Beiträge von Michael

    Liebe Freunde,


    der folgende Brief ist zunächst ein "üblicher" Brief vom September 1870 aus dem südrussischen Odessa nach Marseille.

    Neben dem vorderseitigen Aufgabestempel von Odessa findet man rückseitig einen russischen und einen preußischen Bahnpoststempel sowie den Ankunftstempel von Marseille (vom 3.10.). Vorderseitig finden sich neben dem preußischen Herkunftsstempel AUS RUSSLAND die Vertragsstempel P.38. (für die Verrechnung von Portobriefen) sowie PRUSSE-LILLE vom 27.9., der letztgenannte hatte bei einem Zielort in Südfrankreich regulär dort nichts zu suchen. Rückseitig links oben befindet sich dann noch ein französischer Bahnpoststempel BORDEAUX A CETTE.

    Wenn ich das richtig deute, hat dieser Brief einen langen Umweg über Nord- und Westfrankreich genommen, um an sein Ziel in Südfrankreich zu gelangen.



    Inhalt ist die Lieferung von 2 Barriques Vermouth - jeder hatte so seine eigenen Sorgen ...


    Gruß

    Michael

    Hallo Dieter,


    ja, Beispiele für genau solche Stempel von Aachen und auch Bonn findest Du auf Seite 1 dieses Themas.


    Hallo Tim,


    empfinde ich auch so. Ein paar Briefe zu diesem Thema habe ich noch.


    Gruß

    Michael

    Hallo zusammen,


    die Seltenheitseinstufung eines Stempels verändert durch die Faktoren Beliebheit eines Gebietes (z.B. Kgr. Hannover) und Beliebtheit eines Stempels/-typs (z.B. stummer Stempel von Hannover) ergeben einen momentanen Marktwert. Beide genannten Beliebheitsfaktoren können sich unabhängig voneinander verändern, sich dabei gegenseitig neutralisieren oder auch verstärken, so dass ein heutiger Marktwert in wenigen Jahren nicht mehr anwendbar ist. Dies gilt auch, wenn sich an der Seltenheitseinstufung nichts geändert hat.
    Daher ist eine Seltenheitseinstufung für ein Stempelhandbuch, insbesondere mit einer Differenzierung nach evtl. vorkommenden verschiedenen Verwendungsformen wie von Ulf hier angeregt, sicherlich ein wichtiger Bestandteil. Ob man eine Preisangabe zusätzlich hinzunimmt, ist dann eine andere Überlegung; die Erfahrung zeigt aber eigentlich, dass die Qualität eines Handbuchs hierdurch oftmals nicht gesteigert wird.


    preussen_fan : zu deinem Posting #10
    Mein Posting bezog sich auf den Satz Da ist die Frage erlaubt was ist die Literatur überhaupt wert?, der nicht von dir geschrieben wurde und womit Du folglich auch nicht gemeint warst. Es war ein insgesamt nicht persönlich gemeintes Statement.


    Gruß

    Michael

    Hallo Tim,


    die große Mehrzahl der "am Zug" aufgegebenen Briefe ist sicherlich in dort befindliche Briefkästen geworfen worden. Damit dies funktionierte, gab es die Vorgabe, alle an einer Strecke befindlichen Bahnhofs-Briefkästen mit einer gemeinsamen Schliessung zu versehen, damit der leerende Postbeamte nicht erst den richtigen Schlüssel raussuchen muste. Woraus sich auch ergibt, dass die Leerung in diesen Fällen von einem Bahnpostbeamten durchgeführt wurde, der den Zug begleitete.


    Ob die Stationsstempel von Beamten privat angeschafft wurden, steht immer mal wieder im Raum. Da hierfür teilweise auch ausgediente und aptierte Bahnhofsstempel verwendet wurden, die Beamte sicherlich nicht "privat" einstecken konnten, könnte eine private Beschaffung höchstens für eine Teilmenge der Stempel angenommen werden.
    Auffällig ist noch, dass die 2-zeiligen Rahmenstempel XY BAHNHOF (wie der zuletzt gezeigte von Viersen) vornehmlich im Bereich des Bahnpostamtes 13 zu finden sind.


    Gruß

    Michael

    Habe mir erlaubt, die letzten Beiträge zu Stempel-Literatur und Stempel-Bewertung auszugliedern, da sie mit dem ursprünglichen Thema der Strahlenstempel nichts zu tun haben.


    Hallo José,

    verstehe und kenne deine Erfahrungen. Ich behaupte mal, dass die Ersteller der "alten" Stempel-Literatur auch diese Erfahrungen gemacht haben. Es bleibt dennoch bei der Frage: Warum lassen wir uns hiervon bremsen? Es ist immer das Werk weniger/einzelner Kenner, die das Allgemeinwissen voranbringen. Und es nutzt der Sache an sich, denn auch zukünftig wird es (hoffentlich) engagierte Sammler geben, die diese Literatur dann zu schätzen wissen.


    Gruß

    Michael

    Liebe Freunde,

    hier ein Stationsstempel VIERSEN BAHNHOF, die Markenentwertung erfolgte mit dem Kursstempel HOMBERG 7 4 III GLADBACH. Die Strecke gehörte zum Bahnpostamt XIII.


    Der Brief wurde von Friedrich Wilhelm Greef geschrieben, der zunächst in seiner Geburtsstadt Süchteln eine Sammet- und Seidenmanufaktur gründete und später nach Viersen übersiedelte. Er gehörte in den 1860er Jahren zu den bedeutendsten Seidenfabrikanten am Niederrhein.

    Adressiert ist der Brief an das Bakhaus Bethmann.



    Die Stempelabschläge sind nicht schön, aber man muss erstmal was besseres finden ...


    Gruß

    Michael

    Literatur ist eine Menge wert!
    Wenn ich bei Preußen die Werke von Feuser und Münzberg sehe, die einen großen Wissensstand lange vor der Internet-Zeit aufweisen. Dabei vermag ich nicht einzuschätzen, wieviel Recherchearbeit darin steckt, mittels Kopien und Leihgaben alle diese Daten zu sammeln und Abschläge in Reinzeichnung nach bestem Wissen zu erstellen. Auch damals gab es Sammler, die bewußt Informationen zurückgehalten haben, um dann nach Erscheinen eines Stempel-Handbuchs ihren Beleg mit der Anmerkung Im Stempelhandbuch von X unbekannt! zu veredeln.

    Mit der heutigen Informationsfülle (Philasearch, ebay usw.) haben wir da ganz andere Möglichkeiten. Aber wer nutzt sie und macht sich an die Arbeit?


    Geruß

    Michael

    Hallo Franz,


    das scheint eine Kartierungsnummer zu sein.

    Vorderseitig die 2- 80 würde passen: ein 2 Loth schwerer Brief kostete 80 Kop. (Kupec, Bd. II, Angabe für 1837).


    Gruß

    Michael

    Hallo Franz,


    der Brief wurde in St. Petersburg aufgegeben (Aufgabestempel auf der Briefvorderseite). Rückseitig ist der Ankunftstempel von Riga. Kannst Du mal die komplette Rückseite zeigen?

    Diplomatenpost bzw. Post an Diplomaten war nicht automatisch portobefreit. 1838 war das Inlandsporto noch entfernungsabhängig gestaffelt.


    Gruß

    Michael

    Dann zeige ich auch noch das eigentliche Objekt der Frage. Leider nur eine Briefhülle, aber durch das Siegel steht der Absender fest und der Ankunftsstempel zeigt das Jahr.



    Gruß

    Michael

    Hallo Erdinger,


    das wäre eine plausible Erklärung.

    Erstaunlich aber, dass dieser Begriff von der Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft verwendet und von der preußischen Post als Franchise akzeptiert wurde, ansonsten aber kaum / gar nicht auftaucht.


    Gruß

    Michael

    Lieber Ralph,


    ganz so einfach war es für Preußen nicht. In dem franz.-preuß. Vertrag war eine Vergütung in Decimes festgeschrieben. Durch die Währungsumstellung von gGr. in Sgr. hat Preußen in diesem Fall nichts verdient. Zusatzeinnahmen konnten generiert werden, wenn bei solchen Transitbriefen durch einen neuen bilateralen Vertrag sich die Gebühren erniedrigten und diese Ermässigung nicht sofort an die andere Post weitergegeben wurde.

    Habe da eine diesbezügliche kleine Sammlung vor Augen, die ich gerne mal zusammenstellen würde, aber die dazu benötigten Briefe über mehrere Vertragsänderungen hinweg, sind nicht so leicht zu finden.


    Gruß

    Michael

    Lieber Ralph,


    der Vertrag von 1821 galt zwischen Russland und Preußen, Frankreich hatte damit nichts zu tun. Zwischen Russland und Preußen wurde damals noch mit preußischen Groschen verrechnet. Das preußische Weiterfranko an Frankreich interessierte die russische Post nicht. (Ausser dass zwischenzeitliche Vergünstigungen weitergereicht werden sollten - was dann mehr oder weniger schnell auch geschah ;) )

    Zwischen Frankreich und Preußen wurde in Silbergroschen bzw. Decimes verrechnet. Der hier gültige PV müsste von 1837 sein.


    Gruß

    Michael

    Hallo Franz,


    der Brief wurde gemäß dem russisch-preußischen Postvertrag von 1821 behandelt.
    Der Absender hatte den Brief voll bezahlt, das von ihm bezahlte Gesamtfranko wurde, wie in Russland damals üblich, nicht notiert. Das Weiterfranko an Preußen betrug 82 1/2 preußische Groschen (keine Silbergroschen! Pr.Gr. war die in dem PV festgelegte Verrechnungswährung zwischen Russland und Preußen), die rückseitig notiert wurden. Darin enthalten war das damals noch zuzahlende Grenzporto von 1 1/2 pr.Gr.
    Die rückseitige 18 ist eine russische Kartierungsnummer.
    Die rückseitige 5 ist das preußische Weiterfranko an Frankreich.

    Rückseitig ist der Aufgabestempel aus St. Petersburg, Büro für abgehende Auslandspost. Hier eine Beispielabbildung, Verwendungszeit 1840-44


    Die Leitung erfolgte über Tilsit-Berlin-Aachen. Von letzgenannter Stelle stammt der einen voll bezahlten Brief nach Frankreich kennzeichnenden PP-Stempel

    Der Vertragsstempel PRUSSE 3 GIVET und der Kontrollstempel AED Affranchissement Etranger Destination (=vollständig bis zum Zielort bezahlter Auslandsbrief) stammen beide aus Paris.


    Gruß

    Michael

    Hier ein Briefchen aus Eutin, die 4 S.-Marke wurde mit dem dänischen Nummernstempel 115 entwertet, adressiert nach Lübeck. Rückseitig ein nicht so toller, aber noch lesbarer Abschlag des Kgl. Dänischen Oberpostamtes von Lübeck mit der Nr.1. Dieser Stempel diente in der Regel als Ankunft-/Durchgangsstempel.


    Die vorderseitige 1/2 ist das Bestellgeld.


    Gruß

    Michael

    Lieber Erwin,


    was oben an der Marke fehlt (ist ja nicht so viel) ist von der im Bogen darunter befindlichen Marke als Ausgleich dabei. ;)


    Hier noch ein Brief von Neukuhren im Samland (RB Königsberg) ins taxissche Herzogtum Nassau nach Soden. Wieder ein 1 Sgr.-GSU, diesmal mit einem vollrandigen Pärchen der Nr. 10a auffrankiert.


    Neukuhren war ein kleiner Badeort an der Ostsee, die Postexpedition II. hatte nur während der Badesaison geöffnet.



    Gruß

    Michael