Beiträge von Altsax

    Lieber Michael,


    nach weiteren rückseitigen Vermerken habe ich gefragt, aber noch keine antwort erhalten.


    Der frontseitige Vermerk in Blaustift soll als "13" zu lesen sein. Wäre das das Äquivalent für 4 Sgr. in Kopeken?


    Beste Grüße

    Jürgen

    bist du sicher, dass die Marke schon immer auf dem Brief war?

    Lieber Ralph,


    "sicher" sind sich in dieser Hinsicht nur gewisse Attestaussteller. Ich würde diesen Begriff bei Zugehörigkeitsfragen nur im negativen Sinne gebrauchen.


    Konkrete Anhaltspunkte für eine Manipulation sehe ich jedoch nicht. Der Eigentümer ist ein sehr erfahrener Sachsensammler und hat offensichtlich auch am Original keine erkennen können.


    Liebe Grüße

    Jürgen

    Den folgenden Brief schickte mit ein in den USA lebender Sammlerfreund:



    Ausweislich einer sächsischen Postverordnung wurde der unterbrochene Postverkehr zwischen Österreich und venezien am 20.9.1866 wieder aufgenommen, wobei die alten (Postvereins-)Tarife wieder galten. Unter dem 3. November 1866 wurde mitgeteilt, daß die Wirksamkeit österreichischer Postanstaltenin Venedig (gemeint ist Venetien) nunmehr (ab wann blieb offen) vollständig aufgehört habe.


    Beim obigen brief ist der Freivermerk von offenbar gleicher Hand gestrichen worden wie die darüber angebrachte "8" (Soldi?), die vermutlich den italienischen Portoanteil für den 1. Rayon darstellten.


    Kennt jemand das genaue Datum des Beginns der Gültigkeit der italienischen Taxen auch für Venetien?

    Den folgenden Beleg schickte mir ein in den USA lebender Sammlerfreund.



    Der Brief ist lediglich mit dem Postvereinsanteil frankiert, also nach dem preußisch-russischen Vertrag unzulässig und insofern mit dem Vereinsanteil seitens der preußischen Post belastet. Ein weiterer Taxvermerk ist abgeschwächt worden und nicht eindeutig erkennbar.


    Kalisch ist im Postvertrag als grenzbereichsort mit verminderter polnischer (russischer) Taxe von 1 statt 3 Sgr. genannt, Opatowek nicht. Die Frage ist, ob es dort eine Postanstalt gab, oder Kalisch als Bestimmungsort zugrundezulegen ist.

    was hat sich da zwischenzeitlich geändert?

    Hallo Michael,


    Köhler hat durch die Werbung mit seinem "ProvenienzFinder" die Bedeutung der Provenienz zwar weiter herausgestellt. Als Ersatz für eine aktuelle Prüfung fungiert sie aber inzwischen weit weniger, seit bekannt geworden ist, daß auch höchst prominente Vorbesitzer auf Fälschungen hereingefallen sind und dabei (bzw. ihre Erben) teils siebenstellige Beträge verloren haben.


    Das Erstaunliche daran ist die Tatsache, daß so etwas im Kunsthandel, bei dem gesicherte Provenienzen durchaus eine reale Bedeutung haben, seit langem regelmäßig vorkommt, ohne daß die Käufer von Briefmarken daraus ihre Schlüsse gezogen hätten.


    Beste Grüße

    Jürgen

    Diese Franco-Vermerke gab es schon im 15. Jahrhundert und es gab sie noch im frühen 20. Jahrhundert, weil es Tradition geworden war. Aus amtlichen Quellen liest man da oft nichts wirklich Zwingendes,...

    Lieber Ralph,


    in der Einführungsverordnung von Briefmarken in Sachsen im Jahre 1851 findet sich bereits der Satz

    "Die mit Marken frankierten Sendungen bedürfen der Bezeichnung "frei", "fr.", "franco" etc. nicht."

    Er blieb jedoch jahrelang nahezu unbeachtet, weil die Macht der Gewohnheit erst allmählich ihre Wirkung verlor.


    Liebe Grüße

    Jürgen

    Die Justiz müsste hier auch mal ein knallhartes Statement setzen, und dies veröffentlichen. Dies würde zwar nicht alle, aber doch den ein oder anderen abschrecken.

    Genau das wird nicht passieren.


    Ein vergleichbares Verfahren läuft doch schon lange bei nicht wenigen Maklern:


    Sie kapern Angebote, veröffentlichen sie ohne Auftrag des Anbieters, lassen Interessenten einen Maklervertrag unterschreiben, und kassieren dann Provision, wenn der Vertrag zustande kommt.


    Das ist nicht ganz dasselbe, aber völlig legal. Zumindest wäre es als Argumentation füt korrekte Absichten zu gebrauchen durch diejenigen, die fremde Abbildungen benutzen.

    Hallo zusammen,


    siegelseitig sind zwei unterschiedliche Briefträgernamen vermerkt. Oberhalb des oberen fehlt das Klappenteil. Dort könnte durchaus eine weitere bzw. korrigierte Nachsendeadresse vermerkt gewesen sein.


    "Glogau" scheint m.E. die richtige Interpretation des unteren Vermerks zu sein..


    Beste Grüße

    Altsax

    es geht letztendlich um Umsatz und Profit. Notfalls kann ein Prüfer, der für sein Attest haftet, in Haftung gebracht werden. Das kann man natürlich nur, wenn man im guten Glauben ist, dass das ausgestellte Attest in der Sache fehlerfrei ist.

    Haftung setzt auch voraus, daß ein Schaden entstanden ist. Der würde nicht entstehen, wenn Köhler das Los zurückzieht (was in der Vergangenheit bei einem gleichgearteten Fall nicht erfolgte). Wenn der Eigentümer das Stück bereits einem BPP-Prüfer vorgelegt hatte, der darüber anders urteilte (mit Prüfauftrag oder nicht), dürfte die Gutgläubigkeit für ihn verlorengegangen sein. Damit entfiele auch die Haftung. Der Eigentümer müßte also einen "gutgläubigen" Käufer finden, der dann die Prüferhaftung verlangt - angesichts der inzwischen hergestellten Öffentlichkeit des Ablaufs ein juristisch eher heikler Versuch.

    Hallo zusammen,


    die folgende Faltbriefhülle gibt mir einige Rätsel auf:


    Glaubt man der Bleistiftnotiz, ist der Brief am 30.1.1913 aufgegeben worden, was zur Verwendung des Leipziger Einzeilers passen würde. Der Verschluß mit dem Siegel des Königshauses in verbindung mit dem Vermerk "franco Leipzig" läßt darauf schließen, daß Dresden der Aufgabeort war. Regelungen zur Portofreiheit für Mitglieder des Königshauses aus der damaligen Zeit sind mir nicht bekannt. Der Francovermerk spricht nicht zwangsläufig dagegen, andere Belege aus der Zeit eher dafür.


    Die Taxvermerke kann ich leider nicht zufriedenstellend entschlüsseln. Kann ein Kenner helfen?


    Beste Grüße

    Altsax

    Aber man kann sagen dass das A-Haus hier klare Ansage gemacht hat, zumindest fuer mein Sprachverstaendnis: Lueckenfueller ist und bleibt nahe an Altpapier.

    Hallo Andreas,


    ein "Lückenfüller" mit zwei Signaturen ist ein Widerspruch in sich. Wenn ein Auktionator Signaturen beschreibt, hat er sich zumindest darüber zu vergewissern, ob die Signaturen echt sind bzw. sein können. Das kann man hier ausschließen, weil diese Fälschung die verbreitetste und bekannteste überhaupt ist, erkennbar bereits an den charakteristischen Zweikreisstempeln.


    Bei ganz zurückhaltender Beurteilung wurde hier seitens des Auktionshauses zumindest gegen Sorgfaltspflichten verstoßen.


    Beste Grüße

    Jürgen

    Als vor knapp 40 Jahren die Boker-Sammlung auf den Markt kam, erstarrte die Sammlerschaft vor Ehrfurcht vor den oft sensationell anmutenden Raritäten. Durch die Zuschläge für die "großen Stücke" wurden auch weit weniger bedeutende Lose mitgezogen und erzielten Preise, die in keinem realistischen Verhältnis mehr standen zu Bedeutung und Seltenheit. Kaum jemand wagte es, die Echtheit in Zweifel zu ziehen, obwohl auf aktuelle Prüfungen weitehend verzichtet worden war. Der Name Boker und die oftmals eindrucksvolle "Provenienz" genügte.


    Das Modell machte Schule. Nicht nur, aber vor allem das Auktionshaus Köhler wies in seinen Losbeschreibungen auf mehr oder weniger prominente Vorbesitzer hin. Die Provenienz wurde zum Qualitätsmerkmal, das oft genug auch den Verzicht auf aktuelle Prüfungen zu rechtfertigen schien. Selbst Sammler, die üblicherweise nicht unkritisch sind, wurden leichtsinnig. Auch der Verfasser machte, ebenso wie einige Kollegen, kostspielige Erfahrungen bei der Knapp-Sammlung.


    Inzwischen hat sich herumgesprochen, daß sowohl frühere Prüfer als auch bedeutende Sammler sich haben täuschen lassen von geschickten (und teilweise sogar von weniger begabten) Fälschern. Entsprechende Beispiele wurden teilweise öffentlich diskutiert, oft jedoch von den Eigentümern stillschweigend als Erfahrung verbucht.


    Seriöse Auktionshäuser zogen daraus die Konsequenz, von bestimmten Wertgrenzen an kein Los mehr ohne aktuelle Prüfung anzubieten. Dieses kostspielige Verfahren dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern ist oftmals Voraussetzung dafür, daß die mehr im Anleger- als Sammlerbereich anzusiedelnden potentiellen Käufer überhaupt kaufbereit sind.


    Eine Konsequenz ergibt sich daraus, daß die BPP-Prüfer gehalten sind, Mängel in Attesten und Befunden einzeln aufzuführen. Bei klassischen Briefen beispielsweise führt das dazu, daß vielfach der begehrte Begriff "einwandfrei" lediglich nach der Mängelbeschreibung hinter "ansonsten" erscheint.

    Da die Anlegergruppe verinnerlicht hat, daß einwandfreie Qualität Voraussetzung für ein gutes Investment ist, fallen solche Stücke also nicht in deren Interessensbereich. Diese Entwicklung läßt sich an den Zuschlagspreisen für qualitativ nicht völlig "einwandfreie" Stücke ablesen.


    Unter Werterhaltungsgesichtspunkten mag diese Abwertung zu beklagen sein. Vor allem für postgeschichtlich interessierte Sammler, die ohnehin daran gewöhnt sind, Qualitätsgesichtspunkten weniger Aufmerksamkeit zu widmen als Bedeutung und Seltenheit, bietet diese Entwicklung die Chance, ohne die Bietkonkurrenz der Geldanleger zu Stücken zu kommen, die andernfalls unerschwinglich geworden wären.

    Ist der Vermerk links, rechts über der Sieglung ein Botenlohnvermerk und

    könnte mir bitte jemand gleich den Text "übersetzen"?

    Hallo Enrico,


    ja, das ist ein Botenlohnvermerk für eine Landzustellungsgebühr von 10 Ngr.

    Großröhrsdorf hatte zum Versandzeitpunkt noch keine eigene Postexpedition.


    Beste Grüße

    Jürgen