Konsolidierung nahezu abgeschlossen

  • Die Konsolidierung auf dem Markt der Philatelie und Postgeschichte neigt sich dem vorläufigen Ende zu.
    Der Stand:
    - Einzelmarken Moderne Ware, dazu zählt auch teilweise noch die Semiklassik, ist entweder unverkäuflich oder wird in Konvoluten billigst verkauft. Hier ist vielleicht noch Luft nach unten, weil das Hauptproblem - viel Ware, wenige Sammler sich nicht bereinigen wird.
    Einzelmarken Klassik in einwandfreier Qualität sind nur teilweise absetzbar, gefragt sind Ausnahmestücke. Zweite Qualtät wird gemieden.
    Briefe Klassik: Standartfrankaturen sind ausgereizt und wenig nachgefragt. Besondere Frankaturen, Destinationen und Qualitäten dagegen stoßen auf intensives Interesse.
    Daraus lässt sich schliessen, dass der breite Markt nach wie vor schrumpft. Es hat sich die Spreu vom Weizen getrennt. Wer heute 1000 Euro und mehr ausgibt, weiß was er tut. Und es handelt sich dabei sowohl um ein sammlerisches wie Anlegerinteresse, das wohl anhaltend sein wird. Auf dieser Basis wird die Philatelie gute Zukunftsaussichten haben, lässt aber gleichzeitig wieder und vermehrt Raum für Ideen und Spezialitätensucher.
    Die Vorphilatelie passt in diese Schemata nicht hinein. Da der Markt für seltene Ortsstempel (meist kleine Postorte) sehr eng geworden ist, brach ein wesentliches Momentum weg. Jenseits der Sichtweise auf vordergründige Aspekte beginnt ein Feld von hohen Ansprüchen an Kenntnisse und Einsichten, die keine breite Sammlerschaft mehr erreichen. Um so erstaunlicher, dass die Forschung und die Entwicklung neuer Methodik rasante Fortschritte zeitigt, die in ein paar Jahren das gesamte Gefüge postgeschichtlichen Arbeitens verändern wird. Die Marktsituation für Vorphilatelie spiegelt diese Situation wider. Die meisten Auktionshäuser sind mit dieser Entwicklung überfordert, deshalb wird Vorphilatelie gemieden oder verständnislos angeboten. In diesem Bereich ist die Konsolidierung noch nicht abgeschlossen und die Neuausrichtung noch zu ungewiss, das liegt aber vor allem an dem Tempo das die Entwicklung in der Forschung vorlegt und weniger an fehlendem Interesse der Sammler.
    Diese unmaßgeblichen Meinungen können gerne zerpflückt werden zumal sie keinen dogmatischen Anspruch erheben. Wie auch immer die Diskussion ausfällt, fruchtbar wird sie in jedem Fall sein, weil sie zur Reflexion verhilft.

  • Lieber Achim,


    gerade von der Köhler - Auktion zurück gekommen, lese ich deinen Beitrag, dem ich komplett zustimmen kann. Zu den losen Marken, bestenfalls Briefstücken: Traumqualität ist immer noch sehr teuer, weil es etliche vermögende Ländersammler gibt.


    Fast alles, was aus dem Standard, sogar dem weiteren Standard hinaus ragt, wird teuer, teils für weiteste Sammlerschichten unerschwinglich.


    Vlt. raffe ich mich auf für den nächsten Rundbrief, einen Artikel über diese Auktion zu schreiben.


    Die Vormarkenzeit (VMZ) wird immer mehr zur Spielwiese von Neueinsteigern, die Interesse an erschwinglichen, kalligraphisch feinen und erschwinglichen Briefen haben; die Zukunft wird zeigen, wie weit dieses Engagement gehen wird - ob das Level bleibt, oder in Richtung des deinigen aufsteigt (wie sehr wünsche ich mir letzteres). Der "Standard - VMZ - Sammler" ist zur Rarität geworden, Heimatsammler als Ausnahme bestätigen diese Regel.


    Ansonsten volle Zustimmung - mal sehen, wer sich noch wagt, seine Meinung kund zu tun.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • hallo johelbig,


    da möchte ich vorneweg erst mal auf den Artikel in der WELT vom 28.9.2017: "Langeweile? Hello again Hobby!" verweisen und zitiere:


    "In Zeiten, da Arbeit und Freizeit sich vermische, sei kein Platz mehr für Briefmarkensammeln. Könne man ja nicht mit angeben. Wirklich? Ich behaupte mal: Das absolut nutzlose Retro-Hobby feiert ein Comeback, ... "


    Vielleicht stehen wir kurz vor der Ranaissance der Philatelie?


    Du hast in der Analyse zu den Aspekten des Briefmarkensammelns die Fakten gut erläutert, nur bei der Schlußfolgerung bin ich nicht bei dir. Als Einstieg ist die Vorphilatelie ziemlich ungeeignet, da müssen andere attraktive Angebote zum Anfixen neuer Sammlergenerationen her. Ob es das Versandstellenabo sein kann? Kaum, weil alle paar Wochen ein Tütchen einsortieren ist zu anspruchslos. Für den Einstieg in das Hobby halte ich das Füllen eines Vordruckalbums immer noch für den erfolgversprechendsten Weg; nicht zu Vergessen: Die Motivsammlungen, deren Umfang und Anspruch so ziemlich das ganze Spektrum der Philatelie eröffnen.


    Die im Markt kursierende Menge an Einzelmarken würde drastisch reduziert, würden Sammler wie Handel mal alles vernichten, was nicht wenigstens überdurchschnittlichem Erhaltungsgrad (Gummierung, Zentrierung, Schnitt/Zähnung, Abstempelung) entspricht; Würde man ein 85-90% Grading ansetzen, wären schlagartig Containerweise Lagerbücher und Sammlungen vom Markt. Zudem sollten aus den (Briefmarken)-Katalogen mal alle Preisnotierungen <100€ enfallen - Das sind nur noch Handlingkosten des Handels und Liebhaberpreise der Sammler. Die Droge MichelEuro müsste aus den Köpfen und der Spaß am Hobby - und nicht an Katalogwertanhäufung - den neuen Sammlern vermittelt werden.


    Für alle, die dieses Stadium hinter sich lassen, steht die Welt des Belegesammeln der letzten 200 Jahre in all seinen Facetten, Herausforderungen und Glücksmomenten offen. So sie richtig informiert und betreut werden. Dafür gibt es Vereine und Foren - leider kümmern sich Handel und Verbände nicht um breite Information für neue Sammler.


    besten Gruß
    stampmix


    PS: Gefragt, wie man Briefmarken ohne Kenntnisse, Aufwand und Verlustrisiko sammeln kann, empfehle ich die Jahrbücher der Deutschen Post (ab 2001), die in der Zweitverwertung ca.90% des Frankaturwertes kosten und den gesamten Briefmarken-Jahrgang mit Beschreibung der Markenmotive als schönes Büchlein präsentieren.

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