Preußen - Frankreich 1818 - 31.5.1837

  • Hallo Alle


    Ich habe noch zwei Porto-Briefe nach Bordeaux bekommen.


    Erste Brief aus Bremen sendet am 11.12.1833. Stempel CPR.2 und Prusse par Givet. Preussisch Porto 6 Dec. und Französisch Porto 10 Dec. Der Brief wog 10 Gram siehe oben links, also i 2. Gewichtsstufe dann wird das Porto Multipliciert mit 2. Porto 32 Dec. erhoben beim Empfänger. Aber Bremen war in 3. Rayon nicht in 2. also Fehlfrankiert in Preussen, der richtige Porto sind 36 Dec. Siehe zweite Brief. Auf der Siegelseite steht ein "2" für 2. Gewichtsstufe?


    Zweite Brief auch von Bremen sendet am 9.4.1836. Stempel CPR.3 und Prusse par Givet. Preussisch Porto 8 Dec. und Französisch 10 Dec. zusammen 18 Dec. erhoben beim Empfänger.


    Liebe Grüße, Jørgen

  • Lieber Jörgen,


    sehr schönes Stück - nicht häufig mit falscher Rayon - Angabe. Meines Erachtens steht hinten ein "d" für "double", also doppelt gewichtig.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    der folgende Brief könnte auch unter früher Postgeschichte Polens oder von und nach Russland über Preußen gezeigt werden:



    Am 29. April 1819 in Warschau aufgegeben, ging es über das Grenzpostamt Strzalkowo nach Preußen. Über Aachen gelangte er dann nach Givet und wurde dann in Montpellier dem Baron zugestellt.
    Der Absender hatte als Leitweg par Francfourt sur main Strasbourg angegeben, was aber von der Post geflissentlich ignoriert wurde. Diese Leitung war bis April 1818 möglich, da solange die T&T-Post den Korrespondenzaustausch mit Frankreich für Preußen übernommen hatte. Nun galt aber der neue preußisch-französische PV, wie man auch an diesem Brief sieht.
    In diesem neuen Vertrag wurde unter Artikel 18 u.a. ausgeführt
    ...
    In jedem Fall wird jedes der beiden Ämter auf ausländische Briefe, die es dem anderen übermittelt, einen besonderen Stempel anbringen, der anzeigt, dass sie im Transit durch sein Gebiet gelaufen sind.
    Der Stempel des Französischen Generalpostamtes wird folgende Buchstaben tragen: "T.F.", das bedeutet Transit durch Frankreich, und der Stempel des Preußischen Generalpostamts wird die Initialen "T.P." tragen, das bedeutet Transit durch Preußen.
    ...

    (im französischen Originaltext steht Transit par la France und Transit par la Prusse. Beide Sprachversionen passen zu den Initialen.)


    Der hier erwähnte Stempel T.P. ist auf diesem Brief gleich zweimal abgeschlagen, einmal in schwarz in Strzalkowo (mittig unten) und einmal in rot von Aachen (oben links unter a monsieur).
    In Frankreich kam dann noch der Rayon-Stempel R.No.5 hinzu.


    Das oben erwähnte französische Gegenstück T.F. ist nie verwendet worden. Anscheinend gehörte dieser Punkt zu den Unstimmigkeiten, die zur mehrmonatigen Verzögerung der Inkraftsetzung des Vertrags gehörten.


    Zur Taxierung: Mit Rötel wurden vorderseitig 45 poln. Groschen für den Tarif bis zur polnisch-preußischen Grenze bezahlt. Der Empfänger in Frankreich bezahlte 23 Décimes. Die preußische Post erhielt für Briefe aus dem 5. Rayon (Briefe aus Polen und Russland waren dem gleichgesetzt) 28 gGr. je 30 Gramm.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    ein Traumbrief mit perfekter Beschreibung - danke dafür. :)


    Wenn er heute noch komplett sein sollte, könnte man ihn wiegen und das ermittelte Gewicht in Relation zur Transitgebühr setzen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    der Inhalt ist dem Augenschein nach noch vollständig erhalten.
    Der Brief wiegt 7 Gramm. Die Entfernung Givet-Montpellier ist < 1000 km, dies entspräche nach dem franz. Tarif von 1806 10 Décimes.
    Bei Leitung über Paris wären für etwas über 1000 km wohl 11 Décimes fällig gewesen.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Liebe Freunde,


    dem lieben Magdeburger verdanke ich den folgenden Brief:



    Geschrieben am 12.7.1824 in Wupperfeld, Barmen, war an die bekannte Adresse Clossmann in Bordeaux adressiert.
    Die Leitung erfolgte über Aachen-Givet. In Aachen wurde der rote Rayonstempel CPR.2 benutzt. Dieser gehört zum 2. Stempelsatz von Rayonstempeln in Aachen und kam dort ab April 1823 bis Ende 1837 zum Einsatz.
    Taxierung: 6 Décimes preussisches + 10 Décimes französisches Porto = 16 Décimes.


    Absender ist die Firma J.P. von Eynern und Söhne.
    Johann Peter von Eynern gründete in Barmen eine Band- und Litzenfabrik. Später unter seinem Enkel Friedrich von Eynern wurde der Indigogroßhandel zum Hauptgeschäft der Firma.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • lieber Michael,
    bei diesem Brief ist der zweizeilige Stempel besonders hervorzuheben. In dieser Sonderform, obere Textzeile in Schreibschrift, kommt er nur von Wupperfeld-Barmen vor. So sauber abgestempelt findet man ihn nicht häufig. :) Leider sind die diesbezüglichen Briefe in meiner Sammlung nicht so schön. :(
    viele Grüße
    preussen_fan

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber preussen_fan,


    dieser Stempel gefällt mir auch besonders gut.
    Es handelt sich übrigens um eine frühe Verwendung. Feuser gibt 1822 an, in einer Monographie zu den Wuppertaler Stempeln wird 1824 genannt. 1824 ist auch das früheste mir bekannte Verwendungsjahr.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • 1. Eine Probesendung aus Elberfeld nach Havre de Grace (eigentlich Le Havre de Grace, heute nur noch Le Havre) aus dem Jahr 1803. Bei der handschriftlichen Notiz bin ich mir nicht sicher, ob es 92 oder 32 heißt.


    2. Eine Probesendung aus Cleve nach Reims aus dem Jahr 1810.


    3. Eine Probesendung aus Saarbrücken nach Montpellier aus dem Jahr 1812.


    4. Eine Probesendung aus Wupperfeld (Barmen) nach Bordeaux aus dem Jahr 1836.

  • Liebe Freunde,


    hier ein Brief aus dem Jahre 1819 von Elberfeld in der preuß. Rheinprovinz nach Bordeaux.
    Absender war das bekannte Handelshaus Gebr. Frowein.



    Der etwas undeutlich abgeschlagene Rayonstempel C.P.R.2 wurde in Aachen geführt und gehört zu den Stempeln der 1. Verteilung.
    Die Taxe betrug für den einfachen Brief 6 Déc. preuß. + 10 Déc. franz. Porto = 16 Déc.
    Da der Brief zwischen 1/2 und 2/3 Loth wog, fiel die 1,5-fache Taxe von 24 Déc. an.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hier ein Frankobrief aus gleicher Korrespondenz wie der vorige, nur 14 Jahre später.



    1833, Frankobrief mit dem Hinweis "per reitender Post". Fingerhutstempel mit Stundenangabe vom 8.8. von Elberfeld.
    Links oben findet sich mit Rötel die etwas schwer zu lesende Gewichtsangabe 1 3/4 L(oth).
    PP-Stempel (Aachen) und AED im Doppeloval (Paris), rs. Ankunftsstempel von Bordeaux vom 14.8.


    Die preußische Taxierung für den Leitweg Elberfeld-Aachen-Givet-Bordeaux:
    preußisches Porto:..3 Sgr. (Entfernungsstufe 10-15 Meilen) * 2,5 (Gewichtsstufe 1 1/2 - 2 Loth) =...7 1/2 Sgr.
    franz. Porto:...... 10 1/2 Sgr. (über Aachen/Givet)........ * 3,5 (Gewichtsstufe 1 2/3 - 2 Loth) =...36 3/4 Sgr.
    Gesamtfranko......................................................................................................44 1/4 Sgr.


    Rückseitig findet sich die französische Portoberechnung:
    10 Déc. (Entfernungsstufe 601-750 km) * 3,5 (Gewichtsstufe > 25 Gramm) = 35 Déc.
    Der Brief ist auch ein Beispiel für das genaue Wiegen & Taxieren der französischen Post 1 3/4 Loth entsprechen 25,5 Gramm


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hier nun ein weiterer Frankobrief


    1833, Frankobrief, Fingerhutstempel mit Stundenangabe vom 30.1. von Elberfeld.



    Zunächst: Der Brief lief nicht als Einschreiben nach Frankreich. Dazu passen die Taxen nicht, es fehlt eine Reko-Nummer und die Siegelung würde dem auch nicht entsprechen.
    Stempel und Stempelfarbe sind mir unbekannt. Kann jemand dazu etas sagen?


    Links oben findet sich mit Rötel die Gewichtsangabe 1 1/5 L(oth).


    Die preußische Taxierung für den Leitweg Elberfeld-Aachen-Givet-Bordeaux:
    preußisches Porto:..3 Sgr. (Entfernungsstufe 10-15 Meilen) * 2,0 (Gewichtsstufe 1 - 1 1/2 Loth) =...6 .... Sgr.
    franz. Porto:...... 10 1/2 Sgr. (über Aachen/Givet)........ * 2,5 (Gewichtsstufe 1 - 1 1/3 Loth) =...26 1/4 Sgr.
    Gesamtfranko......................................................................................................32 1/4 Sgr.


    Die rückseitige französische Portoberechnung passt diesmal nicht so gut:
    10 Déc. (Entfernungsstufe 601-750 km) * 2,5 (Gewichtsstufe > 15 Gramm) = 25 Déc.
    Notiert wurden aber 27 Déc. !?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Stempel und Stempelfarbe sind mir unbekannt. Kann jemand dazu etas sagen?

    der Stempel könnte französischer Herkunft zu sein. Hier ein Link: wurde in rot , schwarz aber auch in blau abgeschlagen . Benutzt ab 1792


    http://marcophilie.org/mqp-marque-lineaire-charge.html




    was das Porto von 27d angeht, hier eine Hypothese:


    der Brief wurde erst in Bordeaux als CHARGE angesehen, ein chargé d'office (?) warum auch immer. Für Briefe innerhalb einer selben Kommune galt ein Tarif von 1d, gemäß unverändertem Porto vom 18.12.1799 gültig ab dem 22.3.1800. Für 'chargé' Briefe galt doppeltes Porto 1d x2 = 2 décimes welche auf die 25 drauf geschlagen wurden - macht gesamt 27


    etwas anderes fällt mir im Augenblick nicht ein

    Phila-Gruß


    Lulu

    5 Mal editiert, zuletzt von Zockerpeppi ()

  • Hallo Lulu,


    vielen Dank für deine Angaben und Überlegungen. :)
    Den Stempel habe ich mitllerweile auf einigen (Auktions-)Belegen gefunden, die Farbe allerdings noch nicht.


    Was habe ich unter einem chargé d'office zu verstehen?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Die recommandation oder chargement d'office hatten wir schon einmal hier im Forum diskutiert. Allerdings kann ich mich nicht erinnern in welchem Thread.


    Wie dem auch sei, ich habe den Scann gefunden.


    Eine chargé d'office erfolgt auf Initiative von der Post selbst deshalb d'office. Gewöhnlich bei Briefen die einen bestimmten wertvollen Inhalt vermuten ließen und welche vom Absender nicht als chargé aufgegeben wurden. Die Post wollte kein Risiko eingehen und hat die Briefe als chargé oder recommandé behandelt.


    Ich habe den Text noch einmal durch gelesen, die Post veranschlagte offensichtlich keine zusätzliche Gebühr. Meine Hypothese ist somit eher fraglich. Es muss also eine andere Erklärung für die 2d geben

  • Hallo Lulu


    Hier ist den Thread: Sondertarif Bayern-Frankreich


    Ich habe ganz einfach recomendation und Zockepeppi als suchbegriffe eingegeben, und da war es :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.