Bayern - Preußen im DÖPV

  • Liebe Freunde,


    ich möchte 2 Briefe nach Preußen zeigen, die jeweils mit 9 Kr. frankiert wurden. Der 1. lief von Hof nach Elberfeld, der 2. von München nach Bad Nenndorf. Warum man dort erst 1/2 Sgr. Bestellgeld notierte und es dann abstrich, vermag ich nicht zu sagen. Vlt. wissen die Preußen mehr darüber?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo,


    auf der Suche nach einem Bremen-Brief (den ich noch nicht gefunden habe) ist mir dieser Brief aus Schirnding nach Muskau im preuss. Schlesien vom 14. Aug. 1864 in die Hände gefallen. Postverein in braun...
    Der Adressat " Prinzen Friedrich der Niederlande chemische Fabrik" hat mit dem Absender, der Porzellan-Manufaktur Hutschenreuther, in Geschäftsbeziehung gestanden.

  • Lieber bayern klassisch,

    Warum man dort erst 1/2 Sgr. Bestellgeld notierte und es dann abstrich, vermag ich nicht zu sagen. Vlt. wissen die Preußen mehr darüber?

    eine Möglichkeit besteht darin, dass der Empfänger hinterlegt hatte, die Post selber abzuholen, womit das Bestellgeld entfiel. Wenn ein eifriger Postler in Bad Nenndorf erst das Bestellgeld notierte und dann in seiner Liste nachschaute, ergäbe sich dies Bild.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    vielen Dank für deine Antwort - so wird es gewesen sein.


    Es gibt nur ganz wenige Briefe von Bayern nach Preußen, die überhaupt eine Zustellgebühr aufweisen. Auch bei innerpreußischen Briefen findet man sie nur ganz vereinzelt; wenn jemand pro Brief einen halben Groschen zu zahlen hatte, ist es nur zu verständlich, dass Empfänger mit hohem Briefaufkommen zu dieser Möglichkeit griffen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern Klassisch



    ..Warum man dort erst 1/2 Sgr. Bestellgeld notierte und es dann abstrich, vermag ich nicht zu sagen. Vlt. wissen die Preußen mehr darüber?


    Bestellgeldvermerke sind eher selten, da es spätestens mit der Taxverordnung gültig ab 01.01.1825 jedem Empfänger frei stand, seine Briefe selbst abzuholen. Dies mußte dem zustellendem Postamt mitgeteilt werden. Ausgenommen waren zustellungspflichte Sendungen, allgemein alle Fahrpostsendungen und Express-Briefe. Theoretisch sind auch lokale Bestimmungen möglich.


    Zum Brief selbst, ist entweder der Empfänger Bestellgeldfrei, weil Selbstabholung oder er wurde falsch sortiert und auf den oberen Brief wurde das 1/2 notiert und dann gestrichen aus gleichem Grund.


    Für Geldsendungen über 1 Thaler war zu dieser Zeit bspw. das doppelte an Bestellgeld zu entrichten.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf


    P.S. ich habe Michaels Antwort nicht gesehen, war zu langsam....

  • Lieber Magdeburger,


    vielen Dank für deine Erläuterungen. Gerne würde ich mal hier in den Preußenthreads Briefe mit ausgewiesenem Bestellgeld, vor allem bei der Briefpost, die ich ja bevorzugt sammle, sehen. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    auch wenn ich ihn zuvor schon in einem anderen Forum gezeigt habe, sollte er hier rein, weil er gut passt.


    Es ist ein Laufzettel der Fahrpost aus Ansbach und wir schreiben das Jahr 1852 - eine Wertsendung war von Ansbach nach Posen scheinbar in Verlust geraten, aber sicher war man sich nicht. Mit seinem Postschein ging man zur dortigen Poststelle und wünschte die Absendung eines Laufzettels, also eines Nachfrageschreibens.


    Auch wenn das Bezugsobjekt der Fahrpost zugehörig war, wurden Laufzettel der Schnelligkeit wegen stets mit der Briefpost befördert.


    Hier waren 9 Kr. zu frankieren, weil sich ein Laufzettel an der Entfernung der Briefpost im Postverein orientierte und die Entfernung Ansbach - Posen etwas über 20 Meilen betrug.


    Links unten notierte man "fr. 9x" für Franco 9 Kreuzer. Damit war aber nur das Franko des LZ abgebildet, der Laufzettel selbst kosetete weitere 12 Kr. für seine Ausfertigung. In diesen 12 Kr. war die Recommandation inkludiert und musste nicht separat bezahlt werden.


    Im Innern des LZ wurde dann vermerkt, wer ihn alles zuspediert bekam und wie er weiter spediert wurden. Letzten Endes war alles gut, die ursprüngliche Sendung ordnungsgemäß ausgeliefert worden und dies hatte der Empfänger auch mit seiner Unterschrift beglaubigt.


    Nach Vollzug in Posen lief er wieder zur Aufgabepost zurück und der Auftraggeber war froh zu lesen, dass seine Sendung gut angekommen war.


    Laufzettel sind recht selten in den Postverein gerichtet. Wer mehr darüber wissen will und noch mehrere davon sehen möchte darf sich auf den neuen Rundbrief der ARGE Bayern klassisch freuen, der in einer Woche versandt wird, denn dort gibt es einen größeren Artikel von mir zu diesem interessanten Bereich der klassischen Postgeschichte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Sammlerfreunde,


    anbei ein einfacher Postvereinsbrief von München nach Krefeld (preußische Rheinprovinz), frankiert mit 9 Kreuzern.
    Rückseitig ist noch der preußische Kursstempel MAINZ-COELN zu sehen.
    Sicherlich kein postgeschichtliches Schwergewicht, aber sehr schön erhalten.

    Mein alter Nummernstempel-Feuser weist für den oMR 325 von München einen gar nicht so kleinen Zuschlag für die Brieferhaltung aus.
    Ist dem tatsächlich so? Für München hat es mich doch etwas verwundert.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    schöner Brief mit einer Marke, die es kaum in Luxus auf Briefen gibt, wie die Nr. 10 auch (man darf sich nicht durch das dutzendfache Zeigen von Toppbriefen dieser beiden Marken täuschen lassen, der Durchschnittsbrief liegt im Qualitätsniveau weit unter deinem hübschen Stück).


    Du hast den großen Münchner Stempel, der leider keinen Aufschlag rechtfertigt. Für offene Mühlräder 325 gibt es, von ganz wenigen Ausnahmen abegesehen, keine Aufschläge.


    Im aktuellen Rundbrief der ARGE Bayern klassisch hat unser Mitglied kilke einen hervorragenden Artikel über die Münchner Mühlradstempel verfasst - dort wirst du deinen Stempel auch wiederfinden. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Der nachfolgend gezeigte Brief müßte eigentlich über die sächsische Bahnlinie Hof - Leipzig und anschließend über Halle Richtung Eisenach befördert worden sein. Der Stempel "Aus Bayern" wäre dann wohl in Halle abgeschlagen worden.


    Siegelseitig fehlt der Coursstempel Leipzig - Hof, was, wenn meine Grundannnahme stimmt, auf einen direkten Kartenschluß Hof - Halle oder gar Nürnberg - Halle schließen läßt.


    Kann jemand dazu Genaueres sagen?


    Altsax

  • Hallo bayrische Postgeschichtler,


    kann denn niemand zu diesem Brief etwas sagen, oder habt Ihr ihn übersehen?


    Beste Grüße


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    sorry, übersehen ... bei 50 Beiträgen am Tag kann das schon mal passieren. :S


    Es gab bereits ab 1834/35 (evtl. auch schon davor) einen direkten Kartenschluß Hof - Erfurt mit der Leitung über Rudolstadt, Lichtenfels - Erfurt über Rudolstadt, Bamberg - Erfurt über Ilmenau und Arnstadt ebenso wie Mellrichstadt und Erfurt dito, Schweinfurt - Erfurt und Nürnberg - Erfurt mit gleicher Leitung.


    Desweiteren von Hof - Halle (s. dein Brief) per Leipzig mit dem Hallenser Stempel "AUS BAIERN" und Nürnberg - Halle mit demselben Stempel per Langensalza bzw. per Zeitz.


