• Suez - Kaiserslautern 20.12.1908


    Hallo zusammen,


    hoffe diesen thread mit dem nachstehenden Reco-Beleg aus dem Jahre 1908 so einigermaßen "würdevoll" zu eröffnen. Offenbar interessierte sich seinerzeit auch der Bazar Universel in Suez für Nähmaschinen der Firma Pfaff / Kaiserslautern. Zur Geschichte dieses außerordentlich traditionsreichen Unternehmens weiteres hier:


    http://www.pfaff-industrial.com/pfaff/de/company/history


    Von Suez aus wurde der Brief noch am Aufgabetag 20.12.1908 bis Port Said am Mittelmeer transportiert. Die weitere Route per Schiff wäre natürlich interessant zu wissen. Mit Ankunft am 25.12.1908 in Kaiserslautern jedenfalls eine reife Leistung und das noch als Einschreiben. "Ägyptischer" kann man glaube ich auch nicht mehr frankieren (siehe Markendetail).


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    ein beeindruckendes Stück - gut, dass die Pfaff viel Post erhalten hat - leider nichts aus der Kreuzerzeit, dafür um so mehr später.


    Ohne Garantie: Die Leitung in Ägypten mit der Eisenbahn war obligat. Mit dem Schiff sollte es bis Brindisi und von dort nur noch per Eisenbahn über den Brenner.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo und guten Abend,


    heute mit der Post aus den Staaten gekommen:


    2 Piaster Ganzsachenumschlag als Einschreiben von Alexandrien (29.7.) nach Tölz (3.8.! - flott !) 1896. Hätte mich fast die letzten Nerven gekostet: Gebotsabgabe verpennt - trotzdem liegen geblieben und schließlich im Direktkontakt "eingesackt". 8)


    Ganz interessant auch der "Sophi" (richtige Schreibweise ?) - Hintergrund:
    Der Absender: Prof. Dr. phil. et Dr. med. h. c. Arthur Looss - weitere Infos: http://www.unileipzig.de/unige…og/leipzig/Looss_1374.pdf


    Der Beleg fällt genau in den Zeitraum seiner zweiten Studienreise nach Ägypten. Adressiert ist er an seine Frau, die wohl zur Sommerfrische in Bad Tölz weilt. (der Prof. ist seiner Zeit etwas voraus, da Tölz erst 1899 das Prädikat "Bad" erhielt)
    Ein Incomming-Schmanckerl, das ich wohl so schnell nicht wieder bekommen werde... :)


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo Herr Im-Direktkontakt-eingesackt...


    ...bzw. lieber Schorsch :thumbsup:


    Ein Reco-Beleg an dem wirklich alles dran ist, da wird man auch in Tölz 1896 große Augen gemacht haben. :P


    Dank für`s zeigen und die gleich dazu gelieferte sophy (glaube der Begriff hat sich so eingependelt)


    + Glückwunsch !


    vom Pälzer

    Einmal editiert, zuletzt von Pälzer ()

  • Hallo Pälzer,


    zum Empfänger habe ich folgendes gefunden:


    http://de.search.yahoo.com/r/_…ca.de/speyer_synagoge.htm


    Er war also Speyrer mosaischen Glaubens - leider ist kein Inhalt mehr dabei; es hätte mich interessiert, welche DS man aus Ägypten in die Pfalz sandte (es gab ja auch eine starke jüdische Gemeinde in Kairo, von daher wäre eine Vermählungsanzeige oder eine Karte zur Geburt des 1. Sohnes durchaus möglich gewesen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Freunde


    Ich brauche etwas Beschreibungshilfe bei diese Briefe.


    Und hoffe dass es hier jemand mit genügend Wissen gibt :)


    Beide Briefe liefen von Alexandria nach Livorno, erster Brief in 1856 und zweiten in 1860. Also zuerst als Livorno in Toscana war, und dann als Livorno jetzt ein Teil von Königreich Italien war. Und die Taxierungen waren entsprechend unterschiedlich.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    1. Brief 9x CM plus 9x CM für den Lloyd bis zum Hafen. Dazu das Inlandsporto = 12 Decimi total, wenn ich mich nicht täusche. Ober mit Vermerk, dass die Versendung über den Lloyd Austriaco zu erfolgen hatte.


    2. Brief 3 Decimi Gesamttaxe mit der Leitung per französischem Dampfschiff bis zum Hafen.


    Alles aus der Hüfte und Ich hoffe, es weiß einer näheres ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch und die anderen


    Ja, so etwas ähnliches (oder eigentlich ganz genau so) habe ich es auch in meine Notizen geschrieben.


    Aber ich fand den unterschied zwischen 3 und 12 Decimes sehr gross. Und es gibt kein Frankovermerk. War die Schiffspost schon bezahlt ohne dass es vermerkt war?
    Hier war es ja verschiedenen Vertrage, aber ....


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    so weit ich weiß, nahmden die Lloydpostämter nur unbelastete Briefe an, also keine, die mit Porto belastet worden waren.


    Den Brief mittelst franz. Dampfboote kann ich leider nicht beschreiben - vlt. kann es einer unserer "Italiener"? Ich hoffe es. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    der Brief
    "mittelst franz. Dampfboote"
    ich denke 9 und nicht 3 steht auf dem Brief.
    Ob er wirklich über Marseille lief?
    Er könnte auch in "direkt" nach Italien gelaufen sein, also vielleicht 9 Decimi.


    beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz


    Ja, hier ist es tatsächlich 9 vermerkt. Also 9 Decimes. Danke :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo zusammen,


    nun endlich auch einmal eine Auslands-Poka im typischen UPU-rot, hier aufgegeben in Port Said am nördlichen Ausgang des Suezkanals am Mittelmeer. Der Absender schreibt: Besten Gruß und einen halben Mokka sendet - Unterschrift. Dauer der Beförderung - lt. Leitwegvermerk über Brindisi am Südzipfel von Italien - knapp 1 Monat.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    D. Scherer hieß der Absender, der dem Empfänger ja immerhin einen halben Mokka zukommen lassen wollte - das verwundert nicht, war dieser doch beim Zollamt Speyer beschäftigt und von daher allein finanziell an übersichtliche Genüsse gewöhnt.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    wer ein Freund schön anzuschauender Adressierungen ist, der dürfte mit dem nachstehenden Beleg auf seine Kosten kommen. Die als Auslands-Normalbrief auf 1 Piaster auffrankierte Ganzsache weist auf der Rückseite einen vom Absender verwendeten Privatstempel mit der Inschrift Klub Khedivial auf.


    Es handelt sich dabei um den im Jahre 1882 gegründeten Khedivial Sporting Club, welcher bei Kairo auf der Nil-Insel Zamalek zu liegen kommt. Er wurde lange Zeit für Angehörige des britischen Militärs unterhalten. Das Hauptgebäude findet man auf dem nachstehend verlinkten Foto abgebildet:


    + Gruß


    vom Pälzer


    verwendete Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Gezira_Sporting_Club

  • Liebe Freunde,


    heute bin ich auf eure Hilfe angewiesen, weil ich mit einer derartigen Versendung noch nicht konfrontiert worden bin.


    Geschrieben in Alexandria in Ägypten am 17.9.1870 und gerichtet an die Firma Pinto in Liverpool, wurde er mit 8 Pence frankiert. Oben lese ich: Via Brindisi per Italiano".


    Er zeigt den Stempel von Brindisi 21.9.1870 und den Rahmenstempel PIROSCAFI POSTALI ITALIANI (Mit italienischen Dampfbooten).


    Wegen des Krieges 1870/71 leitete man ihn nicht über Marseille/Frankreich, sondern über den Landweg Italiens (Eisenbahn bis Belgien durchgängig), Österreichs, Bayerns, des Norddeutschen Bundes mit Eingang der Bahnpost Heppenheim - Frankfurt und Belgiens bis zur Küste, von da per Schiff nach London und weiter nach Liverpool, wo er am 26.9.1870 eintraf.


    Das Franko von 8 Pence war aber offensichtlich nicht ausreichend, denn man notierte 1 Shilling 6 Pence mittig und später 1 . 80 unten links.


    Nun zu meinen wenigen Fragen: Was hätte in Friedenszeiten ein solcher Brief gekostet (ich tippe mal auf 8 Pence, weiß es aber nicht).


    Was bekamen die einzelnen Postverwaltungen Italiens, Österreichs, Bayerns, des Norddeutschen Bundes und Belgiens für ihre Dienste?


    Wie errechnen sich die Nachgebühren von 1/6 bzw. 1/8? Unter Brindisi sehe ich eine "2" in der gleichen Tinte wie der 1/6 - wäre eine 2. Gewichtsstufe möglich, wobei der Zuschlag dann ja schon 10 Pence betragen haben würde, oder kämen gar 1 Shilling Nachgebühr in Betracht, wenn 1.80 korrekt gewesen wären und wieso gab es hier 2 unterschiedliche Nachtaxen (wenn es 2 sind)?


    Einen groben Überblick über den Inhalt (vor allem, ob kriegsrelevant) wäre natürlich auch ganz nett. :P

  • Hallo bk,


    ich glaube nicht das der Brief durch Bayern lief.
    Im September 1870 ging es noch über den Mt. Cenis.
    Porto betrug 1sh mit Dampfern der A+O (Adriatic und Oriental)
    Ich kenne die Aufschläge für unterbezahlte oder unbezahlte Briefe aus Ägypten leider nicht.
    Denkbar, der Brief ist unterbezahlt = unbezahlt = 1sh + 6d fee.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz,


    danke für deine Antwort. Die offiziellen Daten mit der Frankreich - Umleitung ab Okt. 1870 sind definitiv falsch, auch wenn die Sekundärliteratur es so sagt. Ab wann man tatsächlich umleitete, weiß ich natürlich nicht, aber genau um diese Zeit fangen die mir bekannten Kriegsumleitungen an.


    Wenn es 1 / 6 wäre, wären die frankierten 8 Pence ganz unter den Tisch gefallen - ich kenne solche Fälle bei GB. Es ist die Frage, ob ein regulärer Brief auch schon über die ital. Eisenbahnrote via Frankreich gelaufen wäre. Leider habe ich keinen vom Juli oder August 1870 von Ägypten nach GB.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    "Die offiziellen Daten mit der Frankreich - Umleitung ab Okt. 1870 sind definitiv falsch"
    siehe Anhang.
    Der Brief ist über Frankreich gelaufen.
    Leider habe ich den erwähnten Bericht (siehe Scan) nicht.
    Die Umleitungen haben aber innerhalb Frankreichs stattgefunden.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz,


    sehr interessant - ich lese oben schon den Sept. 1870, so dass es, wenn ich dich richtig verstanden habe, 3 Phasen gegeben haben müsste:


    1. Phase = Standard, wie vor dem Kriegsausbruch.


    2. Phase = Leitung über Italien und Frankreich, jedoch auf einer anderen = sichereren Route bis zur Kanalküste (mein Brief hier) und


    3. Phase = Leitung über den Brenner (Österreich) und Bayern unter Umgehung Frankreichs.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus