Badische Postablagen

  • Hallo zusammen!


    Auch in Baden gab es Postablagen, aber leider gibt es im Forum bislang keinen Thread dafür (den bayerischen Postablagen werde ich deswegen nicht untreu, konnte aber einem Briefchen nicht wiederstehen, dass ich im Anschluss nach der Einführungzeige...).
    In Baden wurde zum 1.5.1859 und damit etwas früher als in (ganz) Bayern eine Landpost eingerichtet. Bis dahin wurden die Landorte weitgehend durch Amts- und Gemeindeboten versorgt, was jedoch unzureichend war. Um einen regelmäßigen und gesicherten Postverkehr zu gewährleisten, wurden Landpostboten angestellt, wo dies noch nicht der Fall war Briefladen installiert und in bedeutenderen Orten auch Postablagen eingerichtet. Auch vor Erlass dieser Verordnung bestanden in Baden bereits vereinzelt Postablagen, ab dem 1.5.1859 erfolgte dann jedoch eine flächendeckende Einrichtung.
    Gleichzeitig wurden auch die sog. Uhrradstempel eingefügt, welche in den Briefladen befestigt waren. Auch die Postablagen erhielten anfangs Uhrradstempel. Erst im Jahre 1864 wurden in Baden spezielle Postablagestempel in Form eines liegenden Ovals eingeführt.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • So, jetzt wie angedroht der Brief:
    Von außen sieht das Ganze unspektakulär aus. Ein Brief, der bei der Postablage Leopoldshöhe der Expedition Haltingen aufgegeben am 11.03.1871. Frankiert mit 3 xr Nr. 24, diese entwertet mit Bahnpoststempel. Der Brief ist adressiert nach Wain bei Laupheim in Württemberg.
    Interessant wird es jedoch, wenn man den Brief öffnet. Absender ist die Fa. von der Mühll und Söhne in Basel. Diese wickelte anscheinend ihre Korrespondenz zur Kostenersparnis über die Posatblage ab. Auf dem vorgedruckten Briefkopf ist gedruckt: "Briefe an uns sind Poste restante Leopoldhöhe (Baden) zu adressieren. Frankatur 3 Kr. Directe Briefe nach Basel kosten dagegen 7 Kr."
    Also eine nette kleine Ersparnis, die sich bei der Stückzahl einer Firmenkorrespondenz sicher gerechnet hat.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo kreuzer,


    ein phantastischer Brief - ein Traumstück. Gerade der Portoersparnisvermerk macht ihn gülden für mich (da kommt der Stempel dann noch hinzu). :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Zusammen,


    :):) als regional Beteiligter der oft in Basel,Haltingen und Umgebung ist kann ich mich nur mitfreuen :thumbsup::thumbsup:

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo kreuzer,


    Das ist unglaublich, dass wir hier schwarz auf weiß und aus der Zeit vor uns haben, worüber wir hier immer schwadronieren. Zu diesem Fund kann man nur gratulieren. Jetzt brauchte man nur noch eine "incoming mail" dazu, am besten aus Bayern.


    Viele Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Hallo zusammen!


    Schön, dass der Brief Euch auch gefällt :) Das wäre natürlich der Oberhammer, wenn man auch noch die andere Richtung (in die Schweiz poste restante Leopoldshöhe) belegen könnte, von Bayern oder gar einer bayrischen Postablage aus wage ich gar nicht zu träumen...


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo Zusammen,


    :) :) als regional Beteiligter der oft in Basel,Haltingen und Umgebung ist kann ich mich nur mitfreuen :thumbsup: :thumbsup:

    Hallo Bayern Social,


    gibt es denn noch die "Leoboldshöhe", hier google ich etwas hilflos! Huch, glatt übersehen: http://www.stampsx.com/forum/archiv/topic.php?id=1492


    Und vor über 150 Jahren war das ein wichtiger "Grenzpunkt".
    Aus "Das badische Land."
    Wir begeben uns nun auf die rechte Seite unseres Stromes und gehen wieder von dem Endpunkte des Oberrheinthales, dem alten ehrwürdigen Basel aus. Etwa eine halbe Stunde vor dem Thore der Stadt, auf der Leopoldshöhe steht das badische Zollhaus; hier überschreiten wir die Grenze zwischen dem Großherzogthum Baden und der Schweiz.


    Und sicherlich schmunzeln :) wir alle gerne über solche Geschichten:


    In Leopoldshöhe, erste Station vor Basel, hat ein Meisen-Paar
    sich in dem Perron-Briefkasten ein Nest gebaut, 12 Eier gelegt und durch das
    Ausbrüten der letzteren zwölf jungen Meisen das Leben gegeben. Der menschen- und
    tierfreundliche Postagent hat während 4 Wochen die Meisen vollständig mit
    Futter versehen. Wenn der Postagent den Briefkasten öffnete, um die etwa
    hineingelegten Briefe herauszunehmen, so haben die Meisen auch nicht den
    geringsten Versuch zur Flucht gemacht. Vor etwa 8 Tagen haben sowohl die alten
    als auch die jungen Meisen ihr trautes Heim verlassen, um ihr Glück in der
    freien Natur zu versuchen. Das Nest befindet sich gegenwärtig noch in dem
    Briefkasten. Die „Kuriosum“ durchlief – wie das bei jedem seltsamen oder doch
    obsonderlich erscheinenden Vorkommnis zu geschehen pflegt – sämtliche Zeitungen.
    Soviel „Aufsehen“ es aber auch erregt hat – die Mahnung dort und anderwärts
    zahlreiche Nistkästen für die Vögelchen herauszuhängen, wird dabei wohl wenig
    bedacht und beherzigt sein.
    In einer Zeitschrift für „Vogelliebhaber, -Züchter und –Händler“ von 1872 gefunden von


    Luitpold


    PS


    Zitat

    Auf dem vorgedruckten Briefkopf ist gedruckt: "Briefe an uns sind Poste restante Leopoldhöhe (Baden) zu adressieren. Frankatur 3 Kr.
    Directe Briefe nach Basel kosten dagegen 7 Kr." Also eine nette kleine Ersparnis, die sich bei der Stückzahl einer Firmenkorrespondenz sicher gerechnet hat. Viele Grüße kreuzer

    Hallo Kreuzer,


    das war sehr kundenfreundlich. So haben diese 4 kr. gespart und die Firma hatte dadurch keinen Nachteil gegenüber "inländischen" Wettbewerbern :D


    Viel Glück bei der Suche nach dem "Gegenstück" wünscht Dir


    Luitpold

  • Lieber Luitpold,


    danke für den feinen Auszug aus der (Post-)Geschichte dieses Örtchens. Es wäre natürlich phantastisch, gerade mit der Geschichte im Rücken, auch einen Brief in der fraglichen Zeit von dort zu finden.


    Aber das wird wohl ewig ein Traum bleiben ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusamen!


    Wenn bei einer badischen Postablage ein Brief aufgegeben wurde, war dieser vor Ort zu frankieren bzw. taxieren. Was aber wenn dies aus irgendwelchen Gründen nicht erfolgen konnte?


    Hier hilft uns § 17 der Dienst-Instruction für die Postablagen weiter. Dort heißt es :


    "Will oder muß eine Brief- oder Fahrpostsendung , nach einem Lande, wofür die Postablage keinen Tarif besitzt, frankirt werden, so hat letztere eine solche Sendung anzunehmen und an die Posttelle, mit der sie in Verkehr steht, unter Beifügung eines Frankozettels nach anliegendem Formular III. abzusenden, von dem Aufgeber aber als Bürgschaft für die nachträgliche Entrichtung des Frankotbetrags einen entsprechenden Betrag in baarem Gelde bei ihr deponiren zu lassen. Die Poststelle frankirt alsdann die betreffende Sendung und rechnet den Franko-Betrag unter Rücksendung des Frankozettels am folgenden Tage der Postablage an, welche den betreffenden Betrag sofort von dem Aufgeber, dessen Name sie zu dem Ende am Fuße des Frankozettels vorgemerkt hat, nachträglich erhebt."


