Post-Contraventionen

  • Hallo preussensammler,


    nichts ist so interessant, wie das Lesen von außerordentlichen Primärquellen. Vielen Dank fürs zeigen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ich glaube, diese Ganzsache passt hier hin:



    U2 mit WSt. 3
    Immerhin belegt der kleine Ausgabestempel, dass eine Beförderung mit der Post erfolgte.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    ein sehr schönes und sicher auch seltenes Stück, wenn man die Accuratesse der preussischen Beamten kennt. Die Problematik war ja, dass keiner prüfen konnte, ob das Kuvert nicht unterfrankiert wegen der Entfernung war. Wenn der Aufgabestempel fehlte, waren es dann wirklich nur bis 20 Meilen zum Zielort?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    ungewöhnlich ist der Brief. Ungewöhnlich auch, dass keine andere Postanstalt etwas notiert hat. Bei der Entfernungsstufe von 10-20 Meilen und einem Zielort Grünberg i. Schlesien ist eine Umspedierung zwischendurch nicht unwahrscheinlich, zumindest dabei hätte etwas notiert werden müssen.
    Leider läßt sich mangels Aufgabeort der Leitweg nicht eruieren.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    in solchen Fällen könnte es hilfreich sein, den Zielort bei eBay einzugeben, in der Hoffnung, dass es eine Korrespondenz gibt; fände man einen ähnlichen Brief mit identischer Handschrift, wäre das Problem gelöst und du könntest eine perfekte Seite aufziehen: Mal richtig, mal falsch.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier ein (literaturbekannter) Ortsbrief aus Breslau, bei dem man sich den Aufgabestempel schenkte und direkt zum Ausgabestempel griff:



    Es gibt noch einen weiteren, ähnlichen Beleg aus Breslau. Aus anderen Orten ist anscheinend derartiges bisher nicht bekannt geworden.
    Die Entdeckungswahrscheinlichkeit war denkbar gering, da der Brief vermutlich direkt zur Ausgabe gelangte und kein weiterer Postler (ausser dem Zustellboten) diesen Brief sah.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    wunderschön, äußerst selten (nie gesehen von Preußen) und eine Contra, die auch der ungeneigte Juror sofort erkennt - Phantastisch. :P:P:P


    Ortsbriefe dürfte es auch nur von den größeren Orten gegeben haben, von daher ist ihr theoretisches Aufkommen schon eingeschränkt.


    Auch dürfte in größeren Städten nicht jeder Annahmebeamte einen Stempel für die Poststücke neben sich liegen gehabt haben, der nur für eingehende Post benötigt wurde.


    Wenn man einen (idealerweise mit anderer Markengattung) regulären von Breslau fände, hätte man die perfekte Seite: Mal falsch, mal richtig.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael,


    Ich bin begeistert! Vielen Dank für's Zeigen!


    Viele Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Liebe Freunde,


    danke für eure Kommentare. :)

    Zitat

    Wenn man einen (idealerweise mit anderer Markengattung) regulären von Breslau fände, hätte man die perfekte Seite: Mal falsch, mal richtig.

    Richtiger Hinweis. Wenn jemand einen Ortsbrief aus Breslau, im Idealfall mit Nummernstempelentwertung, übrig hat, wäre ich sehr interessiert. ;)


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Gut, es ist nicht Breslau, sondern nur Berlin...


    Außer der Nummernstmepl-Entwertung (der Type und der zeitlichen Einordnung nach muss es das Hofpostamt gewesen sein) nur der Stempel des Briefträgers.


    Und es ist keine (!!!!!) Ortsdrucksache, denn das Schreiben war versiegelt. Somit ist dieser Brief ein Beispiel für den seltenen 6 Pfennig-Stadtpost-Tarif bei Aufgabe von mindestens 25 Briefen (aber weniger als 100).

  • Hallo preussensammler,


    ein wunderbares Stück! :)
    Und mit diesem Tarif natürlich erst recht.


    Ich frage mich, was die beiden Rötelstriche rechts oben / links unten bedeuten sollen. Einen Rötelstrich sieht man gelegentlich (nicht nur auf Paketbegleitungen und Wertbriefen, hier vermutlich bei der Kartierungskontrolle bzw. Umspedierung angebracht), aber 2 sind ungewöhnlich ...


    Danke fürs zeigen!


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten


  • Ich frage mich, was die beiden Rötelstriche rechts oben / links unten bedeuten sollen. Einen Rötelstrich sieht man gelegentlich (nicht nur auf Paketbegleitungen und Wertbriefen, hier vermutlich bei der Kartierungskontrolle bzw. Umspedierung angebracht), aber 2 sind ungewöhnlich ...


    Hallo Michael,


    die zwei Rötelstriche sind bis 1853/1854/1855 (ich bin mir hier noch nicht ganz sicher, wann diese Vorschrift aufgehoben worden ist) bei Stadtpostbriefen nicht ungewöhnlich. Sie zeigen an, dass sowohl die Briefgebühr als auch das Bestellgeld bezahlt worden ist. Ich habe solche Stadtpostbriefe nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Königsberg und Köln. Nach dem genannten Zeitraum war es bei Stadtpostbriefen in den größeren Städten nur noch üblich, einen Rötelstrich/-haken für das "bezahlte" Bestellgeld zu setzen.


    Ich habe mal einige Beispiele angefügt. Bemerkenswert ist der Brief vom Hamburger Bahnhof. Der lag eigentlich außerhalb der Stadtgrenzen. Trotzdem konnte man dort Briefe zum Stadtpost-Porto aufgeben, bei denen das Bestellgeld schon bezahlt war. Für so einen Brief, im benachbarten Charlottenburg aufgegeben, hätte der Empfänger Bestellgeld bezahlen müssen.

  • Liebe Freunde,


    ich finde es ausgezeichnet, dass ihr herausgefunden habt, was es mit diesen Rötelstrichen auf sich hat - Chapeau! Das nenne ich mal Postgeschichte und Briefinterpretation. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo preussensammler,

    Zitat

    die zwei Rötelstriche sind bis 1853/1854/1855 (ich bin mir hier noch nicht ganz sicher, wann diese Vorschrift aufgehoben worden ist)

    um welche Vorschrift handelt es sich hier?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,


    "Vorschrift" ist vielleicht etwas übertrieben. Es ist nur eine Vermutung, dass eine solche existiert haben muss, um auszuschließen, dass die Briefträger bei Stadtpost-Briefen das eigentlich bezahlte Bestellgeld noch einmal kassieren. Vielleicht gibt es Circulare von den OPD, die derartige Städte mit Stadtpostbeförderung hatten.


    Weil ich versuche, die Typen des Nummernstempels 103 zusammenzutragen, stolpert man irgendwann über diese Rötelmarkierungen. Da bei den Typen des 103 die zeitliche Einordnung eine entscheidende Rolle spielt, ist die Zuordnung für die Änderung (zwei zu einer Rötelmarkierung) 1853/1854/1855 im Moment noch nicht geklärt. Andererseits würde eine genaue Angabe für den Wechsel auch die zeitliche Einordnung der Nummernstempel-Typen erleichtern.

  • Liebe Freunde,


    hier ein etwas skuriler Beleg mit einem Nummernstempel aus Köln, 1854.



    Eine mögliche Interpretation der Briefbehandlung:
    Der Brief wurde am 4.12. geschrieben (Angabe im Brief) und zur Post gegeben. Zunächst stempelte der Postbeamte den um 180° gedrehten Brief - Stempel auf dem "fr"-Vermerk und kopfstehend. Dann bemerkte er seinen Irrtum, drehte den Brief und stempelte erneut. Dann fiel ihm auf, dass das Datum den 5.12. zeigte - vielleicht schon für den Folgetag umgesteckt? Es war Abend und kurz vor 20 Uhr mit Toresschluß (siehe Uhrzeiten im Stempel). Im Bemühen, diesen Stempelabdruck unkenntlich zu machen, griff er zum Nummernstempel und setzte ihn darüber. Anschließend wurde (endlich) der Aufgabestempel mit nun richtigem Datum auf die (fast) richtige Stelle gesetzt.
    Schnell den Brief in den Postsack für den Zug nach Aachen und die Tür des Postamts endlich abschließen ... :D


    Die Contravention liegt darin, dass Nummernstempel ausschließlich zur Entwertung der Marken verwendet werden durften.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,


    diese Verwendung eines Nummernstempels ist wirklich außergewöhnlich. Eine Verwendung auf der Rückseite als Siegel scheint es öfter gegeben habe. Bei Pumpenmeier wurde über Jahre der '251' von CLEVE als Siegel immer wieder für 300,- € angeboten. Das war mir allerdings viel zu viel. Nach dem Verkauf dieses Hauses durch Herrn Jurkewitz befindet der Beleg vermutlich in einem der Tresore der Firma Gärtner.
    Falls gewünscht kann ich ein Bild zuschicken.


    viele Grüße


    Dieter

  • Lieber Michael,


    ganz außergewöhnliches Stück mit einer Erklärung, die äußerst plausibel ist. Schon aufregend, was es für Contras bei Preussen gab. Solch ein Stück müsste man bei jedem AD - Land lange, lange suchen. :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus