Ostsachsen (OPD Dresden) Poststellen I - Belege

  • In diesem neuen Sonderthema möchte ich gerne Abstempelungen der Poststellen I zeigen.
    Die Poststellen I waren jeweils einem Abrechnungspostamt unterstellt. Die Poststellen I hatten grundsätzlich die gleichen Annahmebefugnisse wie Postämter, sie erhielten ebenfalls Bestände an Postwertzeichen, Invalidenversicherungsmarken und Formblätter je nach Bedarf und führten einen entsprechenden Bestand. Mit dem zuständigen Abrechnungspostamt erfolgte eine monatliche Abrechnung.


    Die Poststellen I führten einen normalen Tagesstempel mit ihrer amtlichen Bezeichnung zum Nachweis der Aufgabe der Sendungen und ihrer anderen Tätigkeiten, die jedoch einen Zusatz auf das zuständige Abrechnungspostamt enthielten, z. B. „Lungkwitz über Dresden A 28".


    Für die anfallenden Dienstgeschäfte und die Kassenführung galt die „Dienstanweisung für Zweigpostämter und Poststellen I“. Die Inhaber führten die Amtsbezeichnung "Posthalter" und waren dienstrechtlich „Beamte im Nebenamt auf Widerruf“.


    Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand en paar Belege zeigen könnte.


    Gruß
    Rüdiger

    Sowjetische Besatzungszone -SBZ-
    vor allem OPD Dresden (Ostsachsen)

    Einmal editiert, zuletzt von Kontrollratjunkie ()

  • Als ersten Beleg zeige ich eine Drucksache nach Reichenbach / Vogtland, die in der Poststelle I "Lungkwitz über Dresden A 28" aufgegeben wurde. Die Entwertung der Frankatur erfolgte am 18.07.1946.


    Der Beleg wurde portorichtig mit einer Mehrfachfrankatur der Nr. 56 a freigemacht.

  • Hallo Kontrollratjunkie,


    warum befindet sich den rechts noch ein Teil eines Bogenrandes? Macht doch bei einer Karte keinen Sinn ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    stimmt genau, es ergibt überhaupt keinen Sinn.
    Ich habe mir die Karte noch einmal genau angesehen und nichts entdeckt, was diese "Beklebung" rechtfertigen würde. Anderseits möchte ich das Randstück auch nicht abnehmen, um die Karte nicht zu beschädigen. Vielleicht hat entweder der Absender oder der Empfänger damit ein paar Karten gebündelt ? Vielleicht zur Ablage im Firmenarchiv ? Es wird sich wohl nicht mehr klären lassen.


    Beste Grüße
    Rüdiger

    Sowjetische Besatzungszone -SBZ-
    vor allem OPD Dresden (Ostsachsen)

  • Hallo Rüdiger,


    an Archivverklebung glaube ich weniger - aber nicht immer kommt man hinter die Geheimnisse vergangener Generationen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,
    eingeschriebener Brief vom 12.1.1946 portogerecht frankiert mit 42 Pf. ( 12 Pf. Brief bis 20 gr. plus 30 Pf. Einschreiben) von der Poststelle I Dölzschen nach Wiebaden.
    Diese wurde schon im Mai 1945 eröffnet und es gab sie in der SBZ-Zeit nur bis zum 11.5.1946, dann wurde sie in Dresden A34 umbenannt.
    Beste Grüße Bernd

  • Lieber Bernd,


    warum hat man "Germany" auf einen deutschen Brief geschrieben? Wiesbaden dürfte doch eine jedem bekannte Stadt gewesen sein. ?(

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,
    Post ins Ausland aus der SBZ war erst ab dem 1. April 1946 gestattet. Auf vielen Poststücken in die Westzonen (ab. 24.10.1945) haben die Absender das German geschrieben, wohl um hinzuweisen, das es ein innerdeutscher Brief war. Oder hing es mit der allierten Zensur zusammen?
    Beste Grüße Bernd

  • Hallo,


    aus einer dunklen Erinnerung heraus möchte ich sagen, dass das Wort "German" angibt, dass der inliegende Brief in deutscher Sprache verfasst ist, als Hinweis für Zensoren. Es soll eine entsprechende Vorschrift gegeben haben. Ich weiß aber nicht mehr, wo und wann ich das gelesen habe.


    Beste Grüße
    Jürgen

  • Hallo die Runde


    Ich habe das gleiche wie Jürgen gelesen. Es ist auch ganz normal aus dieser Zeit den Begriff German auf die Briefe zu sehen, entweder vorderseitig oder rückseitig. Es ist hier sehr oft gezeigt.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Verehrte Freunde,


    in den „Zensurbestimmungen für die Zivilbevölkerung in Deutschland unter der Herrschaft der Militärregierung“ zum Gesetz Nr. 76 der Militärregierung findet sich unter Punkt 12 der Passus „Sprache: Die Sprache der Mitteilung muß in Druckschrift oder Maschine geschrieben unter dem Absender in Englisch angegeben werden.“


    (Abgedruckt bei Karl-Heinz Riemer, Die Postzensur der Alliierten im besetzten Deutschland nach dem II. Weltkrieg, Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde, 1977, Anhang Blatt A.)


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!


  • Genau so ist es. Es war anfangs nur die deutsche Sprache zugelassen und der Absender hatte zu vermerken, dass dieser Befehl eingehalten wird.
    Im Anhang kann ich ergänzend noch das Gesetz Nr. 76 zeigen.


    Beste Grüße
    Rüdiger

  • Hallo Kontrollratjunkie


    Erschreckende Information oben rechts, aber so ist es bei Kriege :(



    Ich habe eine Frage zu Gesetz Nr 76. Erdinger spricht von Punkt 12 in der Gesetzt, aber Punkt 12 in deinem Gesetzt ist was ganz anderes und ich finde auch nichts über die von Erdingers erwähnte Satze. Waren die von Kontrollgebiet zu Kontrollgebiet unterschiedlich ausgeformt?



    Viele Grüsse, Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    es handelt sich um die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz. Dort werden sie unter Artikel III, Punkt 9 erwähnt. Im Internet habe ich sie bisher noch nicht gefunden, nur bei Riemer.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Kontrollratjunkie


    Erschreckende Information oben rechts, aber so ist es bei Kriege :(


    Viele Grüsse, Nils

    Hallo Nils,


    wenn man Belege aus der unmittelbaren Nachkriegszeit sammelt und dazu noch solche aus Dresden in Ostsachsen, dann wird man oft mit erschreckenden Informationen konfrontiert, die man aus heutiger Sicht kaum nachvollziehen kann. Fast alle Postkarten und auch wenige Briefinhalte, die ich in den Umschlägen vorgefunden habe, handeln von dem Versuch, Kontakt zu den lieben aber verlorenen Familienmitgliedern aufzunehmen. Das Mitteilungsbedürfnis war extrem hoch und die Not riesengroß. Eigentlich beginnt oder endet jede Briefschaft mit den Worten "wie geht es Oma Else oder hast Du von Erich gehört, er soll im Lazarett xy liegen..." usw.
    Gerade die Belege aus Dresden zeugen von den unvorstellbaren Ereignssen des Februar 1945, als die Stadt den verheerenden Großangriff erdulden musste. Historisch interessant sind diese Zeitzeugnisse aber allemal.
    Da ich mich hier nicht wiederholen möchte, verweise ich auf meine Ortspostkarte eines Fuhrunternehmers aus Dresden vom 04.07.1945, die ich schon im Thema zu den Sächsischen Schwärzungen gezeigt habe: Sächsische Schwärzungen (Bundesland Sachsen SBZ)
    Dieser Beleg ist ein gutes Beispiel dafür, was zu der Zeit alles zu regeln und zu bedenken war.


    Beste Grüße
    Rüdiger

    Sowjetische Besatzungszone -SBZ-
    vor allem OPD Dresden (Ostsachsen)

  • Als vierten Beleg zeige ich eine Fernpostkarte nach Leipzig (Westsachsen), die in der Poststelle I "Grosshennersdorf über Löbau" aufgegeben wurde. Die Entwertung der Frankatur erfolgte am 02.10.1945.


    Die Karte wurde portorichtig mit einer Einzelfrankatur der Nr. 43 B II b freigemacht.