Beiträge von Postgeschichte Kemser

    Guten Morgen in die Runde,

    auch hier mal wieder "etwas Leben in die Bude"....
    Nachfolgend eine Karte aus England von Hampstead am 20. September 1904 nach München, Ankunft 21. September.
    Am 1. Oktober 1904 wurde die Karte nach Bern in der Schweiz weitergeleitet. Da die Karte zwischen dem 21. SEP und dem 1. OKT ganz offensichtlich "dem Postweg entnommen" wurde, musste sie für die Weiterleitung neu frankiert werden.
    Auch in diesem Falle ist den Schweizern wohl entgangen, dass die Karte (keine Drucksache !) eigentlich 5 Pfg. unterfrankiert war.

    beste Grüße
    Schorsch Kemser
    www.postgeschichte-kemser.com

    Au Backe....auch wieder ein Thread zum "exhumieren"....;)

    Nachfolgenden Beleg möchte ich euch aber nicht vorenthalten, weil es einer der wenigen Belege mit Retourvermerk nach Rumänien ist, die ich bis dato in der Art bzw. aus diesem Zeitraum gesehen habe.

    Einschreibebrief von der Mechanischen Weberei Singeisen & Horn in Fahrnau in Baden - adressiert nach Jassy in Rumänien.
    Der Brief wurde am 25. August 1916 aufgegeben und kam mit dem Hinweisstempel "Zurück! Keine Beförderungsgelegenheit." am 2. September 1916 nach Fahrnau zurück. Der Hinweisstempel wurde vermutlich bei der Zensurstelle in Stuttgart abgeschlagen.

    Geschichtlicher Hintergrund:
    Am 27. August 1916 erklärte das Königreich Rumänien der Kuk-Monarchie den Krieg. Deutschland widerum folgte am 28. August 1916 mit einer Kriegserklärung an Rumänien. Damit war auch jeglicher Postaustausch mit dem bis dahin neutralen Rumänien beendet.

    Ausgehend davon, dass der Brief ohnehin wohl einige Tage benötigt hat/hätte (vom 25. bis 28.8.), um die Zensur zu durchlaufen, fiel er somit genau in den Zeitraum der Kriegserklärung und wurde damit an den Absender retourniert.
    Quasi als kleine "Dreingabe" hat die 10 Pfg. Germania dann auch noch eine Firmenlochung "S&H". Von so einem Heimatbeleg aus meinen Orten träume ich immer noch....:love:

    Beste Grüße
    Schorsch Kemser
    www.postgeschichte-kemser.com


    Hallo in die Runde....

    ...dann wollen wir die "Italienreise" mal fortsetzen.
    Eine Ansichtskarte von Chiavenna (nördlich des Comer Sees), geschrieben 8. September 1898 und mit 10 C. Umberto I. frankiert, wurde am nächsten Tag der Post übergeben - ABER - nicht mehr in Italien sondern in der Schweiz in Lugano.
    Dort wurde die italienische Frankatur nicht anerkannt (auch hier wieder die blaue Null neben der Marke) , mit 20 C. Nachporto belegt und nach München weitergeleitet.
    Der Empfänger hatte hier 40 Pfg. Nachporto zu berappen.
    Soweit mir bekannt, wurden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gänzlich unfrankierte Postkarten wie unfrankierte Briefe der ersten Gewichtsstufe behandelt. (vielleicht kann hier jemand mit der Quelle helfen ?)

    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo liebe Sammlerfreunde,

    zum Abschluss des Tages noch ein kleines "Schmankerl":

    Eine eingeschriebene - portofreie - "königliche Angelegenheit" vom "Chef des Kabinetts S.K.H. des Prinzregenten" in München am 3. November 1913 nach Sankt Ingbert. Der Empfänger war jedoch nach Rapallo, italienische Riviera, abgereist, sodaß der Brief nachgesandt werden musste.
    Als Sendung nach Italien war jedoch auch eine königliche Angelegenheit ganz regulär zu frankieren, so dass in St. Ingbert 40 Pfg. Luitpold (20 Pfg. Brief + 20 Pfg. Einschreiben) geklebt wurden und die Sendung letztlich am 8. November in Rapallo ankam.

    Ich glaube, derartige Belege/Kombinationen sind nicht all zu häufig...


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    ...und weil ich gerade eben das "Italien-Buch" in der Hand habe, noch eine Kleinigkeit:

    5 Pfg. Jubiläumsganzsache von München 19 (Neuhausen) am 12. März 1911 vermutlich zu Sammlerzwecken an diesem Tage blanko gestempelt.
    Wenige Wochen später, am 13. Mai 1911, wurde die Ganzsache als Postkartenformular mit 10 Pfg. Luitpold von München 2 nach Turin, Ankunft 15. Mai, verwendet.
    Adressiert war die Karte an einen Herrn Franz ???....z.Zt. in der Lokomotif (!) Ausstellung Halle Firma Kraus....Turin"

    1911 fand im Zeitraum 29. April bis 19. November die Weltausstellung (Gewerbe- und Industrieausstellung) in Turin statt, bei der u.a. besagte Firma Kraus (= Krauss, später zu Krauss-Maffei fusioniert) als Lokomotiv-Hersteller aus München vertreten war.

    Das zweite Bild zeigt eine Güterzuglokomotive der Firma Maffei, Baureihe G5/5 wie sie in Turin ausgestellt wurde.


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com



    Liebe Sammlerfreunde,

    ....und weiter geht es mit einem Kuriosum, bei dem gleich mindestens zwei Postler geschlafen haben müssen ...:sleeping:

    Eine Karte aus Rom vom 20. September 1900 - frankiert mit Bayern 10 Pfg. Wappen 8| - nach Eeclo in Belgien, Ankunft am 22. September 1900.
    Weder die italienische noch die belgische Postverwaltung haben die irrtümliche/fehlerhafte Verwendung des bayerischen Postwertzeichens sanktioniert.
    Irgendjemand (ich war's nicht) hat das gute Stück sogar ZWEIMAL prüfen lassen. Neben dem Prüfzeichen "Helbig BPP" liegt mir noch ein Fotokurzbefund (!) von Herrn Sem vor. ^^


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo,

    zu dem letzten Beleg noch eine kleine Ergänzung....

    Zitat:
    "Desweiteren erkennbar eine durchgestrichene "0" links von den Marken, deren Bedeutung mir nicht klar ist."

    Ein weiterer Beleg aus meiner Sammlung, ebenfalls mit einer durchgestrichenen Null neben der Frankatur, legt die Vermutung nahe, dass es sich lediglich um eine Kennzeichung handelt, dass die Frankatur bei der Ermittlung einer Nachtaxe nicht berücksichtigt bzw. angerechnet wurde.

    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo in die Runde,

    entweder hat sich dieser Zeitabschnitt irgendwo versteckt oder er wurde bis dato erstaunlicherweise noch nicht angesprochen.
    Damit verbindet sich gleich meine Bitte an den/die Admin, das Thema - falls nötig - richtig einzuordnen.

    Zeigen möchte ich an dieser Stelle ein Päärchen "wie's läuft - und - wie's nicht laufen sollte"...

    In beiden Fällen handelt es sich um den Antwortteil einer Ganzsachen-Doppelkarte aus Italien zurückgelaufen.

    Oben:
    Von Bologna am 16. Januar 1897 retour nach Schwabach. Der Wertstempel wurde mit Blaustifte entwertet. Alles völlig normal...

    Unten:
    Hier lief die Karte von Caprille (Piemont - heute 185 Einwohner !) am 30. Juli 1892 retour nach Kulmbach. Bei der Größe des Ortes könnte man vermuten, dass dies möglicherweise die erste Antwortpostkarte war, die der dortige Postbeamte zu Gesicht bekam, ihm die einschlägigen UPU-Bestimmungen unbekannt waren und er sie fälschlicherweise mit Nachtaxe "T" belegte.
    Die Nachtaxe - und das ist natürlich auch wieder spekulativ - wurde im übergeordneten Postamt (Belluno ?) wieder gestrichen und zur Verdeutlichung das Wort "Response" unterstrichen.

    Natürlich gibt es im Postverkehr Bayern/Italien und vice versa "Aufregenderes" zu zeigen, aber ich finde dennoch: Ein hübsches Päärchen :):thumbup:

    Beste Grüße
    Schorsch Kemser
    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo in die Runde,

    einen weiteren interessanten Beleg mit der Destination Urugay möchte ich zeigen und damit auch Tim's Laufzeitforschungen unterstützen.

    Einschreibebrief aus Nürnberg vom 14. Dezember 1916 über New York (1. März 1917) nach Montevideo, Ankunft 23. März 1917 - Gesamtlaufzeit also mehr als 3 Monate.

    Folgende Dinge fallen auf:
    1. Es fehlt jegliche deutsche Zensur.
    Zensiert wurde vermutlich in der Auslandsstelle Cöln-Deutz. Möglicherweise wurde die Auslandspost "gebündelt" und nur der oberste Brief entsprechend gekennzeichnet - zum jetzigen Zeitpunkt leider jedoch alles Spekulation.

    2. Der Absender ist aus dem besetzten Belgien, nämlich aus Brüssel.
    Ein direkter Postverkehr aus dem besetzten Belgien war m.W. mit Uruguay nicht möglich, sodass es naheliegend scheint, dass hier freundschaftliche Vermittlungsdienste in Anspruch genommen wurden.
    Umso mehr fällt in diesem Zusammenhang auf, dass keinerlei deutsche Zensurvermerke vorhanden sind, zumal dieser "Umweg" doch mehr als ungewöhnlich ist.

    Auch dieser Brief blieb wieder in der englichen Zensur hängen, wurde geöffnet und entsprechend verschlossen.
    Auffällig ist bei diesem Brief noch die zusätzliche Anbringung eines uruguayischen R-Zettels in Montevideo. Es gibt aus dieser Korrespondenz noch weitere Einschreibebriefe (leider nicht in meiner Sammlung), die ebenfalls alle diesen zusätzlichen R-Zettel aufweisen. Möglicherweise hat jemand aus der Leserschaft hierfür eine Erklärung.

    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Guten Morgen in die Runde,

    weiter geht es mit einem "wüsten" Irrläufer, der u.a. mit nicht weniger als 19 Ortsstempelabschlägen "malträtiert" wurde - da möchte man kein Briefinhalt sein...

    Aufgegeben wurde der Brief am 12. Februar 1886 in Erlangen und lief über Brindisi (15.2.1886) nach Sydney, wo er am 22. März 1886 ankam. Da der Empfänger dort offenbar nicht mehr anzutreffen war, wurde der Brief an das "University College" nach London (an 7. Mai 1886) nachgesandt. Auch dort wieder trotz erheblicher Anstrengungen nicht zustellbar ging der Brief ab London am 14. Mai 1886 retour nach Erlangen, wo er schließlich am 30. Mai 1886 eintraf.

    Desweiteren interessant ist die gebührentechnische Behandlung des Briefes. Die 20 Pfg.-Rate nach Australien wäre klar - es wäre die normale Gebühr für einen Brief der 1. Gewichtsstufe ins Ausland.
    Die Druckspuren am Kuvert in Verbindung mit Taxstempel "T" lassen jedoch vermuten, dass die ersten 15 Gramm überschritten waren. Warum der Brief nicht an den Absender zur Portoergänzung retour ging entzieht sich meiner Kenntnis.
    Vermutlich in Sydney wurde der "1/1 More to pay"-Stempel (schwer erkennbar in der linken oberen Ecke) angebracht. (Frage: Hat jemand zufällig einen "freigestellten" Musterabschlag dieses Stempels für Demozwecke ?)
    Desweiteren erkennbar eine durchgestrichene "0" links von den Marken, deren Bedeutung mir nicht klar ist.
    Und letztlich noch eine blaue "80", bei der ich vermute, dass der Brief bei der Rücksendung von Australien über England als gänzlich unfrankiert betrachtet wurde und somit 40 Pfg. (Brief über 15g) plus 40 Pfg. (Strafgebühr) berechnet wurden.

    Das Sahnehäubchen oben drauf?
    Absender: Prof. Dr. Emil Selenka *1842 +1920, Zoologe u. Forschungsreisender
    Empfänger: Dr. Robert von Lendenfeld *1858 +1913, österr. Zoologe, Alpinist u. Hochschullehrer - nach ihm wurde der sechsthöchste Berg Neuseelands, der Mount Lendenfeld, benannt - er war von 1881 bis 1886 in Australien (Sydney Technical College) u. Neuseeland und wechselte 1886 an das University College London.

    Der Brief dürfte genau in diese Wechselphase gefallen sein - in Australien schon weg und in London noch nicht da...
    Genauere Infos über beide Herren können Interessenten im Netz googlen.


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo Tim,

    interessante Quelle und Hut ab, wenn sich jemand die Arbeit macht, solche Belege schon fast minutiös zu verfolgen, aber wenn ich es richtig verstehe, so basiert die Erklärung der Briten (und die angegebenen Durchlaufzeiten) lediglich auf den Erfahrungswerten eines bestimmten Zeitfensters (April/Mai 1916).
    D.h. - die Zeitansätze können aufgrund unterschiedlichster Einflüsse 4 Wochen später schon wieder ganz anders ausgesehen haben.
    Darüber hinaus wird ja nur der Teil des Beförderungszeitraumes betrachtet, in welchem sich die Post in britischen Händen befand. Was ist davor - was ist danach passiert?

    Beste Grüße

    Schorsch

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo,

    zur Abwechslung will ich auch mal eingehende Post zeigen - nichts "vom-Hocker-reissendes" aber einfach nur hübsch anzusehen:

    1 1/2 P. Ganzsachenkarte aus Sydney vom 16. Februar 1892 nach Memmingen - Eingang am 28. März 1892. Das gute Stück war also doch immerhin 6 Wochen unterwegs, aber Memmingen liegt für Sydney ja auch nicht gerade "ums Eck". Auch dürfte Post aus Australien für den "Durchschnitts-Memminger" nichts alltägliches gewesen sein.

    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com

    Hallo Sammlerfreunde,

    nach fast 8 Jahren (in Worten: ACHT J A H R E N !!) möchte ich das Thema mal wieder "exhumieren" und ein nettes Briefchen zeigen.

    Ein Brief vom 23. Januar 1916 aus dem Militär-Erholungsheim Berchtesgaden über die Bahnpost Berchtesgaden-Salzburg, die deutsche Zensurstelle "Auslandsstelle Cöln-Deutz" sowie die britische Zensur nach Montevideo in Uruguay.

    Im Gegensatz zum zivilen Auslands-Postverkehr war der Feldpostverkehr - auch mit neutralen Staaten - wesentlich mehr eingeschränkt. Der Feldpostverkehr mit Uruguay war nur vom 13. März 1915 bis zum Kriegseintritt Uruguays im Oktober 1917 möglich.
    Normale Feldpostbriefe bis 50g an Familienangehörige wie im vorliegenden Falle (Namensgleichheit !) waren portofrei, andere (soweit zulässige) Versendungsformen mussten nach den gültigen Auslandssätzen freigemacht werden.
    Der Brief hat leider weder Durchgangs- noch Ankunftsstempel, die Aussagen über die Laufzeit geben - bei "Normalbriefen" ist dies jedoch nicht ungewöhnlich.


    Und noch etwas "Social Philately":

    Prof. Otto Kasdorf, geb. 1880 in Welzin/Mecklenburg - verstorben 1961 in Buenos Aires/Argentinien

    Er war Ingenieur und Industrieller - und eben auch Professor für Landwirtschaft an der Landwirtschaftlichen Hochschule Sayago/Montevideo.


    Beste Grüße

    Schorsch Kemser

    www.postgeschichte-kemser.com