Ich habe mich nochmal etwas intensiver mit dem gezeigten Brief auseinandergesetzt und dabei interessantes entdeckt:
Der Absender war der Präfekt des Departements der Elbe, Joseph Claude Legras de Bercagny (22. Mai 1761 – 27. März 1842). Einige Stationen aus seinem durchaus schillernden Lebenslauf: Unterleutnant im Regiment de Béarn, später Priester in der Diözese Tours. 1794 legte er das Priestergewand ab und heiratete. 1800 Generalsekretär der Präfektur des Departements Dyle. Später im Dienste von König Jérôme von Westfalen als Kabinettssekretär, Polizeipräfekt und schließlich des Generaldirektors der Obersten Polizei. Am 17. Mai 1812 wurde Joseph Legras schließlich Präfekt des Departements Elbe in Magdeburg, ein Amt, das er bis zum 23. Mai 1814, dem Tag der Kapitulation der Stadt, innehatte. Ab 1815 Präfekt der Côte-d’Or, im letzten Jahr seines Lebens erhielt er lediglich eine Hilfsstelle im Kriegsministerium.
Sicherlich kein einfacher Vorgesetzter für einen Empfänger, in dessen Personalakten steht, er habe bei großem Diensteifer und Fleiß wenig geleistet, weil eine ganz übertriebene Weitschweifigkeit ihn bei seiner Tätigkeit ablenkte. Dabei habe er keine Ahnung von seiner Unbrauchbarkeit. Es handelt sich dabei um Johann Ludwig von Westphalen (11. Juli 1770 – 3. März 1841). Er war der jüngste Sohn des Philipp von Westphalen. Er trat im Januar 1794 in den braunschweigischen Staatsdienst ein. Mit der Gründung des Königreich Westphalen übernahm er 1807 die Präfektur des Departements der Saale. 1809 wurde Ludwig zum Unterpräfekten von Salzwedel (Departement der Elbe) ernannt, wo er 1812 Caroline Heubel heiratete. Nachdem Salzwedel wieder preußisch wurde, wurde Ludwig von Westphalen in den preußischen Staatsdienst übernommen und 1816, nachdem er nicht wieder zum Landrat gewählt wurde, nach Trier versetzt.
Er hatte sieben Kinder, hervorzuheben sind hier Otto Wilhelm Henning Ferdinand (1799–1876), preußischer Innenminister und aus zweiter Ehe Bertha Julie Jenny von Westphalen (1814–1881), die spätere Frau von Karl Marx (1818–1883).
Das Bild zeigt das barocke Landratsamt (rechts mit den offenen Fenstern) in dem von Westphalen das obere Geschoß bewohnte und wo Jenny von Westphalen geboren wurde, Postkarte von 1910