Beiträge von Michael

    Am Freitag, dem 29. Oktober 2021 von 14:30 - 18:15 Uhr findet die diesjährige Postgeschichte live - Veranstaltung online per Zoom-Konferenz statt.

    Das Programm hierzu:


    14:30-14:45 Uhr

    Begrüßung und Eröffnung (Klaus Weis / Peter Platz)


    14:45-15:15 Uhr

    Als Napoléon Europa seinen Stempel aufdrückte – die Franzosen in Lübeck 1806 bis 1814
    von Chris King (RDP, ehem. Präsident der Royal Philatelic Society London)


    Aus heutiger Sicht ist es schwer zu verstehen, wie vollständig Napoleon die europäische Gesellschaft und Institutionen zerstört hat. Diese Präsentation zeigt die postalischen Konsequenzen für die Stadt Lübeck. Am 6. November 1806 besetzten französische Truppen das neutrale Lübeck, am 16. Februar 1807 wurde das Großherzoglische Bergische Oberpostamt eröffnet und die Hannoversche Post bald geschlossen. Ende 1807 schloss das Postamt Thurn und Taxis. Am 31. Juli 1808 übernahm Napoléon das Großherzoglische Bergische Oberpostamt und benannte es in Kaiserliches Französisches Oberpostamt um. 1811 annektierte das französische Reich die Stadt als Teil des Département 128 - des Bouches de l'Elbe. Aus der Post wurde das Kaiserlische Königlische Französische Oberpostamt zu Lübeck, und im Januar 1811 schlossen alle anderen Postämter. 1813 befreit, wurde das Département 128 aufgelöst. Nach dem Sieg der Alliierten verließen die Franzosen die Hansestadt, ihr Postamt wurdegeschlossen – und die alte Ordnung wurde nach und nach wiederhergestellt.


    15:15-15:45 Uhr

    Fälschungen und Fälscher - ausgewählte Beispiele zu "Schnittmengen" von Philatelie- und Postgeschichte
    von Wolfgang Maaßen (RDP, Präsident Association Internationale des Journalistes Philatéliques)


    Der Referent dieses Vortrages ist kein ausgewiesener Postgeschichtler, eher ein „Hobbyhistoriker“, dem die Geschichte der Philatelie am Herzen liegt. Als solcher interessieren ihn handelnde Personen von Bedeutung, ihr Leben, ihre Werke und Leistungen, ihr Beruf, ggf. auch ihre Firma. Unstrittig gehören auch namhafte Fälscher zu diesem Kreis, den es zu berücksichtigen gilt. Postgeschichtler haben wiederum andere Zielsetzungen, die als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Zuweilen aber gibt es „Schnittmengen“, an denen sich Post- und Philateliegeschichte begegnen. Wo das Wissen des einen sogar die Kenntnisse des anderen bereichern kann. Dies soll exemplarisch an einigen ausgewählten Beispielen zu „Artefakten“ (Briefen etc.) der Gebr. Spiro, von Reinhard Krippner sowie Peter Winter aufgewiesen werden, die als sog. Fälscher in die Geschichte der Philatelie Eingang gefunden haben.


    15:45-16:15 Uhr
    Post aus Zentral-Afrika vor 1880 – Fallstudie: Die Demokratische Republik Kongo (ehem. Kolonie Belgisch-Kongo)
    von Patrick Maselis (RDP, Präsident Club de Monte-Carlo de l'Elite des la Philatèlie, ehem. OPräsident der Royal Philatelic Society London)


    Da alle Völker Zentralafrikas weder lesen noch schreiben konnten, beginnt die Postgeschichte dieses riesigen Gebietes eigentlich im Jahr 1482, als der Portugiese Diogo Cao den Kongo-Fluss entdeckte. Davor verlief die Kommunikation zwischen den Einwohnern durch Boten oder, bei Notsignalen, durch das Tamtam. Aber auch nach 1482 wurden nur selten Briefe aus Zentralafrika versendet. Wegen des ungesunden Klimas haben sich vor 1880 nicht viele Europäer in die Gegend gewagt, geschweige denn dort niedergelassen. Aus dem Gebiet ist daher nur wenig Korrespondenz bekannt. Für das ehemalige Belgisch-Kongo sind es weniger als 60 Briefe. Einen offiziellen Postdienst gab es nicht. Jeder, der in diesem Gebiet verblieb, musste seine eigenes Postsystem einrichten. Die 60 bekannten Briefe wurden von sage und schreibe neun verschiedenen Postsystemen befördert, die alle kurz vorgestellt werden.


    16:15-16:30 Uhr
    Pause


    16:30-17:00 Uhr

    Italien im Spannungsfeld des österreichisch-französischen Postkrieges 1830/31

    von Dr. Thomas Mathà (Präsident Association Internationale des Experts en Philatélie)


    Die Transitpost der Altitalienischen Staaten und der Levante war immer ein begehrtes Gut europäischer Staaten und Postverwaltungen. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gipfelte der Wettbewerb um diese wichtigen Einnahmen der Post einerseits und das Interesse aus politischer und Wirtschaftsspionage andererseits zu einem veritablen Konflikt. Zu Beginn der 1830er Jahren kam zudem eine politische Krise hinzu, welche Europa in ein kurzes, aber beachtliches Chaos stürzte. In dieser Zeit gibt es eines der spannendsten postgeschichtlichen Ereignisse überhaupt, welche im Rahmen des Postkrieges zwischen Österreich und Frankreich zu sonderbaren Briefbehandlungen und Methoden der Postumleitung führte. Eine ganz besondere „mitteleuropäische“ Postgeschichte.


    17:00-17:30 Uhr

    Abenteuer-Philatelie vom Mont-Blanc: 1950 bis 2021 – die Malabar-Princess hat noch nicht alles verratenvon Jean Voruz (Präsident Académie Européenne de Philtélie)


    Vor einigen Jahren erwarb Jean Voruz einen Papierfetzen, der nicht nach viel aussah: ein Rest eines Briefes von 1950 aus Madras nach Bremen. Diese Wahl wurde durch zwei Transit-Stempel von ebenso vertrauten wie unerwarteten Orten motiviert: Chamonix und Genf. So begann eine Forschung über das Schicksal der Post, die von der Malabar Princess befördert wurde, einem Flugzeug der Air India, das von Bombay nach London flog und im Hochgebirge nahe dem Gipfel des Mont-Blanc abstürzte. Seit November 1950 und bis zum heutigen Tag liefert der Berg unter anderem auch Post zurück. In 70 Jahren wurde die gefundene Post in der Regel in den Postkreislauf zurückgeführt, manchmal auch direkt an die rechtmäßigen Besitzer weitergeleitet. Das Abenteuer geht jeden Sommer auf dem Bossons-Gletscher weiter, einem erstaunlichen Forschungsgebiet für Postgeschichte, aber nicht nur dafür.


    17:30-18:00 Uhr

    Anschlussfahrten nach interkontinentalen Dampfschifflinien zur Beschleunigung der Briefpost von Australien und Neuseeland 1843 – 1857

    von Klaus Weis (Präsident Deutscher Altbriefsammler-Verein)


    Anknüpfend an den Vortrag anlässlich des 80-jährigen DASV-Jubiläums präsentiert Klaus Weis, welche praktischen Maßnahmen von Australien und Neuseeland aus Mitte des 19. Jahrhunderts unternommen wurden, um die Post nach Europa zu beschleunigen.

    Anfänglich abgelegen von einem bereits etablierten Netzwerk interkontinentaler Dampfschifflinien blieb von Australien und Neuseeland aus nur die Beförderung mit Segelschiffen, welche den Witterungsverhältnissen deutlich mehr Tribut zu zollen hatten als Dampfschiffe.

    So liegt es auf der Hand, dass in vereinzelten Fällen Briefpost an Bord von Handelsschiffen gegeben wurde, welche nach bedeutenden Häfen segelten, um Anschluss an die dort regelmäßig verkehrenden, unter Vertrag stehenden Dampfschifflinien zu finden.

    Und das passierte tatsächlich in westlicher, nördlicher und östlicher Richtung – an das Kap der Guten Hoffnung, nach Kalkutta und Ceylon wie auch an die Westküste Südamerikas.


    18:00-18:15 Uhr
    Resümee und Verabschiedung (peter Platz / Klaus Weis)


    Der Einwahllink zu dieser Veranstaltung:

    https://us02web.zoom.us/j/8747…pQ0ZPRjFZS3hjRjlXaENoUT09



    Liebe Freunde,


    hier ein Brief von 1860 aus Botuschan im Fürstentum Moldau nach Bückeburg.

    Aufgegeben bei der österreichischen Auslandspostexpedition in Botuschan, lief der Brief über Österreich via Grenzpostamt Czernowitz - Lemberg - Krakau nach Preußen, das den Brief auf der Bahnstrecke Myslowitz-Breslau übernahm.

    Bückeburg im Fürstentum Schaumburg-Lippe, hatte bis 1848 eine preußische Postexpedition, ab diesem Jahr dann wie vordem ein Thurn & Taxissches Postamt.

    In Botuschan wurden 20 NKr. Portobelastung notiert: 5 NKr. Auslandsgebühr + 15 NKr. DÖPV-Porto, die Österreich zustanden. Da der Brief aus einem Nicht-Postvereinsland stammte, kam kein Portozuschlag zur Anwendung. Preußen reduzierte diese Forderung in 4 Sgr. Bei Übergabe an die T&T-Post wurde vertragsgemäß die Portoforderung in 12 Kr. rh. reduziert, obwohl Schaumburg-Lippe Talerwährung hatte. Diese 12 Kr. wurden dann bei Übernahme in Bückeburg, rs. Annahmestempel, wieder in 4 Sgr. umgerechnet und 1/4 Sgr. Bestellgeld hinzugefügt.



    Kleines Detail: Über die Schreibweise des Aufgabeortes gab es auch dort unterschiedliche Auffassungen: Der Poststempel nennt BOTTUSCHAN, der Absenderstempel BOTTOSCHAN.

    Seit 1859 gab es das Fürstum Moldau sowie das Fürstentum Walachei unter gemeinsamer Führung von Alexandru Ioan Cuza als die Vereinigten Fürstemtümer der Moldau und Walachei, jedoch noch unter osmanischer Oberhoheit, 1861 wurde dann das Fürstentum Rumänien gegründet.


    Viele Grüße
    Michael

    Der Zielort ist Genève in der Schweiz. Wenn der Brief vollständig erhalten ist, scheint er aber nicht dorthin gelangt zu sein.
    Waren die Marken denn im UPU gültig?


    Viele Grüße
    Michael

    Lieber Erwin,


    schöne Seite, ich würde nur im Text links oben "Elberfeld" durch "Magdeburg" ersetzen. Der Verwendungszeitraum (ab 9.5.1867) müsste auch korrigiert werden, da die Marke ein Stempeldatum vom März 1866 hat.


    Viele Grüße
    Michael

    Lieber Jürgen,


    ein sehr interessanter Brief. Diesen Stempel sehe ich hier zum ersten Mal in rot. Meines Wissens gibt es hierfür keine Verordnung o.ä., wie auch nicht für die bekannteren Beispiele von roten Kursstempeln (mit einer Ausnahme bei Übernahme von Österreich).

    Aber ein Prachtstück von einem Abschlag, da hat der Bahnpostler sich mit der Farbe und einem ordentlichen Abdruck Mühe gegeben.


    @ bayern klassisch, preussen_fan, Klesammler
    Danke für eure teils sehr innovativen Vorschläge.
    Neige auch zur Contra-Sammlung, zumindest wenn ich den Kursstempel noch mal auf einem Preußen-Beleg finde. ;)


    Viele Grüße
    Michael

    Liebe Freunde,


    der folgende Brief passt auch in 2 andere Themen: Contraventionen und Zugaufgaben. Dieses Thema hier habe ich gewählt, da für den rückseitigen Kursstempel FRANKFURT A/M / 19 9 I / COELN der Katalog der Arge Bahnpost bisher als Frühdatum 1868 zeigt, also in der NDP-Zeit. Dieser Brief belegt, dass es sich um einen preußischen Stempel handelt, vermutlich aus 1867.



    Der Brief wurde in Boppard direkt am Zug aufgegeben und lief Richtung Norden nach Mülheim am Rhein, heute ein Stadtteil von Köln.

    Korrekt mit 2 Sgr. frankiert, nur vergassen die Bahnpostler die Entwertung des Wertstempels.



    Viele Grüße
    Michael

    Liebe Freunde,


    der Boite-Stempel wurde gemäß Stempel-Handbuch der Arge S-H vom Hamburger T&T-Oberpostamt in der Zeit von 1862-66 verwendet. Er ist auf Post nach Österreich und Frankreich belegt.


    Viele Grüße
    Michael

    Nachdem der Verfasser seine Abbildungen mittels der Dateianhangsfunktion für alle sichtbar abgespeichert hat, habe ich die nunmehr überflüssigen Kommentare hierzu verschoben.


    Noch ein Hinweis: Bei Abbildungen aus Auktionskatalogen bitte die Bildquelle angeben!


    Viele Grüße

    Michael

    Lieber Erwin,


    Du hast mit allem recht, in meinem Posting bezog ich mich aber generell auf Fahrpostbelege, nicht auf den zuvor gezeigten mit Barfrankatur. Dieser kann natürlich nur am Fahrpostschalter aufgegeben worden sein.

    Der (scherzhafte) Hinweis auf die Briefkästen zielte in die Richtung, dass wahrscheinlich ein großer Teil der unterfrankierten Briefpost aus Briefkästen stammte, auch wenn nicht überall ein entsprechender Hinweis notiert wurde.


    Viele Grüße

    Michael

    Liebe Freunde,


    vielen Dank. Den einen oder anderen unterfrankierten Fahrpostbeleg hatte ich hier schon mal gezeigt. Im Vergleich zur Briefpost gibt es sicherlich deutlich weniger davon. Pakete passten ja auch schlecht in die Briefkästen. :)


    Viele Grüße

    Michael

    Liebe Freunde,


    hier eine unterfrankierte Paketsendung von 1859 aus Barmen/Rittershausen nach Lienen. Die Entfernung lag knapp <15 Meilen, dies entsprach innerpreußisch der Progressionsstfe 3. Bei einem Gewicht von aufgerundet 3 Pfd. ergab sich nach Berechnung ein Tarif von 13 1/2 Pfg., so dass hier der Mindesttarif von 4 Sgr. anzusetzen war.

    Die Sendung wurde fälschlicherweise mit 2 Sgr. taxiert und bar bezahlt. Diese Mindesttaxe reichte aber nur bis zu einer Entfernung von 10 Meilen. Der Fehler wurde bei einem anderen Postamt entdeckt und reicht nicht notiert. Die fehlenden 2 Sgr. wurden als Portoforderung notiert.



    Viele Grüße

    Michael

    Heute wird es ganz anders gesehen: Provenienzen werden auch in der Philatelie immer wichtiger. Nicht zuletzt sollen sie die Echtheit belegen. Dazu zeigen sie gewissermaßen philatelistische Kenntnisse, denn man hat sich mit dem Stück intensiv beschäftigt.

    Hallo zusammen,


    darüber könnte man diskutieren. Das sollte dann aber nicht in diesem Thema erfolgen.


    Viele Grüße

    Michael

    Lieber Erwin,


    vereinfacht: ab 17.6.1853 durften innerpreußische und innerhalb des Postvereins adressierte Fahrpostsendungen mit Marken frankiert werden.

    Nichtsdestotrotz sind mit Marken frankierte Fahrpostsendungen nicht häufig, daher vielleicht der Eindruck, dass es nicht erlaubt war.


    Viele Grüße

    Michael

    Lieber Franz,


    die Vielfalt der österreichischen Stempelformen beeindruckt mich immer wieder. Zudem die österreichischen Postler es oft schafften, wirklich saubere Abschläge zu produzieren.


    Gruß

    Michael

    Hallo Rainer,


    trotz der Faltungsbrüche (immerhin nicht durch die Marken) würde ich den 2.Beleg vorziehen. Deutlicher Abschlag des Farsi-Stempels, komplette Frankatur und der englischsprachige Stempel ist zumindest mit der 1. Zeile abgeschlagen worden.


    Gruß

    Michael