Beiträge von mikrokern

    Hallo,

    hier ein bayerischer "Fast-Feldpostbrief" aus (751) Arnstorf an den Soldaten Eduard Lindinger, beim ersten Infanterie Regiment bei der 3ten Kompagnie beim Reservebatalion" in München, Ankunft 21.7.1866.

    Während die Stammeinheiten des 1. IR in die Kämpfe der bayerischen mobilen Armee bei Nüdlingen (10.7.66) und später am 25.7.66 im Raum Helmstadt/Uettingen verwickelt waren, verblieb das Reservebataillon des Empfängers in der Garnison München und blieb daher von den direkten Kampfhandlungen verschont. Da der Empfänger des Briefs also nicht "dislocirt" war, war seine Korrespondenz nicht unter der Feldpost-Franchise portobefreit, weshalb der Brief vom Absender mit 3 Kr. frankiert werden musste,

    Hallo,

    dieser Brief hat zwar (noch) nicht direkt mit dem 66er Krieg zu tun, dient aber zur Arrondierung meines Sammelgebietes.

    Unter der Feldpost-Franchise beim preußischen Feldpost-Relais No. 13 in Rendsburg am 1.5.1866 aufgegebener Brief nach Templin (3.5.1866) von der Ehefrau des Majors Haack vom 4. Posenschen IR No. 59 mit Kassenanweisungen im Wert von 30 Talern; der Inhalt ist privat-geschäftlicher Natur ohne Bezug zur politischen Situation. Für „dislocierte“ Militärs – aber nicht deren Familienangehörige! - war die Beförderung von Wertbriefen bis 50 Talern portofrei, was Frau Haack offensichtlich ausgenutzt hat.

    Dänemark musste nach der Niederlage 1864 gegen Preußen und Österreich die Herzogtümer Schleswig und Holstein abtreten. In der Gasteiner Konvention vom 14.8.1865 regelten beide Großmächte ihre gemeinsame Herrschaft über die Elbherzogtümer: Preußen verwaltete Schleswig und Österreich erhielt die Verwaltung von Holstein zugesprochen. Da die Festung Rendsburg Bundesfestung und der Hafen Kiel Bundeshafen werden sollten, erhielt Preußen zudem das Privileg, an diesen beiden Standorten in Holstein preußische Soldaten zu stationieren. Am 7.6.1866 wurde Rendsburg von preußischen Truppen vollständig besetzt, und die Österreicher verließen Schleswig (Ausbruch des Krieges).

    Der Brief stammt aus der Zeit der preuß. Besatzung von Rendsburg durch Einheiten des IR 59. Das Regiment hat dann in der Folge mit der Division Manteuffel den Hannover- und Mainfeldzug mitgemacht.

    Lieber Jürgen,

    vielen Dank für diese Statistik der Leitungen von Sachsen nach Paris!

    Aber wo steht eine 5 (als Gesamtporto von 5 Ngr.) auf dem Brief? Ich sehe nur die 6 Decimes, sowie gestrichene 9 und 8 (Kr.) = 2 1/3 Ngr für den PV.

    ... Gerade von Paris finden sich Abweichungen vom vorgegebenen Leitweg Preußen in nennenswerter Zahl. Die meisten davon liefen über Frankfurt, ...

    Beste Grüße

    Altsax

    Lieber Jürgen,

    dann kann man davon ausgehen, dass die Leitung über Kassel nach Paris nicht zwangsläufig kriegsgeschuldet war, sondern eben auch Usus zu Friedenszeiten. Hatte schon gehofft, dass man den Leitweg über Preußen aus Kriegsgründen (Feindesland) hatte vermeiden wollen.

    Kannst Du sagen, welchen ungefähren Anteil die Post von Sachsen über TuT (Frankfurt) gegenüber Leitung über Preußen einnahm?

    Lieber Ralph,

    warum wurde die 9 gestrichen? Korrektur eines Rechenfehlers?

    Und die Notation der 8 bedeutete in diesem Fall Vergütung von 8 Kr. durch Frankreich an TuT als Abgabepost im PV, die das (= 2 1/3 Gr.) wiederum an Sachsen als Aufgabepost zurückzahlten?

    Hallo,

    dieser als Portobrief von Leipzig am 7.7.66 nach Paris (Ankunft 12.7.66) gesandte Brief -leider ohne Inhalt - gibt mir doch einige Rätsel auf. Der Absender war entweder Handlungsreisender oder Angestellter der in Lörrach ansässigen Firma KB&C (Köchlin, Baumgartner & Cie.) und benutzte mit dem Firmenstempel versehenes Briefpapier.

    Warum lief der Brief über Kassel und Mainz? War das in Friedenszeiten der Standardleitweg von Sachsen nach Paris, also via Thurn und Taxis? Ich hätte die Leitung über Preußen (also Hannover oder Kreiensen, Köln, Erquelinnes) erwartet.

    Am 7.7.66, wenige Tage nach der Schlacht von Königgrätz und den ersten Gefechten der preußischen Main-Armee gegen die Bayern, war am 6.7. Fulda von den Preußen besetzt worden. Die Main-Weser-Bahn, die Hauptverbindung zwischen Frankfurt und Hannover, war schon seit Ende Juni unterbrochen, als im Rahmen des Hannover-Feldzugs preußische und auch süddeutsche Truppen die Schienen südlich von Kassel aufgerissen hatten, um dem jeweiligen Gegner keine Truppentransporte zu ermöglichen.

    Von daher verbot sich eigentlich die Spedierung des Briefs von Leipzig über Erfurt und Eisenach nach Kassel, obwohl diese Verbindung nach der Kapitulation der Hannoveraner am 29.6. sehr schnell wieder instandgesetzt worden war. Umso unverständlicher ist die Leitung von Kassel (2 Stempel vom 9.7.) nach Mainz (11.7.), also über Frankfurt. Wenn dafür also keine Eisenbahn zur Verfügung stand, gab es dann eine Ersatzverbindung per Postkutsche? Ich konnte dazu in der Literatur nichts finden, jedoch ist in verschiedenen Zeitungen der notwendig gewordene Umweg über West- und Süddeutschland zu lesen:

    Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen, No. 27 (7.7.66): „Der Verkehr auf der Hessischen Ludwigsbahn über Bingen hinaus, und der Verkehr auf der Nassauischen Bahn wurde, nach Mittheilung aus Köln, am 29. Juni unterbrochen, nachdem Bingen und Oberlahnstein von Preussen besetzt wurden. Der Fahrpostverkehr zwischen Preussen und Süddeutschland, welcher seit dem Ausbruch des Krieges bis jetzt noch über die Route Bingerbrück-Köln vermittelt werden konnte, ist, wie das Amtsblatt der Kgl. Württemberg. Verkehrsanstalten vom 30. Juni mittheilt, nunmehr ganz unterbrochen, und ist der Briefpostverkehr nach und über Preußen derzeit nur noch auf dem Wege über Ludwigshafen und Neunkirchen resp. über Frankreich möglich. Desgleichen macht das Frankfurter Oberpostamt unterm 3. Juli bekannt, dass der Fahrpostverkehr mit Preussen eingestellt sei…“

    Wormser Zeitung (8.7.66): „Aus Bingen (4. Juli, wird der Köln. Z. geschrieben): … Eben gehen alle Briefe aus Bingen nach Mainz von hier auf der Rhein-Nahebahn bis Neunkirchen und von da auf der Bexbacher Bahn über Kaiserslautern und Mannheim an ihren nur sechs Stunden entfernten Bestimmungsort. Selbstverständlich sind diesem kolossalen Umwege auch die vom Niederrheine kommenden Correspondenzen nach Mainz, Frankfurt und Süddeutschland unterworfen.“

    Die Main-Weser-Bahn wurde nach Einzug der Preußen in Frankfurt erst am 20.7. wieder für den Zivilverkehr freigegeben.

    Wußte man in Leipzig nichts von der Sistierung der Main-Weser-Bahn und der Umleitung aller Post über Köln? Zumal der Brief nach Paris und nicht in den Süden ging…

    Die weitere Leitung des Briefes von Mainz nach Paris war dann mittels Bahnpost über Worms, Ludwigshafen, Neunkirchen nach Forbach, wo der Austausch mit Frankreich stattfand.

    Und last not least – auch die Taxierung gibt mir Rätsel auf. Die in blau angeschriebenen 2 1/3 (Ngr.) dürften den Anteil Sachsens darstellen. Zusätzlich sieht man aber auch handschriftlich 8 und 9 (Decimes?), sowie den französischen Portostempel „6“, der wohl das endgültige Porto widerspiegelt. Für eine differenzierte Erklärung wäre ich sehr dankbar.

    Hallo,

    hier ein Feldpostbrief vom Portepee-Fähnrich Oberbeck der 3. 12-pfdg. Batterie des Westfälischen Feld-Artillerie-Regiments No. 7 in der 13. Infanterie-Division (Division Goeben) an einen Gastwirt in Rothenuffeln bei Minden, in dem der Schreiber seinen Wunsch nach einer Nachsendung von liegengelassener persönlicher Offiziersausrüstung aus Minden, wo er sich offensichtlich vorher in einem Hotel aufgehalten hatte, äußert.

    Der Fähnrich schrieb den Brief am 18. oder 19.6.1866 in Hüpede (bei Hannover), wo seine Einheit ihr Quartier bezogen hatte. Nach der kampflosen Besetzung der von der hannoverschen Armee verlassenen Stadt am 17.6.66 sollte die Division aber bereits am 19.6. nach Göttingen marschieren, wo sich die Hannoveraner gerade versammelten. Offenbar gab es zum Zeitpunkt, als der Brief geschrieben und expediert werden sollte, keinen Postdienst durch eine die Feldpost besorgenden Ordonnanz mehr aufgrund des anstehenden Abmarsches der Division, so dass der Brief erst nach Erreichen von Göttingen (22.6.) am darauffolgenden Ruhetag (23.6.), als die Feldpostexpedition der 13. ID ihren Betrieb wieder aufgenommen hatte, bearbeitet und abspediert wurde.

