Stempel Aus dem Briefkasten

  • hallo Tim und Dieter,

    hier ist die Rückseite, die aber leider nichts hergibt, sonst hätte ich sie schon gezeigt:


    Was lässt euch annehmen, dass der Brief mit der Bahnpost transportiert wurde?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    damals wurde der Geschwindigkeit so ziemlich alles untergeordnet und das war nur mit der Eisenbahn zu erreichen. Besonders in den 1850er Jahren führte das dazu, daß Briefe auf bereits bestehenden Bahnstrecken oft einen Umweg von mehreren hundert Kilometern machten. Erfreulicherweise ist das oft durch Stempel dokumentiert.

    Aus dem Ruhrgebiet ging es z.B. meist pber Kassel - Fulda nach Frankfurt.


    liebe Grüße


    Dieter


    PS: Ab Montag/Dienstag soll hier das große Tauen einsetzen. Dann ist Schnee wahrscheinlich schnell weg und man sich wieder fast normal bewegen.

  • Liebe Sammlerfreunde, insbesondere Preussen-Spezialisten,

    wie wurde denn in den 1860er Jahren die Briefe von einem größeren Postamt nach Paderborn speditiert? War es üblich, dass sie in einen Beutel oder Sack kamen ? War da schon eine Herkunftsangabe dran, wie zum Beispiel ein Briefbundzettel?

    1. Dann hätte der Brief ja ungestempelt durchrutschen können und in Paderborn nachgestempelt und nachtaxiert werden.

    2. Oder der Brief wurde im Aufgabeort nachtaxiert, was ja wohl die Regel war und dann wurde der Aufgabestempel vergessen (Fehler der Aufgabepost) und in Paderborn wurde nur nachgestempelt.

    Ich tendiere zur zweiten Version. Was meint ihr?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • lieber Ulf,

    danke für den Link. Nachdem ich mir das jetzt durchgelesen habe, nehme ich an, dass nach Paderborn mehr als 11 Briefe zusammenkamen und ein Briefbund gemacht wurde. Deshalb wäre die Post in Paderborn informiert gewesen welche Strecke für das Franko zu berechnen war.

    Allerdings bin ich immer noch der Meinung, dass der Brief im Aufgabepostamt taxiert wurde und nur der Stempel vergessen wurde.

    Kann jeman meine Meinung bestätigen oder widerlegen?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    man kann nur raten über das warum, weshalb, wieso.


    Dieter


    PS: Hast ja richtig Sauerstoff getankt und bist jetzt fit für eine ausführliche Sitzung im Briefmarkenstübchen. ;)

  • Hallo zusammen,


    stellen wir uns doch einfach mal vor, was da so an der Haustüre der Adressatin passiert sein könnte. Der Postbote Wedelmann schellt dort und grüßt höflich: "Guten Tag Frau Bentler, ich habe hier einen Brief für Sie, aber leider leider muss ich noch 1 Groschen Nachporto dafür mitnehmen". Da sagt die als störrisch bekannte Witwe Bentler: "Waaas ? Wieso denn das, der ist doch hier in Paderborn abgestempelt worden !?" Der Postbote setzt ein wohlwohlendes Lächeln auf und entgegnet sanft: "Sehen Sie liebe Frau Bentler, hier neben dem Stempel, da ist ein Vermerk von meinem Expeditor, dass der erst hier und nicht am Aufgabeort abgestempelt wurde und dann haben wir ja noch den Portovermerk der Kollegen vom Aufgabeort".


    Trotzdem stemmt Witwe Bentler jetzt umso mehr entrüstet die Hände in die Hüften und herrscht den Briefträger an: "Ja und woher kommt der dann !? Der kann gut und gern von meinem Bruder in Salzkotten kommen, da reicht 1 Groschen ! Wenn ich nicht weiss, woher die Sendung kommt, zahle ich nicht, Herr Wedelmann !" Sie hat`s dann wohl schon, weil sie möglichweise die Schrift gekannt hat. Aber man sieht: Von der Post her ist das nicht korrekt gelaufen. So einfach nur zu vermerken "reicht nicht", reicht nicht. Um solches Ärgernis bei der Zustellung auszuschließen, hat man bei der Bahnpost ohne Bahnpoststempelgerät neben der Federzugentwertung noch die Aufgabevermerke gemacht damit man egal wo immer wusste, dass die Sendung tarifgerecht unterwegs war.


    Wenn der Brief nun aus einem Briefkasten geholt wurde, fehlt zum einen schon mal der zur eigenen Entlastung übliche Vermerk: Boite, Aus der Boite, Aus dem Briefkasten. Natürlich kann es zum anderen sein, dass auch so ein Brief irgendwie ohne Aufgabestempel durchgerutscht ist. Aber dass bei einer Aufgabepostexpedition der Aufgabestempel versäumt worden und nur nachtaxiert worden sein soll, naja. Ich kenne dagegen - bisher - keinen unterfrankiert bei der Bahnpost aufgegebenen Brief, der den Vermerk: Aus dem Briefkasten tragen würde. Deswegen könnte es m.E. durchaus sein, dass der Brief unterfrankiert in einen Bahnpostwagen geworfen worden ist, und ein Bahnpostler missverständlich gehandelt, d.h. nicht entwertet und nur die Nachtaxe erhoben hat.


    just my two cents + Gruß


    Tim

    Einmal editiert, zuletzt von Pälzer ()

  • Lieber Tim,

    danke für deine umfangreiche Ausführung. Es ist gut möglich, dass das mit dem Einwurf in einen Bahnpostwagenbriefkasten? zutrifft. Einen Contravention ist es auf alle Fälle.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • liebe Sammlerfreunde,

    hier kann ich einen weiteren interessanten Briefkasten-Brief zeigen. Am 4.7.1855 wurde er unfrankiert in den Briefkasten von Filehne gelegt. Da Briefe an die Regierung frankiert werden musste, hat der Postbeamte in blauer Tinte "Aus dem Briefkasten" vermerkt. In Bromberg wurde der Brief nicht angenommen und retour gesandt, siehe Retour in Rötel. Auf der Rückseite wurde sodann in schwarzer Tinte folgendes vermerkt:

    Absender ist zur Zahlung von Postporto unvermögend, Filehne 4. Juli 1855, Unterschrift

    Die Entfernung Filehne - Bromberg betrug 16 Meilen und erforderte damit in der 2. Entfernungsstufe 2 Sgr. Vorderseitig ist eine Taxe von 1 Sgr. durchgestrichen.

    1. Wer hat die bezahlt?

    2. Wo ist der zweite Sgr.?

    3. In Bleistift steht links unten " von Auerbach". Hat das eine Bedeutung?



    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    1) da der Absender anscheinend eine entsprechende Erklärung abgegeben hat, blieb in dem Fall wohl die Post auf den Kosten sitzen.
    2) der schwarze senkrechte Strich ist meiner Meinung nach keine Portonotierung. Die preuß. Post benutzte blaue Tinte / Blaustift.

    3) ist wohl nicht postalischen Ursprungs.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Danke lieber Michael für deine Ausführungen.

    Mit der Taxierungsfarbe hast du recht, Rot oder Blau für Franco und Porto.
    Da stellt sich mir die Frage:

    Die Post hatte ja Den Brief zurück zum Absender speditiert, um dort festzustellen, dass er nicht zahlen kann. Hat sie dann den Brief wieder zurück an den eigentlichen Empfänger geliefert?

    Hat jemand eine Idee was die schwarze 1 bedeutet könnte?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • liebe Sammlerfreunde, lieber Michael,

    zu dem obigen Brief stellen sich mir noch folgende Fragen:

    1. Ist der Brief an die Regierung in Bromberg geschickt worden und hat dort den Retoure-Vermerk bekommen,

    2. oder ist der Brief erst gar nicht nach Bromberg gesandt worden und hat den Retoure-Vermerk in Filehne bekommen?

    3, Und wurde der Brief dann nach Feststellung des Zahlungsunvermögens des Absenders auf Kosten der Post unentgeltlich nach Bromberg speditiert?

    4. Um die Gebühr vom Absender einzufordern, musste die Post in Fielehne ja den Absender ermitteln. Am Brief erkenne ich keine amtlichen Öffnungen. Der handschriftliche Vermerk"von Auerbach" könnte vielleicht der Absender gewesen sein?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    etwas verwirrend ist die Kombination Aus dem Briefkasten, der Aufgabestempel vom 4.7. 4-5 Uhr und der rückseitige Vermerk vom 4.5.

    Da das Postamt in Filehne nachts nicht geöffnet hatte, wurde der Brief nachmittags 4-5 Uhr gestempelt. Da eine Leitung nach Bromberg und zurück wohl nicht innerhalb eines Tages bewerkstelligt wurde, müsste der rückseitige Vermerk vor dem Postversand erfolgt sein.


    Folgender Ablauf wäre denkbar:

    Der Absender wußte, dass der Brief in Bromberg nicht mit Portobelastung angenommen würde und ließ sich vom Magistrat (?) auf der Briefrückseite seine Mittellosigkeit bestätigen. Dann warf er den Brief ein und die Post beförderte ihn nach Bromberg.

    Gemäß Expeditionsvorschrift war es zulässig, dass ein Briefempfänger unter Namhaftmachung des Absenders und Herausgabe des Couverts die Portozahlung verweigerte. Der Absender wurde dann vom Empfänger mit Bleistift auf dem Umschlag notiert und die leere Briefhülle ging Retour.

    Ob die Post früher oder später dann das fehlende Porto vom Absender erhielt, ist dem Umschlag nicht zu entnehmen.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • lieber Michael,

    sehr interessant. Wenn es wirklich so war, wie du hier beschreibst, warum hat dann das Postamt Filehne noch "aus dem Briefkasten" vermerkt?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    habe ich mich auch gefragt. Vielleicht ein besonders gründlicher Beamter. Der Vermerk war ja, egal welches Szenario man hier unterstellt, nicht zwingend erforderlich. Es war nicht untersagt, Portobriefe an eine Regierungsstelle zu versenden.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo zusammen,


    das Versenden von Portobriefen an Regierungsstellen war in der Tat nicht verboten. Hier wurden aber schon mehrere Belege gezeigt, bei denen vermerkt wurde, daß die Annahme verweigert, der Inhalt aber entnommen wurde.


    beste Grüße


    Dieter

  • Bei Verweigerung der Annahme wurde der Inhalt nicht vom Adressaten entnommen.

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

    Einmal editiert, zuletzt von Michael ()

  • liebe Freunde,

    noch eine Frage. Warum wurden die 2 Sgr. Porto nicht vermerkt, als der Brief nach Bromberg geschickt wurde?

    Der Brief kostet mich echt Nerven.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan