Alles anzeigenDas ist vollkommen richtig, wie du bei Oldenburg und andere bei anderen, altdeutschen Staaten ausführlich gezeigt hast. Für mein Sammelgebiet Bayern sehe ich das genau so.
Es ist leider eine weit verbreitete Mär, dass es bei Altdeutschland nichts mehr zu entdecken gäbe und sie hält sich bis heute.
Als ich angefangen habe, ganz AD zu sammeln, waren wir in den frühen 70er Jahren. Mein Wissen war NULL, meine Finanzen als Gymnasiast äußerst überschaubar und in meiner Umgebung gab es außer 3 Briefmarkenhändlern keinen, der sich mit einem wissenshungrigen Jünglich abgegeben hätte. Die Aussichten auf eine philatelistische Karriere waren gleich Null.
Kam ich dann mal in den Genuß, ein paar Minuten mit einem Briefmarkenhändler plaudern zu dürfen (damals ein Privileg!), hieß es unisono immer: Vergiß Altdeutschland, das ist alles ausgelutscht, da gibt es nichts mehr zu entdecken, es sind schon zahlreiche Bücher über alles erschienen, was man sich denken kann, das Sammelgebiet ist tot!
Dazu kam noch, dass die Preise i. d. R. auf Michel-Niveau waren, bei Kabinettstücken lose oft 200% und von Luxus reden wir besser nicht, diese Marken waren für mich unerschwinglich.
Heute, über 50 Jahre später, kann ich nur resümieren, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, genau das zu tun, wovon mir alle abgeraten haben, nämlich Altdeutschland zu sammeln, zu forschen, zu lesen, zu publizieren und ich dadruch viele wertvolle, kluge und ganz liebe Menschen kennenlernen durfte, was mir sonst wohl eher verwehrt geblieben wäre.
Die mir damals immer und immer wieder vorgeschlagenen Alternativen waren Bund, Berlin, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Vatikan und auch die DDR mit ihren gesuchten Sperrwerten.
Nun, gegen all diese modernen Sammelgebiete (beginnend nach dem 2. Weltkrieg) habe und hatte ich nichts - es steht jedem frei zu sammeln, was er will. Aber wenn ich heute retrospektiv sehe, wie viele neue Aspekte es bei Altdeutschland in den letzten Jahrzehnten gab und noch immer gibt und wenn ich den Preisverfall mangels interessantem Material bei vielen dieser damals noch recht neuen Sammelgebieten von Bund, Berlin, DDR usw gibt, freue ich mich unendlich, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Dass das Internet per se, aber vor allem auch niveauvolle Foren Wissen und Forschung, Erkenntnisse länderübergreifend, ja sogar weltweit per Mausklick zur Verfügung stellen, ohne dass man sich ein Bein bricht, oder Unsummen ausgeben muss, ist ein Glücksfall durch die späte Geburt bedingt, den vorherige Sammlergenerationen nicht hatten. Daher bin ich jedem Forenbetreiber sehr dankbar, dass die Gemeinschaft aller Sammler gestärkt wird und auch morgen noch sicher gestellt ist, dass uns die Themen nicht ausgehen. Danke DASV und Danke Nils!
Die Frage, warum die Sammlergeneration letztlich fast nur noch bei den Älteren zu finden ist, ist relativ leicht zu beantworten. Wir sind damit aufgewachsen.
Aktuell ist es schon so, dass bei den Jüngeren eine Begeisterung für die Philatelie nicht per se vorhanden ist. Und irgendwelche „Fachleute“, die „Analysen“ über diese Situation anfertigen, werden dies auch nicht unbedingt ändern. Das Bild, welches viele Jüngere von „Briefmarkensammlern“ haben, sind irgendwelche Opas, die „gestempelt“ und „postfrisch“ in ein Bundesrepublik-Vordruckalbum einsortieren.
Man kann damit nichts anfangen. Und so will man auf keinen Fall werden. Denn das suggeriert schon fast, dass man im „Oberstübchen“ nicht mehr ganz richtig sortiert ist. „Briefmarkensammler“ zu sein, gilt heute fast schon als „Schimpfwort“, denn für viele Jüngere ist dies ein Synonym ,dass man zu den „ewig Gestrigen“ gehört.
Wir wissen, dass es so nicht ist. Denn es ist ein ganz tolles Hobby. Aber wie alle Hobbies kostet auch das Sammeln Geld. Die früher häufig vorgenommene Werbung, dass die BRD-Sammlung später mal „ungeheuer viel Geld“ wert sein wird, hat sich bekanntlich nicht realisiert. Das Gegenteil ist vielfach der Fall. Vieles findet heute überhaupt keinen Käufer, noch nicht einmal für kleinste Preise. Und dieses „Erbe“ haftet der Philatelie auch heute noch an: Das Sammeln von Marken gilt als etwas, wo man sein Geld gleich den Orkus runterspülen kann. Das ist aber nicht überall der Fall, man muss oft nur ausgetretene „“Trampelpfade“ verlassen. Aber SICHERHEIT gibt es bei kaum einem Asset. Jeder sollte sich auch darüber Gedanken machen, wie werthaltig die Sammelstücke auch zukünftig bleiben. Und hier gilt: Was es in großer Stückzahl bzw. massenhaft gibt und auch unscheinbare und nur für ganz wenige Spezialisten erkennbare Seltenheiten unterliegen einem größeren Preisverfall.
Und wenn man zukünftig wieder neue Sammler gewinnen will, muss man darstellen, was die „Faszination“ ausmacht. Und dies ist für Altdeutschland-Sammler noch relativ einfach. Vielfältige Stempel, Seltenheiten und zahlreiche Besonderheiten, seltene Druckverfahren und eine große Farbvielfalt üben auf mich einen besonderen Reiz aus. Und wenn man echte alte frankierte Briefe in der Hand hält, öffnet sich mitunter „ein Fenster“ in eine Zeit, in der es noch Postkutschen gab, eine Monarchie und gibt ein Bild der damaligen Menschen, die in einer zumeist landwirtschaftlich und handwerklich geprägten Arbeitswelt häufig mehr schlecht als recht lebten. Der Brief ist hier dann ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit. Und erzählt eine echte Geschichte.
Letztlich wird sich für jede Sammelleidenschaft die Frage stellen, worin die besondere Faszination und Motivation besteht, gerade dieses und jenes zu sammeln. Nur wenn man dies beantworten und „rüberbringen“ kann, wird man neue Sammlergenerationen gewinnen können.