Beiträge von Altsax

    Hallo zusammen,

    der folgende, bei der Bahnpost Dresden-Görlitz aufgegebene (d.h., in den Zugbriefkasten geworfene) Brief sollte in Preußen per Expreß zugestellt werden und war vom Absender entsprechend mit 3 Ngr. Expreßgebühr frankiert worden:

    Dabei wurde übersehen, daß bei Postvereinskorrespondenz Expreßbriefe eingeschrieben versandt werden mußten. Infolgedessen behandelte die preußische Post den brief als recommandiert und versah ihn mit einer entsprechenden Reconummer ("14"). Das fiel umso leichter, als die sächsische Post es versäumt hatte, die Expreßgebühr mit einem Weiterfrancovermerk zu versehen..

    Es ist davon auszugehen, daß der überschießende groschen auf das fällige Landexpreßbestellgeld nicht angerechnet worden ist, sie siegelseitig vermerkten 7 1/2 Sgr. also den gesamten Anspruch darstellten.

    Es wäre schön, wenn ein kundiger Preuße das verifizieren könnte.

    Beste Grüße

    Altsax

    für die Beschreibung eines wahrscheinlichen Ablaufs wären einige Informationen (soweit bekannt) hilfreich:

    gab es in Röderau einen Bahnhofsbriefkasten? Ist bekannt, ob die Briefkästen am Zug verschlossen sein mussten? (Das war anscheinend bei ausländischen Zügen verschiedentlich vorgeschrieben)
    Sächsische Postler haben die abfahrenden Züge vermutlich nicht begleitet? Ist bekannt, ob die preußischen Postler in Sachsen im Zug waren oder an der Grenze ausstiegen?

    Lieber Michael,

    eines der Probleme bei diesem Brief ist die fehlende Datierbarkeit. Ab 1865 waren die Briefkästen preußischen Postwagen in Sachsen zum Einlegen von korrespondenz offen zu halten. die Frankatur mit marken der Johann-Ausgabe spricht aber für frühere Verwendung.

    Bahnhofsbriefkästen dürfte es in Röderau wie an den meisten Bahnhöfen gegeben haben.

    Zumindest auf späteren Briefen ist nachgewiesen, daß preußische Postler die Züge in Sachsen begleiteten. Es gibt Briefe mit dem Stempel Roederau-Berlin mit Aufgabevermerken sächsischer Orte.

    Liebe Grüße

    Jürgen

    eine Aufgabe direkt am Zug in Sachsen hört sich plausibel an.
    Da kein Aufgabeort angegeben war und der Brief sozusagen schon im Zug war als die preußische Post ihn erhielt, wurde die Notierung am ersten (Bahnhofs-)Postamt nachgeholt.
    Die Durchkreuzung der Freimarken und Notierung des F(ranco)-Vermerks ist in Sachsen erfolgt? (schwarze Tinte)

    Lieber Michael,

    der Einwurf in den Bahnbriefkasten dürfte in Röderau erfolgt und die Bearbeitung durch einen preußischen Beamten vorgenommen worden sein. Ein sächsischer hätte das Datum handschriftlich vermerken müssen. Die Tintenfarbe konnte in Sachsen blau oder schwarz sein.

    Verblüffend ist für mich, daß der Brief zur Bearbeitung (im Bahnhof) den Zug verlassen mußte und dadurch ein Zeitverlust in Kaug genommen wurde.

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Hallo zusammen,

    beim folgenden Brief ist mir einiges unklar:

    Nach Angaben des bekannt phantasievollen Vorbesitzers wurde der Brief im Rittergut Bath geschrieben, da in Sachsen Burxdorf gegenüber lag. Das wäre theoretisch dann möglich, wenn der Brief einer grenzüberschreitenden Postkutsche mitgegeben worden wäre. In diesem Falle war Federzugentwertung der sächsischen Marken und Beisetzung des (preußischen) Ortsstempels vorgeschrieben.

    Leider handelt es sich bei dem Beleg lediglich um eine leere Hülle, die keinerlei Anhaltspunkte für die genannte Beschreibung bietet.

    für wahrscheinlicher halte ich angesichts der Anerkennung der sächsischen Frankatur eine Aufgabe in Sachsen in den Zugbriefkasten (Cours Röderau - Berlin). Es stellt sich in diesem Falle allerdings die Frage, warum der Burxdorfer Bahnhofsstempel abgeschlagen worden ist.

