• Liebe Freunde,


    theoretisch müsste fast alles an Poststücken des NDB nach Bayern (et vice versa) Massenware sein. Sammelt man aber ein bischen länger, stellt man fest, dass es etliches nicht oder kaum einmal zu sehen gibt.


    Eine meiner Mini - Sammlungen trägt ja den Titel "Bayern - poste restante" und man könnte zu glauben geneigt sein, dass man innerhalb kürzester Zeit den ein oder anderen aussagekräftigen Brief mit diesem Postdienst zwischen diesen beiden Postgebieten in die Finger bekäme - aber das ist (leider!) nicht so.


    Daher freute mich der Kauf dieses Kuverts aus Gotha vom 20.8.1868 mit 1 Sgr. treffend frankiert nach Bamberg besonders, denn er sollte dort den Maschienenbauer Carl Reich "poste restante" erreichen. In Bamberg Bahnhof kam er auch einen Tag später schon an, was in der Regel dafür gesorgt hätte, dass man ihn 3 Monate lang in der Hauptpost hätte liegen lassen. Jedoch muss unser Herr Reich einen Anweisung hinterlassen haben, die besagte, dass man ihm seine Post umgehend nach Lichtenfels nachsenden sollte, sonst hätte man nicht bei der Bamberger Hauptpost noch am selben Tag Aufgabe gestempelt und ihn nach dorthin versandt. Der Lichtenfelser Ankunftsstempel mangelt, aber das war halt so.


    Prinzipiell war gegen dergleichen Verhalten der Bamberger Post nichts einzuwenden, jedoch hätte man den Brief mit dem Vermerk: "Auf Verlangen nach Lichtenfels" versehen müssen, damit man den Hintergrund der Weiterleitung leichter erkannte. Aber auch für kleine Contraventionen bin ich ja bekanntermaßen sehr dankbar ... ^^

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Brief aus dem Postgebiet des Norddeutschen Bundes mit 3 Kr. Marke frankiert, der nach Lindau im Bodensee gerichtet war. Die Marke wurde mit dem Bahnpost - Einkreis - Stempel Frankfurt - Treuchtlingen entwertet und der Brief unbeanstandet befördert, weil der Einwurf wohl noch auf nichtbayerischem Territorium stattgefunden hatte.


    Aufgabe am 11.6.1871 und Abgabe in Lindau am Folgetag zeigen die gute Vernetzung damals.

  • Lieber Ralph,


    erlaube mir die Korrektur, dass der Norddeutsche Bund 1871 nicht mehr existierte.
    Über deine restlichen Ausführungen muß ich mir noch einige Gedanken machen.


    Auf jeden Fall, Gratulation zu dem interessanten Brief.


    Gruß


    Rudolf

  • Lieber Ralph,


    im Art. 14 des Postvertrages zwischen dem Norddeutschen Bund, Bayern, Württemberg und Baden vom 23.11.1867 ist nachzulesen:


    "Andere Freimarken oder Franko=Couverts als diejenigen des Postgebiets, in welchem die Auflieferung[/size] der zu frankierenden Sendung stattfindet, sind ungültig."


    Da mehrere derartige Briefe mir bekannt sind, die in Bayern nicht nachtaxiert wurden, ist sicher, dass diese im Frankfurter Bahnhof aufgegeben wurden.


    Gruß
    Rudolf

  • Lieber Rudolf,


    die Frage wäre halt: Wo hat dieser Zug (den Zugstempel kannte ich bisher noch gar nicht und Treuchtlingen ist geraten) denn auf Reichspostgebiet gehalten, ehe er bayerischen Boden betrat? Offenbar waren ja bayer. Bahnpostbeamte in ihm und stempelten die ursprünglich bzw. auf der Fahrt eingeworfenen Poststücke mit allein den ihnen zur Verfügung stehenden Bahnpoststempeln.


    Des weiteren hätten diese m. W. bei einem Einwurf in den Schlitz des Bahnpostwagens gerade in solch einem Fall den Ort desselben notieren müssen, damit man wusste, wo er der Post angedient worden war. Das erkenne ich hier auch nicht. Theoretisch hätte ja auch ein Bayer eine solche Marke auf seinen Brief nach Lindau applizieren können und hoffen, dass alles gut geht.


    Wenn es diese Streckenangabe Frankfurt - Treuchtlingen war - wann wurde diese Linie eröffnet? Gibt es hierüber etwas verlässliches in der Literatur der Reichspost? Ich habe leider nichts gefunden.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    zwischen Frankfurt a.M. und Aschaffenburg gab es mehrere Haltepunkte. Alle mir bekannten Briefe haben keinen Aufgabevermerk. Deshalb tendiere ich zu einer Aufgabe in Frankfurt.
    Es war egal, wer die 3 Kreuzermarke klebte. Hauptsache, der Brief wurde im norddeutschen Postgebiet aufgegeben.


    Gruß
    Rudolf

  • Liebe Sammelfreunde


    hier ein Beleg aufgegeben am 23.06.1870 von der Firma Hauswaldt in Neustadt-Magdeburg an Herrn a.D. Rotschenreuther Zeyern bf Mitterteich/Baiern, was später b./ Kronach präzisiert wurde.

    Der einfache Beleg kostete 1 Sgr. Franco - also auch korrekt.


    Die Siegelseite zeigt eine irrsinnige Reise. Es befinden sich insgesamt 7 Stempel darauf, wovon ich 5 mittlerweile herausbekommen habe.

    1. Weiden 24/6

    2. Mitterteich 24/6

    3. Hochstadt 25/6

    4. Oberkotzau 26/6

    5. Unterrohdach 26/6


    6. ...EGE... 25/6 eventuell steht unten Bahnhof

    7. keine Ahnung


    Hat jemand eine Idee?


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Sammlerfreunde,


    bei dem Adressaten des gegen Mitte Dezember 1870 in Bremen aufgegebenen Briefes Friedrich Theobald / Pirmasens handelte es sich um ein dort in der Schloßstraße 2 ansässiges amerikanisches Passagier- und Wechselgeschäft, das einen wesentlichen Beitrag zur Auswanderung leistete. 1870 hatte diese im heutigen Rheinland-Pfalz gerade ihren Höhepunkt überschritten. Einen guten Überblick über die Verteilung der deutschen Auswanderer in den Vereinigten Staaten um das Jahr 1870 findet man hier:


    http://www.auswanderung-rlp.de…er-im-19-jahrhundert.html


    Was den Absender Carl Johann Klingenberg / Bremen anbelangt, so handelte es sich dabei lt. Adressbuch Bremen 1870 um einen in der Langestraße 43 ansässigen Schiffsmäkler und Inhaber eines Auswanderer-Expeditions-Geschäfts, welcher bereits im Jahre 1855 eine Konzession zur Beförderung von Schiffspassagieren nach überseeischen Häfen erhalten hatte. Beide Unternehmen haben daran z.T. noch bis etwa Mitte der 1880er Jahre hinein - sicherlich nicht schlecht - verdient.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Tim,


    Theobald war ein Tausendsassa und hat mit Gott und der Welt gehandelt.


    Er war Agent bei Carl Pokrantz in Bremen - und hatte sogar in den Pfälzer Zeitungen damals eine schöne Werbung geschaltet für auswanderungswillige Pfälzer in die USA (teils über Bremerhaven, teils über Le Havre). Ich hatte da mal ein Inserat, das ich einem Forumsmitglied für seine damalige Sammlung vermacht habe ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus