Preußen und die nördlichen Taxis-Gebiete

  • Liebe Freunde,


    ich habe einige Briefe, die aus Preußen oder durch Preußen kommend in die nördlichen Taxis-Gebiete adressiert waren.
    Dabei findet man immer wieder Taxierungen, wie auf den folgenden Beispielen:



    Der linke aus dem Jahr 1853 lief aus der preußischen Rheinprovinz nach Gera, Reuß j.L..
    Der rechte aus dem Jahr 1862 lief aus Russland kommend nach Schötmar in Lippe-Detmold.
    Beide Staaten gehörten zu den nördlichen Gebieten mit Thaler-Währung.
    Dennoch findet man auf beiden Briefen Kreuzer-Taxierungen neben den eigentlich relevanten Groschen-Taxen.


    Haben sich die preußischen Beamten tatsächlich andauernd vertan und diesen Staaten fälschlicherweise die Kreuzer-Währung zugeordnet ?
    Oder gibt es hierfür eine andere Erklärung ?


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    beim 1. Brief perfekt zu sehen: Die Aufgabepost taxierte 12x in blau, wie es richtig war und in Preußen üblich. Später wurde mit Rötel korrigiert. Briefe nach den Ländern mit taxischer Lehenspost müssen für die damaligen Postler der wahre Horror gewesen sein.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hier ein Brief aus dem Jahr 1858:


    Brief aus Berlin nach Bückeburg mit Mischfrankatur der 1. (2 Silbergroschen) und 3 Ausgabe (1 Silbergroschen) von Preußen für einen Brief in den Postverein, frankiert mit insgesamt 3 Silbergroschen. Bückeburg lag übrigens an der Bahnstrecke von Berlin nach Minden.


    Interessant ist die Angabe des Bestellgeldes von 0 (wahrscheinlich Silbergroschen) der TuT-Post.

  • Moin,


    an diesem schönen Brief nach Bückeburg im Fürstentum Schaumburg-Lippe konnte ich nicht vorbeigehen.
    Der Brief war vermutlich übergewichtig, aber die verschiedenen Notierungen mit blauer Tinte sind mir trotzdem nicht alle verständlich. Über Erklärungen würde ich mich freuen.


    Übrigens ein interessanter Empfänger: Viktor von Strauß war u.a. schaumburg-lippischer Abgeordneter im Bundestag und stimmte 1866 für die Mobilmachung gegen Preußen.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    darf ich es mal versuchen?


    3 Sgr. für einen Brief unter 1 Loth über 20 Meilen frankiert. Beim Wiegevorgang stellte sich das Gewicht aber mit 1 2/10 Loth heraus (oben links). Dadurch wurde es ein Brief der 2. Gewichtsstufe.


    Ab 1.7.1858 (wenn ich nicht irre) war zu rechnen: 1. Gewicht mit 3 Sgr. frankiert, 2. Gewicht unfrankiert, daher 9 Kr. plus 3 Kr. Portozuschlag = 12 Kr. vom Empfänger.


    Zuvor war bei gleich gelagertem Fall zu rechnen: 1. Gewicht porto = 12 Kr. plus 2. Gewicht Porto = 12 Kr., in summa 24 Kr., abzüglich der Frankatur von 3 Sgr. bzw. 9 Kr. = 15 Kr. vom Empfänger, womit sich die gestrichene 15 erklärt.


    Sehr hübsches Stück und ich dachte immer, die rechnen da oben in Silbergroschen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    Du darfst natürlich immer :)


    Vielen Dank für die genauen Erläuterungen.
    Dann wäre dadurch jetzt auch das Datum des Briefes geklärt: aus dem rückseitigen Stempel konnte es nur 1856 oder 1858 sein. Nun kann man von letzterem ausgehen, weil das auch die zuerst erfolgte falsche Taxierung mit "15" Kreuzern erklärt. Dann hatte der Postler im ersten Monat der neuen Regelung anscheinend noch seine Schwierigkeiten damit.


    Bei der Währung blicke ich noch nicht durch:
    ich hätte auch Silbergroschen in Schaumburg-Lippe erwartet und keine Kreuzer.
    Und die Notierung über Bückeburg scheint sogar "3 Gute Groschen 3 Pfennig" zu sein (das "a" dahinter kann ich leider nicht interpretieren)!? ?(
    (wobei dieser Betrag doch weder mit 12 noch mit 15 Kreuzern korrespondiert!?)


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    hatte ich vergessen zu erwähnen, dass 3 Gutegroschen 3 Gutepfennige 12 Kreuzern entsprechen. Du kannst bei den Währungen von Hannover und Braunschweig schauen, da war das zu dieser Zeit auch noch so (später kamen ja auch dort die Silbergroschen in Gebrauch).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    hier ein Postvorschuß-Brief aus Weißenfels nach Camburg. Weißenfels lag in Preußen und Camburg war eine zu Sachsen-Meiningen gehörige Exklave. Die Post wurde von T + T verwaltet und wie in anderen nördlichen Bereichen war die Währung Taler/Silbergroschen. Der Entfernung zwischen den Orten waren 2-3 Meilen.

    Gerichtet war dieses am 16.7.(1856) gestempelte Schreiben


    An

    das Herzoglich Sächsische Verwaltungs-Amt

    zu

    Camburg


    links unten vermerkt:


    15 Sgr. Postvorschuß

    inliegend ein Reisepaß für .. Seidel

    zu Herpf ??


    Sehe ich die Taxe richtig? 15 Sgr. Vorschuß + 2 Sgr Porto + 1 Sgr Procura? Alles Für Preußen und nichts für T+T (Sachsen-Meiningen)?


    Dieter

  • Lieber Erwin,


    was soll diese Marke auf einem preußischen Brief?

    Es fehlt die 1 Sgr.-Zusatzfrankatur.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael, da hast du recht, es waren ja 3 Sgr. erforderlich. Merkwürdig kam mir der Brief auch vor. Aber interessant ist, dass kein unterfrankiert-Vermerk vorhanden ist. Unter Kreuzer-Marke ist da ja eigentlich nicht genug Platz.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Die Stempelübergänge scheinen nicht zu passen, auch wirkt der Nummernstempel nicht kreisrund.

    Sieht so aus, als hätte da jemand die Marke ausgetauscht.

  • Das ist auch meine Vermutung.

    Oder auch möglich: die 1 Sgr. wurde abgelöst (war in früheren Zeiten nicht ungewöhnlich) und später die T&T-Marke dorthin montiert.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

    Einmal editiert, zuletzt von Michael ()