Schiffspost nach Nord- Italien

  • Guten Morgen in die Gruppe,


    Beim Thema Norditalien Schiffspost denkt sicherlich jeder erst an Schiffspost- Verbindungen im Mittelmeer.

    Ich möchte hier aber Schiffspost aus Südamerika über die verschiedensten Leitwege nach Nord- Italien zeigen.

    Den Zeitraum habe ich auf die Ausgabe der Portomarken im Königreich Italien (1869) bis zum Beitritt der südamerikanischen Länder in den Weltpostverein (Kolumbien z.B. erst zum 1.7. 1881) begrenzt. Dabei ergeben sich auch die verschiedensten Möglichkeiten des Zeigens der Verrechnungen zwischen Ländern die bereits Mitglied im UPU waren und die Nachtaxierungen aus Nicht- UPU Ländern.


    Ich wünsche allen viel Spaß beim Betrachten der Belege und wäre für weitere Anregungen zum Thema dankbar.

  • Die "klassische Gliederung" mit numerischer Auflistung der einzelnen Gliederungspunkte habe ich nicht gewählt.

    Da es mir in dieser Sammlung um die verschiedenen Schiffspost- Verbindungen einzelnen Reedereien mit zum Teil unterschiedlichen Linien geht, habe ich die Gliederungspunkte mit den Flaggen der entsprechenden Reedereien gekennzeichnet.



  • Auch innerhalb Europas ergaben sich für die Anlandung aus Südamerikas eintreffender Briefe nach Norditalien verschiedene Beförderungswege.

    Die Anlandungen betrafen im wesentlichen Frankreich mit dem Hafen Bordeaux (aus Südamerika) und St.- Nazaire (aus der Karibik).

    Daneben aber auch England mit den Häfen Southampton für Post der Royal Mail aus der Karibik und Südamerika (Linie bis Rio de Janeiro), sowie den Hafen von Liverpool. Mit Erweiterung und Aufbau der Linie der Royal Mail über Rio de Janeiro hinaus bis Buenos Aires auch die 2. Linie der Royal Mail.

    Neben der Anlandung in englischen Häfen konnten für Nord- Italien bestimmte Briefe aber auch bereits in Portugal angelandet werden.

    Post von der Westküste Südamerikas gelangte mit der PSNC ums Kap Hoorn nach Liverpool in England, konnte aber auch über Panama über Kolumbien nach Colon und dort über die Royal Mail nach Southampton oder über die französische Linie A mit der Compagnie Generale Transatlantique nach St.- Nazaire in Frankreich befördert werden.

    Mit Beginn der Auswanderungen von Italienern in das Gebiet des Pantanal (Grenzgebiet zwischen Argentinien, Urugauy und Brasilien) wurde eine italienische Direktverbindung von Genua startend bis Buenos Aires eingerichtet.

    Einmal editiert, zuletzt von SETUBAL ()

  • Soviel vorab zum Thema und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten.

    Nun möchte ich hier aber auch verschiedene Belege zeigen:


    Ich beginne mit einem Brief aus Brasilien aus 1872.

    Der Brief wurde unfrei aufgegeben und lief über England - Frankreich nach Italien.

    Entsprechend der 2. Gewichtsstufe (blauer Vermerk links oben) wurde er mit 2,40 Lire nachtaxiert.


  • Es folgt ein weiterer Brief aus Buenos Aires, der mit der jetzt 2. Linie der Royal Mail (Strecke Liverpool - Buenos Aires) befördert wurde. Der Brief wurde aber bereits in Lissabon (Portugal) angelandet und lief dann im geschlossenen Päckchen über Spanien nach Frankreich bis Nord- Italien.


  • In Argentinien verlangte die Post ab 1.7. 1873 dem Vorbild Uruguays folgend (ab 1.10. 1872) für Auslandsbriefe die Zahlung des Inlandsportos.

    Hier ein weiterer Brief aus Buenos Aires mit argentinischem Inlandsporto, der lt. handschiftlichem Vermerk über Southampton laufen sollte, aber auch bereits in Lissabon angelandet wurde:


  • Kommen wir nun zu etwas komplizierteren Wegen und Abrechnungen.

    Der folgende aus Peru stammende Brief vom 14.11. 1876 (nach Gründung des UPU ohne Mitgliedschafts Perus, das erst 1.4. 1879 beitrat) kam mit der PSNC bis Panama über Land nach Colon und dort Übergabe an die Royal Mail weiter über St.- Thomas bis Southampton. Dann weiter über London nach Frankreich, beide Länder waren bereits UPU Mitglieder, nach Italien.

    Der Brief wurde an der Grenze entsprechend nachtaxiert. Der Stempel T - 170 betraf die Seegebühr von 1,70 Lire, dazu kam wegen der fehlenden Auslandsfrankatur durch den Absender die UPU Gebühr für einen Brief aus einem B- Land 30 Centesimi, die verdoppelt wurden, also 60 Centesimi. Gesamtes Nachporto 2,30 Lire.


  • Es folgt ein weiterer Brief aus Peru vom 6.10. 1871, der ums Kap Hoorn über Liverpool gelaufen ist. Hier betrug die Seegebühr 1,- Sh je Ozean und das fehlende Auslandsporto 30 Centesimi. Das Inlandsporto Perus war bezahlt, die Marke ist mit dem Stempel des britischen Auslandspostamtes in Callao (Peru) entwertet.


  • Die PSNC fuhr auf der Strecke Callao ums Kap Hoorn auch Häfen an der Ostküste Südamerikas an.

    Hier ein Brief vom 9.7. 1874 aus Montevideo (Uruguay) über Liverpool über Frankreich nach Italien.


  • Der folgende Brief vom Juni 1878 aus Peru wurde bis Panama mit der PSNC befördert. In Colon erfolgte die Übergabe an die französische Compagnie Generale Transatlantique. Über Martinique gelangte der Brief nach St.- Nazaire nach Italien. Lt. Stempel T (im Dreieck) wurde der Brief aus einem Nicht- UPU Mitgliedsland entsprechend nachtaxiert.


  • Die französische Reederei Compagnie Generale Transatlantique betrieb die Ligne A in die Karibik über Martinique an der Nordküste Südamerikas entlang bis Colon in Kolumbien.

    Hier ein weiterer Brief jetzt aus Porto Cabello in Venezuela vom 6.4. 1876 nach Italien.

    Auch hier wurde wieder das Seeporto und die Nachgebühr aus einem Nicht- UPU Land nachtaxiert - entsprechender T Stempel und das gesamte Nachporto von 80 Centimen (französische Seegebühr) plus 60 Centesimi fehlendes Auslandsporto verdoppelt nachträglich erhoben.


  • Eine zweite französische Reederei, die Compagnie des Services Maritimes des Messageries Imperiales, betrieb die Ligne J von Bordeaux aus startend über Sao Vicente (ab 1868 über Goree im Senegal) bis Rio de Janeiro. Hier erfolgte anfangs die Übergabe an die ebenfalls von dieser Reederei betriebene Ligne K von Rio bis Buenos Aires. Ab 1868 entfiel die Linie K und die Linie J fuhr durchgehend bis Argentinien.

    Es folgt ein Brief aus Uruguay vom 31.7. 1871 über Bordeaux nach Italien.


  • Und ein weiterer Brief aus Montevideo (Uruguay) vom 11.1. 1873 über Bordeaux nach Italien.

    Auf diesem Brief ist der Postvertragsstempel F . 56 klarer erkenntlich.

    Nach diesem Artikel aus dem zwischen Frankreich und Italien bestehendem Postvertrag sind die entsprechenden Gebühren der aus Südamerika eintreffenden Briefe ersichtlich.

  • Neben den großen französischen und englischen Linien hatte Anfang 1870 auch Italien eine eigene Postverbindung nach Südamerika aufgebaut.

    Briefe wurden in Konsulatspostämtern in Uruguay und Argentinien entgegengenommen.

    Als erstes ein Brief aus Buenos Aires in Argentinien vom 15.2.1878 nach Italien.

    Wegen der unfreien Aufgabe in Argentinien erfolgte hier nur die Nachberechnung der italienischen Seegebühren.

  • Hallo Setubal,

    ich bin sehr beeindruckt!!!! Zum einen durch die Anzahl der Briefe (da ich weiß, dass Du dieses Sammelgebiet noch nicht so lange verfolgst), und natürlich durch die Briefe selbst, und, letztendlich, durch die genaue Beschreibung von Route, Reederei und Porto.

    Woher nimmst Du die Informationen zu den Briefen? Gibt es (reichlich?) Literatur zu den einzelnen Themen oder gibt es auch Internet-Seiten?? Wie Du weißt, ist mein Gebiet mehr der Nordatlantik - zum Teil auch etwa dieselbe Zeit - und darüber gibt es eine ganze Menge an Literatur. Auch über "ausgefallene" Sachen wie die Stempel von Hamburg oder Bremen incl. der verschiedenen Postanstalten der verschiedenen deutschen Länder aus der Zeit vor Reichsgründung etc.

    Was mich noch interessiert, ist, wie Du, in doch kurzer Zeit, diese Anzahl zusammen bekommen hast. Wird so viel Material angeboten? Gibt es überhaupt "viel"?

    Na, dann sammel schön weiter und wir bleiben in Kontakt

    Jürgen

    US German Sea Post

    US Sea Post

    Canal Zone RPO

    Mitglied bei ArGe USA/CANADA und Canal Zone Study Group

    Stampless Cover aus dem 19. Jh. zwischen den USA und Hamburg/Bremen

    "Meine" Website: https://www.juergens-philatelie.de/

  • Hallo Jürgen,


    danke für Dein Feedback. Etliche meiner literarischen Quellen habe ich Dir ja bereits genannt.

    Zu neuem Material ist es wie in allen Sammelgebieten - mal wird viel angeboten und manchmal eben auch nichts.

    Natürlich sind Kenntnisse der Postverträge unerläßlich und ich möchte ausdrücklich auf das Projekt Postverträge des DASV verweisen - es ist gerade bei solch einem Thema sehr zu empfehlen.


    Viele Grüße...

  • Einen guten und gesunden Morgen allen im Forum,


    es freut mich, dass meine vorgestellten Briefe es doch bereits auf 300 Zugriffe geschafft haben.

    Noch mehr würde ich mich freuen, wenn auch Kritik oder Zustimmung erfolgen könnte.


    Habe ich alles richtig beschrieben ?

    Zur Qualität der gezeigten Belege kann ich leider nur sagen, dass es überhaupt schwierig ist, dem Thema entsprechendes Material zu finden.

    Ist euch die Aufmachung und Gestaltung ausreichend, um die wesentlichen Punkte zu erkennen ?

    Ist es mir gelungen, die Taxierungen speziell in der Phase des Postverkehrs zwischen Ländern die bereits Mitglied im Weltpostverein waren und denen, die noch kein Mitglied waren, ausreichend zu erklären ?


    Danke für Euer Interesse und Eure weiteren Anregungen.


    Setubal