Rußland über Österreich und Bayern nach Württemberg

  • Hallo Ralph,


    du hast mich ins Grübeln gebracht und so habe ich die Taxisverträge mit Österreich angeschaut. Ich bin nun auch der Auffassung, dass der Brief nicht über Nürnberg gelaufen ist.
    Er dürfte ab Krakau nach Wien spediert worden sein. Im Postvertrag Österreich-Thurn- u. Taxis von 1820 wurde ein direkter Paketschluss Wien-Ulm eingeführt. Hierin hat sich Taxis (Württemberg) verpflichtet, für Briefe aus den russisch-polnischen Provinzen und der freien Stadt Krakau 18 Kr. für den einfachen Brief an Österreich zu vergüten. In Württemberg ist der Brief portofrei befördert worden, lediglich der Bestellkreuzer wurde belastet, daher 19 Kr.


    Grüße von liball

  • danke für die Bestätigung - ein Superbrief! :P :P


    Kann ich auch nur neidlos gratulieren, solltest du irgendwann einen besseren haben würde ich diesen gerne in meine Heimatsammlung integrieren. ;-)
    Ist es möglich auch Inhalt und Rückseite dieser Granate zu zeigen?

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Vielen herzlichen Dank@liball!

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Liebe Freunde,


    hier ein Brief von 1826 aus dem russischen Odessa in das württembergische Dornham bei Sulz am Neckar.



    Grenzfrankiert bis russisch-österreichischen Grenze. In Krakau kam der Herkunftsstempel Russie. hinzu.
    Österreich taxierte 20 Kr. CM, die in Augsburg (?) mit 24 Kr. rh. in Auslage genommen wurden. Für den bayerischen Transit wurden 12 Kr. (bis 1 Loth) in schwarzer Tinte notiert. In Württemberg wurden diese beiden Beträge zu 36 Kr. zusammengezogen und das württembergische Inlandsporto von 12 Kr. darunter notiert. Rechts wurde die Summe von 48 Kr. gebildet, die dann später gestrichen und durch 2 Bestellkreuzer auf 50 Kr. Gesamtporto ergänzt wurden.


    Grundlage waren folgende Postverträge:
    Russland-Österreich noch kein PV
    Österreich-Bayern 1819
    Bayern-Württemberg 1809


    Ich bitte die Kenner um ggf. nötige Korrekturen.


    Die in der Anschrift zu lesende Bezeichnung Heiligenpfleger entspricht dem heutigen Kirchpfleger (Vermögensverwalter einer Gemeinde oder Stiftung). Absender ist ein Pflegsohn, der den Adressaten mit Whertester Herr Pfleger! anschreibt. Wie so oft bei solchen Briefen, gab es auch hier Beilagen:


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    ich sehe die Taxen wie du - den Auslagestempel kann ich nicht lesen, aber es sollte Augsburg sein, weil es zu Württemberg wenige Alternativen gibt/gab.


    Für mich sehr interessant ist die Tatsache, dass wohl 2 Einlagen dabei waren, die das Gesamtgewicht aber nicht über 8,75g haben ansteigen lassen. Es waren wohl nur Zettelchen, nehme ich an.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    das Einlagepapier ist, im Gegensatz zu dem Umschlag, aus dünnem Papier. Daher konnte man schon was beipacken.
    Aber fiel der Brief in Bayern nicht in die 2. Gewichtsstufe?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    wenn er für Bayern in der 2. Gewichtsstufe war, hätte er das auch in Österreich sein müssen (30 Kr. CM = 36 Kr. rh. für Österreich dann). Die sehe ich hier aber nicht.


    Normal waren 8 Kr. für Bayern als Transitkosten anzuschreiben, aber es kam wohl auch auf den Laufweg an (jedenfalls hatte ich mal mit dem lieben liball eine Diskussion irgendwo hier oder in einem anderen Forum, bei dem gerade diese Transitkosten Gegenstand diverser Nachrechnungen waren).


    Von daher 1,5fach in Bayern - vlt. sagt uns ein Württembergkenner, ob er auch 1,5fach in Württemberg war? Das wäre ja interessant!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael und Ralph,


    der Brief lag auch in Württemberg in der 2. Gewichtsstufe.
    Nachdem in Dornhan erst am 16.5.1860 ein Postamt eingerichtet wurde, erfolgte die Zustellung von Sulz aus.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    vielen Dank - bleibt noch die Frage, was er in Russland war und für Österreich ist die 1. Gewichtsstufe ja gesichert.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    danke für die Infos, das passt dann.
    Für Russland würde ich - bis zum Beweis des Gegenteils - auch von einer 1. Gewichtsstufe ausgehen. Erfahrungsgemäß würde aber auch eine 2. Gewichtsstufe russischerseits nicht unbedingt einen Vermerk zeigen.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo,


    nachdem hier schon über 1 Jahr kein Brief mehr gezeigt wurde, möchte ich den folgenden Brief aus Odessa nach Schorndorf vom 28.8.1850 vorstellen.
    Obwohl der DÖPV bereits in Kraft war, wurde dieser Brief noch nach den alten Vertragsbedingungen behandelt, da Württemberg noch nicht Mitglied im DÖPV war. Bis zur russisch-österreichischen Grenze war der Brief frankiert. Das Franko wurde jedoch nicht angeschrieben. Österreich belastete 12 Kr. Nachdem Bayern für seinen Transit 8 Kr. beanspruchte, kam der Beleg mit 20 Kr. belastet in Württemberg an. Zuzüglich des württembergischen Portos von 7 Kr. errechnet sich ein Gesamtporto von 27 Kr. Hierin war 1 Kr. Bestellgeld enthalten.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    galt der bilaterale Vertrag Österreichs mit Württemberg mit dem Gemeinschaftsporto nicht bei Auslandsbriefen?


    Einfache Briefe kosteten ja 12/4x CM, die in 13/7x rheinisch reduziert wurden, wobei dann Bayern 7x rh. kreditiert bekam.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank, du hast mich auf die richtige Fährte gebracht. Den Vertrag Taxis-Österreich von 1843 hat ich gar nicht im Blick.
    Nach Art. XIX dieses Vertrages betrug das österreichische Transitporto für Briefe aus den südrussischen Provinzen 12 Kr. C.M. Nach dem Eintreffen in Württemberg wurden die österreichische Forderung von 12 Kr. C.M. sowie der bayerische Transit von 4 Kr. C.M. (Art. V) = 16 Kr. C.M. in 20 Kr. rhein. umgerechnet. Das württembergische Porto nach Schorndorf gem. Beilage 1 zum PV 1843 lag bei 7 Kr., so dass sich ein Gesamtporto von 27 Kr. ergab.


    Grüße von liball

    Einmal editiert, zuletzt von liball ()

  • Liebe Freunde,


    hier ein Brief, der in Hinsicht Transit-Stempel minimalistisch behandelt wurde.

    12.3.1845 (jul.) in Odessa aufgegeben, ging es durch Österreich und Bayern nach Heilbronn.

    Der schlichte Aufgabestempel von Odessa wurde nur 1844/45 verwendet. Vermutlich ging es im direkten Kartenschluss nach Wien.

    Grenzfrankiert bis zur russisch-österreichischen Grenze, Österreich notierte seine Transitforderung von 12 Kr.CM, in Württemberg wurde das zusammengefasste österr.-bayerische Transitporto in 20 Kr. rh. notiert. Zusammen mit dem württembergischen Porto von 7 Kr. rh. fielen 27 Kr. Gesamtporto an.


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    auch solche Briefe haben ihren Reiz - sachlich, nüchtern und ohne bayerische Stempel. Vermutlich lief der im geschlossenen Transit über München - Augsburg - Ulm nach Heilbronn.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael,


    toller Brief!

    Die Taxierung in Österreich und Württemberg basiert auf dem Postvertrag Österreich-Taxis von 1843.

    Nach Art. XIX österreichisches Transitporto für Briefe aus den südrussischen Provinzen 12 Kr. C.M.

    Nach Art. V der zu Lasten Württembergs laufende bayerische Transit von 4 Kr. C.M.

    Gesamt 16 Kr. C.M., reduziert in 20 Kr. rhein.


    Grüße von liball

  • ... wobei man sagen muss, dass die 12x CM in 13 Kr. rheinisch und die 4x CM in 7 Kr. rheinisch nicht paritätisch reduziert wurden ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus