Beiträge von mikrokern

    Hallo,


    nachdem mir der liebe Ralph den Brief vermacht hat und ich ihn genau anschauen konnte, möchte ich hier noch eine kleine Korrektur bzw. Ergänzung anbringen.


    Mit dem Konskriptionsgesetz von 1812 waren in Bayern die allgemeine militärische Dienstpflicht auf 6 Jahre festgelegt und zahlreiche Gründe, dem Militärdienst zu entkommen, abgeschafft worden. Dennoch gab immer noch Möglichkeiten für die Befreiung von der Dienstpflicht. So gab es gab das Recht der Stellvertretung. Wohlhabende konnten sich freikaufen, indem sie einen „Einsteher“, der an ihrer Stelle aktiven Wehrdienst leistete, dafür bezahlten. Da zudem weniger aktive Wehrpflichtige eingezogen wurden als es Männer im wehrfähigen Alter gab, mussten die Dienstpflichtigen losen, wobei nur die mit den niedrigen Nummern tatsächlich in die Regimenter eingestellt wurden. Diejenigen mit höheren Losummern kamen „freigelost“ ungedient direkt zur Reserve. Dieses System blieb bis 1868 in Kraft.


    Um einen solchen ungedienten, „freigelosten“ Reservisten handelte es sich also im Falle von Bonifaz Maag, dem jetzt, nachdem die bayerische Armee mobil war und sich im Krieg befand, der unmittelbare Einzug ins Regiment drohte.

    Für weitere Daten hinsichtlich der handelnden Personen und der militärischen Lage bzw. des 11. Regiments wäre ich sehr dankbar.

    Hallo Ralph,

    ein interessanter Brief aus den Tagen des Aufmarschs der bayerischen Armee, die mit Datum 21.6. "auf Kriegsfuß decretirt" war.

    Am 22.6., dem Tag, als Dein Brief in Dietfurt verfasst wurde, lag die 3. Infanterie-Division (unter Generalleutnant von Zoller, der im Gefecht von Kissingen am 10. Juli fallen sollte) mit dem 11. IR (Oberst Straub) im Lager Schweinfurt, bevor sie am 24.6. nach Münnerstadt instradiert wurde und sich später in die Hohe Rhön aufmachte, wo es dann zu den ersten Gefechten zwischen Bayern und Preußen kam und das 11. IR beim Gefecht von Zella am 4.7. einen Verwundeten zu beklagen hatte.

    Klasse-Brief, der sich in meiner kleinen 66er Sammlung sicher wohl fühlen würde...!

    Hallo,

    der Vergleich mit akademischen Publikationen hinkt doch stark.

    Es geht hier nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse, die einer großen internationalen Fachwelt präsentiert werden und daher im Rahmen des etablierten "peer review" vor der Veröffentlichung geprüft werden müssen, sondern um empirisch gewonnene Einsichten und Hypothesen im Hobbybereich, die ganz informell den "Kollegen" präsentiert werden sollen. Dies gilt für die Philatelie genauso wir für die Periodika von "Jagd und Hund"...

    Wie sollte ein DASV- oder ArGe xy-Beitrag publiziert werden, wenn jedesmal die Kriterien an ein wissenschaftliches Journal angelegt würden, zumal es an kompetenten peers mangelt, sobald es hochspezialisierte Teilgebiete (wie Plattierung der MiNr. 2) betrifft, für die man die Zahl der dort "Aktiven" an zwei Händen abzählen kann?

    Die Schriftenreihe der ArGe Bayern versteht sich sicher nicht als wissenschaftliche Fachzeitschrift, sondern als Medium zur Präsentation von Spezialerkenntnissen und Informationsquelle für an einer Spezialthematik Interessierte, ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit!

    Hallo,

    der Brief mit der Münchberg-Halbierung würde sich sicher auch in meiner Sammlung wohlfühlen!

    Man müsste mal eine Bayreuther Zeitung aus diesen Tagen Anfang August 66 durchsehen, um evtl. Hinweise auf unterbrochene (bzw. wiederhergestellte) Eisenbahn- und Transportverbindungen sowie möglicherweise Notizen zu ausstehenden Briefmarkenlieferungen zu finden, wodurch die Periode der entstandenen Halbierungen gut eingegrenzt werden könnte.

    Zwar war mit der Ermächtigung zur Wiederherstellung des Postverkehrs am 3.8. durch den Großherzog von Mecklenburg, Oberbefehlshaber des II. Preußischen Reserve-Armeekorps, das über Hof nach Bayreuth gekommen war, auch die Re-Etablierung der Infrastruktur als Grundlage für eine normalisierte Güterbeförderung geschaffen worden, jedoch dürfte die Umsetzung bis hin zum Normalbetrieb einige Tage gedauert haben, womit der 8.8. dann wohl am Ende dieser "Durststrecke" gelegen haben dürfte.

    In der Neuen Würzburger Zeitung vom 7.8.66 ist zu lesen: "(München 5. Aug.) Aus zuverlässiger Quelle geht uns die Mittheilung zu, daß der Bahn- und Telegraphenverkehr auf der bayer. Staats- und Ostbahnlinie heute wieder eröffnet ist, mit Ausnahme der noch unterbrochenen Strecke von Hochstadt nach Hof und von Weiden nach Bayreuth..."

    Hallo,

    hier ein Postvereinsbrief von Köln nach Wien, abgesandt am 5.7.66 und angekommen am 8.7.66. Der Inhalt des Geschäftsbriefes ist leider ohne Kriegsbezug.

    Interessant dürfte wohl der Leitweg sein. Eine Leitung über Hannover-Leipzig-Dresden-Bodenbach-Prag halte ich aufgrund der Situation in Böhmen, 2 Tage nach der Schlacht von Königgrätz und Sistierung der sächsischen Eisenbahnverbindungen, für sehr unwahrscheinlich. Damit dürfte nur der Weg über Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau möglich gewesen sein, was allerdings ob fehlender Durchgangsstempel nicht beweisbar ist. Hat jemand hierzu eine "educated opinion"?

    Des weiteren interessant scheint mir die Anschrift "Johann Anton Ziegler Söhne". Ob es sich hierbei um die Nachfahren des bekannten Glasfabrikanten von der Kreuzhütte in Böhmen handelt, kann ich nicht sagen. Da der Absender aber von einer "Spiegel-Manufaktur in Stolberg und Mannheim" zeichnet, wäre dies durchaus denkbar. Demnach hätte es ein von Zieglers Söhnen in Wien geführtes Unternehmen gegeben, das ebenfalls in der Glasbranche tätig war.

    Ok, aber wenn dann Preußen genauso betroffen ist wie die norddeutschen Staaten und Skandinavien - warum ist dann keiner der gezeigten Briefe zwischen Bayern und Preußen über Frankreich gelaufen, und auch kein derartiger jemals aufgetaucht? Weils (gewichtsabhängig) teurer gewesen wäre bzw. die Umleitungsoption nicht genügend bekannt war?

    Dann würde mich mal ein Brief von Bayern nach Hamburg über Preußen interessieren, quasi als Pendant zur 170'000 EUR-Granate...

    Hallo,

    meine Interpretation der Verordnung 24'108 vom 18.7. ist, dass Preußen - anders als Skandinavien und die "norddeutschen Staaten" - nicht als von dieser Verordnung betroffene Destination angesehen wurde. Man hätte es dann doch wohl anders/präziser formuliert, etwa "... für Briefe nach den norddeutschen Staaten und Preußen für je 7 1/2 grammes...".

    Andernfalls, also falls Preußen wirklich als "norddeutscher Staat" angesehen wurde, stellt sich die Frage, ob es eine verpflichtende Verordnung oder eben nur eine Empfehlung bzw. ein Angebot (im Hinblick auf Sicherheit und Gewährleistung bei Transport und Zustellung der Post) war.

    Gegen "verpflichtende Verordnung" spricht dann sicherlich, dass mehrere Briefe im direkten Austausch Bayern-Preußen, aber keine via Frankreich bekannt sind.

    Aber sollte eine "Verordnung" nicht unbedingt verpflichtenden Charakter haben?

    So selten schon die Briefe von Bayern nach Hamburg oder Skandinavien via FR sein mögen, so ich hab noch keinen Brief von Bayern nach Preußen via FR gesehen (nachdem selbst SW-TR nicht durch Frankreich lief). Ich kann nicht glauben, dass es so etwas gibt...