    Interessanterweise hat der Schreiber im Brief das Datum weggelassen, möglicherweise weil er nicht wusste, wann der Brief zur FPE gehen und dort bearbeitet werden würde.

    Hallo,

    um der Verwässerung entgegenzutreten, hier ein thread-konformer Feldpostbrief vom 2. Bataillon Halle des 2. Magdeburgischen Landwehr-Regiments No. 27 von Erfurt (20.6.1866) nach Dessau (21.6.1866)

    In der Aufmarschphase der Preußen während des Feldzugs gegen das Königreich Hannover waren verschiedene Landwehr-Bataillone im Raum Erfurt/Gotha/Eisenach im Einsatz. Das 2. Bataillon Halle war im Rahmen des Krieges mobilisiert worden und wurde wahrscheinlich als Besatzung der Zitadelle Petersberg in Erfurt als Ersatz für von dort verlegte Einheiten eingesetzt, da weitere Korrespondenz dieser Einheit aus Erfurt aus dem Sommer 1866 bekannt ist.

    Das Landwehr-Bataillon Halle hatte keinen Kampfeinsatz und nahm auch nicht am Mainfeldzug teil.

    Hallo,

    hier ein Feldpostbrief eines Unteroffiziers aus dem 8. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 70 von Wetzlar (14.6.1866) an einen Freund in Berlin (Ankunft 15.6.). Das in Saarlouis garnisonierte Regiment wurde im Mai 1866 nach Wetzlar mobilisiert, um für einen bevorstehenden Krieg für einen Angriff auf Kassel, Hannover oder Frankfurt bereit zu stehen. Zusammen mit anderen Regimentern, die ebenfalls in Wetzlar konzentriert wurden, bildeten sie die Division Beyer.

    Der Inhalt:

    "Lieber Alfons,

    Ihren Brief sowie die Einlage, die Sie so freundlich waren mir zu übermachen, habe ich richtig und mit Dank erhalten, freilich auf einem ziemlichen Umweg, wie ich auf der Adresse gesehen habe, nämlich über Halle, Erfurt, Minden & Coblenz. Sonderbar aber nichts weniger als unangenehm haben mich in meiner kriegerischen Umgebung Ihre Nachrichten aus dem holden Reich der Musen berührt. Meinen schönsten Dank dafür.

    Meine Lage hier ist noch genau dieselbe wie vor 9 Wochen, so schlecht wie die meiner Kameraden in Schlesien & Sachsen allerdings nicht, aber doch schlecht genug, um sich sehnlich daraus zu wünschen. Jugend, da haben Sie Recht, darüber können wir nicht klagen. Vorigen Sonntag war ich z.B. mit den Offizieren meiner Compagnie per Wagen nach Braunfels herübergespritzt. Das war die reizendste Partie, die man sich denken kann. Das Städtchen Braunfels selbst mit seinem Schloß liegt ganz exquisit schön. Auf dem Schlosse residiert, wie Sie vielleicht wissen, der ?? Fürst von Solms-Braunfels mit seinem ganzen Hofstaate, Hof??, Hofherren und Damen, alles ganz wie dunnemals.

    Im Wildpark war Nachmittags Concert. Der ganze Hof war natürlich auch zugegen. Man verkehrte überaus zwanglos, und machte sich gar nicht viel daraus, mit dem ?? an demselben Tisch Platz zu nehmen.

    Von Politik hören und sehen wir soviel wie gar nichts. Der Wetzlarer Kreis ist von seinem Landrath wahrhaft musterhaft dressirt. Das einzige Blatt, das hier gelesen wird, ist das unter landräthlicher Oberleitung redigirte Kreisblatt, dem gratis die Prov. Correspondenz [= Provinzial-Correspondenz, halbamtl. preuß. Presseorgan] beigegeben wird. In Folge dessen – die gediegenste politische bildung, rührendes Vertrauen in die Männer der That, kurzum ein Idealzustand.

    Ich schließe mit den herzlichsten Grüßen und den besten Wünschen für das bevorstehende Examen. Ihre Arbeit de vi ist auf jeden Fall zeitgemäß.

    Niederbiel den 11ten Juni 66

    Ihr ergebener …

    Verzeihen Sie das ?? Aussehen meines Briefes. Auf dem verfluchten Papier ist es wahrhaftig eine Aufgabe zu schreiben."

    Schon am 16.6. waren die ruhigen Tage in Wetzlar vorbei, und das IR70 marschierte nach Kriegsausbruch (14.6.) nach Kassel, das am 19.6. besetzt wurde.