Vermittlungsbriefe (Forwarding) über/nach Bayern

  • Verehrte Freunde,


    dieser Brief passt m. E. weder in die Auslandsbriefe- noch in die Transitrubrik, deshalb eröffne ich hier einmal ein Thema.


    Er wurde am 3. März 1806 in Basel geschrieben, dann wohl von einem Reisenden oder unter Verpackung nach München befördert und erst dort zur Post gegeben, die ihn ins oberösterreichische Spital am Pyhrn beförderte, wo er am 20. März eintraf.


    Als Forwarder fungierte in diesem Fall die Firma Seb. Pichlers Erben in München, die auf der rechten Seitenklappe genannt ist.


    Kann jemand den Rötelkrüppel auf der Vorderseite deuten? Und, wichtiger, liege ich mit meiner Vermutung richtig?


    Viele Grüße aus Erding!

  • Hallo Erdinger


    Ein sehr schöner Brief :) :) :)


    Ich finde dass "Vermittlungsbriefe" ein guter Begriff ist, besser als Forwarding.


    Du liegst wohl mit deiner Vermutungen ganz richtig. Der Rötel ist 16 Kreuzer CM Porto für Auslandsbriefe, nach Taxpatent von 1803.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Sammlerfreunde,


    ich möchte folgenden Brief zeigen:
    Brief aus Winterthur (Schweiz) vom 7. Februar 1806, nach Lindau (Bayern) gebracht und dort am 19. Febr. 1806 aufgegeben nach Bozen (1806 bis 1809 zu Bayern). Links "fr. .....", den Ort kann ich nicht lesen. Bis zu diesen Ort wurden 6 Kreuzer bei der Briefaufgabe bezahlt. Beim Empfänger wurden 8 Kreuzer Porto kassiert. Sicherlich ein interessanter Brief aus der Anfangszeit des Königreichs Bayern.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    ein atemberaubender Brief - Glückwunsch!


    Ich lese ein Franko Innsbruck. Aber beschwören würde ich es nicht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo VorphilaBayern


    WOW, wieder hast du es gemacht :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


    Wohin der Brief frankiert geworden ist, kann ich auch leider nicht lesen. Aber Innsbruck glaube ich nicht. Franko Grenze ist es auch nicht geschrieben. Bin auch nicht sicher ob Lindau unter die Schwabische Post gehört habe. Ist auf jeden Fall nicht von Liball erwähnt geworden.


    Dann muss man schliessen dass der Brief bis zu tiroler Grenze frankiert geworden ist. Der Empfänger hat 8 Kreuzer Conwentionsmünze bezahlen müssen, weil die österreichische Währung immer noch den Regel war. Also der 20 Gulden Fuss. So war es bis 1. Juli 1806.


    Liball hat sicher auch etwas dazu zu sagen ;)


    Danke fürs Zeigen dieser Traumbrief :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo,


    Briefe aus dem Februar 1806 sind nur schwer zu deuten, da erst mit Königl. Entschließung vom 14.2.1806 die Ausübung des Postwesens rückwirkend ab 1.1.1806 die Ausübung des Postwesens an das Haus Thurn und Taxis als Pacht vergeben wurde. Auch im neuen Landesteil Tirol wurde erst am 11.2.1806 in Innsbruck ein Tiroler Postgeneralat eingerichtet, dem ebenfalls rückwirkend zum 1.1.1806 die Posten in Tirol formal untergeordnet waren.


    Lindau war zum Zeitpunkt der Briefaufgabe somit eine Königliche Baierische Lehenspostanstalt in Taxisscher Pacht und Bozen ein Königliche Tyrolische Postanstalt. Dies waren zwei komplett unabhängige getrennte Postverwaltungen. Daher auch 2 Taxierungen auf diesem Brief. Ich neige auch zu der Meinung von bayern klassisch mit franko Innsbruck. Ich habe einen Brief angehängt der zwar aus dem Jahr 1805 stammt, aber exakt die selben Taxierungen hat wie der der Brief von VorphilaBayern. Hier ist jedoch eindeutig fr. Innsbruck zu lesen.


    Gruss von liball

  • Hallo liball,


    danke für die Bestätigung - dann sehen wir das gleich.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo liball


    Danke für die Antwort. Wenn es Franko Innsbruck auf dein Brief ist, dann muss es auch auf VorphilaBayerns Brief auch so sein. Aber ich habe es nicht nur so deuten können.


    Eine rückwirkende Ausübung kann man es wohl nicht nennen, eher ist es eine rückwirkende Verantwortlichmachung die die tatsächlichen Ausübung bestätigen?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Freunde


    Ich kann hier ein Brief zeigen der leider nicht so oft zu finden ist.


    Der Brief ist in Bogliaco, Departement Mella, in Königreich Italien 10.12.1808 geschrieben. Der Absender brachte aber der Brief an nächsten Postamt in Gargnano sondern nach bayerischen Torbole an der Gardaküste. Also in bayerischen Süd-Tirol. Der Brief war dann von Torbole nach Bozen weiter geschickt wo der Brief 17.12. landete.


    Ob es wegen Ersparnisse gemacht war, weiss ich nicht. Die Ersparnisse waren die italienische Gebühre was hier um die 3 Decimes (7,5 Kr Rh) waren. Aber in Bayern hat der Brief 20 Kreuzer gekostet - 10 Kreuzer Rh für den Absender (auf den Brief nicht vermerkt) und 10 Kreuzer Rh für den Empfänger. Was der Absender für den Weg nach Torbole bezahlt hat, wissen wir nicht.


    Es kann aber auch sein dass der Laufweg über Torbole viel schneller war, als die über Verona und dass es die Ursache war.



    Wer kan der Vermerk oben rechts deuten? Da Inb_e ???



    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    durch Einschluß würde "Da inclusione" heißen - vlt. heißt es etwas verwandtes? Da müssen die Italiener ran. ^^

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Nils,


    Das Gebiet, aus dem dein Brief stammt ist kompliziert. Es nennt sich Judikarien und umfasst den oberen Uferbereich des Gardasees. Dort drehten seit altersher zwei Boten /Judikarienboten/ ihre Runden, gegeneinander versetzt. Sie nahmen die Post unterwegs auf gegen 1 kr. und lieferten sie in Torbole auf. /früher am Postamt Riva, das aber von den Bayern verlegt wurde/
    Die Auseinandersetzungen /füllen einen Roman/ zwischen Bayern und Napoleon über dessen beabsichigte entmiiltarisierte Zone in diesem Gebiet was auch zur Aufstellung einer eigenen italienischen Militär"flotte" auf dem Gardasee führte./Dazu gbt es ene kleine Sammlung von einem italienischen Sammler/
    Zwischen Tirol und Italien herrschte über den See reger Schmuggelverkehr. So leiteten viele Absender, auch aus dem südlichen Uferbereich ihre Briefe nach Torbole. Die Anbindung an den Brennerkurs war in Verona sehr schlecht organisiert, so dass die Absender lieber diesen Weg über Torbole bevorzugten. Wahrscheinlich wurde den Briefen bereits das bayerische Aufgabefranko für Torbole mitgegeben 8 bzw. 10 kr. Das Abgabeporto zahlte in gleicher Höhe der Empfänger. Insgesamt entstanden kaum Mehrkosten, denn der Brief aus Italien hätte dem Empfänger 19 kr gekostet.
    Wir kennen eine Reihe von Briefen aus unterschiedlichen Orten Italiens, die diese Möglichkeit nutzten.
    Wenn du dich für Briefe aus Judikarien selbst interessierst, die mit den Judikarienboten befördert wurden, dann sind auch da immer wieder welche auf dem Markt. Man muss immer innen reinschauen.
    Die Sache ist noch weit vielschichtiger als ich hier in Kürze darstellen kann.


    Ein früherer Besitzer scheint sich bei deinem Brief über den häufig anzutreffenden Blindabschlag des Torbolestempels geärgert zu haben.


    Liebe Gruesse Achim

  • Hallo Achim


    Besten Dank für die ausführliche Antwort. :)


    Ich habe diese entmilitarisierte Zone im Hinterkopf gehabt, war aber unsicher wie weit nach Süden sie ging.


    Das der Stempel etwas nachgemalt war, war wohl diesmal ein Vorteil weil es gab kaum ein Bieter ausser mich so dass ich der Brief günstig blieb. Der Stempel ist für mich nicht wichtig, viel mehr dieser Gegend.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo bayern klassisch


    Ich habe deine Antwort übersehen. Danke für den Vorschlag :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Erdinger hat in Abschnitt 1. einen Brief aus Basel eingestellt, der nach München gebracht wurde. Hier ein ähnlicher Brief aus Basel vom 31. Juli 1806 mit Aufgabestempel R.4.MÜNCHEN nach Steyr (Österreich) mit Eingangsvermerk vom 14. August.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    ich liebe solche Vermittlungsbriefe und der kann sich wahrlich sehen lassen. Allerdings dürfte die Rechnung zu erstellen, wie viel Geld sich der Absender hiermit gespart hat, nicht einfach werden.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,



    hierzu folgender Brief:
    Aus Bogliaco, Departement Mella, in Königreich Italien vom 27. Januar 1810.
    Der Absender brachte den Brief nicht nach Gargnano sondern in das bayrische Torbole an der Gardaküste im bayerischen Tirol. Der Brief wurde dort nach Bozen (Bayern - Tirol) gesandt. Bei der Briefaufgabe in Torbole fielen für den Absender 8 Kr.rh Aufgabefranko an. In Bozen bezahlte der Empfänger 8 Kr.rh. Abgabeporto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief aus Hallein bei Salzburg vom 22. Januar 1811 (seit 19.10.1810 eine kgl. bayrische Postexpedition / ab 1.5.1816 zu Österreich). Links oben handschriftlich "von Hallein". Der Brief wurde nicht in Hallein aufgegeben, sondern an einen Forwarder nach Augsburg gebracht, der ihn am 30. Januar 1811 in Augsburg nach Kempten als Portobrief aufgab. Der Empfänger bezahlte 4 Kreuzer Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    diesmal befand sich der Absender selbst in Augsburg (Siegelseitig "Schreiben von ......von Hallein"). Brief geschrieben in Augsburg und auch dort aufgegeben am 24. Juli 1811, nach Kempten. Porto 4 Kreuzer.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief aus Vevey (Kanton Waadt, Schweiz), der nach Salzburg (Kgr. Bayern) gebracht - und als Teilfrankobrief nach Steyr (Österreich) aufgegeben wurde.
    Siegelseitig 12 Kreuzer Franko bis zur bayr. österr. Grenze. In Österreich fielen 14 Kr. Einlösungsscheine an, die in 1 Gulden 10 Kreuzer Bankozetteln umgerechnet wurden. Der Brief ist vom 13. April 1811.


    Beste Grüße von VorphilaBayern