Geschlossener Mühlradstempel "18" von Augsburg

  • Hallo Zusammen,



    ich würde hier gerne eine Diskussion und Zusammenstellung des geschlossenen Augsburger Mühlradstempels "18" starten. Auch wenn es sich hierbei um vielleicht einen der häufigsten und unspektakulärsten handelt.


    Ich hatte vor einiger Zeit damit angefangen, diese zu sammeln und war auf der Suche nach einer Abhandlung/Verwendung über die Augsburger Mühlradstempel, nicht fündig geworden. Peter Sem hat in seinem Spezialkatalog Band 1 eine Auflistung/Einteilung vorgenommen.


    Typ a: enger Abstand

    Typ b: weiter Abstand, schmale „8“

    Typ c: weiter Abstand, breite „8“, Fahne der „1“ fast rechtwinklig

    Typ d: weiter Abstand, Fahne der „1“ spitzwinklig


    Es gibt aus meiner Sicht auch mindestens 4 Typen, die Ich nun versucht habe, etwas detaillierter aufzuzeichnen und zu beschreiben. Warum „mindestens“ ? Ich habe bei der Beschreibung des TYP „c“ dahingehend eine Abweichung oder eine Ungereimtheit festgestellt. Entweder ist es eine Abnutzungserscheinung oder möglicherweise ein anderer Stempel.

    Auf jeden Fall passt es nicht so ganz zu der Formulierung "Fahne der "1" fast rechtwinklig".



    Was ist Eure Meinung hierzu und könnt Ihr ähnliches feststellen?


    Insbesondere bei den Verwendungszeiten würde ich auch Eure Unterstützung benötigen, da ich hier selber zu wenig an Material habe bzw. meine Datenbank noch nicht so alt ist.


    Ich würde mit über viele Beiträge, Ergänzungen oder auch sachliche Kritik, wenn ich etwas falsch gemacht habe, freuen.



    Gruß und vielen Dank.


    Ralf M.

    Staatswappen

  • Hallo Ralf,


    die Arbeit zur Nummer 18 ist echt gut, super. Ich schaue später mal ob ich noch mehr sinnvolles dazu finde...

    Mein Frühdatum mit der Nummer 18 vom Bahnhof ist der 24.4.1852 (da du geschrieben hast Bahnhof ab 04.08.1852)...

    Ich hätte auf die Schnelle noch einen Typ C gefunden, welcher nicht so sehr zu den gezeigten passt. Zwischen dem Aufstrich der 1 und dem senkrechten Strich der 1 ist kein Hohlraum und waagerecht verbunden.

    Da könnte man sich jetzt streiten ob neuer C-Typ oder bloß fetter Abschlag.


    Grüße

    Christoph

  • Hallo Staatswappen,


    eine sehr gute Zusammenstellung der verschiedenen Typen des MR "18" Augsburg.

    Stempeltyp d ist sicher die selteste Type, die in Augsburg nach meiner Statistik nur im Jahr 1856 zum Einsatz kam, bevor sie in der 2. Stempelverteilung nach Annweier weitergereicht wurde.

    Mit der Type d kann ich einen netten kleinen Brief nach Altomünster bei Aichach vom 31. August 1856 zeigen, frankiert mit 3 Kreuzer blau, Platte 3.

    Das ist eine sehr frühe Verwendung einer Marke von Platte 3.


    Nach meiner Ansicht gibt es nur einen MR "18", Type c.

    Vergleich den Abschlag auf der 1 Kreuzer rosa (c1) mit dem Abschlag auf der 9 Kreuzer grün (c2), obere Reihe, linke Marke. Beide Abschläge sind absolut identisch.

    Die 1 Kreuzer rosa (c2) mit klarem MR-Abschlag, die Fahne der Ziffer "1" aber nur schwach abgedruckt.

    Das Briefstück (c2) mit 4 verschmutzten Abschlägen.


    Gruss kilke

  • Hallo Christoph, kilke und Bayernjäger,


    schon mal vielen Dank für die ersten Rückmeldungen.


    Der Typ d kommt anscheinend nur im Jahr 1856 vor. Kurz bevor er nach Annweiler weitergleitet wurde.

    Somit sollte das Ende der Verwendungszeit der 31.11.1856 sein. Wann er zum ersten Mal verwendet wurde ist auch spannend. Meine Vermutung ist Juni/Juli 1856. Aber nur vermutet.

    Bin mal gespannt ob jemand weitere Belege hat. Ich denke auf Brief ist dieser Stempel allerdings sehr selten. :thumbup:


    Der Brief mit dem Ersttagverwendungsdatum von Dir, bayernjäger, ist auch Klasse.:)


    Ich hoffe zum Typ c hat der Eine oder Andere noch einen Scan oder Brief. Wäre schön, wenn man einen sauberen Abschlag des "c1" aus dem Jahr 1856 hätte.


    Alle obigen Daten habe ich schon mal, Euer Einverständnis vorausgesetzt ;), schon mal in meine Datei übernommen.


    Gruß und nochmals Danke


    Ralf M.

    Staatswappen

  • Hallo liebe Freunde,


    hier ein Brief vom 08.11.1856 mit Typ d, somit nähern wir uns schon mal an das theoretische Enddatum an ... ;)


    Schöne Grüße

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Hallo bayern klassisch,


    Du hast natürlich recht. Vom 20.11 bis zum 30.11. war die Entwertung mit Ortstempel.


    Somit offiziell letzter Tag, der 19,11.1856 und da ist bayern-nerv schon nah dran, mit dem 08.11.1856.:thumbup:


    @Christoph, wie man sieht ist der Stempel auch ziemlich verschmutzt. Trotzdem würde ich ihn eher c2 zuordnen als c1. Falls es zwei Stempel gibt.


    Gruß


    Ralf M.

    Staatswappen

  • Hallo Staatswappen,


    erstmal danke für die hervorragende Forschungsarbeit und die ausgezeichnete Darstellung. Damit kann jeder Stempelsammler etwas anfangen.


    Ich bin kein Stempelsammler, aber vielleicht kann ich Deine Arbeit mit ein paar Belegen unterstützen.


    Der erste Brief ist vom 7. Feb. 1856. Die Marke ist zwar angeschnitten, aber es ist eine 2II2c von der linken unteren Bogenecke mit einem vorneliegenden Seidenfaden. (Da geht man eben Kompromisse ein).

    Ich zeige ihn, weil der Stempel im Februar 1856 schon nicht mehr in so guten Zustand war. Bei Christoph (Beitrag #9) im April war er noch schlechter. Ich glaube nicht, dass er nur verschmutzt war, sondern wirklich desolat.

    Das ist vielleicht der Grund, warum im Sommer 1856 noch ein neuer Stempel (die Typ d) geschnitten wurde.


    Der zweite Brief ist vom 9. Aug. 1856. Wieder eine 2II2c, hier mit einem - wie ich glaube - Stempel vom Typ d. Das wäre eine Verwendung Anfang August.

    Du gibst in Deiner Tabelle an, dass Du einen Beleg vom 10.07.1856 für den Typ d hast. Für Typ c nennst Du aber eine Verwendungszeit bis 10.08.1856.

    Wenn der Typ c wirklich wegen Abnutzung gegen den Typ d ausgetauscht wurde, sollten die beiden Stempel aber nicht mehr parallel verwendet worden sein. Hier ist vielleicht nochmal ein genaueres Hinsehen notwendig.

    In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, warum im Stadtpostamt ab 1. Aug. 1850 2 verschiedene MR verwendet wurden (Typ a und Typ b).

    Typ b wurde am 1. Apr. 1852 an das Bahnpostamt abgegeben.

    Aber warum wurden dann Typ a und der im Sommer 1853 eingeführte Typ c einige Zeit parallel verwendet?


    Meine beiden Briefe vom 11. Jul. 1855 und 6. Aug. 1855 zeigen benutzte, aber nicht verbrauchte Stempel.

    Vielleicht kanns Du mit den Belegen mehr anfangen als ich.