    Hat jemand dazu eine Idee?

    Ergänzend dazu noch ein in Sachsen aufgegebener Brief mit Beförderung auf diesem Bahncours, der siegelseitig den Burxdorfer Bahnhofstempel trägt.:

    Beste Grüße

    Altsax

    Lieber Michael,

    ein weiterer Brief an den selben Adressaten datiert vom 18.10.1840. Siegelseitig ist in diesem Falle Porto (6 Sgr + 3 Pfg. Botenlohn?) notiert:

    Ist es denkbar, daß der erste Brief bis zur preußisch-lippeschen Grenze frankiert war und die Taxierung das lippesche Porto zzgl. Botenlohn darstellt, der herr Regierungsrath also keine Portofreiheit genoß?

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Liebe Freunde der Philatelie und Postgeschichte,

    soeben erhielt ich die Nachricht daß Peter Feuser  peterfeuser † heute verstorben ist. Ein Urgestein nicht nur des deutschen Auktionswesens, sondern auch ein Herausgeber bedeutender Werke der philatelistischen Literatur und ein Streiter gegen die Unterdrückung unangenehmer Wahrheiten im Marktgeschehen ist nicht mehr unter uns.

    Die Philatelie in Deutschland ist um einen kantigen, unterhaltsamen und aufrichtigen Menschen ärmer.

    R.I.P.

    Hallo zusammen,

    für den folgenden, wohl aus 1816 stammenden Brief fehlen mir die relevanten Taxunterlagen. Er ist für mich insofern von Bedeutung, als er offenbar einen hohen Anteil seines Speditionsweges auf der durch Sachsen führenden VIA REGIA zurückgelet hat.

    Kann bitte jemand die Taxanteile erläutern?

    Beste Grüße

    Altsax

    Lieber Christian,

    das unpassende Datum war mir bisher gar nicht aufgefallen, vielen Dank für den Hinweis.

    Es führt mich zu einer völlig neuen Überlegung:

    Das Stempeldatum läßt sich wegen der ungewöhnlichen Datumsabweichung nicht mit einem Steckfehler erklären. In Betracht käme daher eine Verwendung eines ausrangierten Stempelgerätes. Daraus folgt die Idee einer irregulären Zustellung.

    Geht man davon aus, daß schnellstmögliche Zustellung immer ein Ziel war, fragt man sich, ob der hinweis "an der Grenze" nicht wörtlich genommen und der brief dort abgegeben worden sein könnte. Das setzte voraus, daß der Brief in Zittau nicht in einen regulären Kartenschluß nach Warnsdorf, Seifhennersdorf oder Rumburg gelangt wäre, sondern bloßgehend dem Kutscher mitgegeben worden wäre, der ihn dann "an der grenze" (wem auch immer) übergab.

    Zur Dokumentation dieses möglicherweise nicht unüblichen Verfahrens diente neben dem unleserlichen Vermerk der Abschlag des Bestellunsgstempels.

    ohne den Fund wenigstens eines weiteren Beleges muß das Spekulation bleiben, der Beschleunigung der Zustellung jedenfalls wäre ein solches Verfahren zuträglich gewesen.

    Beste Grüße

    Jürgen

    Lieber Ralph,

    der Eigentümer des Briefes hat bereits Rundumschläge bei allen möglichen archiven und institutionen durchgeführt - ohne wesentliche Ergebnisse.

    Auch an der Entzifferung des vermerks sind bisher alle "Schriftexperten" gescheitert. Ich fürchte, daß es sich bein ersten Begriff um einen Eigennamen handelt, der sich aus dem Kontext nicht erschließt.

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Lieber Ralph,

    dieser Stempeltyp ist in Sachsen m.W. an keinem Postort gebräuchlich gewesen. Speziell auf Briefen nach Seifhennersdorf kommen nur die allgemein verwendeten Typen vor.

    Grenzüberschreitende Zustellung ist zwar nicht in Postverordnungen geregelt gewesen, kommt aber regional vor, vermutlich aufgrund von örtlichen Absprachen.

    Einen Zweifel an der Zustellung von Warnsdorf oder Rumburg aus habe ich nicht. Die Frage ist, ob der siegelseitige Vermerk darauf einen Hinweis gibt.

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Hallo zusammen,

    ein Sammlerfreund kommt bei folgendem Brief nicht weiter:

    Der Brief ist nach Seifhennersdorf "an der Grenze" adressiert und trägzr einen österreichischen bestellungsstempel, wurde also von Österreich aus zugestellt.

    Die Frankatur von 1/2 Ngr. reichte für eine Beförderung nach Österreich nicht aus.

    Der Sammler vermutet rückseitig einen Bestellgeldvermerk von 3 Kr.

    Der vermerk läßt sich aber auch als" ... z (ur). Z(eit) ..." lesen, wobei davor ein (Orts-)Name stünde.

    Hat jemand dazu eine Idee?

    Beste Grüße

    Altsax

    Hallo zusammen,

    im Siebenjährigen Krieg wurde Sachsen mehrfach von preußischen Truppen besetzt. Von einigen Städten existieren preußische Feldpostscheine, die der Gestaltung nach zu urteilen in der Druckerei produziert worden sind, die auch die sächsischen Postscheine druckte.

    Es wäre schön, wenn hier weitere Exemplare eingestellt werden könnten. Auch spezifische Informationen dazu sind hoch willkommen.

    Beste Grüße

    Altsax

    Zur Ergänzung:

    Im I. Reglement für den Postvereinsverkehr zum Postvereinsvertrag v. 18. August 1863 ist im § 25 vermerkt:

    "In allen vorgedachten Fällen (Unzustellbarkeit) ist der Grund der Zurücksendung ...auf dem Begleitbrief zu vermerken."

    In der überwiegenden Zahl der Fälle dürfte es sich bei "reclamierten" Retourbriefen um solche handeln, bei denen der Empfänger (Hotel, Gastgeber) Kenntnis von der Abreise des eigentlichen Adressaten hatte und die Rücksendung veranlaßte.

    Eine derartige Veranlassung durch den Absender kann der Natur der Sache nach ausschließlich per Telegraphie erfolgen. Daß man lange auf einen entsprechenden Beleg warten muß, ergibt sich eigentlich von sebst.

    PS: Ralphs Korrektur der Vermerksformulierung habe ich übernommen

    Hallo zusammen,

    der folgende Brief ist, soweit lesbar, an eine Hoteladresse in Pest gerichtet worden. Wenige Tage später erfolgte der Rückversand.

    Interessant ist der Vermerk "eine Depesche liegt am Telegraphenamt". Offenbar wurde der Brief telegraphisch zurückgerufen und gar nicht erst dem Hotel zugestellt.

    Beste Grüße

    Altsax

    Lieber Ralph,

    der Brief ist wirklich spannend!

    zur Entfernung:

    Anläßlich des Beitritts zum Postverein veröffentlichte die sächsische Post in ihren Verordnungsblättern für die seinerzeitigen Mitgliedsstaaten Listen für alle Postorte, die gegenüber den sächsischen im 1. oder 2. Entfernungsbezirk lagen. Für Leipzig-Waldsassen ist darin der 2. Entfernungsbezirk angegeben. Für einen einfach schweren Brief waren demnach 2 Ngr. anzusetzen.

    zum Gewicht:

    vor der Änderung des Landesgewichts zum 1. November1858 war das Pfund in 32 Lothe geteilt, das Loth also geringfügig leichter als das im Postvereinsvertrag festgelegte Zoll-Loth. Sachsen legte deshalb auch für die Postvereinskorrespondenz die Progressionsgrenze auf "Loth inclusive" fest. Somit war dieser Brief einfach schwer.

    Fazit: Der Brief ist um 1 Ngr. überfrankiert. Sofern das der Schalterbeamte nicht übersehen oder gar selbt angesetzt hat, hätte der Brief dem Einlieferer zurückgegeben werden müssen.

    Die "2" (oder "3") halte ich für die i.d.R. an dieser Stelle angebrachte Manualnummer.

    Bemerkenswert ist noch der recht frühe Recommandiertstempel, der aufgrund der einschlägigen Bestimmung im Nachtrag zum Postvereinsvertrag in Sachsen ab 1856 nach und nach an allen Postorten eingeführt worden ist.

    Sollte dir dieser Beleg einmal lästig werden...

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Lieber Ralph,

    der Brief wäre mir bei ebay gar nicht aufgefallen, wenn ich nicht zufällig der Tarif für Dresden nach Bodenbach im Kopf gehabt hätte. Die inhaltsangabe war ja sehr gut getarnt.

    Möglicherweise gibt es mehr davon, als man denkt. BmB-Belege fliegen schließlich nicht selten unter dem Radar.

    Liebe Grüße

    Jürgen