Die Postgeschichte von Rastede / (2024)

  • Die Postgeschichte von Rastede

    Rastede ist eine Gemeinde mit ca. 23.200 Einwohnern im niedersächsischen Landkreis Ammerland ungefähr 12 km nördlich von Oldenburg.

    Im Jahr 1855 wohnten in Rastede 7.294 Menschen (Ohrt, S. 220). Bezogen auf die Bevölkerungszahl ergab dies statistisch einen Anteil am gesamten Briefverkehr im Grossherzogtum Oldenburg von 2,02%.

    Die Geschichte der oldenburgischen Poststempel von Rastede beginnt nach der Franzosenzeit. Paul Ohrt hat als ältesten Poststempel von Rastede einen kleinen einzeiligen Langstempel "RASTEDE" gesehen, den er erstmals mit Datum vom 26.06.1818 registrierte (Ohrt, S. 301, Nr. 148 a., Feuser 2865-1) Diesen Stempel hatte augenscheinlich die oldenburgische Postverwaltung zwischen 1814 und 1818 beschafft.

    Dieser älteste Poststempel des L1 "RASTEDE" der Type I ist etwas höher und kürzer als der spätere Typ II und wurde mindestens von 1818 bis 1836 verwendet (Brief aus der Slg. Heinrich Sanders). Ohrt registrierte eine zeitlich letzte Verwendung dieses Stempels am 19.06.1836 (Ohrt, S. 194) (Feuser 2865-1)

    Vorphila-Dienstbrief mit dem schwarzen L1 "RASTEDE" (Type I) nach Varel (Just-Prephilately 2. Auktion Vorphilatelie & Postgeschichte am 31. August 2024, Los 159) (Feuser 2865-1)

    Zwischen 1836 und 1839 wurde der erste Poststempel gegen diesen etwas längeren und niedrigeren L1 "RASTEDE" (in Type II) ausgetauscht. Ohrt hat diesen Stempel erstmals am 07.05.1839 gesehen (Ohrt, S. 301) (Der abgebildete Brief stammt aus der Slg. Heinrich Sanders, S. 102) (Feuser 2865-2)

    Vorphila-Dienstbrief mit dem schwarzen L1 "RASTEDE" (Type II) nach Varel (Just-Prephilately 2. Auktion Vorphilatelie & Postgeschichte am 31. August 2024, Los 160) (Feuser 2865-2)

  • Mit Einführung der Freimarken im Januar 1852 wurde dieser L1 "RASTEDE" in der Type II auch zum Abstempeln der Marken genutzt. Im Bild ein Brief mit einer Oldenburg Nr. 4b - 1/10 Thaler in zitronengelb auf Fernbrief nach Tambach/ Gotha in Sachsen. (183. Rauhut & Kruschel-Auktion vom 16./17.03.2018, Los-Nr. 1797)

    Brief Oldenburg Nr. 2 II - 1/30 Thaler blau mit dem schwarzen L1 "RASTEDE" nach Neuenburg (Bernstein-Slg., 330. Schwanke-Auktion vom 14.05.2011, Los-Nr. 766)

    Fernbrief mit einer Oldenburg Nr. 4b - 1/10 Thaler in zitronengelb mit dem schwarzen L1 "RASTEDE" nach Arnstadt (aus der Slg. Heinrich Sanders, S. 103)

    Im August 1853 wurde die Stempelfarbe in Rastede von schwarz auf blau umgestellt.

    Brief Oldenburg Nr. 2 I - 1/30 Thaler in blau (Papierlieferung C) mit dem blauen L1 "RASTEDE" nach Oldenburg (aus meiner Slg.)

  • Ein sehr seltener Drucksachenbrief der 2. Gewichtsklasse mit einem Paar der Oldenburg Nr. 1 - 1/3 Silbergroschen in olivgrün mit dem blauen L1 "RASTEDE" auf die ostfriesische Insel Baltrum (5. Boker-Auktion vom 14.03.1987, Heinrich Köhler, Los-Nr. 206)

    Brief mit einer Oldenburg Nr. 2 III - 1/30 Thaler in blau (Papierlieferung C) vom 03.12.1854 mit dem blauen L1 "RASTEDE" nach Jever (aus meiner Slg.)

    Ebenfalls - ähnlich wie bei Ovelgönne - wurde ab dem 28.01.1857 lt. Ohrt, S. 128 zur Abstempelung ein zweizeiliger Rahmenstempel (Ra2) "RASTEDE" verwendet. Ohrt hat diesen Stempel in der frühesten Verwendung am 30.03.1857 gesehen (Ort, S. 194). Auch dieser Stempel wurde vom Graveur Schilling in Berlin angefertigt (Ohrt, S. 127).

    Brief der 2. Gewichtsstufe mit einer Oldenburg Nr. 3 I - 1/15 Thaler rosa mit dem Ra2 "RASTEDE 26/2" nach Abbehausen (Bernstein-Slg., 330. Schwanke-Auktion vom 14.05.2011, Los-Nr. 766)

    Brief Oldenburg Nr. 2 III - 1/30 Thaler in dunkelblau (Papierlieferung D) mit blauem Ra2 "RASTEDE 20/1" nach Wüppels (aus der Slg. Heinrich Sanders, S. 104)

  • 2. Markenausgabe vom 10.07.1859:

    Bfst. Paar Oldenburg Nr. 6a - 1 Groschen blau vom rechten Rand nit blauem Ra2 "RASTEDE 13/1" (Miracle de la Couleur, 160. Dr. wilhelm Derichs vom 13.03.2021, Los-Nr. 827)

    Brief mit einem Eckrandstück der Oldenburg Nr. 6a - 1 Groschen blau mit dem blauen Ra2 "RASTEDE 8/1" nach Timpen bei Elsfleth (aus der Slg. Heinrich Sanders, S. 104)

    Oldenburg Nr. 6c, 1 Groschen - indigo - mit dem blauen Ra2 "RASTEDE 20/6" (aus einem ebay-Angebot, leider "verschwommen" fotografiert)

    Sehr seltene Marke. Mit der Abstempelung von Rastede ist mir bisher nur diese eine Marke der Nr. 6c bekannt. Die Marke hat zudem den Plattenfehler "o" in Groschen gebrochen und "N" in Oldenburg verdickt und Schmierstelle unter "N" (Abbildung dieses Plattenfehlers im Handbuch von Berger, S. 29)

    Attest zu dieser Oldenburg Nr. 6c - indigo -

  • Seltenes Bfst. mit einem Paar der Nr. 7 - 2 Groschen rosa (1. Aufl.) mit Ra2 "RASTEDE 27/9" (Miracle de la Couleur, 160. Dr. Wilhelm Derichs vom 13.03.2021, Los-Nr. 838)

    3. Markenausgabe vom 01.01.1861 und Ganzsachen 1. Ausgabe 1861:

    (Verkürzter) Ortsbrief mit einem Paar der Oldenburg Nr. 9 - 1/4 Groschen in hellorangegelb (2. Auflage) mit dem blauen Ra2 "RASTEDE 23/3" als Ortsbrieffrankatur zu 1/2 Sgr. (29. Schlegel-Auktion vom 1. bis. 3.11.2021, Los-Nr. 253)

    Ortsbrief mit einer Oldenburg Nr. 11b - 1/2 Groschen dunkelrotbaun mit blauem Ra2 "RASTEDE 7/2" (213. Rauhut & Kruschel-Auktion vom 16./17.09.2022, Los-Nr. 157)

    Ganzsache U 1A, 1. Ausgabe 1861 - 1/2 Groschen dunkelbraun im Nahbereich mit blauem Ra2 "RASTEDE 17/3" nach Kleybrook (Auktion wurde nicht notiert)

  • Ganzsache U 4A, 1. Ausgabe 1861 - 3 Groschen gelb - als Fernbrief (3 Sgr.-Frankatur) nach Eutin, Fürstenthum Lübeck (196. Rauhut & Kruschel vom 28./29.02.2020, Los-Nr. 2018) Anmerkung: Eutin gehörte nicht zu Lübeck, sondern zu Holstein und war damals dänisch. Das Porto bis zur hamburgischen Grenze betrug 2 Sgr., das Weiterfranco in Dänemark 1 Sgr..

    Brief mit einer Oldenburg Nr. 14 - 3 Groschen in zitronengelb aus "RASTEDE 3/5" (1862) nach Trittau in Holstein, was damals zu Dänemark gehörte. Die dänische Strecke kostete 1 Sgr., dies wurde unten links mit einer roten "1" vermerkt. (163. Rauhut &Kruschel-Auktion vom 30.05.2015, Los-Nr. 788)

    Florian Berger, S. 135 schreibt zu Oldenburg-Frankaturen nach Dänemark: "In der Zeit von 1854 bis 1864 galt in Schleswig-Holstein der dänische Tarif, d.h. alle Orte, die bis zu 10 Meilen von Hamburg entfernt waren, kosteten für die holstenische Strecke einen Sgr. und für das übrige Gebiet, genau wie für Dänemark, zwei Sgr. Die deutsche Strecke bis zu einer Entfernung von 20 Meilen kosteten zwei und ab 20 Meilen drei Silbergroschen."

    4. Markenausgabe Juli 1862:

    Brief mit einer Oldenburg Nr. 17A - 1 Groschen rosa mit dem blauen Ra2 "RASTEDE 13/4" an den Oberförster Baur in den Hasbruch (aus der Sammlung Heinrich Sanders, S. 162)

    Brief mit einem Dreierstreifen der Oldenburg Nr. 15A - 1/3 Groschen grün mit dem blauen Ra2 RASTEDE 27/12" nach Zwischenahn (Slg. Westerloy, Auktion Joachim Erhardt vom 15.02.1992, Los-Nr. 9043)

  • Blauer Ra2 "RASTEDE" auf Bfst. 2 x Oldenburg Nr. 16Aa - 1/2 Groschen in orange, Oldenburg Nr. 19A - 3 Groschen in hellgelbbraun mit einer Doppelentwertung des Ra2 "RASTEDE" und dem K2 "OLDENBURG" und Oldenburg Nr. 18A - 2 Groschen in hellultramarinblau (aus meiner Slg.)

    Brief mit 2 x Oldenburg Nr. 16Aa - 1/2 Groschen in orange mir dem Ra2 "RASTEDE 16/2" nach Varel (Slg. Westerloy, Auktion Joachim Erhardt vom 15.02.1992, Los-Nr. 9045)

    Brief Oldenburg Nr. 17A - 1 Groschen rot mit komplettem Bogenrand und der Randziffer "2" und dem blauen Ra2 "RASTEDE" nach Oldenburg. Randstücke mit Bogenrandnummer sind selten. (7. Boker-Auktion vom 19.03.1988, Heinrich Köhler, Los-Nr. 351)

    Zwischen dem 28.10. und dem 14.12.1867 wurde in Rastede die Stempelfarbe von blau auf schwarz geändert. Paul Ohrt registrierte am 27.10.1867 noch eine blaue und am 14.12.1867 bereits eine schwarze Abstempelung (Ohrt, S.242).

    Brief Oldenburg Nr. 17B - 1 Groschen rosa/ weiter Durchstich 10 mit dem schwarzen Ra2 "RASTEDE 19/12 (1867) nach Delmenhorst (aus der Slg. Heinrich Sanders, S. 194). Die Marke hat den PF III „Bruch des Innenrahmens über dem B von Oldenburg", den ich hier erstmals auf einem Brief mit einer Nr. 17B gesehen habe.

  • Nach dem Ende der Oldenburg-Zeit wurde der zweizeilige Rahmenstempel von Rastede mindestens noch bis zur Ausgabe "Pfennige" des Deutschen Reichs bis Juni 1875 nachverwendet.

    Norddeutscher Postbezirk Nr. 1 - 1/4 Groschen mit dem schwarzen Ra2 "RASTEDE 19/10" (aus meiner Slg.)

    Deutsches Reich Nr. 2a - 1/3 Groschen, Deutsches Reich Nr. 4 - 1 Groschen und Deutsches Reich Nr. 19 - 1 Groschen jeweils mit schwarzem Ra2 "RASTEDE" (aus meiner Slg.)

    Brief Deutsches Reich Nr. 19 - 1 Groschen mit dem schwarzen Ra2 "RASTEDE 10/6" (1873) nach Colmar (aus meiner Slg.)

    Ortsbrief mit einer Einzelfrankatur Deutsches Reich Nr. 32 - 5 Pfennige und dem schwarzen Ra2 "RASTEDE 2/6" (1875) (aus meiner Slg.)

    Dies ist die mir bekannte späteste Verwendung des alten oldenburgischen Rahmenstempels von Rastede.