Die militärische Prüfungsstelle München beim I. bayerischen Armeekorps 1914-1918

  • Den kreisrunden Nachfolgestempel mit einem Durchmesser von 33mm kann ich vom 18.12.1915 bis 23.11.1918 - ja, das ist schon die Zeit der Devisenkontrolle - belegen.

    Der Stempel liegt mir nur in violetter Farbe vor. Riemer kennt ihn auch in schwarz. Das kann gut sein, wenn nach der Ausmusterung des Vorgängerstempels zuerst mit dem schwarzen Stempelkissen weitergearbeitet wurde und erst später die Umstellung auf violett erfolgt ist. Der Stempel kann also in schwarzer Farbe vielleicht nur wenige Tage oder höchstens wenige Wochen vorkommen.

    Brief der Münchener Rückversicherungsgesellschaft vom 18.12.1915 nach Göteborg in Schweden. Das neue Dienstsiegel ist auf der Vorder- und Rückseite angebracht und Hauptmann Salffner hat handschriftlich mit vollem Namen abgezeichnet.

  • Der folgende Beleg ist nur drei Tage später als der Vorhergehende abgesandt worden, aber er bringt mit der Nachportomarke etwas Abwechslung in die Zensurgeschichte.

    Brief vom 21.12.1915 von der Deutschen Bank - einem häufigen Absender - nach Grüsch im Kanton Graubünden. Die Laufzeit war - wie damals üblich - nur ein Tag. Wahrscheinlich wog der Brief leicht über 20g und die Schweizer forderten 20 Rappen Nachporto.

    Nachportobelege findet man eigentlich nicht bei Sendungen der Prüfungsstellen, weil die Firmen sich gut mit den Postgebühren auskannten. Deshalb ist er in meiner Sammlung gelandet.

  • ... Glückwunsch zu dieser Oberrosine ... :thumbup: :thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph

    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.


  • Vielen Dank für die Blumen :)

    Nachdem nun die Prüfungsstelle mit einem neuen Dienstsiegel ausgestattet war, wurde dann im neuen Jahr schon der Umzug der Dienststelle vom Postamt 2 in neue Räumlichkeiten im Postamt 1 - das Hauptpostamt - in der Residenzstrasse geplant.

    Einschreibebrief der Bayerischen Vereinsbank vom 4.2.1916 nach Wien. Der Februar war der letzte Monat den die Prüfungsstelle noch in den Räumen des Postamts 2 verbrachte. Der Umzugstermin war der 28. Februar 1916. Das runde Dienstsiegel in Kombination mit dem Poststempel München 2 * p kann also nur rund 4 Monate vorkommen, wobei die Farbe des Dienstsiegels nicht nur blauviolett, sondern auch schwarz sein kann. Für letzteres habe ich noch keinen Beleg gefunden.

    Das ist auch der früheste Beleg, den ich mit dem Namensstempel von Hauptmann Sallfner nachweisen kann. Bei 500 bis 800 Sendungen pro Tag ist ihm wohl die handgeschriebene Unterschrift zu mühsam geworden. Ein Wunder, dass er es so lange beibehalten hat. Kollegen in anderen Prüfungsstellen haben sich schon nach kurzer Zeit Namensstempel angeschafft.

  • Den Akten zufolge erfolgte der Umzug am Montag den 28. Februar 1916 in die neuen Diensträume im Hauptpostamt in der Residenzstrasse 2. Dies wurde von den Firmen sehr gut angenommen und es erfolgten vermehrt Anträge von Firmen beim stellv. Generalkommando diese Prüfungsstelle ebenfalls nutzen zu dürfen. Vermutlich war die zentrale Lage der Zensurstelle wichtiger, als die Zeitersparnis bei der Beförderung oder die Vertraulichkeit des Inhalts.

    Brief der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank vom 20. März 1916 an die Eisenhandlung Franz Krieger in Salzburg. Die Prüfungsstelle verfügte wieder über einen Postschalter wie schon zuvor im Postamt 2 und der Braungardt`sche Stempel München 1.B.P. mit dem Unterscheidungsbuchstaben a und der Kontrollziffer 1 wurde ab diesem Zeitpunkt verwendet.

  • Ein Schreiben der Militärischen Prüfungsstelle vom 26. Februar 1916 an das Telegraphenamt am Bahnhofsplatz kündigt an, dass ab 29. Februar 1916 die in der Prüfungsstelle eingereichten Telegramme mit dem folgenden Stempel versehen werden.

    Diese Telegramme könnten ohne Weiteres weitergeleitet werden.

    Telegramme mit diesem Stempel habe ich noch nicht gesehen und diese werden auch nicht im Riemer erwähnt.

  • Mitte Mai 1916 tauchte in der Prüfungsstelle plötzlich ein Musterkarton auf, der schon einmal die Prüfungsstelle durchlaufen hatte und nun wieder ins Ausland gesandt werden sollte. Er trug natürlich die Zensurstempel und die Unterschrift des Offiziers und die Verantwortlichen waren jetzt etwas ratlos. Eigentlich sei die Firma ja sehr zuverlässig und es wurde nie eine Sendung beanstandet, aber so könne man das nicht lassen. Man könnte vielleicht sogar der Spionage Vorschub leisten.

    Es wurden Überlegungen angestellt einen Datumsstempel zusätzlich abzuschlagen und die Kollegen wurden befragt.

    Oberleutnant Diesel, Leiter der Prüfungsstelle Augsburg sah das ganz entspannt und sah überhaupt keine Notwendigkeit zusätzliche Maßnahmen vorzunehmen. Wiederverwendete Musterkartons könne er sich vorstellen aber Briefumschläge hielt er für gänzlich ausgeschlossen. Außerdem verwies er auf sein Verfahren, wie geprüfte Sendungen versandt werden und da sei eine Umgehung der Zensur nicht möglich.

    Das Ende vom Lied war, dass die Prüfungsstelle München einen Befehl vom stellvertretenden Generalkommando bekam zukünftig einen Datumsstempel abzuschlagen.

    Zu diesem Befehl wurde am 20. Juni 1916 Vollzug gemeldet:

    Ab diesem Datum sind jetzt alle Sendungen mit diesem Datumsstempel versehen.

    Originalauszug aus der Akte im Militärarchiv München

    Mein erster Beleg im Archiv stammt erst vom 23. November 1916. Aus meiner Sammlung kann ich einen Beleg erst vom 18. Mai 1917 zeigen

    Brief der Firma Otto Zeumer aus München 8 nach Basel. Ankunft am nächsten Tag 19. Mai 1917.

    Das Dienstsiegel ist in violett und der Datums- und Namensstempel ist in schwarz abgeschlagen.

  • Gestern konnte ich einen weiteren Beleg der Prüfungsstelle München erwerben.

    Postkarte der Firma Max Bruder, Marienplatz 25 vom 17. Juni 1916 nach Herzogenbuchsee im Kanton Bern/Schweiz. Das runde Dienstsiegel und der Namensstempel wurden auf der Vorderseite angebracht, damit der Text auf der Rückseite leserlich blieb.

    Postkarten sind in den Prüfungsstellen relativ selten eingeliefert worden. Bei den zwei großen Prüfungsstellen Frankfurt und Hamburg habe ich noch gar keine Postkarten registrieren können. Überraschenderweise ist der Anteil von Postkarten in meinem Archiv für die Prüfungsstelle München bei über 10%. Das liegt zum einen daran welche Korrespondenzen erhalten geblieben sind und zum anderen wahrscheinlich an den Bestimmungen der einzelnen Prüfungsstellen. Im Mobilmachungsplan Anlage J, §10 Abs. 49 ist nämlich nur die Rede von geschlossenen Briefsendungen.