Österreich - Bayern porto

  • Liebe Freunde,


    dieser Ordner war die längste zeit jungfräulich geblieben, aber das ändert sich jetzt endlich. ;)


    Mit dem Postvertrag Bayerns und Österreichs ab dem 1.10.1842 waren alle Briefe mit dem Vertragsstempel BOC = Bayernisch Oesterreichische Correspondenz bzw. OBC = Oesterreichisch Bayerische Correspondenz zu bedrucken. Dieser Postvertrag wurde am 1.7.1850 außer Gültigkeit gesetzt und durch einen neuen ersetzt, der bis zum 31.12.1867 gelten sollte (mit Modifikationen).


    Von daher war es ab dem 1.7.1850 sinnlos, weiter mit den alten Vertragsstempeln BOC und OBC bilaterale Korrespondenzen abzustempeln. Aber man hatte sich halt in den Jahren so eine Routine angeeignet, die dem integrativen Gedanken des neuen Postvereins entgegen stand.


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    Am 6.9.1850 hatte man in Innsbruck vermutlich noch gar nicht begriffen, dass eine neue postalische Ära eingeleitet worden war und zwar weder von Seiten des Absenders, noch von Seiten der Post dort.
    Der Absender dieses Briefes, der jetzt bis 15,625g wiegen durfte und nicht wie zuvor nur 8.75g, wenn er einfach war, sandte seinen Faltbrief wie immer unfrankiert ab und dachte wohl, dass dies, wie bisher auch, nur 7 Kr. rheinisch nach Füssen kosten würde und wenn er den Brief frankiert hätte, wären eben 6 Kr. CM in Ansatz gekommen, was gleichwertig war.


    Die Segnung des DÖPV sieht man aber hieran, denn nun galten Briefe bis 10 Meilen und 1 Loth als einfach und der Brief hätte bei frankierter Absendung nur 3 Kr. CM gekostet. Weil er unfrankiert abspediert worden war, kostete er nun fast das Doppelte, nämlich 6 Kr. rheinisch, die Bayern erhob und an Österreich abzuführen hatte, denn die zuvorige Portoteilung war hinfällig geworden.


    Ob der Empfänger wusste, dass sich etwas geändert hatte? Er bekam diesen, wie alle anderen Briefe zuvor auch, mit dem OBC - Stempel für 6 Kr.statt zuvor deren 7 Kr. ausgehändigt und nachgewogen hat er seine Briefe sicher nicht. Irgendwann einmal werden die beiden bemerkt haben, dass es auch für die Hälfte geht, aber diesen Brief suche ich noch.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch


    P.S. Wer die Änderungen, die der DÖPV hervor brachte, als Bayernsammler dokumentieren will, für den sind die bayerisch - österreichischen Postverhältnisse ein idealer Spielgrund, den zu betreten man sich nicht scheuen sollte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    noch einer hinterher.


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    In Salzburg am 31.1.1851 wurde ein einfacher Portobrief nach Tittmoning aufgegeben (ca. 30 km entfernt). Der Absender zahlte nichts, so dass Salzburg 6 Kr. rheinisch ansetzte, die am selben Tag kassiert wurden. Briefe unter 10 Meilen kosteten 3 Kr. Porto und 3 Kr. Portozuschlag. Diese 6 Kr. waren später Österreich zu vergüten.


    Der Absender hätte, was tatsächlich belegt ist, den Brief auch über die Grenze nach Bayern bringen und dort aufgeben können (Freilassing hatte zum 1.10.1848 eine Postexpedition eingerichtet bekommen, auch, weil österreichische Briefe dort aufgegeben wurden). Dann hätte der Brief aber auch nur 6 Kr. gekostet.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    herzlichen Dank für das Zeigen und Beschreiben
    dieser sehr schönen Stücke. Mit O.B.C. Stempel
    kann ich leider keinen Beleg nach dem 1.7.1850
    zeigen. Normale Portobriefe aus diesem Zeitraum
    schon. Der Kufsteiner Postmeister Juppenmoser
    sandte einen Portobrief nach Mittenwald am 19.
    November 1855. Herr Baader bezahlte 6 Kreuzer
    Porto. Man beachte das schöne Siegel des Post-
    meisters. Der weitere Brief von Eger an Herrn
    Freiherrn von Guttenberg in Guttenberg hat
    leider keinen Inhalt. Als Ankunftsstempel der
    Halbkreisstempel UNTERSTEINACH (Type 12a).
    Der Adelige mußte 12 Kreuzer Porto berappen.


    Liebe Grüße von VorphilaBayern

  • Irgendwann einmal werden die beiden bemerkt haben, dass es auch für die Hälfte geht, aber diesen Brief suche ich noch.

    Hallo bayern klassisch


    Danke fürs Zeigen. Interessante Briefe. Wie du weiss gibt es auch Markenfrankierte Briefe mit dem OBC Stempel.
    Aber welcher Brief suchst eigentlich, ein normaler 3 Kreuzer Brief????


    Am 6.9.1850 hatte man in Innsbruck vermutlich noch gar nicht begriffen, dass eine neue postalische Ära eingeleitet worden war und zwar weder von Seiten des Absenders, noch von Seiten der Post dort.

    Hier machst du wohl die Österreichern dummer als die waren. Ich vermute es eine schlechte Vermutung war.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber VorphilaBayern,


    danke für die beiden schönen Portobriefe - jeder von denen ist sehr erstrebenswert.


    Hallo Nils,


    der Preis für BOC/OBC - Briefe nach dem 1.7.1850 steht in keinem postgeschichtlichen Zusammenhang, denn für diese frankierten Briefe mit 3, 6, 9 oder 12 Kr. Frankaturen werden hohe 3stellige Preise gefordert, manchmal sogar 1.000 Euro. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Die damaligen Korrespondenten warfen ihre Briefe in die "Boite" wie immer, ob es den Postverein gab, oder nicht. Die routinierten Postler stempelten sie ab wie immer. Sinn machen sie jedenfalls nicht mehr und vorgeschrieben waren sie nicht mehr. Sicher sind solche Briefe als kleines Kuriosum höher anzusetzen, als Briefe ohne diese altertümlichen Stempel, aber die Mondpreise, die für sie regelmässig ausgerufen werden, sind nicht angemessen.


    Zitat

    Hier machst du wohl die Österreichern dummer als die waren. Ich vermute es eine schlechte Vermutung war.


    Die Versendung von Portobriefen war wenig intelligent - 50% Aufschlag zahlte niemand gern, wenn er schlau war. ;)
    Der Brief aus Salzburg an Poschacher in Tittmoning war ein Geschäftsbrief - also wurden die Kosten für ihn dem Kunden = Absender später in Rechnung gestellt. Der Österreicher zahlte also letzten Endes die 3 Kr. Mehrkosten, die er selbst verursacht hatte und nicht der gute Poschacher in Bayern!


    Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Menschen dies erkannten - nach einer bayer. Statistik wurden erst in den frühen 1860er Jahren mehr Franko-, als Portobriefe versandt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Ach so, du hast dann an die Markenfrankierten mit BOC Stempel gedacht. Einen hätte ich gern in meine Sammlung gehabt. Aber ich zahle auch nicht Mondpreise. Weil ich nicht alles habe muss.

    Die routinierten Postler stempelten sie ab wie immer.

    Diese Aussage ist auch interessant. Und ich stimme diese auch einigermassen zu. Anderseits gibt es so viele Briefe aus die BOC/OBC Zeit ohne Stempeln, dass man nicht mit einen kopflosen statischen Abstemplung rechnen kann.
    In der Zeit nach 1.7.1850 hat es vielleicht ein Sinn gehabt bei einigen Postämter weiter zu stempeln. Neue Routinen kommen nicht immer schnell zu Arbeit. Die Internlogistik war vielleicht so aufgebaut dass es ein Sinn hatte. Was weiss ich. Sehr wenig leider.


    Die Versendung von Portobriefen war wenig intelligent - 50% Aufschlag zahlte niemand gern,

    Hier stimme ich dich auch gern zu. Es geht aber im Praxis nicht so vor wie man es nachher als intelligent sehen kann. Die Unterschied zwischen Portobriefe und Frankobriefe in der Vormarkenzeit wäre eine gute Forschungsobjekt. Dann ist es wohl nicht mehr reinen Postgeschichte sondern Ökonomische Geschichte. Ein Aspekt ist die oft genannte zutrauen bei voraus frankierten Briefe - "wird der Brief geliefert?". Ein anderen Aspekt ist die Betriebswirtschaftliche - "wenn du was von mir kaufst bezahle ich die Gebühren". Der reiche Vater bezahlt auch gern die Briefe von der Verwandten. Sicher wäre eine Studium über diese Verhalten sehr interessant. Und sicher sind diese Gewohnheiten nicht über die nacht zu 1.7.1850 geändert geworden. Diese Gewohnheiten ändert sich langsam, so ist es auch Heute.


    Ob der Absender die Kosten letztendlich bezahlt haben, lässt sich sicher ab und zu feststellen. Ich glaube aber nicht dass es so immer war. Mein Glaube hier ist aber meistens von Gefühl her, weniger von genauer Wissen.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    mit deinen Argumenten liegst du völlig richtig. Auch um 1850 herum war das Vertrauen in die Postverwaltungen nicht riesig. Aber bei Sendungen in die nähere Umgebung, sagen wir mal 50 bis 100 km, war das nicht das Problem. Bei Briefen in entfernte Länder (Belgien, Frankreich, GB oder gar die USA usw.) war das Versenden von Portobriefen traditionell, weil man nicht wußte, ob der Brief auch wirklich ankam.


    Ich habe viele Briefe gelesen, sehr viele. Ab und zu schrieb man, warum man nicht frankierte. Frankobriefe gingen verloren - ab jetzt nur noch porto.


    Die Post übervorteilte einen, dessen Briefe teurer waren als die, die ankamen - ab dieser Erkenntnis schickte er nur noch unfrankierte Briefe ab (wobei es Verträge gab, die tatsächlich unterschiedliche Gebühren für Hin- und Herbriefe vorsahen).


    Die Öffnungszeiten waren ungünstig - einwerfen konnte man immer, aber vor der Einführung der Marken musste jeder Frankobrief umständlich bei der Post aufgegeben werden und das konnte auch mal ein Stündchen dauern, bis man dran kam. Porto war einfacher ...


    So wichtig, wie für uns die Briefmarken sind, waren sie für die damaligen Menschen sicher nicht. Ich konnte mehrere Zeitungen komplett für die Monate Oktober bis Dezember 1849 studieren - von der Einführung der Briefmarken war nicht die Rede ... woher hätten es also die einfachen Leute wissen sollen? Werbung wurde dafür ja auch keine gemacht und bis sich das in den Dörfern und Städtchen allgemein durchsetzte, mit Marken seine Briefe zu frankieren, dürfte länger gedauert haben, als wir uns das heute vorstellen können.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    So denke ich auch :)
    Mehr dazu will ich nicht sagen ausser dass die Öffnungszeiten gar nicht in meinen Kopf war :( Ist aber wie du nennst auch wichtig.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.