Hamburg - Bayern

  • Verehrte liebe Sammlerfreunde,

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    ist denn schon Weihnachten ? Was hier an geballter Kompetenz zur Auflösung des Falls an den Tag gelegt worden ist, ist einfach nur noch Klasse.

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    Vielen Dank ! :thumbup:

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    Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das in dieser Schnelligkeit erfolgt und dann on top auch noch so derart wertvolle und hochinteressante Hintergrundinformationen bzgl. der Transportbedingungen geliefert werden.

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    Dass ich nicht zum crawlen nach dem Dr. Kaufmann gekommen bin, liegt daran, dass ich bis eben noch volle Kanne für den Job und in den vergagenenen Tagen auch noch für andere Dinge krabbeln musste, was ganz schön geschlaucht hat.

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    Da das jetzt aber gleich miterledigt worden ist, ist das nun wirklich Prämium und meiner einer zu noch weitaus größererm Dank an Euch alle verpflichtet.

    Herzliche Grüße !


    vom Pälzer 8o

  • Lieber Hermann,


    cum grano salis: Ab Eisenach 6 Kr. bis zur bayer. Grenze, ab da weitere 6 Kr. = 12 Kr. beim Empfänger.


    Sehr feiner Brief - klasse!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    einfacher Brief aus Hamburg vom 23.7.1851 nach Mittenwald in Bayern, wie immer ohne Ankunftsstempel (man war halt sparsam mit der Druckerschwärze dort).


    Die Aufgabepost taxierte ihn mit 12 Kreuzern, die Bayern nach Zahlungseingang gleich an Taxis abführen durfte.


    Die Besonderheit lag in der Geographie - die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck kamen erst zum 1.1.1852 in den DÖPV, während die jeweiligen Postverwaltungen von Preussen, Taxis usw. der Hansestädte zu ganz anderen Zeitpunkten Mitglied im DÖPV wurden.


    Da Thurn und Taxis (TT) für die Post aus allen Hansestädten nach Bayern zuständig war, durfte die Hamburgische Post keine Briefe in den Süden der Republik vermitteln, sondern musste sich hierfür der Dienste von TT bedienen.


    TT wurde selbst mit einigen selbstverwalteten Gebieten zum 1.5.1851 Mitglied im DÖPV, so dass Briefe von und in die Hansestädte ab diesem Datum als DÖPV - Briefe gelten, für die das ganze Loth (nicht wie zuvor nur das halbe Loth) und die moderaten DÖPV - Taxen galten (nicht wie zuvor Gebühren für alle Postgebiete, die transitiert wurden).


    Alle Hansestädte lagen über 20 Meilen von Bayern entfernt, daher also 9 Kreuzer für die Entfernung und das einfache Gewicht und 3 Kreuzer Portozuschlag. Da TT noch keine Marken im September 1851 hatte, Erstemmission 1.1.1852, wäre der Brief im Falle seiner Frankatur bar zu zahlen gewesen (4 Schillinge).


    Aber Vorsicht - auch Preussen hatte in den Hansestädten eigene Postanstalten und Bayern hatte noch im Herbst 1850 seine Korrespondenten rechts des Rheins dazu aufgefordert, die Briefe mit 9 Kreuzer zu frankieren, weil man die Leitung über Preussen nach dorthin gerichtsfest gemacht hatte und es sich damit um reine Postvereinsbriefe handelte. Die Ausnahme bildete die Pfalz, die bis zum Ende des DÖPV ihre Korrespondenzen in die Hansestädte immer über Frankfurt am Main (TT) leiten musste.

  • Spannend! Auf was für "Kleinigkeiten" man so achten sollte ...
    D.h. nur das Preußische Postamt in Hamburg konnte bzw. durfte Briefe nach Bayern direkt befördern und alle anderen Postämter in Hamburg mussten an Thurn&Taxis abgeben?

  • Hallo Nordlicht,


    von Bayern aus via Preussen nach Hamburg/Bremen/Lübeck.


    Von dort aus erst ab 1.5.1851 via TT nach Bayern.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,


    zum ersten Mal musste sich der Pälzer mit dem Hamburger Schilling auseinandersetzen bzw. meint das angesichts der Röteltaxe auf dem Brief anbei zu müssen. Warum da mal in SGr, dann wieder in Schilling gearbeitet wurde, ich vermag im Moment keine klare Linie erkennen. Wie auch immer, ab 1852 gehörte Hamburg auch zum DÖPV und da würden 4 SGr für den Normalbrief über 20 Meilen ja nun so nicht passen.


    Da aber 3 SGr 4 Schillingen entsprachen (10 Sgr = 13 1/3 Schillinge), ist es vorliegend wohl so gewesen, dass man das, was hinter dem oben rechts abgeschlagenen F(ranco)-Stempel (HAMBURG N 1.) für eine Gebühr gestanden hat - eben - in Schillingen austaxiert hat.


    Ich hoffe damit richtig zu liegen und freue mich auf jeden Fall mal wieder einen Beleg mit Francostempel und diesmal on top auch noch aus dem hohen Norden in die Sammlung aufnehmen zu dürfen. Adressat war der Brauereibesitzer Louis Geisel in Neustadt a.d.Haardt, welcher vorne links noch bemerkte, dass das am 19. September 1867 aufgegebene Schreiben aus Hamburg am 2. Oktober 1867 beantwortet wurde.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Tim,


    seltenes Stück und die bar bezahlten 4 Schillinge entsprachen dem Franko von 3 Sgr., also keine Währungsprobleme. Schöner wäre es natürlich mit einer Marke gewesen, aber der ist schon so sehr selten, von daher meckern wir nicht. ;)


    Hochinteressant wären Briefe von der Pfalz und in die Pfalz vom 1.5.1851 bis zum 31.12.1851 in die Hansestädte, aber solche suche ich schon seit 35 Jahren leider vergeblich.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    na prima, dann passt also alles :) Dass es kein Brief mit Francomarken ist, geht für mich soweit auch in Ordnung, denn diese Francostempel waren eine gewisse Zeit lang sozusagen ihre Konkurrenz. Sie waren hauptsächlich zur Bewältigung hohen Briefaufkommens bestimmt. Das kennen wir bei Bayern ja so nun nicht. Von daher bin ich immer wieder fasziniert, wenn ich sowas finde und schön anzusehen ist es m.E. auch.


    LG

    Tim