Von nicht so schönen Briefen

  • Unter dem Thema


    Mühlradstempel-Besonderheiten


    findet sich der Hinweis von valesia "Es soll jeder sich so mit seinem Brief verhalten, wie es ihm am Besten gefällt."


    Das haben sich leider auch frühere Sammler so gesagt und Briefe nur unter praktischen Gesichtspunkten betrachtet, also z.B. den Inhalt so reduziert, dass er in das Album passte. Dadurch sind sie kaum noch für die heimatgeschichtliche Forschung zugänglich, wie dieser Portobrief zeigt. Und er sieht nicht besonders attraktiv aus :rolleyes: Ich habe noch weitere Briefe die bei einer Schönheitskonkurrenz keine Chance hätten, aber sie dürfen so bleiben wie sie sind. Schließlich habe ich Respekt vor einem hohen Alter :)



    Wer kann den Absender entziffern oder kennt ihn aus Mainz? Adressiert an Freiherrn von Guttenberg in Würzburg. Innen war eine Rechnung, aber total zerschnitten und unbrauchbar, keine Namen zu lesen. Nur die Rückseite ist schön mit 2 x Zweikreis von Wü mit der Jahreszahl 1857 und der tiefersitzenden 7 (immer schön anzuschauen).



    Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

  • Hier ein positives Beispiel von vollständig erhaltenen 6seitigen Schreibens, aufgegeben als Einschreiben - Chargé von Wü - Burggrumbach. Frankiert mit 7 Kr. 25xa (gepr. Brettl) und Einkreis Würzburg von 1872.



    Marke ablösen? Zum Glück für mich nicht, da so eine Korrespondenz nachvollzogen werden kann.

    Weitere Beispiele werden sich finden lassen.


    Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

  • Lieber Werner,


    wer Philatelie als Postgeschichte, Geschichte per se und als Vermächtnis vergangener Generationen ansieht, dazu noch Forschung und Korrespondenzanalyse betreibt, für den relativiert sich die Optik stark und die Entsorgung bzw. das Ausschneiden von Marken, Siegeln oder Stempel (ja, das gibt es ja auch) ist keine Lösung, sondern ein Problem.


    Man würde wohl auch keine Rubens entsorgen, weil nach Jahrhunderten mehr Restaurationsfarbe auf der Leinwand klebt, als der Meister seinerzeit vermalt hatte. "Was dem einen sein Uhl, ist dem andern sein Nachtigall" ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph


    Du hast zwar Recht mit deiner Aussage. Auch ich sehe dies so. Aber wird man nicht von vielen Seiten der Philatelie genau auf dieses Perfekt sein, super aussehen, makellos erscheinen gezüchtet?

    Wird man nicht wegen genau diesen Schönheitsidealen kritisiert wenn es nicht so ist wie man es gerne hätte oder gar will? Andere Anschauungskriterien werden vielfach einfach ignoriert usw.

    Ist es nicht so?

  • Guten Morgen St.G.,


    gerade was ältere Belege anbelangt betrachte ich diese immer unter den Gesichtspunkt:


    zeig mir erst einen besseren, wenn es denn einen anderen gibt.


    Rolf- Dieter

  • Lieber Rolf-Dieter


    Ganz ehrlich, du sprichst mir aus der Seele

    👍👍👍

    Ich bin absolut deiner Meinung!!!

  • Lieber José,


    der Mensch (vulgo: Sammler) unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er eine eigene Meinung hat, die nicht werbungs- oder triebgesteuert sein muss. Wenn ich Puppen (also Luxus hoch 2) sammle, was ich sehr gut nachvollziehen kann, dann wird meiner Meinung nach Luxus das A und O einer Sammlung darstellen, dem nachzueifern das höchste Ziel sein muss.

    Wenn ich reine Postgeschichte (PO) betreibe und Papier, Tinte, Taxen und Stempel als Mittel zum Zweck ansehe, ist die optische Attraktivität völlig in den Hintergrund gerückt zugunsten von Erkenntnis und Forschung. Solche Sammlungen sind nicht "schön" für den Betrachter, sondern "interessant" für Kenner der Materie. Dr. Mathà hat mal eine reine Forschungssammlung zum Kirchenstaat gezeigt, die potthässlich war, nicht ein Brief schön, aber in seiner Aussagekraft schwer zu überbieten.