    Derart genaue (auf 1/10 mm) Messungen kann ich nicht durchführen.

    Wie machst Du das? Mithilfe von Software oder wirklich einfach mit dem Lineal?

    Könntest Du Dich darüber kurz auslassen?


    Beste Grüße

    Will

  • Hallo Staatswappen,


    noch eine Frage, die ich vorhin vergessen habe zu stellen.


    Gibt es einen triftigen Grund, warum Du bei Deinen - doch sehr genauen - Messungen, den Durchmesser des Innenkrieses und die Schaufellänge nicht berücksichtigst?

    Das wären doch Charakteristika, die bei der Unterscheidung der Typen hilfreich sein könnten?


    Beste Grüße

    Will

  • Hallo Will,


    danke für die Belege und Deinen Beitrag.


    Zu erst einmal verwende ich die Software "GIMP", mit der ich die Stempel nachgezeichnet habe, auch zum Messen. Siehe hierzu den Thread "Nachzeichnen von Stempeln" von preussen_fan.


    Den Stempel Durchmesser und die Schaufellängen habe ich bisher vernachlässigt, da wirklich nur am Anfang, wenn überhaupt ein so klarer Abschlag vorliegt, den man messen kann. Ich werde mir aber den Erstverwendungsstempel von bayernjäger in Post #4 mal genauer ansehen.


    Deswegen habe ich mich erstmal nur auf den Abstand zwischen der "1" und der "8" sowie die Breite der "8" konzentriert. Hier ist der Wert auch mit ca. angegeben und nicht mit IST, aber soll eine Orientierung geben.


    Leider gibt es aufgrund eines Brandes in Augsburg keine Unterlagen aus der Zeit, wie bei anderen Orten. Daher ist erst einmal alles eine Theorie.


    Zu den Parallel-Verwendungen bzw. den Zeitachsen ist noch Forschung notwendig. Man kann und muss hier noch viel mehr Fragen stellen, die aber wahrscheinlich unbeantwortet bleiben.


    Hier der Beleg mit dem Typ d vom Juli 1856.



    Viele Grüße und Danke fürs Helfen.


    Ralf M.

    Staatswappen

  • Lieber Ralph,


    wie immer bei Dir ein Traumstück!


    Aber als Stempellaien würde mich interessieren, wo in Augsburg der Zweizeiler und wo der Zweikreisstempel verwendet wurde.


    Beste Grüße

    Will

  • Lieber Will,


    danke! Ich vermute den Zweizeiler am Bahnhof, den Zweikreiser in der Stadt. Aber das werden unsere "Augsburger" sicher besser wissen ... vlt. auch beide parallel in der Stadt? Dazu gibt es jede Menge zu forschen und teuer bzw. selten sind die Augsburger Stempel jedenfalls nicht (vom roten 18 mal abgesehen).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    gefällt mir sehr. gMR 18: Typ b würde ich sagen.


    Mir gefällt ja der Zweizeiler von Augsburg sehr. Ich konnte vor kurzem auch einen Brief aus 1851 mit Zweizeiler erwerben.

    Im Zweizeiler von Augsburg ist, im Jahr 1851, tatsächlich ein Punkt hinter der Jahreszahl; wohingegen ich dies in den Jahren 1852, 1853 ... noch nicht festgestellt habe. So sehr oft findet man aber den Zweizeiler als Ortsaufgabestempel nicht; am häufigsten habe ich ihn bisher aus dem Jahr 1853 gesehen.


    Der Zweizeiler wurde, meiner Meinung nach, in der Stadt verwendet und auch parallel mit dem Zweikreiser.


    Grüße

    Christoph

    Einmal editiert, zuletzt von Augsburger ()

  • Hallo Ralph,


    in rot habe ich den noch nicht gesehen. :thumbup:

    Kann nichts häufiges sein!

    Ob das jetzt zufällig rot gestempelt wurde, oder aber dies vielleicht im September 1851 immer so gemacht wurde, weis ich nicht. Da fehlt mir einfach noch Vergleichsmaterial.


    Grüße

    Christoph