Hallo, Eifel Harry
Aus dieser Korrespondenz gibt es zum Glück sehr viele Briefe. Ich schätze etwa 40 Stück. Ich selbst habe etwa 10 Briefe aus verschiedenen Perioden mit unterschiedlichen Portis und Laufwegen. Alle sind in Kopenhagen eingeschrieben worden, sichtbar an der Notation NB = Nota bene sowie am Rötelgitter. DK hatte keinen Stempel für das Einschreiben. In Hamburg (Taxis) kam dann der Stempel CHARGE drauf sowie der Herkunftstempel Dänemarck…
Ich kann nur eine vorläufige Erklärung geben, da ich meine Briefe selbst noch nicht analysiert habe. Das ist ein Projekt für nächstes JAhr.
Taxiert mit 29 Rbs = 7 Sgr für einen einfachen Brief nach Hamburg. Links oben steht das vorausbezahlte Weiterfranko von 42 RBS, da Frankaturzwang bis zur österreichischen Grenze bestand.
Die Chargierung kostete meines Wissens (nicht gesichert!) 8 RBS . Sie müssten beim Inlandsanteil zu den 29 eigentlich addiert werden, sind aber offensichtlich nirgendwo auf dem Brief notiert worden, da sie ja nicht weitergegeben wurden.
Das Weiterfranko betrug 9 hamburgische Schillinge, die hinten stehen, das sind umgerechnet 28 RBS oder 6 3/4 sgr.
Hier besteht eine Diskrepanz zwischen gezahlten 42 und weitergereichten 28!
Auf allen "einfachen" Briefen aus DK nach den italienischen Staaten findet sich links oben die 42 RBS, hinten sind meist 9, manchmal aber auch 13 HSCh Weiterfranko vermerkt.
Meine These ist, dass Thut in HAmburg bei etwas niedriggewichtigeren Briefen einen ziemlichen Währungsgewinn gemacht hat.
Die 9 HSch entsprechen 18 Kreuzern CM.
Nach dem Postvertrag Österreich - Taxis von 1843 kostete eine Brief von Hamburg bis zur österr Grenze
6 KrCM hälftiges Gemeinschaftsporto
+ 12 KrCM Transitzuschlag also 18 KrCm = 9 Hsch für ein halbes Wiener Loth = 8,75 Gramm
Ein Brief über 8,75 g kostete das 1 1/2‑Fache = 27 KrCM = 13 Hsch = 42 RBS.
Die Dänen zahlten also grundsätzlich für ein Briefgewicht einen Auslandsanteil von 1/2 bis 1 Wiener Loth (42 RBS). Hamburg gab dann je nach Briefgewicht mal nur 9 oder 13 Hsch weiter.
Vorsicht: Das habe ich "herausgefunden", aber noch nicht mit anderen Spezialisten abgeklärt. Vielleicht hat hier jemand eine andere Erklärung.
Der Brief war jetzt also bis zur österreichischen Grenze bezahlt.
Österreich rechnete im Paket mit dem Kirchenstaat ab und verlangte dafür 100 Bajocchi pro 1 Unze Briefe im Paket.
Als einfacher Brief bis 1/4 Unze = 7,1 g (passt zu den 9 HSch Weiterfranko oben) verlangt der Kirchenstaat von Neapel 25 Bajocchi plus denselben Betrag für die Chargierung, also 50 Bajocchi.
Neapel rechnet die Bajocchi in Grana um und addiert für den Chargeebrief zusätzlich die zu verdoppelnde Taxe für Neapel. das kostet dann 93 Grana, die in fahler violetter Tinte links am Rand stehen. Hinzu kommen 5 Grana bis Messina = 98 Grana, die der Empfänger zu zahlen hat.
Dies sollte hoffentlich als erste Erklärung genügen. Nächstes Jahr will ich mich tiefgründiger mit diesen Briefen beschäftigen.
Beste Grüße, MArtin