    Umgekehrt gibt es (nicht hier im Forum!) Sammlungen, die wunderschöne Marken mit traumhaften Abstempelungen zeigen, aber kein fachliches Gerüst erkennen lassen und einfach nur die hübsche Blondine zeigen, die alle anlächelt und von allen angelächelt wird, aber keinen Eindruck zu hinterlassen vermag und man geht in kurzer Zeit über sie hinweg.


    Der Handel usw. ist primär an hochinteressanten Stücken interessiert, die fast allen Sammlern fehlen und somit eine hohe Nachfrage garantieren, bzw. an wunderschönen Stücken, die ob ihrer Attraktivität nicht so häufig sind und über diesen Hebel Begehrlichkeiten wecken. Im Idealfall ist ein äußerst seltener Brief in perfekter Erhaltung mit vielen seltenen, wunderschönen Stempelabschlägen gesegnet und wird dadurch zu einem extremen Liebhaberlos, für das nach oben zurecht keine Grenzen gelten. Die Werbung hat dafür dann Schlagworte wie: "Brief erzielt 5.000% über Michel" oder ähnliche, dümmlich - plakative Aussagen parat, die mit dem realen Sammlerleben nichts zu tun haben, wie auch Zuschläge für die größten Weltraritäten im Millionenbereich nichts mit der Welt der Philatelie im Allgemeinen zu tun haben, weil sie für 99,99% der Sammler irrelevant auf ihr Sammelverhalten sind und sie schon von daher keinen Einfluß in ihr zukünftiges Handeln darstellen können. Anders gesagt: Weil eine blaue Mauritius für 5 Millionen Euro zugeschlagen wurde, kauft kein Bund und Berlin - Sammler morgen Ersttagsbriefe der Mongolei in großen Mengen auf, weil es keine sammlerische, wirtschaftliche und wertmäßige Korrelation zwischen Bund, Berlin, FDC der Mongolei und der Erstausgabe von Mauritius gibt und gab.


    Die einstmalige Wertsteigerung postfrischer Posthornsätze in den 70er und 80er Jahren war nie eine Pressemeldung wert, obwohl sie Hunderttausende von Sammlern tangierte und deren Vermögen besser aussehen ließ; dieselbe Presse feiert aber euphorisch die höchsten Zuschläge von Marken, die kaum einer je gesehen hat, geschweige denn sammelt, obwohl das für die große Masse der Sammler keinerlei Auswirkungen auf sie hat, weder sammlerisch, noch wertmäßig, noch sonstwie.


    Wer also von der Presse bzw. den Werbenden und beruflich damit Handelnden auf etwas gehievt wird, mit dem er ganz, ganz wenig zu tun hat, sollte sich überlegen, diesen Intentionen zu folgen, oder nicht besser doch realistisch zu bleiben. Luftschlösser sind keine Erfindung von Philatelisten, aber philatelistische Luftschlösser gibt und gab es schon in riesiger Zahl ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Absolut einig.

    …..und trotzdem wird genau nach diesen genannten Kriterien oft beurteilt.

    Gut geschrieben lieber Ralph.


    Dies bestärkt mich, auch weiterhin Briefe die nur den

    2. Platz in dem Schönheitswettbewerb erreichen in meine Stempelsammlung zu nehmen.

    Wie oben schon geschrieben, erst muss man einen 2. oder besseren kennen bevor man kritisiert….

  • Auch bei schönen Puppen, pardon Briefen kann ein Sammler Erkenntnis und Forschung zeigen!


    Elemente, die nach dem Schreiben von Vorbesitzern auf die Rückseite des Briefes kamen (Preisnotizen, Falze, Scotch etc.) entferne ich ohne Hemmungen. Eine Trockenreinigung ist das Befreien des Briefes vor Staub usw. und dies erachte ich persönlich als notwendig und legitim.


    Der von Luitpold gezeigte Brief geht sicherlich in Ordnung und hätte wohl nur eine kleine Trockenreinigung notwendig.


    Weitere Reinigungsschritte (wässern etc.) sind jedem selbst überlassen.

  • Liebe Freunde,


    die Diskussion verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe 2 Preußen-Ganzsachen 7 Sgr (Oktogone) nach England mit dem R2 CLEVE, die auch keine Puppen sind. Allerdings sind mir in dieser Kombination bisher nur meine beiden Belege bekannt geworden. Auch Frau Brettl und Herr Stegers von Friebels Auktionen haben in ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit solche Belege noch nicht gesehen. Eine Anfrage in der Arge auch Fehlanzeige. Ein Sammler in der Nähe hat angeblich noch eine solche Ganzsache, die ich allerdings noch nicht gesehen habe.

    Soll ich jetzt diese Belege aus der Sammlung entfernen, weil sie nicht den Vorstellungen von einigen Sammlern entsprechen? Immerhin lagen ca. 20 Jahre zwischen dem Erwerb dieser beiden Ganzsachen. Vom Preis dafür will hier besser nicht sprechen.


    liebe Grüße

    Dieter

  • Ich denke, der Vergleich hinkt. Es käme wohl niemand in den Sinn ein Unikat oder einen äusserst seltenen Brief nicht zu zeigen, nur weil er nicht „rein“ ist.


    Deshalb werden ja Briefe auch vorher beurteilt, welche Reinigung soll vorgenommen werden bzw. was könnte eine Reinigung bringen bzw. welches Risiko ist damit verbunden bzw. lohnt es sich überhaupt etc.? Diese Frage kann durchaus mit nein beantwortet werden und der Besitzer zeigt den Brief wie er ist.


    Nochmals, es kommt auf den „Gusto“, die „Philosophie“ des Eigentümers darauf an. Wer entscheidet selbst oder durch einen Fachmann eine Reinigung eines Briefes vorzunehmen und bereit ist Geld in die Hand zu nehmen und das Risiko zu tragen, sollte aber auch nicht von den Vertretern der „Unberührtheit“ eines Briefes verurteilt werden.

  • Zeig doch auch die die nicht gelungen sind, denn sonst bekommen vielleicht zuviele Lust es auch zu probieren ohne die allfälligen Konsequenzen zu kennen.

    Ich kann von beidem berichten.

  • Hallo,


    brauchst du den Beleg nach Kleve mit Weiterleitung nach Amsterdam noch? Der würde gut in meine Sammlung incoming mail passen. Da es keine Nachtaxierung gibt, war in Kleve bekannt, daß das Fräulein nach Amsterdam gereist war. Wie die beiden Briefträger-Stempel zeigen, konnte die Karte nicht beim 1. Versuch zugestellt werde. Nette Karte. :) :thumbup:


    beste Grüße

    Dieter

  • Hallo Sammlerfreunde,

    hier ein Beispiel eines Briefes, der leider einiges über sich ergehen lassen musste. Anscheinend wurde erst das Briefstück mit den Marken ausgeschnitten und anschließend der Brief zum Wegwerfen zerknüllt. Dann kam dem Übeltäter wohl die Einsicht, dass wohl der gesamte Brief hier irgendwie zusammenbleiben sollte. Also wurde der Brief notdürftig wieder versucht herzurichten und das ausgeschnittene Briefstück eingefügt.

    Das Ergebnis seht ihr hier.

    Ob ich den irgendwie wieder hinbekomme??

    Gruß

    bayernjäger


  • .... sollte aber auch nicht von den Vertretern der „Unberührtheit“ eines Briefes verurteilt werden.

    Hier wird niemand verurteilt und zurück zum Ausgangspunkt der Diskussion, Marke ablösen, weil es eben nur um den Stempel, nicht um den Brief gehen sollte.


    Dazu ein Beispiel. Der Brief liegt gesondert offen auf einem normalen Albumblatt im Archivkarton wie andere auch und bleibt auch so. Die Marken ablösen, reinigen, restaurieren - wozu?

    Bei den Los-Beschreibungen auf Auktionen muss allerdings auf solche Reinigungen hingewiesen werden, sind also nicht mehr ursprünglich. Je nach Seltenheit und Besonderheit kann das preislich eine Rolle spielen.


    Es gibt zumindest bei Bayern noch erstaunlich viele weitere vergleichbare schönere Briefe (also hier ausdrücklich Unikate ausgeschlossen) und vielleicht wird der Nachbesitzer eine ganz andere Meinung haben.


    Wie bayern klassisch schon ausführlich darstellte und auch andere so meinen ist das Sammlungsthema entscheidend.



    Bei diesem Brief war einfach der Ort (Hundsbach mit damals ca. 280 Seelen), der Empfänger, der mich interessierte.


    Oftmals sind das sogenannte "Beifänge" in Posten. Ich nehme sie in die Sammlung, schön sind sie zwar nicht, aber es gibt zum Glück noch viele andere, schönere und wie hier auch schon gesagt - die solche weniger schönen Briefe ersetzen (ich bewahre sie sicher im Archivkarton).


    Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).