Taxpatent 1817

  • Verehrte Freunde,


    für den Fall, dass jemand sich unterwegs einmal mit den Tarifen der Briefpost in Österreich nach 1817 beschäftigen möchte oder gerade keinen Zugang zu seinen Unterlagen hat, hänge ich hier einmal das Hofkammerdekret zur Regulierung der Briefpostgebühren vom 15.4.1817 an (gültig ab 1.6.1817).
    Ich dachte mir, das könnte ein würdiger erster Beitrag in dieser Periode sein.


    Viele Grüße aus Erding!

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    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Freunde,


    eigentlich geht es hier weniger um das Taxpatent, sondern eher um den Stempel, der einen Brief aus Mattighofen ( Bezirk Braunau am Inn) ziert. Ausweislich meines Feuser - Kataloges lässt sich dort eine Postablage nachweisen, jedoch ist zur bayer. Zeit kein Stempel abgebildet.


    Der Brief vom 2.7.1836 nach Möderbrugg zeigt einen schon etwas ältlichen Einzeiler, dem ich zutraue, etwas älter zu sein. Kann jemand Aussagen über Herkunft und Einsatzzeit dieses Stempels machen und weiß, ob er in einer ehemals bayerischen Verbindung gesehen werden kann?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bayern klassisch


    Dieser Stempel kam laut Müller erst in 1822 zu Verwendung. Und ja, ein Posthalterei war in Mattighofen eingerichtet. Ich kenne aber auch kein Stempel aus dieser Zeit.
    Der von dir gezeigte Stempel war wohl bis 1842 verwendet, wenn ein neuer Stempel zum Einsatz kam.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    danke für diese Infos. Wenn du ihn magst, schenke ich ihn dir.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Brief aus Mailand (Lombardei-Venetien / Österreich) nach Dornbirn (Vorarlberg / Österreich) vom 25.11.1818. Neben dem Einzeiler "MILANO" wurde in Mailand noch der Stempel "P.B. MILANO L.T." abgeschlagen, ein Vertragsstempel aus dem Postvertrag Italien-Bayern von 1809, der zu jener Zeit jedoch bereits hinfällig war. Links oben müßten "5" Decimes, die Lombardei-Venetien anfielen, angeschrieben worden sein, die der Absender bezahlte. Bis Feldkirch (Vorarlberg) fielen 2 Kr.C.M. Porto an, die in 2 1/2 Kr.rheinisch angeschrieben wurden. Dazu kam die Botengebühr von 2 Kr. rheinisch von Feldkirch bis Dornbirn. Der Empfänger bezahlte daher 4 1/2 Kr.rheinisch Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    eine Bombe - so etwas sieht man nur alle Jahre mal, traumhaft!


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo VorphilaBayern


    Ein sehr interessanter Brief, der nicht einfach zu beschreiben ist. Etwas stimmt für mich nicht. Der Porto mit 4 1/2 Kreuzer passt bei Briefe mit Distanz bis 3 Posten + Botenlohn. Es war ein Portobrief aus österreichischen Lombardei geschickt war, nirgends ist ein Franko vermerkt. Es heisst das wenn man die Taxen als Basis nimmt, dass der Brief über Schweiz lief und bis österreichischer Grenze frankiert war und nicht über Tirol als österreichischer Portobrief geschickt war. Da ich die Postgeschichte von Lombardei nicht so gut kenne, bin ich hierzu etwas unsicher. Ich weiss aber dass die italienische Gebühren immer noch bis 1.7.1819 gültig waren.


    Vielleicht kann jemand etwas über die Taxierung sagen? Und Laufweg?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo,


    Nils hat sicher recht. Der Brief muss über die Schweiz gelaufen sein. Ich habe einen Brief aus Mailand vom 134.8.1814 angehängt, der mit 5 Decimes die gleiche Taxierung wie der Brief von VorphilaBayern hat und zusätzlich nur noch das französische Porto.


    Derartige Briefe gibt es auch nach Bayern, wie dieser vom 26.11.1817 aus Genua nach Kempten. Auf diesem Brief fehlt jegliche sardische Taxierung. In Augsburg wurde das fremde Porto (österreichische Transit + Sardisches Porto?) mit 14 Kr. in Auslage genommen. Mit dem bayerischen Inlandsporto von 3 Kr. ergab sich eine Gesamtportobelastung von 17 Kr. Interessant wäre wie die Abrechnung zwischen Sardinien und Österreich war.


    Grüsse von liball

  • Hallo bayern klassisch und Bayern-Nils,


    herzlichen Dank.
    Im Hofkammerdekret in diesem Thread in Post 1. von Erdinger steht vor dem § 1 "Regulierung der Briefpost-Gebühren" folgendes:
    "......., vom 1. Junius 1817 angefangen, in allen Ländern des Österr. Kaiserstaates, einzig das Lombardisch-Venetiaische Königreich ausgenommen, treffen nachfolgende Bestimmung in Wirksamkeit ...".
    Ich denke daher, daß der Absender bis zur Grenze "Schweiz - Vorarlberg" mit 5 Decimes, die links oben angeschrieben sind, bezahlte. In Vorarlberg fielen dann die 4 1/2 Kr.rh. Porto an.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo Freunde


    Viele innenösterreichischer Rekommandierte Briefe habe ich nicht, aber wenn diese in Angebot kam konnte ich mich nicht währen.


    Von Merano nach Bozen kostete dieser einfacher Brief aus 1830 der Absender 6 Kreuzer CM + 4 Kreuzer CM Rekommandataionsgebühr.

    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    im grenzüberschreitenden Verkehr hatte Österreich den Postvertragspartnern beim Verlust eines Einschreibens 20 oder 21 Gulden CM garantiert, das weiß ich nicht mehr so genau. War das auch der Versicherungsbetrag, den man intern bezahlte?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Welche Garantien es hier gestellt war kenne ich leider nicht.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief vom Landgericht Kastelruth an das Landgericht Brixen vom 20. Juni 1819 mit Aufgabestempel Einzeiler "KOLLMANN". Der Absender bezahlte bei der Briefaufgabe 2 Kreuzer C.M.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu ein Brief aus Laibach (Königreich Illyrien - Österreich) nach Erbach im Odenwald (Großherzogtum Hessen - Thurn und Taxis) vom 10. Dezember 1817. Zu den Taxierungen müssen sich die Experten äußern. Lt. dem österr.
    Regulativ vom 1.6.1817 komme ich nicht klar.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    der Absender zahlte 14x CM (siegelseitig). Dazu 12x rheinisch für Bayern und 4x Transit (für wen weiß ich nicht). Das waren zusammen 16x. Diese wurden in 4 Batzen reduziert, zu denen 1 Batzen bis zum Empfänger kam, also 5 Batzen total (nicht angeschrieben).


    Später wurden diese 5 Batzen siegelseitig in 20x rh. reduziert, weil der Empfänger in Kreuzern zahlte, nicht in Batzen.


    Toller Brief - klasse! :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    herzlichen Dank für Deine umfangreiche Beschreibung. Mit den 14 Kr., die der Absender bei der Briefaufgabe bezahlte, komme ich nicht klar. Lt. dem Regulativ vom 1. Juni 1817 wurde das Halbfrankosystem aufgehoben. Stattdessen wurde nach durchlaufenden Poststationen (bis zur Grenze) gerechnet. Bis 3 = 6 Kr.; 3 bis 6 = 24 Kr.; 6 bis 9 = 30 Kr.; 9 bis 12 = 36 Kr. und 12 bis 15 Poststationen = 42 Kr.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    ich habe die Taxpatente zu Hause und schaue nach; ich lese aber dennoch 14x und kann keine andere österreichische Taxe erkennen. Ich melde mich dann.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo VorphilaBayern,


    die Taxen im Regulativ vom 1.6.1817 sind in Wiener Währung (W.W.) angegeben.
    Sie müssen in die neue Conventionsmünze (C.M.) umgerechnet werden, in dem man durch 3 dividiert.
    Bei deinem Brief somit 42 : 3 = 14 Kr. C.M.


    Grüsse von liball