Rücksendungen & Weiterleitungen

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Retourbriefe, wie auch Weiter- oder Nachsendungen, sind oftmals interessante Belege.


    Anbei ein portobefreite Justizsache von 1850 aus dem preußischen Thorn ins westpreußische Plywajeno, bei Kowalewo.
    die Portobefreiung war von dem Thorner Beamten Boigs mit seinem Stempel bestätigt worden.
    Kowalewo (später umbenannt in Schönsee) war erst 1815 zu Preußen gekommen und besaß eine Postexpedition. Der Landbriefträger versuchte am 3.8. eine Zustellung, notierte dann aber: Der Adressat ist verzogen nach ???
    Daruafhin wurde der Brief nach Thorn zurückgesandt und dort am 6.8. zugestellt.
    Rückseitig ist mit Rötel der 1 Sgr. Bestellgeld für den Landbriefträger notiert worden, das er wohl leider nie gesehen hat.
    Bisher noch nicht gesehen hatte ich, dass die rücksendende Postanstalt ihren Aufgabestempel zusätzlich abschlägt, wie hier am 5.8. in Kowalewo geschehen.


    Viele Grüße
    Michael

  • Lieber Michael,


    toller Brief mit Vermerk, dass der Empfänger nach "Pohlen" verzogen war. Die Orthographie war des Briefträgers starke Seite sicher nicht.


    Wurde in Preußen das Bestellgeld nur anforderbar, wenn direkt zugestellt wurde?


    Eigentlich war der Abschlag eines zweiten Aufgabestempels auf der Adresseite nur dann üblich, wenn der Brief erneut aufgegeben wurde und eben nicht unzustellbar war. Aber das mag auch der ein oder andere Bayern individuell gehandhabt haben.


    Morgen werde ich auch mal ein paar zeigen und sogar ein Preußenbrief wird dabei sein. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,

    toller Brief mit Vermerk, dass der Empfänger nach "Pohlen" verzogen war. Die Orthographie war des Briefträgers starke Seite sicher nicht.

    an dieser orthografischen Freizügigkeit mangelt es mir manchmal, weshalb ich manchmal nur ??? verstehe. Danke für die Übersetzung. ;)

    Wurde in Preußen das Bestellgeld nur anforderbar, wenn direkt zugestellt wurde?

    Ich kann zwar jetzt keinen Paragraphen zitieren, aber aus der Behandlung nicht zustellbarer Briefe - bei denen ja auch ein Bestellgeld fällig wurde - würde ich sagen: Ja.

    Eigentlich war der Abschlag eines zweiten Aufgabestempels auf der Adresseite nur dann üblich, wenn der Brief erneut aufgegeben wurde und eben nicht unzustellbar war. Aber das mag auch der ein oder andere Bayern individuell gehandhabt haben.

    Da der Brief offensichtlich nicht zugestellt werden konnte, handelt es sich hier, meiner Meinung nach, um einen Fehler des Postbeamten.

    Morgen werde ich auch mal ein paar zeigen und sogar ein Preußenbrief wird dabei sein. :)

    Das wird dann garantiert nicht 08/15 sein ...


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    vielen Dank für die Antworten - wieder etwas dazu gelernt. Leider läuft mir etwas die Zeit davon, aber das Einstellen hole ich später noch nach.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammelfreunde


    bevor bayern klassisch seine "Granten" zeigt, eine unscheinbarer Briefhülle von Berlin nach Magdeburg und wieder retour.


    Adressiert ist er "An den ????? Justiz-Amts- Offizier ???? (gestriches Wort) Bode auf dem???? Festung zu Magdeburg. Die Entfernung dürfte etwas über 15 Meilen sein, so dass 4 Sgr Porto anfielen. Nach der Siegelseite würde ich sagen, dass sowohl am 13. und am 14 versucht wurde den Brief zuzustellen.


    Vorderseitig wurde vom Briefträger nun notiert "Ist am 6ten Oktober von der Festung entlassen? und auf Charlottzenburg zurückgekehrt".
    Auf dem Postamt wurde nun "14/11 retour" und "Retour Berlin" notiert. Weiterhin wurde der kleine L2 von Magdeburg abgeschlagen.
    Aus der Qualität des Stempel wurde ich hier von 1839/40 ausgehen, zeitlich passt es jedoch bis 1843, da ab 01.10.1844 neue Brieftaxen galten.


