Württemberg - Bayern

  • Liebe Freunde,


    heute ein kleiner "Vortragsbrief" von mir zur bekanntesten Charaktereigenschaft unserer Schwaben beiderseits der damaligen Landesgrenze, damals wie heute denke ich.


    Stuttgart 14.4.1846 als Portobrief nach Fellheim bei Augsburg. Die Aufgabepost taxierte ihn mit 9 Kr. (6 + 3 2. Gewicht) bis zur Grenze bei Ulm, Augsburg als 1. bayer. Poststelle schlug seinen Auslagestempel auf den fremden 9 Kr. ab und setzte in rot darunter das eigene Porto von Ulm bis Fellbach i. H. v. 6 Kreuzern an. In Fellbach addierte man am 16.4. diese beiden Beträge mit schwarzer Tinte und kam zu dem richtigen Ergebnis von 15 Kreuzer, die bei der Abgabe zu entrichten waren.


    Nun faltete das freiherrlich von Renchlinsche Patrimonialgericht selbigen um und sandte ihn nach Stuttgart retour - ohne dass ihn die Post gesehen hätte.


    In Stuttgart kam er dann auch wieder an und wurde prompt am 23.4.1846, jetzt jedoch nicht mit der Rechnung, die schwer war, sondern als Quittung über die erhaltenen Rechnung ab an den selben Empfänger. Nun waren zuerst einmal die vorherigen 15 Kr. zu streichen (Rötel) und das neue Porto bis zur bayer. Grenze mit 6 Kr. (einfach) anzusetzen. In Augsburg schlug man jetzt seinen 2. Auslagestempel auf diesen 6 Kr. ab und notierte 4 weitere Kr. für Bayern ab Ulm bis Fellheim (wieder einfaches Gewicht), so dass sich nun nur noch 10 Kr. (wieder in Fellbach mit schwarzer Tinte notiert) als Gesamtporto ergaben. Am 26.4. erfolgte die Zustellung dort und die Akte konnte endlich geschlossen werden.


    Briefe mit mehr als einem Auslagestempel sind selten, egal aus welchem Grund dies vorgekommen sein mochte. Einen, bei dem man so gut die Geschäftsgänge hin und her sehen kann und der noch dazu mal schwer (1,5 faches Porto) und mal einfach war und der 6 rote Stempel je jeweils unterschiedlichen Daten von 2 Orten ausweist, muss man erst mal finden.

  • Liebe Freunde,


    aus dem Jahr 1810 stammt wohl dieser Brief aus Esslingen (Württemberg) nach Ulm (Bayern) "An die Registratur des Königlichen Gerichtshofs für den Donau - Kreise Ulm", der mit dem 2. Rayonstempel Esslingens bedruckt wurde.


    Siegelseitig finden sich 12 Kreuzer Franko, die allein der württembergischen Postkasse gehörten, weil Bayern hier nichts kassiert hatte (die Kutsche fuhr bis Ulm hinein, das ja erst später wieder wüttembergisch wurde).


    Warum der Brief eine Manualnummer "1" erhielt, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Als K.D.S. hätte er m. W. portofrei sein sollen und ich erhoffe mir von einem Württembergkenner hier etwas Hilfe.

  • Hallo,


    auf diesem Porto-Chargebrief vom 25. Juli 1835 wurden im württembergischen Isny lediglich 1 Kr. belastet. Dies war das sogenannte Abgangsporto, das gemäß § 1c des PV Bayern-Württemberg von 1809 aufgehoben werden sollte. Hier hinzu kam der bayerische Portoanteil von 3 Kr., sowie das Bestellgeld von 1 Kr. für die Zustellung von Röthenbach aus.
    Der Brief wurde dem bayerischen Briefpaket von Lindau über Isny und Nellenbruk nach Kempten mitgegeben. Dort erfolgte die Umspedierung in den Kartenschluss Kempten-Röthenbach.
    Die Anschrift kann ich leider nicht entziffern:
    Herrn ....Joseph ......
    im Grundbuch Landgericht Weiler
    in Heimenkirch
    Vielleicht kann ein Forumsmitglied die Anschrift ergänzen bzw. korrigieren.


    Grüße von liball

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank für deine Hilfe.
    Brauer passt gut, denn zu dieser Zeit gab es zwei Brauereien in Heimenkirch.


    Grüße von liball

  • Das war es dann aber schon mit der Klarheit bei diesem Belege, leider ohne Datum.


    Kann aus der Bezeichnung "Königl. Commissions Sache Citissime" auf eine Bayrieche Dienstsache geschlossen werden?


    Und was war Sinn und Zweck des "Koenigl. baiernl. ............. General Commissariat"?


    Links oben:
    Commissionsbericht in der Amlishager .....................-Sache
    ad........ vom..........
    Exp Nro 6833

  • Hallo Axel,


    vielen herzlichen Dank, also wäre er bei den Expressriefen richtig?

