Auslage St. Gallen

  • Hallo Freunde


    In einem anderen Forum war schon dieser Stempel und die Taxierung dazu etwas diskutiert geworden.
    Ganz beantwortet waren die Fragen nicht. Leider kann ich nicht viel dazu beitragen etwas mehr Wissen nach vorne zu bringen.
    Aber 2 gute Briefe kann ich zeigen.


    Die Beiden sind von St. Gallen nach Lindau im Jahr 1816 geschickt. Wie wir sehen können sind die etwas unterschiedlich taxiert. Ein mit 3 und ein mit 4 Kreuzer Rh Porto belegt. Das heisst hier dass der erste in 1. Gewichtsstufe lag und der anderen in der 2. Gewichtsstufe.


    Obwohl Dornbirn hier im Anschrift gennant ist, liefen die Briefe niemals dahin, weil der Empfänger einen Rechnungsführer in Lindau war - Daniel Frey & Co. Ob es der Fabrikant Daniel Frey war, wage ich nicht zu sagen.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    geregelt im PV Bayerns mit St. Gallen vom 19.11.1808:


    Art. l. Es wird eine wechselseitige Verbindung
    zwischen den Königlich Baierischen Posten und jenen
    des Kantons St.Gallen in geschlossenen und postamtlich behandelten Amtspaketen künftig für alle
    Korrespondenz stattfinden, welche solche sich einzusenden haben.
    Zu diesem Ende wird die bisherige Botenanstalt von
    St.Gallen nach Lindau in der Art, wie solches bis nun
    bestanden hat, aufgehoben, und für die Beförderung
    der Korrespondenz eine wöchentlich viermalige
    reitende Post zwischen Lindau und St.Gallen zu Land
    über Bregenz, Rheineck und Rorschach so eingerichtet
    werden, daß dieselbe tour und retour auf die Ankunft
    und den Abgang der Posten zu Lindau und St. Gallen
    nach und von Augsburg, so wie nach und von Zürich
    beschleunigend berechnet sei.
    Art. 2. Die Kosten der Postritte bestreitet das Königl.
    Baierische Postärar bis und von Rheineck, das Postamt
    St.Gallen ebenfalls bis dahin und nach St.Gallen.
    Art. 3. Jeder Teil wird das Porto oder Franko für die
    Korrespondenz bis auf die Grenze seines Gebietes
    respektive bis Rheineck beziehen, oder dem anderen
    Theil in Aufrechnung bringen.
    Um jedoch das zunächst benachbarte Publikum durch
    die Zusammenschlagung der beiderseitigen Porto nicht
    zu belästigen, so soll die ganze Taxe für die
    Lokakorrespondenz zwischen und von
    Lindau nach St.Gallen
    Lindau nach Rorschach
    Bregenz nach St.Gallen
    vom einfachen Brief
    Rheineck nach Lindau
    Rheineck nach Bregenz
    betragen, und nur einmal und zwar so bezogen werden,
    daß derselbe Betrag jederzeit dem absendenden Amte
    im Porto- wie Frankofalle zu gute kommt.


    War ein Brief schwerer als 1/2 Loth bis 1 Loth, kam 1 Kr. Lokaltaxe darauf, wie man beim 2. Brief schön sieht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Besten dank für die ausführliche Antwort. Diese Antwort erklärt auch warum es nur ein Beitrag angeführt war, und nicht zwei wie man es erwarten sollte.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    hier meiner, der mir gerade in die Hände viel, weil ich BY - CH aufziehe.


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG00014925c667jpg.jpg]


    St. Gallen setzte am 15.1.1814 bei dem bis 1/2 Loth schweren Brief wieder 3 Kr. in den Auslagstempel an. Ab Lindau kamen 4 Kr. bis Kempten (über 6-12 Meilen) hinzu, so dass der Empfänger die schwer zu übersehenden 7 Kr. zahlen musste. Die Forderungen/Schulden zwischen beiden Postverwaltungen wurden quartiell reguliert.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Danke fürs Zeigen :)
    Schöner Brief :)



    Hallo VorphilaBayern


    Danke für dein Lob. Aber zeige gern deine St. Gallen Briefe hier. Du hast sicher auch einige ;)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Kantonal


    Es ist ein wunderschöner und hoch interessanter Brief. Ich lese unten links 1814 und gehe davon aus dass es richtig ist. Dann war der Brief vielleicht nach bayerische Dornbirn geschickt? Ab 24. Juni war Bregenz der zuständigen österreichischer Postamt, vorher lag es alles unter die bayerische Hoheit (ab 1806).


    Danke fürs Zeigen.



    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo noch einmal ;)


    Die zwei Briefen lässt sich erklären. Ich habe leider jetzt kein Zeit.


    Viel Spass Heute Abend :)


    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo kantonal,


    nachdem du nicht das genaue Datum deiner Briefe angegeben hast, kann ich nur nach den Taxierungen die Briefe erklären.


    Der 1. Brief aus 1814: Nach dem PV Bayern-St. Gallen von 1809 kostete das Porto von St. Gallen nach Bregenz 3 Kr. Hier hinzu der Botenlohn von 2 Kr. nach Dornbirn.


    Der 2. Brief aus 1815: Nach dem prov. Roschmanntarif der bis zum 28.2.1815 gültig war, kostete das Porto für einen Auslandsbrief 12 Kr. Hier hinzu wieder der Botenlohn von Bregenz nach Dornbirn von 2 Kr.


    Der 3. Brief aus 1816: Nach dem Tarif vom 1.3.1815 kostete das Porto für einen Auslandsbrief 16 Kr. C.M. Dies waren umgerechnet 20 Kr. rhein. Hier hinzu wieder Botenlohn Bregenz - Dornbirn 2 Kr.


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    vielen Dank für die Erklärungen. Das genaue Datum der Briefe passt, der 2. Brief ist vom 22.2.1815.


    Ein gutes neues Jahr, vor allem Gesundheit, wünscht euch allen
    kantonal

  • Lieber VorphilaBayern,


    ein schöner Brief - aber wie kam St. Gallen auf 7 Kr.? Von Ebnath nach St. Gallen wird es auch etwas gekostet haben, aber die notierten 2 + 4 machen bei mir 6 Kr. und keine 7. Für Bayern war er einfach mit 4 Kr. über 6 bis 12 Meilen, das ist klar.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo VorphilaBayern


    Ich habe mich auch bei diesen Taxierung etwas gewundert. Ein einfacher Brief kostet ja 3 Kreuzer. So es sollte dann 4+3 um 7 Kreuzer zu machen. Wie man die mit rot notierten 2 und 4 verstehen soll weiss ich nicht.


    Danke fürs Zeigen :) :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo,


    nachdem Ebnath zu dieser Zeit noch keine Poststelle hatte, wurden die Briefe von einem Boten zum Postbüro Lichtensteig gebracht und von dort nach St. Gallen. Für diese innerkantonalen Beförderungen sind jeweils 2 Kr. angefallen.


    Mein Brief weist daher ebenfalls diese 4 Kreuzer auf. Im Postvertrag mit St. Gallen von 1829 wurde vereinbart, dass die einfache Taxe bis Lindau 4 Kr. betragen soll. In St. Gallen wurden daher 8 Kr. in Auslage genommen. Hierfür wurde der nicht gerade häufige große Doppelovalstempel abgeschlagen. ZZgl. 4 Kr. von Lindau bis Kempten ergeben das Gesamtporto von 12 Kr.


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    danke für deine Erklärung - schöner Brief mit seltenem Stempel, wie ich ihn kaum auf Briefen nach Bayern einmal gesehen habe.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    im Schäfer-Handbuch Auslandspostverkehr 1798-1850 sind zwei Briefe nach Kempten mit Auslage-Stempel St. Gallen (ein Brief davon auch aus Ebnat) vom 17.12.1811 und vom 24.3.1813 abgebildet, bei denen 6 Kreuzer für Bayern taxiert wurden. Im beschreibenden Text heißt es: Teilweise wurden für die innerbayrische Taxe 6 Kr verlangt, Grund unbekannt. Ich kann einen Brief mit 6 Kr für Bayern vom 15. März 1812 zeigen.


    Viele Grüsse
    kantonal

  • Hallo kantonal,


    bei Bayern sah man den Brief in der 2. Gewichtsstufe an - über 1/2 bis 1 Münchner Loth. Dadurch ergab sich der Faktor von 1,5 bei 4 Kr. = 6 Kr. bei Briefen über 6 - 12 Meilen Entfernung.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus