht absprechen, aber ob sie immer wussten, was sie hatten? Manche konnten Millionen ausgeben, aber nie einen roten Heller dafür erübrigen, ihre Pretiosen fachgerecht beschreiben zu lassen, ehe sie im Tresor verschwanden. Das überließen sie Prüfern und Auktionssachbearbeitern.


    Wer "nur" digital sammelt, hat ein Problem nicht: Die in der Philatelie (besonders in den Foren) leider sehr verbreitete Rechthaberei und das gegenseitige Herabsetzen ("Mein Stück ist besser", "Ich habe mehr Ahnung als du") jucken einen überhaupt nicht ...


    Auf der anderen Seite lassen sich mit einem Original in der Hand im Gespräch viele reizende, kenntnisreiche Sammlerfreunde kennenlernen, auf deren Freundschaft man nicht mehr verzichten möchte. Und das Fluidum eines 150 Jahre alten (oder noch älteren) Briefs ist einfach unübertroffen.


    Also, chacun à son goût, und das ist auch gut so.

    Liebe Freunde,


    S.A.R. = Son Altesse Royale, Seine Königliche Hoheit


    Der Titel Herzog (oder aktuell die Herzogin) von Brabant (Betonung übrigens auf der ersten Silbe, Brábant, nicht wie in Deutschland so häufig zu hören auf der letzten) bezeichnet seit 1840 die jeweiligen belgischen Thronfolger.

    Lieber Klaus,


    die Pfarrämter fungierten damals als Standesämter (zivile Standesämter wurden erst im Deutschen Reich eingeführt), deshalb waren sie "königliche Behörden".


    Zum Tarif von 1810: Es wurden niemals halbe Kreuzer abgerundet. Man hört es zwar hie und da, aber dadurch wird es nicht richtiger. Es wäre auch völlig unnötig gewesen: Die 7 Kreuzer standen ganz regulär im Tarif.


    Ich finde das "Porto jenseits" auch immer ganz hübsch, besonders auf Kirchenbriefen ...

    Lieber Ralph,


    das ist die typische rußige Stempelfarbe von Erding in dieser Zeit, die auch ein wenig zu Schmierspuren neigt.

    Bei eBay gab’s ja mal einen Sem-attestierten Brief mit wiederverwendeten Marken, ebenfalls vom Landgericht, auch aus dieser Zeit. Der tauchte dann dieses Jahr bei Gärtner und danach bei den Auction Galleries auf, wo er dann verkauft wurde, wenn ich mich recht entsinne.

    Liebe Freunde,


    bei diesem Brief (Inhalt hat er leider keinen) darf man sich aussuchen, auf wann man ihn datieren möchte:

    a) farbige Entwertung durch Ortsstempel nach dem März 1869

    b) Spätverwendung einer Nr. 15 in der „blauen Periode“ der bayerischen Stempelungen Herbst 1871 bis 1873.


    Der rückseitig abgeschlagene, seltene kleine Einkreiser von Siegelsdorf ist keine große Hilfe. Weder nach Rütger noch nach Sem ist eine eindeutige Datierung möglich.

    Die Angabe im Sem-Stempelkatalog, wonach Langenzenn-Bahnhof wohl 1872 in Siegelsdorf umbenannt worden sei, ist irreführend. Bis zur Eröffnung der Stichbahn Siegelsdorf–Langenzenn am 25. Mai 1872 befand sich der vorgelagerte Bahnhof von Langenzenn nirgendwo anders als in Siegelsdorf (Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg). Das Hof- und Staatshandbuch von 1867 kennt keine Expedition namens Langenzenn-Bahnhof, sondern nur Siegelsdorf. Auch Eugen Hartmanns Geographisch-statistisches Orts- und Post-Lexikon Mittelfranken von 1865 nennt nur Siegelsdorf mit eigenem Zustellbezirk.


    Für mich sieht die etwas wässrige, leicht violett getönte Stempelfarbe eher nach „blauer Periode“ aus.

    Hallo Christian,


    Ebern und Obermoschel gehören zu den „Rückzugsgebieten“, in denen sich Stempel des Typs 20 länger hielten als andernorts. Die Stempelpflege war allerdings in beiden Expeditionen sehr unterschiedlich. Das Exemplar in Ebern erhielt trotz seines schlechten Zustands 1887 sogar wieder eine Jahreszahl eingepflanzt.



    Eine Transplantation völlig anderer Art fand in Neustadt an der Saale statt: Hier wurde unten im Stempel das Wort „STADT“ eingesetzt, zur Unterscheidung vom Bahnhof an der ab 15. Dezember 1874 durchgängig befahrbaren Bahnlinie Schweinfurt–Meiningen. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle des Stempels eigentlich die Jahreszahl. Der Stempel ist in dieser Form 1876 nachgewiesen. Der Stempel vom Bahnhof gehört dem Helbig-Handbuch zufolge mit 150 Punkten zu den selteneren.