Direkte Paketzustellung bis incl. NDP-Zeit

  • Liebe Sammelfreunde


    die direkte Paketauslieferung ist sicherlich ein reizvolles Thema. Generell ist in den preussischen Bestellgeldregeln dies mit vorgesehen, jedoch eher nur für "leichte" Pakete. Damit sind nach §57 der Taxverordnung vom 24.12.1824 nur bis 16 Loth schwere Pakete gemeint. Ansonsten wurde nur der Begleitbrief zugestellt, welcher nicht durch den "Empfänger" abgeholt werden konnte und somit auch nicht bestellgeldfrei war. Die Ursache liegt in der Aufbewahrungzeit und der damit verbundenen Regelung zum sogenannten Packkammergeld. Nach der Taxverordnung werden Pakete maximal 3 Tage nach Ankunft kostenfrei gelagert, danach wird es kostenpflichtig.

    Aus einigen Städten ist bekannt, dass auch schwerere Paket direkt ausgeliefert wurden. Für Magdeburg wird erstmalig im Jahre eine direkte Paketauslieferung "organisiert". Dazu die 4 Ausschnitte aus den Amtbättern der Stadt welche ich bisher gefunden habe.
    Bild 1 + 2 aus Amtsblatt 33 vom 16. August 1856
    Bild 3 aus Amtsblatt 49 vom 06. Dezember 1856
    Bild 4 aus 2, Außerordentliche Beilage zum Amtsblatt 46 vom 15.November 1862


    Vielleicht finden sich erstmal noch mehr so kleine Hinweise...
    Michael zeigte uns hier schon einmal einen solchen Brief - vielleicht fügt er ihn später hier nochmal mit ein.
    Link


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    aus Magdeburg ist bisher nur ein Stempel bei der direkten Paketauslieferung bekannt. Der vielleicht schönste Abschlag dieses Stempels befindet sich auf einen Brief vom 10.02.1868 von Staßfurt nach Magdeburg.

    Da die Entferung noch unter 5 Meilen und das Gewicht mit 2 Pfund 15 Loth recht gering war, fiel hier der Mindestfahrposttarif von 2 Groschen an. Wie vorderseitig erkennbar, wurde der K2 MAGDEBURG PACKET-BESTELLUNG vom Folgetag verwendet. Laut Post- und Telegraphenhandbuch betragen die Kosten der Paketzustellung bis incl. 30 Pfund ohne Wert 1 Groschen. Darin sind auch die Kosten der Begleitbriefzustellung enthalten.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    dann noch ein Beleg vom 21.09.1869 aus Dresden nach Magdeburg. Die Entfernung beträgt ca 25 Meilen. Ein Paket von 5 Pfund 2 Loth wurde an den Kaufmann Nolte gesendet.


    Frankiert wurde er mit 5 Groschen. Die Entfernung beträgt knapp 25 Meilen.


    Somit ergibt sich nach Gewichtstaxe:
    2 Pfennige * 6 Pfund * 5 Progressionsstufe = 60 Pfennige = 5 Groschen
    Der Mindestfahrposttarif wäre 4 Groschen und da nach Gewicht mehr anfällt, ist dieser dann auch anzuwenden.


    Auch dieses Paket wurde direkt ausgeliefert, wie der vorderseitige Stempel der Paketbestellung zeigt.
    Wenn ich den Dresdenstempel richtig lese, ist die Aufgabe zwischen 18 bis 19 Uhr gewesen und am nächsten Tage hatten wir einen glücklichen Empfänger.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    ein netter Beleg vom 09.12.1869 aus Werder an "Dem Portepeefährich im 4ten Feld-Artillerie Regiment P.Lange (in) Magdeburg Johannisfahrtstr. 2 2 Treppen" mit dem "eine Kiste in grauer Leinwand gez.: H.P.L. Magdeburg." von 18 Pfund 10 Loth gesendet wurde. Die Entfernung beträgt etwas über 12 Meilen, was der Progressionsstufe 3 entspricht.

    Berechnung ist 2 Pfennige * 19 Pfund * 3 Progressionsstufe = 114 Pfennige = 9 1/2 Sgr.

    Verwendet wurde ein Ganzsachenumschlag von 1 Sgr. welche mit weiteren 8 1/2 Groschen auffrankiert wurde.

    Der Paketzettel ist auch noch preussischer Natur und über ihn wurde der Stempel der "MAGDEBURG. PACKET-BESTELLUNG" Nachmittigs vom Folgetag abgeschlagen, was bedeutet, dass das Paket auch zugestellt wurde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf