Bayern nach Sardinien

  • Liebe Freunde,


    den folgenden Beleg bekam ich netterweise vom spanischen Nichtfestland und möchte ihn hier vorstellen:


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    Der in Nürnberg am 12.3.1853 zur Post gegebene Brief lief nach Genua im Königreich Sardinien und verfügte über ein inliegendes/anhängendes Muster, daher der Vermerk "Con Campione senza Valore". Weil der Brief im Königreich Sardinien mit 20g gewogen wurde und mit 18 Kr. rheinisch taxiert wurde, dürfte das Muster inliegend gewesen sein. Wäre es anhängend gewesen, hätte es bei einer bayerischen Taxe von 18 Kr. 2 bis 4 Loth mit dem Brief wiegen dürfen (einfaches Gewicht bis 15,625g = 1/32 Zollpfund des Briefes allein plus das Gewicht des Musters).


    Der Transit über Österreich war nicht taxiert worden, weil man mit dem Kgr. Sardinien im Paket je Unze abrechnete, denn Österreich gab die Vorteile des Österreichisch - Italienischen - Postvereins nicht an andere "deutsche" Staaten weiter. Nach dem Postvertrag zwischen Österreich und dem Kgr. Sardinien von 1844 wurden die Briefe aus oder über Österreich nach Rayons taxiert, hier also TA3 für Briefe aus Bayern im Transit über Österreich (Transito Austriaco 3. Rayon).


    Der Empfänger des Portobriefes zahlte 24 Decimi in Genua. Viele Musterbriefe Bayerns nach Sardinien kenne ich nicht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayern klassisch


    Die 24 Decimen entsprechen in Sardinien einem Brief der dritten Gewichtstufe bei Leitung über Österreich.


    Gruß Cameo

  • Hallo Cameo,


    vielen Dank für die Klärung der Gewichtsstufe in Sardinien.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier ein kleiner Knobler - wer ihn knackt, ist wirklich gut und zu schaffen ist es.


    In Augsburg am 11.7.1854 schrieb man einen einfachen, unter 1 Loth leichten Brief nach Cravegia im Königreich Sardinien. Der Absender klebte 2 mal die Nr. 5b auf, ergo 18x. Er vergaß auch nicht die Angabe des Leitweges "per Coira Domodossola", also über Chur und Domodossola.


    Was passierte aber dann? Wie sah es mit dem erforderlichen Franko aus?


    Auf eure Antworten bin ich gespannt!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    dann will ich spät, aber nicht zu spät lösen:


    Ein einfacher Brief vom 14.7.1854 von Augsburg nach Craveggia im Königreich Sardinien sollte, wie vom Absender gewünscht, „per Coira Domodossola“ gesandt werden. Hierfür frankierte er nach dem Vertrag vom 1.10.1852 mit der Schweiz 18 Kr.. 6 Kr. für Bayern über 10 bis 20 Meilen zur Bayer. – Schweizerischen Grenze und 6 Kr. für den offenen Transit durch die Schweiz bis 1 Loth. Ab der CH – Grenze bis zum Zielort kamen für Sardinien weitere 6 Kr. dazu. Die Aufgabepost ignorierte die Anweisung und die Höhe der Frankatur und leitete ihn (VO – Blatt Nr. 7 v. 16.2.1854, gültig ab 1.1.1854) über Innsbruck nach Österreich. Für diesen Leitweg galt ein anderer Tarif: 9 Kr. für Bayern bis zur österreichisch – lombardischen Ausgangsgrenze zu Sardinien und, weil der Zielort über 10 Meilen von der österr. Grenze entfernt lag, 8 Kr. für das Königreich Sardinien (= 6 Kr. CM als Verrechnungswährung). Das Franko hätte bei der tatsächlichen Leitung also nur 17 Kr. betragen. Dieser Brief benötigte darüber hinaus 6 Tage bis zum Empfänger, während bei der schnelleren Leitung durch die Schweiz nur 3 bis 4 Tage die Regel waren. Dergleichen Briefe sind nicht häufig.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Altitalien,


    sehe ich auch so - 6x rh. war das Franko zur Ö - Grenze.


    Diritto estero lese ich oben - was war damit gemeint? Ausländisches Porto lag ja nur indirekt vor, weil es eine österreichische Transittaxe auf dem Brief ja gar nicht gab.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Meine Interpretation: der sardische Beamte setzte, wie er es bei ausländischen Briefen oft gewohnt war, an, das ausländische Guthaben zu notieren, bemerkte dann aber, dass der Postvertrag Sardinien Österreich zur Anwendung kam, wo hier der Transit von Mailand nicht notiert wurde, und ... schrieb einfach nicht mehr weiter! Die Tintenfarbe von "Diritto Estero" und den "16" ist dieselbe.

  • Hallo Altitalien


    Ich habe dein interessanter Brief hierher verschoben mit der anderen Bayern-Sardinien Briefe. Hoffentlich ist es so OK :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo die Runde


    Ein Brief nach Sardinia-Piemonte habe ich auch gefunden.


    Dieser ist 1828 von Augsburg nach Turin gelaufen und kostete der Bayer 6 Kreuzer Rh bis Füssen.
    Weiter lief der Brief nach Milano über Novara nach Bestimmungsort.


    In S-P war der Brief neu gewogen und man hat ein 8 Gram Gewicht fest gestellt.
    Der Empfänger hat 33 Soldi bezahlt.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo bayern klassisch


    Ach ja, es ging wohl etwas schnell :D :D
    Ist geändert


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo die Runde


    Ein anderen, jetzt in der 1 Gewichtsstufe nach Vigevano.


    Der Brief würde in 1836 von Augsburg abgeschickt und kostet der Absender auch hier die 6 Kreuzer. Von hier aus weiter nach Milano. Ob der Brief jetzt über Landeck und Mals lief Statt durch Brenner habe ich jetzt nicht vor mir.


    Auf jeden Fall, der Brief ist angekommen und der Empfänger hat 18 Soldi bezahlt.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Es könnte wohl sein, hier sind die Forschungen von Günther Baurecht heranzuziehen. Ich werde demnächst was über die sardischen Taxen auf diesen Briefen sagen.

  • Hallo Freunde


    Dieser Brief ist hier nicht gezeigt geworden.


    Von Augsburg (wie fast immer) lief dieser Brief nach Genua im Juli 1838.
    Oben links ist es 15 vermerkt, so dass der Brief in Bayern 9 Kreuzer Rh kostete (2. Gewichtsstufe) und der Empfänger 28 Soldi bezahlen musste. War es auch in Sardinien die 2. Gewichtsstufe?


    Viele Grüsse
    Nils

  • Guten Abend zusammen,


    ein Brief bereitet mir Kopfzerbrechen:


    1856 von Lindau nach Genua, frankiert mit 18x.


    Dazu meine Gedanken zum Porto und Laufweg:
    1. über die Schweiz hätte der Brief doch 3x PV ab Lindau, 6x schweizer Transittaxe und 6x für Sardinien kosten müssen, also 15x.
    2. da der Stempel "Via di Svizerra" aus Mailand abgeschlagen ist, komme ich auf folgende Taxe über die Schweiz und Mailand/Österreich, 9x Vereinstaxe,
    3x schweizer Transittaxe und 4x Sardinien ab 1854, also insg.16x.


    Sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht ?( Überfrankiert? Wer kann helfen?


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Leitwege,


    meiner Meinung nach liegst du mit der ersten Variante richtig, 3xr Bayer, 6xr Ch-Transit und 6xr KGR Sardinien=15xr gesamt.


    Demnach wäre der Brief um 3xr überfrankiert, was selten ist aber immer mal vorkam, evtl wurden die Marken vorher verklebt?

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Liebe Freunde,


    hinten sind 6x Weiterfranko angeschrieben, so dass wir auf 9x Postverein bis Mailand kämen, 3x stiller Transit und 6x für Sardinien.


    Laufwege gab es ja mehrere ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    danke für eure Einschätzungen.


    bayern klassisch


    Der Brief ist sicher über Mailand gelaufen, aber 6x für Sardinien galt nur für den direkten Transit Schweiz-Sardinien, über Mailand war nur noch 4x ab 1854 zu bezahlen, zumindest nach Zangerle. :S


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Leitwege,


    ich weiß, ich weiß - aber wenn man in Bayern 6x CM = 8x rh. hinten als Weiterfranko vergütet hat (über Österreich), ihn dann aber aus Gründen, die wir heute nicht mehr nachvollziehen können, im geschlossenen Transit über die CH schickte, statt offen über Innsbruck usw., dann passt es doch auch da - 17x statt der frankierten 18x waren ja nicht die Welt. Schau mal hier im Thread #4 an ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus