Overland Mail via Bayern

  • Hier möchte ich zwei Briefe zeigen die mit der ersten "Overland Mail" durch Bayern liefen.
    Dies wurde nötig da die Eisenbahnbrücke bei Tours gesprengt wurde.


    Als erstes ein Telegramm aus Yackandandah nach Melbourne und von dort frankiert "via Marseille" aufgegeben.
    In Alexandria aber der CAIRO einem Dampfer der A&O mitgegeben.
    Ankunft in Brindisi am 26.10 von dort über den Brenner nach München und Aschaffenburg, weiter über Köln und Ostende.
    Ankunft am 31.10.1870

  • Und hier ein Brief aus Indien.
    Er ist für den Leitweg "via Brindisi" bezahlt (2 Anna extra).
    Diese Post wurde seperat befördert und stand nicht unter der Aufsicht eines britischen Postbeamten.


    Am Bahnhof von Bologna lagen am 27.10 nun 10 Postsäcke aus Indien, China und Australien und wären wohl vergeblich nach Frankreich gelaufen.
    Glücklicherweise sah der Mail Officer Yates der für die Post "via Marseille" zuständig war diese Säcke und nahm sie mit nach London.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz,


    wundervolle Briefe, die perfekt in deine tolle Sammlung passen.


    Kleine Korrektur zum 1. Brief: Streiche Aschaffenburg, setze Heppenheim.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    warum Heppenheim?
    Die Post war laut Bericht von Yates am 29.10 um 5.15 Uhr in Aschaffenburg.
    In München am 28.10 um 16.05 Uhr.

  • Hallo kibitz,


    mit der Gründung des Norddeutschen Bundes fiel das System der Vergütungen innerer Vereinstransite im Postverein ersatzlos weg.


    Mit Italien wurde vereinbart, daher glaube ich das auf deinen Brief via Brindisi anwenden zu können, dass die Post via Österreich über Deutschland hinaus über den Brenner und München das Territorium des Norddeutschen Bundes bei Heppenheim erreichen sollte. Diese Leitung erfolgte bis Heppenheim im geschlossenen Transit, so dass die Post des NDB weder Österreich noch Bayern 1) Gelder für ihre beachtlich lange Transitstrecke, noch 2) die "deutsche" Gebühr überhaupt abgeben musste. De facto tat man so (und hatte die politische Macht dazu), als ob Österreich / Bayern teil des NDB gewesen wären.


    1868 und 1869 erhielten diese Briefsendungen noch den entsprechenden Bahnpoststempel von Heppenheim (die dortige Bahnpost fungierte also als deutsche Aufgabepost und war kartenführend mit dem Ausland). Möglich wäre, dass sich, kriegsbedingt oder nicht, 1870 eine Änderung ergeben hatte (schon vor dem Krieg kamen aber regelmässig keine "Aufgabestempel" von Heppenheim mehr auf die Briefe).


    So, jetzt kannst du ihn beschreiben, wie du willst. ^^


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    danke für die Ausführungen.
    Diese Post lief aber "nach Gelegenheit" und das in geschlossenen Postsäcken.
    Der Postbeamte war dafür zuständig und verantwortlich.
    Daher denke ich, ich bleibe beim "Augenzeugenbericht" des Herrn Yates.
    In einer späteren Rechtfertigung des NDB wegen einiger Verzögerungen ist leider nur von der Strecke
    Herbesthal - Ala die Rede.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz,


    diese Route kenne ich auch, habe aber nicht gewußt, wann man die eine und wann die andere genutzt hat. Leider sind die bayer. Quellen hier sehr dürftig.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • In meiner bayrischen Postgeschichte S. 309 ff sind ein paar Hinweise und Briefe zu finden zu diesem Thema. Dazu wurden die Aktenbestände des HStA München benutzt, soweit sie noch vorhanden sind. Vor einer Reihe von Jahren wurden die anderen Aktenteile in der Schweiz versteigert.