Aus Ulm mit Postaufgabe in Neu-Ulm

  • Liebe Freunde,


    heute möchte ich ein Thema anschneiden, dass der liebe johelbig bereits vor vielen Jahren in der Zeitschrift "Die Postgeschichte" aus dem Haus Schwarzenbach erstmalig aufgefasst hat. Es geht um das Thema der Postaufgabe von Briefen aus dem großen, württembergischen Ulm im kleinen, aber sehr nahe gelegenen Neu-Ulm in Bayern. Die meisten Briefe gab man wohl auf, um sich Porto/Franko zu sparen.


    Andere gibt es, bei denen nichts gespart wurde, aber unterstellt werden kann, dann man über die Donaubrücke mit mehreren Poststücken gelaufen war, bei denen man in Bayern Geld sparen konnte und bei anderen eben nicht. Auch (oder gerade) diese sind interessant.


    Ich beginne meine Trilogie mit einem herrlichen Brief einer 4I vom 2.7.1850 aus Ulm/Neu-Ulm nach Nürnberg, für dessen Erwerb ich dem lieben maunzerle sehr dankbar bin. :)


    Der württembergische Absender schrieb und gab ihn am selben Tag auf. Wir erinnern uns, dass einen Tag zuvor der DÖPV in Kraft trat und ab diesem Datum auch in Bayern erstmals Portobriefe teurer als Frankobriefe waren - eine Tatsache, die damals ungeheuerlich war, kosteten doch bisher alle Briefe, egal ob porto oder franko, stets das Gleiche.


    Aber unser schlauer Schwabe scheint wohl informiert gewesen zu sein, denn er wollte nicht ein württembergisches Porto bis Neu-Ulm zahlen und auch das Inlandsporto Bayerns nach dem Reglement vom 1.12.1810 hätte ihn sehr gestört, sah dies doch allein für die Strecke Neu-Ulm bis Nürnberg von 19 Meilen bis 8,75g schon 8 Kr. vor. Bei einer Postaufgabe in Bayern galt nun aber das Loth mit 15,625g und, da er hierfür einfach war, das Maximalfranko über 12 Meilen von nur 6 Kr..


    So zahlte er nicht 2 Kr. für Württemberg und 8 Kr. für Bayern = 10 Kr., sondern nur total 6 Kr.. Dennoch schadete er sowohl der württembergischen, als auch der bayerischen Postkasse!


    Als auch Württemberg schon am 1.9.1851 in den DÖPV kam, waren die Gewichte längst vereinheitlicht, nicht jedoch die Entfernungen. Nun galten die 3 Rayons bis 10, über 10 bis 20 und über 20 Meilen in direkter Linie zwischen der Auf- und Abgabepost (Achtung: Nicht zwischen Aufgabe- und Abgabeort!).


    Am 31.3.1860 frankierte ein Ulmer in Neu-Ulm mit 3 Kr. einen einfachen Brief nach Dietmannsried korrekt. Von Ulm aus hätte er auch nur 3 Kr. gekostet, denn Dietmannsried lag nur 9 Meilen entfernt, so dass es dann ein Postvereinsbrief des 1. Rayons gewesen wäre. Nun war es ein Bayernbrief des 1. Rayons bis 12 Meilen, was auf das gleiche hinaus kam. Offenbar hatte man an dem Tag Post in viele Teile Bayerns dabei und gab den halt in Neu-Ulm mit auf, weil man sich nicht noch in Ulm anstellen wollte.


    Der 3. Brief mit einer ganz dunklen 9b datiert vom 23.2.1867 und lief nach Fürth. Hier haben wir nun eine deutliche Ersparnis, denn als Frankobrief von Ulm hätte er bei einer Entfernung von 19 Meilen 6 Kr. gekostet, weil in Bayern aber zum 1.8.1865 einfache Briefe nur noch 3 Kr. frankiert kosteten, sparte er sich so eben 3 Kr..


    Es wäre schön, weitere Ulm - Briefe hier sehen zu können. ^^

  • Hallo Bayernfreunde,


    ich kann nur einen Brief Ulm / Neu-Ulm beisteuern.


    Er wurde am 28.1.1853 von Veit Kuhn in Ulm geschrieben und am nächsten Tag - wohl zusammen mit anderen, nach Bayern adressierten Briefen - in Neu-Ulm aufgegeben. Auch bei diesem Brief war - wie bei Brief 2 von Bayern klassisch - mit der Aufgabe in Neu-Ulm eine Portoersparnis nicht verbunden.


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Lieber bayern klassisch,


    leider ist ein Scan derzeit nicht möglich, aber wozu auch? Oben gibt es so einen ähnlichen. Und Du kannst den einfachen, gewöhnlichen Brief sicherlich Dank Deiner riesigen Briefsammlungen und Kenntnisse auch so vor Deinem „geistigen Auge“ entstehen lassen.


    Der Brief von einem Absender aus Ulm ist von blauem Normal-Papier, ein Doppelbogen mit Anschreiben und Rechnung von 1864. Adressiert an den Herrn Poschacher (und spätestens jetzt kannst Du Dir den Brief vorstellen, nach Deiner Aussage von hier Poschacher-Korrespondenz!)


    Auf der Briefvorderseite rechts oben klebt eine blaue Sechsermarke* (4 Schnittlinien!), der MR ist mittig hinein gestempelt, aber undeutlich dank des dunklen Blaus der Marke. Schräg links daneben der deutliche Ortsstempel „Neu-Ulm“ mit den merkwürdig „eckigen Rundungen“ des hohen Halbkreises.


    Der Absender hat noch seinen blauen ovalen Firmenstempel rechts oben aufgedrückt.


    Also ein „BLAUER-BRIEF“, dessen Beschreibung wohl so begänne: Ulm – Neu-Ulm – Tittmoning ...


    Mit herzlichen Grüßen
    Luitpold


    * so bezeichnete der Landtagsabgeordnete Freiherr von Stauffenberg die 6 kr.-Marken!


    PS Der Beitrag soll das Thema "wachhalten" - es gibt doch unzählig viele Briefe von Neu-Ulm - oder ?(

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

  • Lieber Luitpold,


    vielen Dank fürs Wachhalten des Threads - ich bin sicher, dass andere auch noch Ulmer - Neu-Ulmer Briefe haben und sie noch zeigen werden.


    Ja, den Brief kenne ich - aber ich kann nicht alle haben und suche derzeit noch einen Brief aus Neu-Ulm, der in Ulm Richtung Württemberg aufgegeben wurde und so vlt. 3 Kr. billiger war.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    obwohl nicht mein Sammelgebiet, kann ich dazu zwei Briefe zeigen.
    Der 1.Brief nach Illertissen hat keinen Inhalt, daher keine Datierung möglich. Vielleicht aber eine Eingrenzung aufgrund des Stempels (1.Verteilung?).
    Der 2. Brief nach Weilheim vom 30. Mai 1865 ist eine Rechnung über eine Kiste Kernseife, die per Bahn nach Starnberg geliefert wurde.
    Ich denke, in beiden Fällen liegt keine Portoersparnis vor, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.


    Gruss kantonal

  • Hallo kantonal,
    den ersten Brief nach Illtertissen datiere ich auf 1851, evtl. noch 1852. Er trägt eine Marke von Platte 2a in eher früherem Druck, und auch der gMR-Stempel wirkt noch nicht abgenutzt, weshalb mir 1851 am wahrscheinlichsten erscheint.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo kantonal,
    den ersten Brief nach Illtertissen datiere ich auf 1851, evtl. noch 1852. Er trägt eine Marke von Platte 2a in eher früherem Druck, und auch der gMR-Stempel wirkt noch nicht abgenutzt, weshalb mir 1851 am wahrscheinlichsten erscheint.


    Hallo mikrokern,


    vielen Dank für diese Info. Ich hatte nicht erwartet, dass man das so genau bestimmen kann.


    Grüsse kantonal

  • Lieber Bayern Klassisch,


    Glückwunsch zu diesem Sahnestück, der Weltbestand sollte damit zum grossen Teil bei Dir liegen :P:P

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Lieber bayern klassisch,
    Da ist es nur gut, dass ich, der nur einen normalen Umtauschbrief kaufen wollte und natürlich nicht an diesen kleinen Grenzverkehr dachte, hier im letzten Moment doch nicht mitgeboten habe. Denn dieser Brief ist wohl beim König der Grenzgängerbriefe doch besser aufgehoben. Wunderbar, dass er ein solches Innenleben offenbarte. Ein Glück, das nur der Sammler mit Näschen verdient!


    Liebe Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Lieber maunzerle,


    den Titel "König der Grenzgängerbriefe" lasse ich mir auf meine Visitenkarten schreiben - das ist der Ausdruck des Jahres. :P:P:P


    Ich hatte halt Glück - tüchtig war ich nicht, jedenfalls hier nicht. ^^

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,


    Ulm - Neu-Ulm einmal in die Gegenrichtung.


    Trotz Porto immer noch billiger als direkt bis Ulm!


    Waldmünchen - Neu-Ulm vom 16.11.1866, mit 3 Kr. korrekt frankiert nach dem Tarif ab 1.8.1865. (3xr für ganz Bayern)
    Ankunftstempel Neu-Ulm vom 18.11.
    Dort als Nachsendebrief nach Ulm behandelt und mit 3 Kr. Porto belegt. DÖPV 1. Entfernungszone, bei Nachsendung ohne Portozuschlag.
    Distributionsstempel von Ulm 19.11.


    Der Brief aus Waldmünchen zum DÖPV-Tarif hätte 9 xr Franco erforderlich gemacht.


    Eine interssante Möglichkeit 3 Kr. zu sparen, die ich so noch nicht gesehen hatte.


    Gruß
    bayernjäger

  • Liebe Freunde,


    unlängst einen Neu - Ulm - Brief gekauft, von dem ich gehofft hatte, dass er aus Ulm über die Donau geschmuggelt worden wäre. Datum 18.11.1867, würde also passen (ab dem 1.1.1868 war es ja egal, weil alle Briefe nur noch 3x in den Vertragsstaaten kosteten und sich der Briefeschmuggel nicht mehr lohnte).


    Dann habe ich ihn erwartungsvoll geöffnet und dachte, mich tritt ein Pferd - Inhalt aus Vaihingen vom 11.11.1867, also eine satte Woche später, als aufgegeben. Von Vaihingen nach Neu - Ulm waren es gut 100 km, aber eine Woche lang hätte auch ein falsch besohlter Invalide kaum gebraucht, nicht mal bei derzeitigem Gegenwind.


    Aber egal - ein wunderschöner Briefkopf entschädigte für das Fehlen der Ulmer Herkunft und irgendwie werde ich den auch noch dort einbauen, denn bei dem Thema ist man für jeden Brief froh, der halbwegs in den 1-Rahmen-Wettberwerb zu bekommen sein wird.

  • Liebe Freunde,


    auf solch einen Brief wartete ich noch, hielt seine Existenz für möglich, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich und dann kam er zum Sofortkauf in der Bucht an und musste nicht lange dort verweilen.


    Vom württembergischen Stadtschultheißenamt Ulm wurde ein Dienstbrief (!) an das bayerische Landgericht Lauingen frankiert und chargiert abgesandt, der am 22.7.1867 6 Kr. Franko und 6 Kr. Recogebühr kostete. Aber nicht etwa in Ulm, wie sich das gehört hätte, sondern in Neu-Ulm, was die Aufgabepost wohl so stark verwirrt hat, dass sie den roten Chargé - Stempel sogar gegen die Vorschrift siegelseitig abschlug, was man bei Baden hin und wieder, bei Bayern aber praktisch nie findet. Voila - hier kam alles zusammen.


    Unter der Reco - Nr. 703 aufgenommen, wurde er am selben Tag in Lauingen zugestellt. Der Inhalt betrifft eine verlorene Rechtssache einer bayer. Dame, die für die Kosten aufzukommen hatte. So war der einen Pech des anderen Glück!


    Die Entfernung war hier überhaupt nicht ausschlaggebend, denn Ulm und Lauingen lagen im 10 Meilen Rayon, der nur 3 Kr. bei der Aufgabe frankiert gekostet hätte. Aber als Postvereinsbrief wäre er mit 3 Kr. je Loth zu frankieren gewesen, während er nun als innerbayerischer Brief bis 15 Loth wiegen durfte, um maximal 6 Kr. wie hier zu kosten. Also dürfen wir davon ausgehen, dass er mindestens in der 3. Gewichtsstufe lag, so dass sich der illegale Grenzübertritt über die Donau gelohnt hatte.


    Wenn ich jetzt noch einen bayerischen Brief aus Neu-Ulm fände, der in Ulm aufgegeben wurde ...

  • Wenn ich jetzt noch einen bayerischen Brief aus Neu-Ulm fände, der in Ulm aufgegeben wurde ...



    Lieber bayern Klassisch,


    also wenn das einem Sammler gelingt, dann Dir...also drücke ich Dir die Daumen :thumbsup::thumbup::P


    Glückwunsch zu dem tollen Neuzugang in Deine Contra Sammlung :thumbup:

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Lieber bayern klassisch,


    dann gratuliere ich recht herzlich zu diesen Schmuckstück
    und wünsche viel Erfolg bei der Suche nach dem Gegenstück.


    Beste Grüße von VorphilaBayern