Beiträge von mikrokern

    Hallo,

    hier ein Feldpostbrief vom Portepee-Fähnrich Oberbeck der 3. 12-pfdg. Batterie des Westfälischen Feld-Artillerie-Regiments No. 7 in der 13. Infanterie-Division (Division Goeben) an einen Gastwirt in Rothenuffeln bei Minden, in dem der Schreiber seinen Wunsch nach einer Nachsendung von liegengelassener persönlicher Offiziersausrüstung aus Minden, wo er sich offensichtlich vorher in einem Hotel aufgehalten hatte, äußert.

    Der Fähnrich schrieb den Brief am 18. oder 19.6.1866 in Hüpede (bei Hannover), wo seine Einheit ihr Quartier bezogen hatte. Nach der kampflosen Besetzung der von der hannoverschen Armee verlassenen Stadt am 17.6.66 sollte die Division aber bereits am 19.6. nach Göttingen marschieren, wo sich die Hannoveraner gerade versammelten. Offenbar gab es zum Zeitpunkt, als der Brief geschrieben und expediert werden sollte, keinen Postdienst durch eine die Feldpost besorgenden Ordonnanz mehr aufgrund des anstehenden Abmarsches der Division, so dass der Brief erst nach Erreichen von Göttingen (22.6.) am darauffolgenden Ruhetag (23.6.), als die Feldpostexpedition der 13. ID ihren Betrieb wieder aufgenommen hatte, bearbeitet und abspediert wurde.

    Interessanterweise hat der Schreiber im Brief das Datum weggelassen, möglicherweise weil er nicht wusste, wann der Brief zur FPE gehen und dort bearbeitet werden würde.

    Hallo,

    um der Verwässerung entgegenzutreten, hier ein thread-konformer Feldpostbrief vom 2. Bataillon Halle des 2. Magdeburgischen Landwehr-Regiments No. 27 von Erfurt (20.6.1866) nach Dessau (21.6.1866)

    In der Aufmarschphase der Preußen während des Feldzugs gegen das Königreich Hannover waren verschiedene Landwehr-Bataillone im Raum Erfurt/Gotha/Eisenach im Einsatz. Das 2. Bataillon Halle war im Rahmen des Krieges mobilisiert worden und wurde wahrscheinlich als Besatzung der Zitadelle Petersberg in Erfurt als Ersatz für von dort verlegte Einheiten eingesetzt, da weitere Korrespondenz dieser Einheit aus Erfurt aus dem Sommer 1866 bekannt ist.

    Das Landwehr-Bataillon Halle hatte keinen Kampfeinsatz und nahm auch nicht am Mainfeldzug teil.

    Hallo,

    hier ein Feldpostbrief eines Unteroffiziers aus dem 8. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 70 von Wetzlar (14.6.1866) an einen Freund in Berlin (Ankunft 15.6.). Das in Saarlouis garnisonierte Regiment wurde im Mai 1866 nach Wetzlar mobilisiert, um für einen bevorstehenden Krieg für einen Angriff auf Kassel, Hannover oder Frankfurt bereit zu stehen. Zusammen mit anderen Regimentern, die ebenfalls in Wetzlar konzentriert wurden, bildeten sie die Division Beyer.

    Der Inhalt:

    "Lieber Alfons,

    Ihren Brief sowie die Einlage, die Sie so freundlich waren mir zu übermachen, habe ich richtig und mit Dank erhalten, freilich auf einem ziemlichen Umweg, wie ich auf der Adresse gesehen habe, nämlich über Halle, Erfurt, Minden & Coblenz. Sonderbar aber nichts weniger als unangenehm haben mich in meiner kriegerischen Umgebung Ihre Nachrichten aus dem holden Reich der Musen berührt. Meinen schönsten Dank dafür.

    Meine Lage hier ist noch genau dieselbe wie vor 9 Wochen, so schlecht wie die meiner Kameraden in Schlesien & Sachsen allerdings nicht, aber doch schlecht genug, um sich sehnlich daraus zu wünschen. Jugend, da haben Sie Recht, darüber können wir nicht klagen. Vorigen Sonntag war ich z.B. mit den Offizieren meiner Compagnie per Wagen nach Braunfels herübergespritzt. Das war die reizendste Partie, die man sich denken kann. Das Städtchen Braunfels selbst mit seinem Schloß liegt ganz exquisit schön. Auf dem Schlosse residiert, wie Sie vielleicht wissen, der ?? Fürst von Solms-Braunfels mit seinem ganzen Hofstaate, Hof??, Hofherren und Damen, alles ganz wie dunnemals.

    Im Wildpark war Nachmittags Concert. Der ganze Hof war natürlich auch zugegen. Man verkehrte überaus zwanglos, und machte sich gar nicht viel daraus, mit dem ?? an demselben Tisch Platz zu nehmen.

    Von Politik hören und sehen wir soviel wie gar nichts. Der Wetzlarer Kreis ist von seinem Landrath wahrhaft musterhaft dressirt. Das einzige Blatt, das hier gelesen wird, ist das unter landräthlicher Oberleitung redigirte Kreisblatt, dem gratis die Prov. Correspondenz [= Provinzial-Correspondenz, halbamtl. preuß. Presseorgan] beigegeben wird. In Folge dessen – die gediegenste politische bildung, rührendes Vertrauen in die Männer der That, kurzum ein Idealzustand.

    Ich schließe mit den herzlichsten Grüßen und den besten Wünschen für das bevorstehende Examen. Ihre Arbeit de vi ist auf jeden Fall zeitgemäß.

    Niederbiel den 11ten Juni 66

    Ihr ergebener …

    Verzeihen Sie das ?? Aussehen meines Briefes. Auf dem verfluchten Papier ist es wahrhaftig eine Aufgabe zu schreiben."

    Schon am 16.6. waren die ruhigen Tage in Wetzlar vorbei, und das IR70 marschierte nach Kriegsausbruch (14.6.) nach Kassel, das am 19.6. besetzt wurde.

    Vielen Dank, wuerttemberger!

    Hätte jetzt erwartet, dass von Bruchsal kommende und für Nürnberg bestimmte Post bereits in Stuttgart umkartiert worden wäre, somit einen Stuttgarter Stempel aufweisen sollte. Aber offensichtlich wurde der Brief in einem durch Stuttgart und dann Cannstadt Richtung Ulm gehenden Zug befördert, sodass erst in Cannstadt auf die Remstalbahn umgeladen (und gestempelt) wurde.

    Hallo,

    nachdem man davon ausgehen kann, dass der Brief von Brief von Bruchsal auf der Westbahn Richtung Stuttgart (Zug Nr. 3) transportiert wurde, und später in Cannstadt (Stempel) auf der Remstalbahn nach Nördlingen fuhr, ist offensichtlich, dass er nie in Ulm war.

    Nicht ganz klar ist mir die Situation bzgl. Stuttgart/Cannstadt: liegt Cannstadt an der Westbahn, sodass der Brief gart nicht erst bis Stuttgart lief? Oder wie wäre sonst zu erklären, dass erst in Cannstadt gestempelt wurde, wenn der Brief bereits in Stuttgart auf die Remstalbahn umgeladen wurde und Cannstadt passierte?

    Hallo,

    nachdem der liebe Ralph mir den Brief vermacht und mich zum weiteren Nachdenken über den Leitweg angeregt hat, hier eine weitere Hypothese:

    Der in Ludwigshafen aus Kostengründen aufgegebene Brief wurde wieder nach Mannheim (per Trajekt) zurückbefördert und dort über Heidelberg-Bruchsal nach Stuttgart transportiert. Der württemb. Zug von Bruchsal nach Stuttgart trug auch die Nr. 3; der entsprechende Stempel wurde auf dem Weg nach Stuttgart abgeschlagen. Von Stuttgart gings über Cannstadt (Stempel) und Aalen-Nördlingen nach Nürnberg. Auf der Strecke Stuttgart-Ulm war der Brief nie unterwegs.

    Meinungen?

    Hallo,

    jetzt geb ich auch mal meinen Senf dazu. Wie Altsax richtig schreibt - "Eine Nummerierung soll es ermöglichen, jede Marke mit einer unverwechselbaren Codierung zu versehen. Diese Forderung erfüllt jede noch so unsinnige Nummerierung, solange sie allgemein verwendet wird."

    Solange eine eindeutige Zuordnung mit welcher Numerierung auch immer möglich ist, ist diese auch "richtig". Nur Mehrdeutigkeiten wären "falsch". Also könnte man auch mit Nr. 1000 beginnen und dann sukzessive herunterzählen. Das wäre völlig unlogisch, aber nicht falsch.

    Insofern ist die Michel-Numerierung vielleicht unglücklich oder unlogisch, aber aufgrund ihrer Eindeutigkeit nicht falsch. Genauso wie die ArGe-Numerierung nicht richtiger ist - sondern halt aufgrund ihrer chronologischen Zuordnung logischer.

    Vom Problem der durch eine andere Numerierung notwendig werdenden Korrektur oder Erklärung beider Systeme bei Katalogen, Publikationen, Ausstellungsbeschriftungen etc ganz zu schweigen, wie von Altsax treffend ausgeführt.

    Lieber Ralph,

    ich kann bestätigen, dass der württemb. Zug Nr. 3 die Strecke Stuttgart-Ulm bediente, und nicht Stuttgart-Aalen-Nördlingen-Gunzenhausen, wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

    Von daher verwundert mich dieser Stempel auf dem Brief. Aber die Leitung über Ulm könnte auch ein Versehen der Cannstadter gewesen sein, die bei den in diesen Tagen anfallenden Beeinträchtigungen der Postleitungen durch den Krieg auch mal falsch kartiert haben dürften.

    Hallo,

    wie schon richtig bemerkt wurde, war die Strecke Aschaffenburg-Würzburg nach Beginn des Vorrückens der preußischen Main-Armee gegen Frankfurt ab dem 11.7. nicht mehr fahrbar, dazu dies:

    Neue Würzburger Zeitung (12.7.66): „(Würzburg 11.Juli) Zwischen Lohr und Partenstein haben die württembergischen Truppen die Schienen aufgerissen“.

    Allerdings stimmt die Aussage "Dass der Brief über Baden lief (vermutlich über die Strecke Bruchsal–Stuttgart), zeigt, dass auch die Pfälzer Bahnanschlüsse (Ludwigshafen) bereits bedroht oder durch Truppenbewegungen der Preußen blockiert waren. " so nicht. In der bayerischen Pfalz gab es keine Preußen, und Ludwigshafen war zu keiner Zeit im Sommer 66 bedroht.

    Auch diese Aussage ist nicht korrekt: "In Cannstatt oder Stuttgart wurde er nicht direkt nach Norden (Heidelberg/Würzburg) geschickt, da dort die Preußen standen." Die Preußen kamen erst Ende Juli in die Würzburger Gegend, wo es zu Gefechten kam. Und Heidelberg wurde erst am 1.8.66 besetzt.

    Ich kann zu den Details der württemberg. Züge und ihrer Numerierung keine Aussage machen, hätte aber erwartet, dass der Brief via Karlsruhe-Stuttgart-Nördlingen-Gunzenhausen-Nürnberg spediert worden wäre. Ein Umweg über Ulm erscheint ungewöhnlich.

    Ein interessanter Kriegsumleitungsbrief!

    Hallo,

    hier ein privater Brief von Meppen (28.6.1866) an General von Falckenstein nach Hannover.

    Das sehr unterwürfige Schreiben ("An den vielgeliebten Hochköniglichen Commandirenden Herrn General als Landesvater...") betrifft die Klage eines Mannes aus Lindloh bei Meppen, der nach einem 1862 getätigten, nicht notariell beurkundeten Landkauf im Rechtsstreit mit dem Verkäufer steht. Der Inhalt hat keinen Bezug zum 66er Krieg.

    Das Schreiben wurde am 28.6.66 in Meppen aufgegeben und zunächst nach Göttingen als vermeintlichem Aufenthaltsort von Falckenstein gesandt, wo es am 29.6. ankam (rücks. Stempel). Dort hielt sich Falckenstein aber nicht mehr auf, und man strich sowohl das Porto von 1 ½ Gr. wie auch „Hannover“ als Destination und ersetzte dies durch „E…“, wohl für Eisenach, als neuem Standort des Hauptquartiers der preußischen Westarmee am 1.7.1866 nach der hannoverschen Kapitulation vom 29.6.66.

    Der Brief trägt den vorderseitig abgeschlagenen Stempel des Feldpostamtes vom 1.7.66 als Ankunftsstempel. Da nicht für zivilrechtliche Fragen im Königreich Hannover zuständig, ließ der General den Brief an "den königlich Preußischen Civilcommissarius, Ritter Herrn von Hardenberg, zur Erledigung und Bescheidung des Gesuchstellers" weiterleiten, mit Unterschrift "H.Q. Philippsthal d. 3ten Juli 1866, Der commandirende General v. Falckenstein".

    Auf Befehl des Königlich Preußischen Herrn Civil-Commissars hat das Königliche Ministerium des Innern aus die Anweisung ertheilt, den Herausgebern sämmtlicher Zeitungen unseres Verwaltungs-Bezirks eröffnen zu lassen, daß sie jede ungeziemende Sprache , welche eine Entstellung wirklicher Verhältnisse enthält, und wie solche in dem abschriftlich angeschlossenen Artikel des Alfelder Wochenblatts vom 11. d.M. sich kund gibt, zu vermeiden haben, und daß bei Zeitungen, welche dieser Anordnung sich nicht fügen, die gegen die Göttinger Zeitung verhängte Schließung der Druckerei werde in Anwendung gebracht werden.

    Wir beauftragen demgemäß den Magistrat der Stadt Dannenberg mit einer entsprechenden Eröffnung vorzugehen.

    Lüneburg, den 14. Juli 1866

    Königlich Hannoversche Landdrostei

    Allendorff

    Dieser Brief von der Königlich Hannoverschen Landdrostei (Verwaltungsbehörde) Lüneburg an den Magistrat zu Dannenberg vom 14.7.1866 spiegelt die Situation der Journalisten und Zeitungen hinsichtlich ihrer Befugnisse zu Art und Weise der Berichterstattung nach der Besetzung des Königreichs Hannover durch die Preußen als Folge der Kapitulation vom 29.6.66 wider. Man kann schon von einem Eingriff in die Pressefreiheit sprechen, wobei dies so oder noch verschärfter überall nach einer Niederlage und Okkupation durch den Sieger gehandhabt wurde, der keine Kritik oder Schmähung dulden wollte.

    Interessant wären in diesem Zusammenhang der erwähnte Artikel im Alfelder Wochenblatt (Alfelder Zeitung?) vom 11.7.1866, sowie Details zu den Hintergründen der Schließung der Druckerei in Göttingen.

    Hallo,

    hier ein Brief mit Stempel der hannöverschen Feldpost vom 28.6.1866, gerichtet an den Herrn Ober-Appellationsrath von Hugo in Celle (Ankunft Sonnabend 30.6.66).

    Interessant sind die Abfertigung durch die Feldpost und Beförderung des Briefes am Tag nach der Schlacht von Langensalza (27.6.) und einen Tag vor der Kapitulation der Hannoveraner (29.6.66). Bis auf einen zusätzlichen Beförderungstag haben die kriegerischen Ereignisse und die militärische Situation der hannoverschen Armee offenbar Behandlung und Transport des Briefes nicht beeinträchtigt.