    Als Briefbeispiele hänge ich mal einen aus Kitzingen aus dem Jahr 1850 an denselben Empfänger und aus 1851 einen in entgegengesetzter Richtung an.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Altsax, BK, Michael, Ulf,liebe Sammlerfreunde


    vielen Dank für die vielen tollen Belege und Infos zur 9kreuzer grün, die wie die 9kreuzer braun meiner Meinung nach oft unterschätzt wird, es ist
    bei beiden Marken, wie ich finde nicht leicht einwandfreie oder gar Luxusbelege zu erhalten. :)
    Der folgende Beleg von Regensburg nach Elberfeld, bei Wuppertal gehört, wie ich finde zumindest in die Kategorie einwandfrei, als Oberrandstück der
    5cII, vom 17.09.1852. Die Rückseite habe ich mal mit geladen, da ich in meiner Sammlung, bei einem Beleg von Bayernnach Preussen selten soviele Bahnpoststempel(Magdeburg-Leipzig, Berlin-Minden, Deutz-Minden) und dann noch den Kastenstempel "Dortmung Elberfeld" und den Ausgabe Stempel N 1gesehen habe.
    3 Tage Laufzeit von Regensburg nach Elberfeld, war die Beförderung üblich?
    Habt Ihr noch bessere Erklärungen für den Laufweg?
    Hat einer von euch ähnliche Belege?


    Philatelistische Grüsse
    Oliver

  • Hallo Oliver,


    du meinst sicher den Stempel "Magdeburg - Leipzig". ;) Einen Stempel Augsburg - Leipzig gab es nie.


    Die Leitung über Sachsen nach Preußen war für diesen Teil Bayerns üblich. 3 Tage waren auch noch im Rahmen für den Transport. Regensburg hätte auch (theoretisch) seinen Paketschluß nach Frankfurt am Main nutzen können (entgegen gesetzt könnte ich das zeigen), aber grungsätzlich sollte man von Bayern rechts des Rheins, wenn es nicht gerade von Unterfranken oder Schwaben los ging, über Hof per Bahnpost nach Preußen versenden.


    Schöner Brief!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayern Klassisch,


    vielen lieben Dank und Respekt vor Deiner Interpretation,
    hier und auch bei den andern Briefen...!! :)


    Ähhm und natürlich meine ich Magdeburg-Leipzig :thumbup:


    Ist die Sendung "rechts des Rheines" in den Postbestimmungen
    vorgeschrieben?


    Viele Spätabentliche Sammlergrüsse
    Oliver

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo Oliver,


    ich meine, dass es so vorgeschrieben war, wenn auch vlt. nicht in dieser Deutlichkeit, wie von mir angegeben. Prinzipiell waren Briefe in den Postverein so zu leiten, wie es mit den transitgebenden Postverwaltungen abgesprochen war. Das hört sich simpel an, aber es gibt doch mehrere Feinheiten, die sich den scheinbar ausnahmslos geltenden Verwaltungsvorschriften widersetzten bzw. im Laufe der Jahre, ohne einen Eingang in die heute noch erhaltene Primärliteratur gefunden zu haben, so ausgebildet hatten.


    Das geht mir den Leitwegen von der Pfalz los und endet noch lange nicht mit denen von Regensburg und der Oberpfalz. ;)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,
    hallo Oliver,


    einen sehr schönen Brief zeigst Du hier. Deine Einstellung teile ich, Briefe in Luxusqualität von der grünen und braunen 9 Kreuzer muß man lange suchen.
    Leider ist Deine 9 Kreuzer grün vom Oberrand nicht Type II, wie von Dir beschrieben, sondern Type III. Näheres siehe im Anhang.


    Grüße aus Frankfurt
    hasselbert

  • Regensburg hätte auch (theoretisch) seinen Paketschluß nach Frankfurt am Main nutzen können (entgegen gesetzt könnte ich das zeigen), ...

    Lieber bk,


    nach meiner Beobachtung hat man selbst bei dadurch bedingten geographischen Umwegen sehr konsequent die durchgehenden Eisenbahnverbindungen genutzt. Insofern ist eine Leitung über Frankfurt so lange unwahrscheinlich, wie die Strecke Frankfurt - Cassel nicht fertiggestellt war.


    Bis mindestens Mitte der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts war das Eisenbahnnetz in Deutschland so dünn, daß bei Nord-Süd-Transporten mit Ausnahme der weit westlich liegenden Strecken kaum ein Weg an Preußen und Sachsen vorbeiführte.


    Liebe Grüße


    Altsax

  • Hallo zusammen, hallo hasselbert,hallo BK,


    ja das stimmt natürlich, danke für Deinen Hinweis und das einstellen der Unnterscheidung. Ich hatte mich auf das kleine Prüfzettelchen verlassen, auf dem 5c2, ord steht.


    Da ist das Forum wirklich eine sehr grosse Hilfe und ich machegerade auch in anderen Zusammenhängen die Erfahrung, dass das Prüfungsergebniss nicht immer stimmen muss.


    Besten Dank hasselbert und Grüsse nach Frankfurt :)
    Oliver

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"