    Am 29.12.1869 kam es bei der Postablage Rosenberg dazu, dass eine Werthsendung nicht frankiert werden konnte. Man füllte also einen Frankozettel aus und schickte diesen mitsamt der Wertsendung zur Poststelle in Osterburken. Dort frankierte man mit 8 Kreuzern, welche mit dem Frankozettel der Postablage Rosenberg angerechnet wurden. Der Frankozettel wurde dann zurück an die Postblage gesendet.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo kreuzer,


    Donnerwetter - ein feines Stück PO. Hätte Bayern dieses Verfahren auch so praktiziert, würden wir heute verwöhnt sein. Statt dessen sind Frankozettel Seltenheiten und werden es auch immer bleiben. Felix Badenia!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    ja in Bayern hat man generell alles, was nicht gleich vom Landbriefträger zugestellt werden konnte an die Expedition geschickt und dort taxiert.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Guten Abend! Von der Leopoldshöhe kann ich auch zwei Briefe zeigen. Einmal Derselbe PA-Stempel Haltingen-Leopoldshöhe, vom gleichen Absender, nach Heidelberg.


    Leopoldshöhe war auch Postablage vom Badischen Bahnhof. Hier dieser, nochmal derselbe Absender, nach Bayern. Schon 68 der Hinweis, postlagernd nach Leopoldshöhe zu schicken (Briefe, die nicht pressiren).

  • Hallo el-zet,


    um den 2. Brief aus Basel kann ich dich nur höchst beneiden. Wenn du den mal abgeben willst, wüsste ich ein nettes Örtchen ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    freut mich, dass er Dir gefällt. Ich kann gleich mit einer Postablage aus der Nähe weitermachen. Der Brief ist aus Eichsel (Uhrrad 15 von Schopfheim, Obereichsel), kam zur Schopfheimer Postablage Maulburg, weiter zum Badischen Bahnhof in Basel und schließlich nach Inzlingen. Eine ziemlich große Runde, mit dem Fahrrad auf dem direkten Weg geht das in einer halben Stunde.

  • Hallo zusammen,


    Nein, so spannende Grenzgänger wie die hier gezeigten kann ich leider nicht zeigen, da liegt meine Heimatstadt Heidelberg zu weit von der Schweizer Grenze entfernt ....


    Trotzdem möchte ich mich gerne endlich einmal wieder mit einem Beitrag beteiligen, auch wenn die Heidelberger Postablage Schönau ganz sicher keine philatelistische „Rosine“ ist. Auch die Frankatur meines kleinen Nachnahmebriefs mit einer MiNr. 17a + 18 ist nicht wirklich selten, aber der Brief erzählt eine kleine Geschichte.


    Auf den ersten Blick habe ich ihn als Beleg aus der Postabschnitt lage Schönau angesehen, die zur Postexpedition Heidelberg gehörte und habe ihn auch bei meinen Postablage-Briefen eingeordnet.


    Aber bei genauerem Hinsehen ist es etwas anders: aufgeliefert wurde er am 21. September 1867 beim Postamt Heidelberg, adressiert an den Großherzoglichen Gerichtsnotar in Schönau.


    Ebenfalls vorderseitig bestätigt der Bote Krug (?), dass er eine Nachnahme über 9 Kreuzer erhalten hat.


    Jetzt wird klar, dass die Heidelberger Postablage Schönau ihren Stempel als Ankunftstempel abschlug – aber einen Gerichtsnotar gab es in denen kleinen Odenwalddorf damals wohl nicht. Ein kluger Mann (mit einer ziemlich ungeübten Handschrift) notierte beim Ort Schönau zusätzlich „Wiesental“ und gab den Brief dem Landbriefträger bei seinem nächsten Botengang zurück.


    So kam er drei Tage später wieder nach Heidelberg, siegelseitig erkennbar am Heidelberger Durchgangsstempel. Dort kam er zur badischen Bahnpost; mit „Zug 15“ wurde er auf der Rheintalstrecke Richtung Basel befördert. Auf dem Ankuftstempel der Postexpedition Schönau im Schwarzwald ist leider das Ankunftsdatum nicht erkennbar – es wird wohl der 25. September gewesen sein.


