Bayern - Italien ab 1.1.1876

  • Hallo in die Runde,

    entweder hat sich dieser Zeitabschnitt irgendwo versteckt oder er wurde bis dato erstaunlicherweise noch nicht angesprochen.
    Damit verbindet sich gleich meine Bitte an den/die Admin, das Thema - falls nötig - richtig einzuordnen.

    Zeigen möchte ich an dieser Stelle ein Päärchen "wie's läuft - und - wie's nicht laufen sollte"...

    In beiden Fällen handelt es sich um den Antwortteil einer Ganzsachen-Doppelkarte aus Italien zurückgelaufen.

    Oben:
    Von Bologna am 16. Januar 1897 retour nach Schwabach. Der Wertstempel wurde mit Blaustifte entwertet. Alles völlig normal...

    Unten:
    Hier lief die Karte von Caprille (Piemont - heute 185 Einwohner !) am 30. Juli 1892 retour nach Kulmbach. Bei der Größe des Ortes könnte man vermuten, dass dies möglicherweise die erste Antwortpostkarte war, die der dortige Postbeamte zu Gesicht bekam, ihm die einschlägigen UPU-Bestimmungen unbekannt waren und er sie fälschlicherweise mit Nachtaxe "T" belegte.
    Die Nachtaxe - und das ist natürlich auch wieder spekulativ - wurde im übergeordneten Postamt (Belluno ?) wieder gestrichen und zur Verdeutlichung das Wort "Response" unterstrichen.

    Natürlich gibt es im Postverkehr Bayern/Italien und vice versa "Aufregenderes" zu zeigen, aber ich finde dennoch: Ein hübsches Päärchen :):thumbup:

    Beste Grüße
    Schorsch Kemser
    www.postgeschichte-kemser.com

  • Hallo,


    ein schönes Paar. Die Karte aus dem kleinen Dorf in den Alpen Nach Bayern ist schon was besonderes. Vermutlich etwas in Sachen Familie.


    beste Grüße

    Dieter

  • Liebe Sammlerfreunde,

    ....und weiter geht es mit einem Kuriosum, bei dem gleich mindestens zwei Postler geschlafen haben müssen ...:sleeping:

    Eine Karte aus Rom vom 20. September 1900 - frankiert mit Bayern 10 Pfg. Wappen 8| - nach Eeclo in Belgien, Ankunft am 22. September 1900.
    Weder die italienische noch die belgische Postverwaltung haben die irrtümliche/fehlerhafte Verwendung des bayerischen Postwertzeichens sanktioniert.
    Irgendjemand (ich war's nicht) hat das gute Stück sogar ZWEIMAL prüfen lassen. Neben dem Prüfzeichen "Helbig BPP" liegt mir noch ein Fotokurzbefund (!) von Herrn Sem vor. ^^


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

  • Hallo Schorsch,


    solange die Postler nicht im Dienst miteinander geschlafen haben, freuen wir uns doch solcher Vortragsstücke und Karten mit lateinischen Sinnsprüchen dürfte es heute in unseren pisagebildeten Breiten eh kaum noch geben ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ...und weil ich gerade eben das "Italien-Buch" in der Hand habe, noch eine Kleinigkeit:

    5 Pfg. Jubiläumsganzsache von München 19 (Neuhausen) am 12. März 1911 vermutlich zu Sammlerzwecken an diesem Tage blanko gestempelt.
    Wenige Wochen später, am 13. Mai 1911, wurde die Ganzsache als Postkartenformular mit 10 Pfg. Luitpold von München 2 nach Turin, Ankunft 15. Mai, verwendet.
    Adressiert war die Karte an einen Herrn Franz ???....z.Zt. in der Lokomotif (!) Ausstellung Halle Firma Kraus....Turin"

    1911 fand im Zeitraum 29. April bis 19. November die Weltausstellung (Gewerbe- und Industrieausstellung) in Turin statt, bei der u.a. besagte Firma Kraus (= Krauss, später zu Krauss-Maffei fusioniert) als Lokomotiv-Hersteller aus München vertreten war.

    Das zweite Bild zeigt eine Güterzuglokomotive der Firma Maffei, Baureihe G5/5 wie sie in Turin ausgestellt wurde.


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com



  • Hallo,


    2 wiklich interessante Karten. So etwas wie die 2. Karte wurde meiner Erinnerung nach schon mal vorgestellt. Die erste Karte ist allerdings außergewöhnlich: Eine Karte aus Italien (Rom) nach Belgien mit bayerischer Marke. Und das ganze vollkommen unbeanstandet! Das sieht man auch nicht jeden Tag. Toller Fang. :) :thumbup:


    beste Grüße

    Dieter

  • Hallo liebe Sammlerfreunde,

    zum Abschluss des Tages noch ein kleines "Schmankerl":

    Eine eingeschriebene - portofreie - "königliche Angelegenheit" vom "Chef des Kabinetts S.K.H. des Prinzregenten" in München am 3. November 1913 nach Sankt Ingbert. Der Empfänger war jedoch nach Rapallo, italienische Riviera, abgereist, sodaß der Brief nachgesandt werden musste.
    Als Sendung nach Italien war jedoch auch eine königliche Angelegenheit ganz regulär zu frankieren, so dass in St. Ingbert 40 Pfg. Luitpold (20 Pfg. Brief + 20 Pfg. Einschreiben) geklebt wurden und die Sendung letztlich am 8. November in Rapallo ankam.

    Ich glaube, derartige Belege/Kombinationen sind nicht all zu häufig...


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

  • Hallo in die Runde....

    ...dann wollen wir die "Italienreise" mal fortsetzen.
    Eine Ansichtskarte von Chiavenna (nördlich des Comer Sees), geschrieben 8. September 1898 und mit 10 C. Umberto I. frankiert, wurde am nächsten Tag der Post übergeben - ABER - nicht mehr in Italien sondern in der Schweiz in Lugano.
    Dort wurde die italienische Frankatur nicht anerkannt (auch hier wieder die blaue Null neben der Marke) , mit 20 C. Nachporto belegt und nach München weitergeleitet.
    Der Empfänger hatte hier 40 Pfg. Nachporto zu berappen.
    Soweit mir bekannt, wurden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gänzlich unfrankierte Postkarten wie unfrankierte Briefe der ersten Gewichtsstufe behandelt. (vielleicht kann hier jemand mit der Quelle helfen ?)

    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

  • Hallo Schorsch,


    das mit den gleichen Tarifen für Briefe und Postkarten galt nur vor dem UPU. Der Grund war, dass es in den laufenden Postverträgen der 1860er Jahre noch gar keine Postkarten gab, die eigene Tarife hätten bekommen können, also lief das Procedere so, wie es laufen musste, ehe neuere Postverträge moderierte Taxen für Postkarten ausweisen konnten.


    Dennoch feines Stück! :):)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • .... keine Ahnung, aber Italien war ab 1.7.1875 im UPU und ab dann sollten die allgemeinen Bestimmungen des UPU gelten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    im Buch von Harald Warming "Die Berechnungsarten der Nachgebühren seit 1875" aus dem Jahr 1993 steht folgendes aus der Zeit von 1874 bis 30.9.1907:

    Briefe: In der Zeit von 1874 bis zum 31.3.1879 wurden nicht oder unzureichend frankierte Briefe mit doppeltem Briefporto belegt; Ab 1.4.1879 (Paris 1878) wurde das Fehl bei Briefen doppelt erhoben;

    Postkarten: Unfrankierte Postkarten wurden erst ab 1.7.1892 (Wien 1891) zugelassen, aber mit doppeltem Briefporto belegt. Für unzureichend frankierte Postkarten wurde bis Ende 1898 doppeltes Briefporto erhoben. Erst ab 1.1.1899 (Washington 1897) kam das doppelte Fehl bei Postkarten zum Zuge.


    Beste Grüße von VorphilaBayern