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Das Citissime auf der Vorderseite war nur die übliche Aufforderung an den Empfänger den Inhalt des Briefes schleunigst zu bearbeiten. Die Post hat das nie interessiert.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Hallo Ulrich,


    meist wurde ein Eilbrief mit einem Vermerk wie per Expreß(en) zu bestellen oder ähnlichem Vermerk versehen. Dies kann man dann auch dem zu zahlenden Betrag entnehmen, sei es franco oder porto.


    Dieter

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Portobrief aus Ulm nach Kaufbeuren an Caspar Gerhauser vom 4.12.1848. Der Brief hätte auch über die Donau in Neu-Ulm aufgegeben werden können, dann aber eine andere Gebühr nach sich gezogen, nämlich bei 6-12 Meilen über 1/2 bis 1 Loth schwer 6 Kreuzer. Die 3 Kreuzer für Württemberg hätte man sich gespart ...


    Aber der Absender war postehrlich und Württemberg taxierte 2 + 1 = 3 Kreuzer als Brief der 2. Gewichtsstufe und sandte ihn im Paket nach Augsburg, wo er am 9.12.1848 zuerst den Ankunftsstempel und dann den Auslagestempel auf der württembergischen "3" erhielt, z u denen 6 Kreuzer für Bayern kamen, so dass der gute Gerhauser 9 Kreuzer total zahlen musste.


    Warum kostete der Brief aber so viel und wog 1,5fach? Im Inhalte lesen wir, dass der Ulmer einen Protest von Gerhauser zu einem Kunden von jenem am 3.12. zugesandt bekommen hatte, den der Ulmer jetzt wieder an Gerhauser zurück schickte. Unten links auf der 1. Seite des Schreibens lesen wir auch: "1 Einl(age)".

  • Kleines Brieflein von Ulm nach Kempten, keinerlei Vermerke, also noch günstiger als über die Donau zu tragen!


    So ganz erklären kann ich es aber nicht, Ihr aber bestimmt.


    Ih denke der Text verät auch das Geheimnis, oder der Vermerk unten links. ;-)

  • Hallo Ulrich,


    "per Einschlag" steht da - er hat diesen Brief also in etwas Größeres gepackt.


    Leider kann ich den Vermerk rechts mittig nicht klar deuten - die alleswissende Filigrana kennt dergleichen aber sicher eher, als jeder Andere. Wenn sie sich nicht meldet, tippe ihr einfach auf die Schulter (per Mail).


    Schönes Stück und nicht häufig, dazu in wildester Zeit für Bayern!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Portobrief aus Isny (von 1803 bis 1806 an die Reichsgrafen von Quadt / ab 8.10.1806 württ. Landespostanstalt) nach Memmingen (Kgr. Bayern) und nachgesandt nach Kempten (Kgr. Bayern). Der Brief ist vom 15. November 1806. Seltsamerweise nur zwei Kreuzer Porto, obwohl sich Württemberg von Thurn und Taxis gelöst hat und eine eigenständige Post hatte. Bayern hatte die Post an Thurn und Taxis verpachtet.
    Eine Taxierung, bzw. die zwei Kreuzer kommen daher zustande, daß Isny eine Grenzpoststation war und zwischen Wangen (Kgr. Bayern) und Isny (Kgr. Württemberg) ein direkter Paketschluß war (die bayerische Post wurde bis Isny befördert). Weiterhin wurde der Brief kostenlos von Memmingen nach Kempten nachgesandt.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief aus Biberach an der Riß (am 29.9.1803 zu Baden und ab 24.10.1806 zu Württemberg) vom 22. Mai 1807. Zuerst "franco Memmingen" vermerkt. Dies durchgestrichen und "Isny" geschrieben (Isny, seit 8.10.1806 zu Württemberg). Siegelseite 4 Kreuzer Franko. Der Brief ging nach Kempten (Kgr. Bayern). Der Empfänger bezahlte 2 Kreuzer Porto für die Strecke von Isny nach Kempten.


    Mit dem folgenden gezeigten Brief, ergibt sich eine schöne Albumseite:


    Baden nach Bayern 1806-71



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Portobrief in der 2. Gewichtsstufe vom 29.12.1845 von Ulm über Neu-Ulm und Augsburg nach Kaufbeuren. Das einfache Porto über die Donau betrug 2 Kr., hier also 1,5fach somit 3 Kr. für Württemberg für 100 Meter eine ganz einträgliche Sache.


    Augsburg (Neu-Ulm war kein Kartenschlußamt und sah den Brief nie) holte ihn aus dem Briefbeutel, stempelte mit dem Auslagestempel auf den württembergischen 3 Kreuzern und setzte folglich 4 + 2 = 6 Kr. bayerischen Inlandsporto an (Regulativ vom 1.12.1810). Der Empfänger Gerhauser zahlte folglich 9 Kr. total.


    Ab 1844 gab es in Neu-Ulm eine reguläre Postexpedition - hier hätte man satte 3 Kr. sparen können, wenn man nur über die Donau gewandert wäre. Später tat man das täglich in enormer Häufigkeit.