    Dort konnte der Briefträger beim Gerichtsnotar 13 Kreuzer – die 9 Kr. Gebühr + 3 Kr. Porto + 1 Kr Nachnahmegebühr (die bis zu 20 Kr.Nachnahmebetrag 1 Kr. betrug) – kassieren.


    Viele Grüße
    balf_de

  • Lieber balf_de,


    "Frey, Gbte" (Gerichts - Bote) lese ich da.


    Schnuckeliges Stück mit schöner Vita - klasse!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen!


    Schön, dass in diesen Thread plötzlich so viel Leben gekommen ist! Dann will ich auch nochmal nachlegen und zwar mit einem Brief (leider nur noch der Umschlag) mit bayerischer Relevanz.


    Bei der Postablage St. Georgen (zu Freiburg gehörig) wurde am 23.03.1871 ein Feldpostbrief nach Würzburg aufgegeben. Dieser ist auch korrekt mit der Franchise "Feldpostbrief" versehen, so dass der Brief auch untaxiert blieb. Auf der Siegelseite wurde nochmals das Datum des Abganges schriftlich notiert.
    Auf der Vorderseite ist der Bahnpoststempel Heidelberg-Basel mit Datum 24.03. abgeschlagen und der siegelseitige Würzburger Ankunftsstempel ebenfalls vom 24.03. beweist, dass auch in dieser schwierigen Zeit die Post innerhalb kurzer Zeit an ihr Ziel fand.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo Kreuzer, hallo zusammen,

    Schön, dass in diesen Thread plötzlich so viel Leben gekommen ist!

    da kann ich dir nur ausdrücklich zustimmen! Damit unser kleines Land Baden nicht wieder so schnell in der Versenkung verschwindet, will ich auch einen Postablage-Brief nachliefern, der mit der Bahnpost zu tun hat:
    Aufgeliefert am 9. September 187x beim Heidelberger "Filialbureau Carlsthor" - vulgo beim Karlstor-Bahnhof -, auf dem kurzen Weg bis zum Heidelberger Hauptbahnhof auf der Bahnlinie Jagstfeld-Ludwigshafen befördert und bearbeitet (die in der umgekehrten Richtung vielleicht auch für deinen Brief nach Würzburg zuständig war), dann weiter auf der Rheintalstrecke bis zum Ziel in Karlsruhe, wo er tags darauf lt. siegelseitigem Ankunftstempel vom Stadtpostamt Carlsruhe ankam.
    Leider ist er nicht datierbar, aber die "moderne" Schreibweise "Karlsruhe" spricht für eines der letzten Jahre der Baden-Post.
    Viele Grüße
    balf_de

  • Hallo zusammen,

    heute möchte ich eine Neuerwerbung für meine "Heidelberg"-Sammlung zeigen, die in mehrere Threads passen könnte: zunächst handelt es sich ihm einen Auslandsbrief "Baden-Frankreich", dann auch um eine Mischfrankatur - da müsste man allerdings erst einen entsprechenden Thread anlegen -, aber drittens auch um einen Postablage-Brief.


    Und das war für mich ausschlaggebend, auf diesen Brief zu bieten. Denn obwohl die Heidelberger Postablage Eppelheim in Sem-Handbuch nur relativ unauffällig bewertet wird, ist es doch der erste Beleg, den ich in den letzten 10 Jahren gesehen habe (wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich kein begnadeter Rechercheur bin …).


    Eine Besonderheit hat dieser Brief unter meinen Frankreich-Belegen: er ist mit Abstand der jüngste; am 12. September 1871 findet man logischerweise keinen Grenzübergangsstempel Strassburg mehr - der Frankreich-Krieg war gewonnen, das Elsass war deutsch.
    Die Siegelseite zeigt mehrere französische Stempel, die leider nicht sonderlich klar abgeschlagen wurden. Deutlich erkennbar ist ein Durchgangsstempel aus Belfort vom 13. September sowie ein Bahnpoststempel Belfort-Paris vom 14. Noch lesbar ist der Ankunftstempel vom lothringischen Gerbéviller vom 15., leider unleserlich ein weiterer (Durchgangs-?) Stempel.
    War der Belfort-Stempel vielleicht ein Grenzübergangsstempel?


    Viele Grüße
    balf_de