    Für die Retoursendung fallen laut §74 keine weiteren Gebühren an.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Freunde der gepflegten Weiterleitung,


    dann vorab einen schönen aus Belgien nach Bayern, aber mit Umwegen. Aufgegeben in Brüssel am 16.10.1855 wurde der Portobrief mit 2 Decimes für Belgien ("Belgique 2ene Rayon") belastet nach Aachen gesandt. Diese waren für den Empfänger in dem württembergischen Stotzingen mit 7 Kr. zu bezahlen. Dazu kam für Preußen als Postvereinsaufgabepost (Aachen) die Vereinsgebühr für die süddeutschen Staaten mit 9 Kr. in Ansatz, so dass man 16 Kr. (Preußen notierte in blau rechts korrekt) ansetzte. Eine Auslieferung erfolgte nicht. Erst am 19.10. stellte man den neuen Aufenthaltsort fest - Günzburg in Bayern. Nun setzte man 3 Kr. für Briefe im Postverein bis 10 Meilen an und notierte oben 19 Kr.. Am selben Tag sollte er dort zugestellt werden, doch auch dieser Versuch misslang und man sandte ihn weiter nach Augsburg, nun innerbayerisch bis 12 Meilen. Aber auch dort war er nicht mehr (vermutlich auf der Flucht vor dem hohen Porto). Schließlich wähnte man ihn zurecht in Haslang bei Aichach und auch für diese Weiterleitung wollte man ebenfalls 3 Kr., so dass der Endbetrag von 22 Kr. (oben links) erreicht war, ehe er endlich zugestellt werden konnte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo zusammen.


    Hier ein Beleg, der mir einige Rätsel aufgibt. Ich hoffe, ihr könnt mir bei der Klärung helfen.


    Die Postkarte hat ihren Empfänger in Bulgarien nicht mehr erreicht und wurde wohl an die ermittelte Adresse in München zugestellt.



    Soweit so gut, wenn die Stempel nicht wären. Die Postkarte wurde am 29.12.1910 in München entwertet.



    Der Stempel über der Retourenmarke von Sophia hat eindeutig das Datum vom 28.12.1910. Der zweite Stempel von Sophia stamm vom 18.12.1910. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Ich kann es mir nur so erklären, dass der Münchener Stempel erst nachträglich (nach der Rücksendung) abgeschlagen wurde. Allerdings wäre die Zeit für die Rücksendung schon sehr knapp. Habt ihr eine Meinung/Lösung? Wenn wir wüßten, wann Herr Ertl Geburtstag hatte, wäre die Antwort leichter. :)


    Herzliche Grüße


    Christian

  • Hallo Christian,


    vermutlich hat es mit den unterschiedlichen Kalendern zu tun - gregorianischer Kalender hier und julianischer Kalender im Zielland.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Hallo Christian,


    @ bayern klassisch hat recht, in München galt der gregorianische Kalender, in Bulgarien arbeitete man noh bis 1914 mit dem julianischen. Man könnte die Differenz nach einer Formel ausrechnen, erfahrungsgemäß dürfte es sich jedoch so verhalten, dass man mit dem julianischen Kalender ca. 14 Tage (der Größenordnung nach) zurück lag. Im Jahre 1910 war der 18.12 nach julianischem Kalender der 31.12. Die Laufzeit betrug also drei Tage. Zurückgesendet wurde der Brief am 10.1.1911 nach gregorianischem Kalender.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo ihr zwei,


    danke für die Aufklärung. MIr war nicht bewußt, dass der julianische Kalender zu der Zeit noch Gültigkeit hatte.


    Liebe Grüße


    Christian

  • Liebe Sammelfreunde


    dazu hier einen Beleg vom 12.01.1856 von Kemberg nach Rathenow. Es handelt sich um einen Postvorschußbrief von 1 Thaler 13 Sgr. Weiterhin wurde angegeben, dass es sich eine "Portofreie Justiz-Sache" handelt.


    Retour lief er am 15.01. und siegelseitig wurde dazu notiert:
    "Adressat verweigert sich der Annahme zur Bestellung des ..... Betrages, dafür? zurück.
    Rathenow, den 15.Januar 1856 (Name) ..meister."


    Zur Gebühren-Aufstellung 1 Thaler 13 Sgr Nachna(hme) 3 Sgr ????, da kann ich weder Porto noch Procura lesen.
    Eigentlich würde ich nur das Procura von 1 Sgr je angefangene 15 Sgr, also von 3 Sgr, hier ansehen und kein Porto für den zurückgelegten Weg.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Altsax,


    faszinierender Beleg, danke fürs zeigen.


    Interpretiere ich es richtig, dass der Brief erst innerhalb Russlands an eine Hoteladresse weitergeleitet wurde?
    Nach Zustellung wurde er dann als Portobrief neu aufgegeben.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,


    die siegelseitig vermerkte Hoteladresse scheint die St. Petersburger zu sein, die frontseitige die Pariser.


    Leider kann ich den siegelseitigen russischen Text nicht entziffern, vielleicht kann da jemand helfen.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Liebe Altdeutschalndfreunde.


    Ich hoffe der folgende Brief wird in diesem Beitrag gelitten; er stammt aus Frankreich. Da ich ich nicht genug Belege dieser Art habe, macht es für mich keinen Sinn, ein neues Thema zu eröffnen. Außerdem bin ich der Meinung, dass er hier gut aufgehoben ist. Interessant finde ich ihn alle mal. Man könnte glatt den Eindruck haben, dass ein französischer Postmitarbeiter an spätere Sammlergenerationen gedacht hat.



    Hier kommt mein Versuch der Interpretation oder wie eine undeutliche Handschrift eine philatelistische Mittelmeerkreuzfahrt verursachte.


    Der Brief aus Frankreich, von dem Bank und Wechselgeschäft Gallien & Toupet wurde am 11 Dezember 1846 aus Granville, Dèpartement Manche in der Region Basse-Normandie abgesandt. Ziel der Messieur Gantrier Frires in Aigre, Department Charnete, Region Poitou-Charentes in Zentralfrankreich. Soweit so gut. Am 20.12.1846 wurde der Brief in Alger (Algier) in Algerien zum ersten mal abgestempelt "ALGER ALGERIE".


    Am 24.12.1846 hat der Brief, nachdem er wohl unzustellbar war, Algerien auf dem Seeweg wieder verlassen, 2. Stempel "ALLGER (POSS. D'AFR.) und kam am 26.12.1846 in Marseille an. Am 29.12.1846 hat er dann Bordeaux erreicht, bevor er am 30.12.1846 in Aigre seine Rundreise voraussichtlich beendete. Leider kann ich das Datum auf dem Stempel von Granville auf der Rückseite (links oben) nicht entziffern, denke jedoch, dass das Datum auch der 11.12.1846, also der Absendetag war, was mich zu der Vermutung verleitet, dass der Empfänger seinen Kontoauszug nach 20 Tagen doch noch erhielt. Verwunderlich ist der Fehler, da vom Absender sowohl der Name als auch das Departement deutlich lesbar vermerkt waren. Derjenige, der die Adresse durchgestrichen hat hat nochmals das Departement vermerkt und die Rücksendung veranlaßt. Liege ich richtig mit meiner Vermutung? Wofür steht die Abkürzung "Poss. D'AFR.", (possession d´Afrique) Kolonie in Afrika?


    Liebe Grüße


    Christian

  • Hallo Christian,


    viel kann ich zu deinem tollen Brief nicht beitragen - jedenfalls hat sich die Aufgabepost vertan. Soweit ich weiß, hat man Briefe nach Algerien gesondert verpackt und per Dampfboot oder Segler nach dorthin geschickt. Daher war er, wenn er erst einmal falsch kartiert wurde, nicht mehr aufzuhalten.


    Der Fehler der Fehlleitung ging eindeutig auf die Kappe der franz. Post, so dass für die weite Umleitung keine Gebühren anfielen. Im übrigen war Algerien Teil Frankreichs, postalisch wie politisch.


    Den hätte ich "en passent" auch mitgenommen, so schmuck ist er.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    eine Postkarte aus München nach Algier vom 14.03.11 möchte ich euch zeigen. den weiter geleiteten Ort kann ich leider nicht finden. ?( ?(



    schönen Gruss


    Peter


  • Hallo zusammen,
    hallo peterhz,


    für solche Fälle habe ich das "Geographisch-statistische WELTLEXIKON" von 1908 zuhause. Ein unveränderter Nachdruck ist im Peter Feuser Verlag erschienen.
    Danach ist "Bougie" eine Stadt in Algerien im Departement Constantine am gleichnamigen Golf, mit befestigtem Hafen.


    Grüße aus Frankfurt
    hasselbert

  • Hallo,


    wenn hier von Algerien die Rede ist, sollte man auch mal einen etwas älteren Beleg zeigen, damit die Kreuzerzeit hier vertreten ist.


    In München sandte man am 4.5.1865 einen Portobrief an den Herrn Grafen Seyssel d´Aix, welcher gerade in Algier residierte. Die bayer. Post machte nichts, Frankreich taxierte ihn als franz. Inlandsbrief mit 6 Decimes, die man in Algerien einheben wollte. Doch daraus wurde nichts. Unser Graf war längst abgereist ohne eine Anschrift zu hinterlassen, so dass man ihn postwendend wieder an den Ort der Aufgabe zurück senden musste.


    Munich Bavière war also das Ziel. Dort kam er auch (wann?) an, aber niemand hatte die französischen 6 Decimes, die 18 Kr. entsprachen, in die rheinische Währung umgesetzt. Warum? Seyssel d´Aix war der Chef der Leibgarde des bayerischen Königs und als solcher portobefreit. Die 6 Dec. waren als mit 18 Kr. als uneinbringliche Forderung den Franzosen gut zu schreiben. Allerdings bekam Bayern am Ende der quartiellen Verrechnungsperiode 40% von diesen 18 Kr. von Frankreich zurück (= 7,2 Kr.). Der Rest verblieb Frankreich (= 10,8 Kr.).


    Wenn man sich den Weg betrachtet, den der Brief zurück gelegt hatte (München - Strasbourg - Paris - Marseille - Algier und zurück) kann man nur sagen, dass es recht günstig war.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch