Postanweisungen 1876-1920

  • Zeiskam - Speyer 12.06.1891


    Hallo Sammlerfreunde,


    eigentlich sollte man davon ausgehen dürfen, dass es zum o.a. Thema bereits einen eigenen thread gibt. Ist erstaunlicherweise allerdings noch nicht der Fall und insofern nachholbedürftig.


    Jedenfalls werden wir alleine mit dem thread Postkarte als Empfangsbestätigung für eine Postanweisung nicht auskommen können. Ich hoffe mit dem nachstehenden Beleg nun einen angemessenen Auftakt für das o.a. Thema gefunden zu haben.


    Offenbar für interne Verrechnungszwecke ist damit ein kleinerer Betrag von der südpfälzischen Postexpedition in Zeiskam an die OPD nach Speyer gegangen. Aus welchem Grund wird uns leider verborgen bleiben.


    Zwei außergewöhnliche Dinge sind m.E. aber noch zu bemerken: Die für das Jahr 1891 doch recht modern wirkende Schrifttype des Zusatzaufdrucks POSTDIENSTSACHE und natürlich das Negativ-Dienstsiegel der Königl. Bayer. Postexpedition Zeiskam.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    schöne und nicht häufige Anweisung. Bitte nicht OPD schreiben - vor 1907 war es das OPA Speyer. ;)


    Der Grund der Überweisung der 1,25 Mark stand einst auf dem Coupon links - leider ist der nun weg, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man in Zeiskam etwas zu wenig hat frankieren lassen. Kamen die Abrechnungen einen Monat später in Vorlage beim OPA, dann kamen die Revisoren zum Einsatz. Fanden die ein Haar in der Zeiskamer Suppe, musste die Aufgabepost diese auslöffeln.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    alles klar, anbei dann mal für alle zum nachschlagen die Hintergründe des von Dir erwähnten, im Jahre 1907 vollzogenen Wechsels von OPA zu OPD aus Bauer, Richard in: Volkert, Wilhelm (Hrsg); Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, Seite 255f.


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Sammlerfreunde,


    folgenden Beleg möchte ich hier zeigen:


    "Interims-"Postanweisung über 100 Mark als Post-Dienstsache vom 24.4.1883 nach Nürnberg/postlagernd. Der Geldbetrag kommt am gleichen Tage aus Crefeld. Rückseitig keinerlei Stempel oder Vermerke. Das vorderseitige Dienstsiegel von Nürnberg II ist leider nicht ganz zu entziffern. Den handschriftlichen Vermerk links vom Siegel deute ich als (etwas verlaufene) Ziffer "2".


    Kann es sich hierbei um ein Duplikat einer "regulären" Postanweisung handeln - ähnlich einer "Notpaketkarte" ? Oder um den Ausgabebeleg einer telegraphischen Postanweisung ? Kann jemand ähnliche Belege zeigen ?


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo Schorsch,


    das ist der Vordruck für eine Postdienstsache / Postanweisung für interne Verrechnungszwecke.


    Postanweisungen 1876-1920


    Da sollte man m.E. auch Deinen Beleg - der wohl nicht zur Ausführung gekommen ist - hinschieben.


    Unter dem Oberbegriff "Unfrankierte Belege" wird man den vom Thema her jedenfalls wohl kaum noch wieder finden können.


    + Gruß!


    Tim

  • Liebe Freunde,


    nicht jeder wird kennen, was hier gezeigt wird, nämlich eine Nachnahme - Post - Anweisung. Im fränkischen Burgkundstadt am 15.7.1879 ging sie auf die Reise nach Carlsberg bei Altleiningen in der Pfalz, wo sie am Folgetag auch eintraf. Die Nachnahme mit der Nr. 41 war an das dortige Bürgermeisteramt gerichtet und haben wollte man 1 Mark und 30 Pfennige. Der Empfang wurde durch Herrn Klein am 17.7. per Unterschrift bestätigt.


    Ob in dieser Zeit noch ein Rückschein beigefügt war, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bk,


    kurze Frage, wie meinst Du das mit einem evtl. beigefügten Rückschein ? Als extra gelaufenen und extra bezahlten Rückschein oder als originär mit der Postanweisung verbundene Dienstleistung ?


    Hier mal eine etwas merkwürdige dieser Art, mit der ich nicht ganz klar komme. Ist wohl in Ludwigshafen aufgegeben, aber der Vorgang aus irgend welchen Gründen wieder abgebrochen worden. Fragt sich nur wo und warum. Mitteilungstext wie folgt:


    Sehr geehrter Herr Zopf ! Indem ich Ihnen für Ihre Bemühungen nochmals meinen herzlichsten Dank zuspreche erlaube ich mir die ausstehende Rechnung hiermit zu begleichen. Vergnügte Feiertage wünschend grüße ich Sie als Ihr ergebendster Aug.(ust) Sepper.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    Zitat

    kurze Frage, wie meinst Du das mit einem evtl. beigefügten Rückschein ? Als extra gelaufenen und extra bezahlten Rückschein oder als originär mit der Postanweisung verbundene Dienstleistung ?


    in der Kreuzerzeit wurden Postvorschußsendungen Rückscheine mitgegeben, die nach der Einlösung am Zielort zügig der Aufgabepost zu retournieren waren. Ob das hier (noch) der Fall war, weiß ich leider nicht, weil nicht meine Zeit.


    Zu deinem seltenen und sehr schönen Stück - diese Vordrucke waren ja kaufbar und wenn ein kaufbarer Vordruck verschrieben, ungültig oder nicht mehr opportun abzusenden war, war er der Post zurück zu geben, die ihn gegen einen neuen eintauschte.


    Beispiel: Man will 24 Mark an Firma X überweisen, schrieb aber aus Versehen die Adresse der Firma Y auf die Anweisung. Tja, radieren, ausschneiden oder übermalen durfte man nicht, also war die PA unbrauchbar geworden und wurde gegen eine neue eingetauscht.


    Oder man hätte 34 Mark an Firma X überweisen sollen, die PA aber über 24 Mark ausgefüllt - Korrektur nicht möglich, also der gleiche modus wie oben.


    Die Post hatte dies separat zu vermerken und die ungültige bei der Generalrechnung einzureichen. Der Obercassir des zuständigen OPA hatte dies zu prüfen und entlastete die Poststelle um die Nominale.


    Dergleichen PA sind nicht häufig und - allein schon zur Dokumentation der Postvorschriften - sehr sammelwürdig. Weniger sammelwürdig sind die PA, die über einstellige Pfennigbeträge lauten und i. d. R. ihre Existenz allein sammlerischen Gründen verdanken. Dein Stück ist klasse!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    herzlichen Dank für die Klarstellung. Das Stück war dann also am Schalter in LU im Gegenwert von 20 Pfennigen ausgetauscht worden. Dann hat man den Wertstempel von 20 Pf wohl nur noch der Form halber für Annulationszwecke mit dem Tagesstempel entwertet, richtig ?


    + Gruß

  • Hallo Pälzer,


    so ist es. Natürlich war es auch möglich, eine bereits aufgegebene PA zu "reclamiren", also wieder abzuholen. Das wird man nicht mehr sicher heraus bekommen, aber das tut dem guten Stück keinen Abbruch, denn viele Sammler können so etwas nicht zeigen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo liebe Freunde,


    dieses Stück flog mir am vergangenen Wochenende zu - sofort ins Auge gesprungen ist mir der Reservestempel von Koetzting.


    Schöne Grüße
    Bayern-Nerv Volker

    Bilder

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Hallo zusammen,
    zu dieser Postanweisung habe ich eine Frage, die mir noch niemand beantworten konnte. Vielleicht habe ich hier im Forum
    mehr Glück.
    Sie trägt über dem Feld, in dem der Betrag in Buchstaben einzugeben ist, eine Waffeleinprägung mit dem Wort "zahlbar in
    lateinischer Schreibschrift. Zur Begutachtung habe ich auch einen Teil der Rückseite abgebildet.
    Bei der Recherche in meiner Kartei bin ich darauf gestoßen, dass diese Prägung nur bei PAWs vorgenommen wurde, die
    nach München liefen (allerdings nicht bei allen). Handelt es sich um eine Sicherungsmaßnahme, damit in diesem Feld nichts
    mehr verändert werden konnte oder weiß jemand sonst eine Erklärung oder eine Vorschrift oder, ob diese Praxis schon in
    der Kreuzerzeit oder nach 1881 angewandt wurde ?
    [Blockierte Grafik: http://www7.pic-upload.de/14.10.13/ewwvxm5j39hp.jpg] [Blockierte Grafik: http://www7.pic-upload.de/14.10.13/1w5w6hxl9td8.jpg
    Liebe Grüße von

    weite Welle

  • Hallo weite Welle,


    aus der Kreuzerzeit ist mir dergleichen nicht bekannt. Der von dir genannte Grund ist mir auch schleierhaft - vlt. kann jemand eine Vorschrift zeigen?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Erdinger,
    vielen Dank für den Hinweis. Offenbar war das Prägen eine Maßnahme, die nur in München durchgeführt wurde. Immerhin
    habe ich jetzt zumindest einen Zeitraum gesichert, das eingestellte Stück stammt also aus der Anfangszeit Juli 1879.
    Liebe Grüße von

    weite Welle

  • Hallo Sammlerfreunde,


    in Sifi wurde mir dankenswerterweise das nachstehend in Auszügen abgebildete Dokument überlassen. Dem "Organisator" werde ich dafür noch eine gute Flasche pfälzer Wein zukommen lassen. Denn es freut mich, dass dieser außerordentlich interessante Beleg pfälzischer Postgeschichte von ganz wo anders her wieder in heimatliche Gefilde zurück gewandert ist.


    Ich gehe davon aus, dass das vom Kaiserslauterner Postamtsdirektor Johannes Münster angelegte Büchlein mit 74 beschrifteten Seiten von Ende September 1916 bis Mitte Januar 1951 Quittierungen hpts. für Postanweisungen, z.T. auch für eingeschriebene Wertbriefe beinhaltet. Lasse mich aber wie immer gerne korrigieren.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    tolles Dokument vergangener Zeiten - was mich wundert, da ich auch eines besitze und schon mehrere gesehen habe, ist der extrem lange Zeitraum. Aber man lernt hier ja ständig dazu ... :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    eine Postanweisung über den bemerkenswerten Betrag von lediglich 1 Pfennig dürfte wohl klar auf sammlerische Veranlassung zurück zu führen sein. Andererseits hat man deswegen wohl auch alles an dem Poststück - nett - beieinander gelassen. Schön anzuschauen auch der Briefträgerstempel vom Empfangsort Leipzig.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    was ich bei dergleichen Stücken nicht verstehe: Warum hat der eine nicht 3 Mark 47 hingeschicht und der andere dann 2 Tage später 3 Mark 46 zurückgeschickt? Dann hätte keiner auf den ersten Blick bemerkt, dass es rein sammlerisch war.


    Aber den Altvorderen war es wohl egal, ob man es merkte, oder nicht, weil Bedarf kein Thema war und schöne Stempel und echt gelaufen das A und O waren, dem alles andere unterzuordnen war.


    Heute sind bedarfsgebrauchte Stücke nicht so häufig, kommen aber ab und zu in der Bucht oder auf Messen schon mal im einstelligen Bereich vor.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus