Das Hannoversche Oberpostamt in Hamburg

  • Hallo senziger,


    danke für das neue Thema und das Zeigen der schönen Briefe.


    Einen ganz interessanten Brief vom hannoverschen Postamt möchte ich auch vorstellen:


    Der Absender des Briefes ist die Hamburger Polizei-Behörde (ohne Datum), Empfänger die Polizeibehörde in Bredstedt (Herzogtum Schleswig / Dänemark).
    Da das hannoversche Postamt für Post nach Schleswig-Holstein nicht zuständig war, kann der Brief vermutlich nur aus dem Briefkasten stammen, da das Postamt diesen ansonsten nicht hätte annehmen dürfen. Wobei die Hamburger Polizeibehörde sicherlich wußte, welches Postamt für die Beförderung ihres Briefes zuständig war. Vielleicht war der hannoversche Briefkasten nur am günstigsten gelegen?


    Somit hätte eigenlich der Brief zu einem Postwechselbrief werden müssen!? Aber nur rückseitig findet sich der Zweikreisstempel des dänischen Postamtes, das den Brief nach Bredstedt weiterleitete.


    Der Brief blieb als Dienstsache innerhalb Hamburgs (bzw. auch des Postvereins) portofrei, wurde aber für die dänische Strecke mit 9 Skilling in Porto gesetzt. Fraglich ist vielleicht, nach welchem Vertrag die Taxierung erfolgte. Galt hier der Postvertrag zwischen Hannover und Dänemark, obwohl der Brief nur "irrtümlich" beim hannoverschen Postamt landete?
    Jedenfalls hätte der Brief nur den dänischen Inlandstarif von 6 Skilling gekostet, wenn er gleich im dänischen Postamt aufgegeben worden wäre.


    Ich hoffe, dass ich mit meinen Interpretationen richtig liege ...


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    ein sehr interessanter Brief!!


    Zuerst einmal kann ich sagen, dass der Brief, dem blauen hann. Stempel nach zu urteilen, wohl aus der Zeit zwischen ca 1860 und Anfang 1864 stammt. Es wäre schön, wenn du den dänischen Stempel noch zeigen könntest, vielleicht erzählt er uns noch mehr.


    Es handelt sich m.E. schon um einen Postwechselbrief, denn Hannover hatte ja auch gar keine Möglichkeit das dänische Postamt zu umgehen. Auch die Farbe und Art der Röteltaxierung stimmt mit der beim dänischen Postamt üblichen überein, und das eine Dienstsache von Hamburg nach Dänemark nicht Portobefreit war ist ja einleuchtend.


    Die Taxierung von 9 ?Skilling kann ich z.Z. auch nicht erklären.


    Ich kann hier eine frankopflichtige Dienstsache der 2. Praetur (innen schönes gedrucktes Wappen) nach Dänemark zeigen, die zwar mit dem Hannoverschen Postamt nichts zu tun hat, aber zeigt, das Dienstsachen ins Ausland (?immer) portopflichtig waren. Außerdem einen Postwechselbrief vom Hannoverschen Postamt über Preussen. Eine portobefreite Postwechsel-Dienstsache nach Bayern zeigte VorphilaBayern (siehe Pr.OPA.Hamburg, S. 3, Beitr. 42)


    Gruss


    senziger

  • Hallo senziger,


    da es sich bei meinem Brief rückseitig noch um den Zweikreisstempel des dänischen Postamtes handelt, der Anfang der 1860er (kennt man ein genaueres Datum?) durch den Einkreisstempel abgelöst wurde, gehe ich auch von einem Briefdatum ca. 1860/61 aus.


    Stimmst Du mit der Annahme überein, dass der Brief nur aus dem Briefkasten stammen kann?
    Hatte jedes Postamt in Hamburg solche aufgehängt?


    Wenn es ein normaler Postwechselbrief wäre, dann hätte der Brief doch so behandelt werden müssen, als wenn er im dänischen Postamt aufgegeben worden wäre, oder? Dann wundert mich allerdings, dass nicht der - auch für Hamburg gültige - inländische (dänische) Tarif, sondern der Auslandstarif für Briefe aus dem Postverein berechnet wurde: 2 Sgr. = 9 Skilling.


    Deinen ersten Brief halte ich nicht für eine echte Dienstsache, da kein entsprechender Vermerk vorhanden ist, sondern um einen normalen Frankobrief, der zwar ins Ausland lief, aber zum dänischen Inlandstarif. Eine (anerkannte) Dienstsache wäre m.E. vom dänischen Postamt in Hamburg portofrei nach Dänemark befördert worden.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    so viele Fragen :D



    da es sich bei meinem Brief rückseitig noch um den Zweikreisstempel des dänischen Postamtes handelt, der Anfang der 1860er (kennt man ein genaueres Datum?) durch den Einkreisstempel abgelöst wurde, gehe ich auch von einem Briefdatum ca. 1860/61 aus.

    Mit der Datierung solltest du richtig liegen. Ein genaueres Datum kann ich nicht sagen, vielleicht findet man im Handburch der ARGE Näheres?


    Stimmst Du mit der Annahme überein, dass der Brief nur aus dem Briefkasten stammen kann?
    Hatte jedes Postamt in Hamburg solche aufgehängt?

    Soweit ich weiß hatte jedes Posthaus einen Briefkasten und der Brief stammt mit sehr hoher Wahrscheinlichtkeit aus einem.


    Wenn es ein normaler Postwechselbrief wäre, dann hätte der Brief doch so behandelt werden müssen, als wenn er im dänischen Postamt aufgegeben worden wäre, oder? Dann wundert mich allerdings, dass nicht der - auch für Hamburg gültige - inländische (dänische) Tarif, sondern der Auslandstarif für Briefe aus dem Postverein berechnet wurde: 2 Sgr. = 9 Skilling.


    Hier stellt sich die Frage was ein "normler Postwechselbrief" ist. Aber du hast Recht, Dänemark war ja nicht im DÖPV, und deswegen kann man diesen Brief nicht mit Postwechselbriefen zwischen Postämtern des DÖPV vergleichen.


    Warum allerdings 9 und nicht 6 Skilling berechnet wurden, weiß ich nicht. Möglicherweise wurde der Brief in einem Packen anderer Briefe aus dem hannöverschen nach Dänemark, die ja auch über Hamburg liefen, dem dänischen Postamt übergeben und einfach entsprechend taxiert?



    Deinen ersten Brief halte ich nicht für eine echte Dienstsache, da kein entsprechender Vermerk vorhanden ist, sondern um einen normalen Frankobrief, der zwar ins Ausland lief, aber zum dänischen Inlandstarif. Eine (anerkannte) Dienstsache wäre m.E. vom dänischen Postamt in Hamburg portofrei nach Dänemark befördert worden.


    Der Brief ist schon eine Dienstsache, das zeigt eindeutig der erhaltene Inhalt. Dem ursprünglichen Schreiben der 2. Praetur vom 18.11.1863 sind am 20.11., 23.11., 25.11, 26. 11. und 30.11. in unterschiedlichen Handschriften Aktenvermerke hinzugefügt worden. Es waren also anscheinend Dienstsachen zwischen Hamburg und Dänemark nicht Portobefreit (Alle?)




    Danke nochmals für des Zeigen dieses spannenden Briefchens, das so viele Fragen aufwirft.


    Gruss


    senziger

    Einmal editiert, zuletzt von senziger ()

  • Hallo,


    das hannoversche Postamt war neben der Post ins hannöversche auch für die Vereinspost nach Braunschweig zuständig. Zwei Briefe kann ich erstmal zeigen:


    - Brief bis 20 Meilen vom 28.2.1854 von Hamburg nach Braunschweig, frankiert mit der Nr. 4 zu 2 Sgr.


    - Brief über 20 Meilen vom 5.8.(wohl Ende der 50´er) nach Harzburg, frankiert mit der Nr.12 zu 3 Sgr..


    Gruss


    senziger

  • Hallo,


    vor kurzem frisch eingetroffen:


    ein GSU zu 2 Groschen von Hamburg nach Braunschweig (wohl Anfang der 60er). Interessant ist der Vermerk links unten: "Enthält eine Photographie".


    Photographien waren zu dieser Zeit wohl noch etwas Besonderes und der Absender erhoffte sich durch den Vermerk eine besonders sorgsame Behandlung seines Briefes.


    Gruss


    senziger

  • Hallo senziger,


    ein tolles Stück! :P


    Zitat

    Photographien waren zu dieser Zeit wohl noch etwas Besonderes und der Absender erhoffte sich durch den Vermerk eine besonders sorgsame Behandlung seines Briefes.


    Das natürlich auch, aber es ging auch um die Feststellung, dass keine Waren oder Wertgegenstände versandt wurden (dann = Fahrpost). Weil Photographien nicht als Ware mit einem Zollwert angesehen wurden (nur einen ideelllen Wert billigte man ihnen zu), war die Versendung mit der Briefpost korrekt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank für den Hinweis auf den Bezug zur Fahrpost. In diese Richtung hatte ich nicht gedacht. Ich hatte eher an heutige Vermerke wie "Nicht knicken" oder "Pressefoto" gedacht.


    Gruss


    senziger

  • Hallo, ein weiterer Neuzugang:


    Ebenfalls ein GSU nach Braunschweig, allerdings zu 1 Gr. und damit unterfrankiert. Dem entsprechend wurden 2 Gr. nachtaxiert (1 Gr. fehlendes Porto, 1 Gr. Portozuschlag).


    Die 2 Gr. wurden einmal in rot und einmal in blau notiert. Kann jemand sagen wo was notiert wurde?


    Gruss


    senziger

  • Hallo senziger,


    das Porto sollte im Postverein immer in blau notiert werden. Daher unterstelle ich, dass die Aufgabepost zuerst in rot schrieb und später in blau "korrigiert" wurde.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo,


    Hannover hatte in Hamburg ein Auslandspostamt. D.h. Briefe von Hamburg in das Königreich Hannover wurden wie Inlandsbriefe behandelt.

    Zu dieser Zeit galt ein entfernungsunabhängiger Tarif von 1 Gutegroschen für das gesamte Königreich Hannover (sowohl Franko als auch Porto).


    Dies ist kein DÖPV-Brief, sondern postalisch gesehen ein hannoverscher Inlandsbrief.


    Gruß,

    Björn

  • Liebe Freunde,


    hier eine hannoversche 1 Gr.-Ganzsache (Ausgabe von 1861), aufgegeben beim hannoverschen Postamt in Hamburg, adressiert an einen Reisenden z.Z. in Emden. Sicherheitshalber wurde der Brief Post restante gestellt.

    Bei Ankunft in Emden hatte der Reisende wohl hinterlassen, dass er abgereist war, so wurde der Brief nach Leer weitergeleitet.
    Dort erreichte der Brief noch immer nicht den Reisenden und als neuer Zielort wurde Münster (im preußischen Westfalen) notiert.

    Hier enden die postalischen Vermerke, ein Ankunftsstempel von Münster fehlt.

    Unterhalb des Leer-Stempels sieht man das Fragment eines blauen Ovalstempels, den ich aber nicht zuordnen kann.



    Innerhalb des hannoverschen Gebiets Hamburg-Emden-Leer war der Brief mit 1 Gr. ausreichend bezahlt. Bei der Weiterleitung ins preußische Westfalen galt dann aber die Postvereinstaxe, so dass hier 2 Gr. notiert wurden.

    Jetzt wird es etwas merkwürdig, da diese Taxe doppelt gestrichen wurde und damit als falsch bzw. nicht zutreffend deklariert wurde.


    Die einzige Interpretation, die mit den geschilderten Sachverhalten übereinstimmen könnte, ist meiner Meinung nach folgende:
    Der Reisende D. Schenk hatte zwar dem Postamt in Leer seine Weiterreise nach Münster annonciert, erschien dann aber doch noch mal auf dem Postamt bevor der Brief nach Münster weitergeschickt werden konnte. Bei Ausgabe des Briefes wurde dann die vorgenommene Nachtaxierung wieder gestrichen.


    Hat jemand eine andere Idee zur Interpretation dieses Beleges?


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    als bekennender poste restante - Fan kann ich dir zu dieser Oberrosine nur gratulieren; die macht eine ganze Sammlung um 10% besser. :love::love::love:


    Hinten könnte ein Stadtpostamt Hamburg - Stempel fragmentarisch drauf sein, aber das ist nur geraten.


    Auch geraten ist die Taxinterpretation - deine Variante kann es gewesen sein, oder es kam ein Telegramm, doch die Post liegen zu lassen und eben nicht weiterzuleiten. Genau werden wir das nicht mehr feststellen, aber das tut dem wundervollen Brief keinen Abbruch.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo Michael,


    herzlichen Glückwunsch zu diesem Traumstück!


    Gruß

    Andreas

    Was für ein schöner Tag! Die Sonne scheint und die Schmetterlinge zwitschern (Sänger Cro)

  • Liebe Freunde,


    danke für die Kommentare.
    Die Freude über das Stück wird nur ein klein wenig dadurch getrübt, dass er nur fast in Preußen gelandet ist. ;)

    Rückseitig könnte es sich tatsächlich gut um den Ovalstempel der Hamburger Stadtpost handeln.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    das Briefchen ist und bleibt eine Oberrosine - in jeder Beziehung. Ich suche und sammle ja poste restante schon seit vielen Jahren, aber ob ich viel schönere Briefe habe, weiß ich nicht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)