Fahrpostsendungen innerhalb des DÖPV ab 01.07.1858

  • Lieber Cameo,


    zu deinem Brief kann ich leider nichts beitragen, aber das ist schon ein Spitzenstück, wenn ich es recht sehe und etwas schöneres der dortigen Fahrpost ist mir bisher auch noch nicht untergekommen. Gratulation zu dieser Bombe!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    m.E. setzte sich die Taxe wie folgt zusammen:
    - Briefgebühr in SH = 1 1/4 Schilling
    - Postvorschussgebühr in SH = 3 3/4 Schilling
    - Postvereinsfahrposttaxe in Mecklenburg = 4 Silbergroschen = 5 1/3 Schilling.


    Sind zusammen 10 1/3 Schilling.
    Damit ist der Brief mit 10 5/12 Schilling ausreichend frankiert.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Liebe Freunde,


    hier ein Paketbegleitbrief vom 30.5.1859 aus Limbach bei Chemnitz nach Aachen.



    Die Entfernung beträgt 64 Meilen, was der 16. Progressionsstufe (Unterteilung à 4 Meilen) entspricht, die auch rückseitig notiert wurde.
    Der sächsische Klebezettel entspricht der frühen Type SA01 nach Bruns. Allerdings bemerkt Bruns zu dieser Type "Punkt rautenförmig", während dieser hier eindeutig rund ist. Vielleicht etwas für sächsische Fahrpost-Spezialisten ...
    Das Porto für das 4 Pfd. 2 Loth schwere Paket samt Begleitbrief errechnete sich wie folgt:
    2 Pfg. * 5 (Pfd., aufgerundet) * 16 (Progressionsstufe) = 160 Pfg. = 13 Sgr. 4 Pfg.
    Laut Verordnung war auf viertel Silbergroschen zu runden, daher die Notierung 13 1/2 Sgr.
    Schon am Folgetag wurde der Brief in Aachen zugestellt (rs. Ausgabestpl.) und das Paket noch am gleichen Tag vom Empfänger abgeholt (vs. Packkammerstpl.).
    Der Aachener Packkammerstempel gehört zu den Sondertypen und ist nur für die Jahre 1858/59 belegt.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael


    für meine Sammlung habe ich auch erstmal rautenförmige und runde Punkte zusammengefaßt, bei sonst gleichem Zettel. Ob es ein wirkliches Unterscheidungskriterium ist, muß die Zukunft zeigen.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Sammlerfreunde,


    auf Wunsch stelle ich meinen Betrag aus dem thread Bayern - Mecklenburg-Schwerin auch hier ein:


    Eine "Baare Einzahlung" von Erlangen nach Neubukow in Mecklenburg-Schwerin vom 5.1.1867 möchte ich heute zeigen.


    Zwischen 1865 und 1867 führten die meisten Altdeutschen Staaten im Zuge der Reformen im DÖPV Postanweisungen ein.
    Nicht alle Staaten führten diese sofort ein, so dass die "Baaren Einzahlungen" zunächst weiterhin verwendet werden mussten.
    Mecklenburg-Schwerin führte die Postanweisungen zunächst nicht ein. Erst mit Übergang dessen Postwesens auf den Norddeutschen Bund/Postbezirk ab 1.1.1868 wurden das dort bereits gültige Postanweisungsverfahren eingeführt.


    Abgesandt wurde der bis 1 Loth schwere Brief am 5.1.1867 und gelangte über Magdeburg und Hagenow am 7.1.1867 nach Nebukow.
    Der Absender in Erlangen wählte die Portovariante und überließ dem Empfänger in Neubukow die Zahlung der Postgebühren.
    Vermerkt wurden "Hierauf eingezahlt fl 12. 58 xr".
    Vorderseitig finden wir blaue Portovermerke über 13 Schillinge Courant und einen weitern mit 1/2 Schilling Courant.
    Die 13 Schillinge sind das tarifmäßige Porto für die "Baare Einzahlung". Dies wurde auch rückseitig notiert. Der 1/2 Schilling die Zustellgebühr.


    In Anwendung kam der Fahrposttarif für Pakete und eine zusätziche Barzahlungsgebühr.
    Für den Versand aus Bayern war für die Strecke von ca. 66 Meilen die höchste Progressionsstufe 9 mit dem Minimalgewicht anzusetzen. Seit 1.1.1861 fielen für die Franko- und Portovariante 21 xr bzw. 6 Sgr. an. Je 5 fl Barzahlung noch weitere 2 xr, hier also 6 xr. bzw. 1 Sgr. 8 Pf (also fast 2 Sgr), zusammen also 27 xr. bzw. 8 Sgr.
    Der Umrechnungskurs von Sgr. in Schilling Courant lag bei 8 Sgr. = 13 Schilling Courant.


    "Baare Einzahlungen" aus Bayern sind nicht häufig zu finden, nach Mecklenburg hatte ich bisher noch keine gesehen.


    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Bayernjäger


    den Brief hätte ich vielleicht auch genommen.
    Der Stempel "Magdeburg-Stadt" ist fast ausschließlich als Transitstempel bekannt. Es spricht vieles dafür, dass er von der Decartierungsexpedition eingesetzt wurde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Freunde,


    hier ein Paketbegleitbrief aus Langenberg (heute Velbert-Langenberg) ins oldenburgische Emsteck (heute Emstek geschrieben) bei Cloppenburg.



    Aufgabe des 4 Pfd. 18 Loth schweren Pakets am 8.7.1865, Zustellung über Cloppenburg am 11.7.
    Absender war die Firma Friedrich Hoddick Colsmann, Fabrik von schwarz seidenen Tüchern und Stoffen
    Die Entfernung betrug ca. 23 Meilen, rückseitig ist die Progressionsstufe 6 notiert.
    Berechnung des Portos: 2 Spfg. x 5 (Pfund) x 6 (Progressionsstufe) = 60 Spfg. = 5 Sgr.


    In Oldenburg wurde (nach Müller-Mark) 1857 die Währung auf Groschenrechnung umgestellt: 1 Thaler = 30 Groschen zu je 12 Schwaren
    Notiert wurden 5 5/12 Groschen. Waren die 5 Schwaren ein Bestellgeld?


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    ein Paketbegleitbrief aus dem Jahre 1861 von Berlin nach Groß-Nenndorf (heute Bad Nenndorf) in Kurhessen, Exklave Schaumburg an der Weser, Kreis Rinteln). Die Zuleitung erfolgte über das dicht bei Nenndorf liegende Rodenberg.



    Mit versandt wurde ein Paket mit 15 Loth Gewicht, bei der Progressionsstufe 9 (rs. notiert) fiel somit der Mindesttarif von 6 Sgr. an.
    Der Klebezettel entspricht nach Bruns Type PR 1 c und wurde im Hofpostamt verwendet.
    Nicht entziffern kann ich die unter dieser Taxe befindliche Zeile, die mit gleicher Handschrift und Tinte wohl auch postalischen Ursprungs ist.



    Kann hier jemand helfen?


    Interessant auch der Inhalt. Vom Magistrat der Stadt Berlin (rs. ein gut erhaltenes Siegel mit dem Berliner Bären) wurden Personal-Akten an den kurhessischen Verwaltungs-Beamten zurückgesandt. Dieser hatte sich für eine Stelle in der preußischen Kommunalverwaltung beworben.



    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo,


    zu dem Paketbegleitbrief von 1865 nach Berlin habe ich einige Fragen. War dieser Brief als königliche Dienstsache (K.D.S) portofrei einschl. der Expressgebühr? Die blaue 5 auf der Rückseite könnte die Nummer des Paketbestellers sein. Das wurde hier so beschrieben. Hat die Kritzelei beim Stempel Berlin noch irgendeine Bedeutung? Und auf der Vorderseite der rotbraune Strich?


    Die Inschrift im Siegel lautet: Kammerfrau Ihrer Majestät der Königin.

    Die Ehefrau von König Wilhelm I. - dem späteren Kaiser - war Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich öfters zur Kur in Baden-Baden aufhielt (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/…n_Sachsen-Weimar-Eisenach )

    Der Empfänger namens Goldschmidt-Tissot war laut einem Wohnungsanzeiger Berlin von 1848 ein Kuper- und Schriftstecher.


    Ich wüsste nur zu gern, was in dem Paket war ....


    Viele Grüße

    Bruno

  • Hallo Bruno


    die Kritzelei beim Stempel Berlin ist als P 19 zu lesen, also der Progressionsstufe bei 72 - 76 Meilen.

    Innerhalb des DÖPV gab es eine expresse Zustellung bei Fahrpostsendungen nicht, also hier ohne Bedeutung.

    Auch die Anweisung, dass das Paket von 2 Pfund 25 Loth per Briefpost befördert werden sollte, blieb bedeutungslos.

    Dass das ganze portofrei verblieb, ist durchaus realistisch. Eine entsprechende Taxierung auf preussischer Seite unterblieb, was schon darauf hindeutet.

    (es hätte gekostet: 2 Pfennige * 3 Pfund * 19 = 114 Pfennige = 9 1/2 Sgr.)


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Freunde,


    mit dem Nachtrag zum revidierten Postvereinsvertrag waren auch gewöhnliche Briefe mit über 4 Loth Gewicht mit der Fahrpost zu befördern.

    Hier ein solcher mit einem Gewicht von 4 4/10 Loth von 1862 oder später. Aufgegeben in Birkenfeld, im Fürstentum Birkenfeld zum Großherzogtum Oldenburg gehörend, aber seit 1837 übte Preußen das Postlehen dort aus. Adressiert an das Großherzogliche Oberappellationsgericht zu Oldenburg.

    Frankiert mit 6 Sgr., der ab 1861 gültigen Minimum-Taxe ab 32 Meilen Entfernung. Die Entfernung Birkenfeld-Oldenburg waren ca. 53 Meilen.



    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

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  • Lieber Michael,


    mit Vermerk "per F(a)hrpost" findet man nicht viele Briefe - eher noch welche, die, wenn auch sehr teuer, schwer waren, die mit der Briefpost versandt werden sollten. Ein Traumbrief aus dem übersichtlichen Fürstentum Birkenfeld. Klasse! :thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Michael


    ein Klasse Stück - Ein Brief. welcher als Paket lief und kein Begleitbrief brauchte.

    Möglich war es ja bis unter 1/2 Pfund.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf