Beiträge von Mittelfranke

    Lieber Ralph,

    ich bin zwar keine KI, aber versuche es mit Beobachtung, Logik und Vermutung.
    Der Ortsname im Sehnenkasten scheint mir mit "burg" zu enden und etwas weiter vorne ein "g" zu beinhalten.
    Da die Bayerische Ludwigsbahn Lindau-Hof über Augsburg führte, könnte der Brief dort umgeladen worden sein, zumal es seit 1853 die Strecke Ulm-Augsburg gab.

    Ich tippe daher auf "Augsburg".

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    das Schreiben ging an die Vormundschaftsverwaltung der beiden Söhne des verstorbenen Freiherrn Eduard von Gemmingen (1807 - 1846),
    s. https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Fr…g_von_Gemmingen :

    [Adresse]
    An die Vormundschaftsverwaltung der Söhne
    des + Frhrn. Eduard von Gemmingen
    in
    Stuttgart

    [Empfängervermerk]
    Von Großhl. Stadtamtsrevisorat
    Karlsruhe

    Nachnahme 21x
    Port. ... 2x
    zus. 23x
    Meuth

    [Text]
    der Söhne des verstorbenen Frei-
    herrn Eduard von Gemmingen
    in Stuttgart in Erledigung geehr-
    ter Zuschrift vom 8ten Dezember d.J.
    Karlsruhe den 20ten Dezember 1851.
    Großhl. Stadtamtsrevisorat
    <Siegel u. 3 Unterschriften>

    SPorteln (=Gebühren) N. 12749.
    Regist. Geb. - fl 12 xr
    Schreib. Geb. - fl 9 xr
    zus. - fl 21 xr
    wird durch Nachnahme
    erhoben.

    Viele Grüße
    Gerd

    Das einzige was ich entziffern konnte ist das es sich wohl um eine Lieferung an eine Prinzessin Ferdinande handelt.

    Lieber Ulrich,

    dann versuche ich das mal:

    [Adresse]

    Sr. HochWohlgebohrn
    Herrn Gestor(?) Letter
    in
    Kirchberg

    [Text1]
    Rothenburg 17ten Juli 1829.
    Num:36.

    Wohlgebohner Herr!

    Gestern erhielt ich durch den Würtzburger Botten für Ihro
    Hochfürstliche Durchlaucht Ferdinande, Prinzeßin zu Hohenlohe
    Kirchberg, einen lettre, einen Ballen in Wachstuch und 3 Kistchen,
    mit einen Schreiben begleitet, deßen Gehalt lautet, das ich Ihnen
    die Ankunft der Effecten sogleich anzeigen mögte, um für die
    Abhollung derselben Sorge zutragen, und Ihnen meine Auslaege
    von f3, 30 xr zuberechnen! In der angenehmen ErWartung
    zu deßen Beförderung ich mit Vergnügen beitragen Werde, habe
    ich die Ehre mit ausgezeichneter Hochachtung zu Verharren
    Dero bereitWilligster Diener
    Friedrich Daniel Wolff.
    GastWirth Zum Hirsch

    [Text2]
    Zu obigen: 3. fl 30x
    kommt die Fracht von
    Rotenburg hieher
    mit: 1. 40 x
    und bescheint den Empfang
    lezterer 1.f 40 x
    S: 5.fl 10 x
    Krauß

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    das scheinen ja sehr viele gleichartige Fälle dieses Betrügers gewesen zu sein, wenn man dafür sogar eine Drucksache (und diese mit multiple Choice) erstellt hat.

    Da wohl alle Empfänger Sammler waren, könnte es vielleicht noch einige Belege davon geben.

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    wenn ich den Kartentext an den Fabrikbesitzer Louis Rose in Bayreuth so sehe, wundert mich, warum die Karte in Donndorf aufgegeben wurde, wenn die Herrschaften doch im Pegnitztal weilten? Oder haben sie in Donndorf logiert und dort festgestellt, dass sie während ihrer Abwesenheit besucht wurden? Von Donndorf sind es allerdings nur ein paar Kilometer nach Bayreuth:

    Wir haben sehr bedauert durch unseren
    Abstecher nach Rupprechtsstegen Deinen,
    Emils & Mathildens lieben Besuch versäumt
    zu haben & werden am Montag, den 16t ds. vor
    unserer Rückreise nach Coburg Euch dort nochmals
    zu sehen Veranlassung nehmen. Besten Gruß!
    Robert & Marie

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    wieder ein Fall eines ungehorsamen Pflegekindes:

    H Jacob Herdtle
    Stadtrath
    in
    Besigheim

    Ve(r)ehrtester Herr SchulzHerdtle.
    Aus Auftrag meiner Mutter erlaube ich mir Sie
    mit einigen Zeilen zu belästigen.
    Ihr Pflegsohn Gottlob E..(?) von Beßigheim,
    welcher sich während seines Aufenthalts dahier keiner löblichen
    Aufführung bestrebte, hat sich überdieß lezten
    Samstag Nachts heimlich wie ein Schurke von hier
    entfernt. Bei seinem Entweichen blieb er
    meiner Mutter 5f6x Kost und Logis-Geld schuldig.
    Da wir nun nicht wißen ob er nach Stuttgart oder zu
    Ihnen sich begeben hat, so muß ich Sie bitten,
    um keine weiteren Kosten verursachen zu
    müßen, Sie mögen gefälligst obigen
    Betrag mit 5f6x mir in Bälde geffäligst ./.

    übermachen, und diese Summe Ihrem Pflegsohn
    in Aufrechnung bringen.
    Mit aller Hochachtung Ihr
    ergebenster
    Philipp Schöffel

    Pforzheim d 16n Oktober 1837.

    [Andere Schrift]
    Herrn Vetter
    Wan es Ihnen möglich ist so haben
    Sie die Güte und besorgen Sie diese
    Zahlung da diese Leute es sehr
    benöthigt seyn, nebst Gruß an alle
    Ernst Herdtle

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    hier der Text, bei dem es vor allem dem Pfarrer um die Rückführung einer gefallenen jungen Seele von Turgi (heute Stadtteil von Baden/Schweiz) nach Bieringen geht:

    An das
    Hochverehrliche Bezirksamt
    Baden
    Canton Aargau
    Schweiz

    Dienstsache. V. Pfarramt
    Bieringen.


    Hochverehrliches Bezirksamt
    Baden !

    Eine gewisse Caroline Frank von hier
    war von einem H. Schifferli in Turgi
    gleichen Amtes als Kind vor etwa 10 Jahren
    an Kindes Statt angenommen u. bei demselben
    bis heute. Nun aber, weil sie angeblich
    nicht mehr längere Zeit schon folge, ein
    ausschweifendes Leben führe (sie steht jezt
    im 17t Lebensjahre) u.s.w. hat Schifferli
    sie verstoßen, läßt sie nicht mehr in sein
    Haus u. will nichts mehr von ihr wissen.
    Seitdem hält sie sich in Turgi in dem
    älterlichen Hause eines ... von(?) ihr
    auf u. besucht nebenbei die Fabrik. Aber
    Frucht ihres Ungehorsams, ist die Bekanntschaft
    mit einem Schlachtergesellen in Turgi, mit
    dem sie nunmehr, wie es scheint, in ein

    intimeres Verhältnis eingelassen hat. -
    Da besagte Karoline Frank keine Eltern
    mehr hat, sonst kein Verwandter hier,
    auch keine eigene Wohnung, so ist die
    Gemeinde verpflichtet, sie möglichst bald
    von Turgi u. ihrer gefährlichen Bekanntschaft
    wegzubringen, um späteres Unglück
    zu verhüten.
    Hochverehrliche Bezirksstelle wird nun
    ersucht, die Caroline Frank v. Turgi aus
    u. hieher in ihren Heimatsort zu weisen,
    wo dann des Weiteren für sie gesorgt
    werden wird. -
    Sollte sie augenblicklich das nöthige Reisgeld
    nicht beisammen haben, so wolte ihr eine
    bestimmte Frist anberaumt werden, innerhalb
    der sie abreisen muß.
    Etwaigen weiteren Mittheilungen oder
    Anfragen bezügl. der Frank wird unterf.
    Stellen stets entgegenkommend sich verhalten.
    Hochachtungsvollst
    Bieringen Oberamts Horb
    KönigR. Würtemberg d. 17 Aug. 67
    Gem. Amt:
    Pfarrer Zimmermann
    Schultheiß Straub

    N. Etwaige Schreiben wollen an das
    Kath. Pfarramt Bieringen adressiert
    werden u. als Dienstsache.

    [Bleistiftvermerk auf erster Seite links unten]
    Am 23 August die Caroline Frank vor Amt gehabt;
    sie soll mit dem Vater E. Schifferli reden.

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    das dürfte eines der letzten preußischen Schreiben aus Ansbach gewesen sein.
    Wohlweislich wurde ja auch eine Absenderergänzung
    ", als Landeshoheits Collegium"
    geschrieben.

    Hier der Text:

    Denen Wohledelgebohrnen
    Vesten und Hochgelehrten zur Gräfl:
    Castellischen gemeinschaftl: und respec:
    vormundschaftl: Regierungs Canzley ver=
    ordneten Geheimen Rath und Director
    den Rathen.
    Unsern vielgeehrten Herren.
    Castell.

    Hochedelgebohrne Veste und Hoch-
    gelehrte
    vielgeehrte Herren !

    Ein in den sämtl: Königl: Preußisch: Staaten
    publiziertes ausführliches Patent und In=
    struction vom 2.n Apr: 1803. wegen Ab=
    wendung der Vieh Seuche enthält unter
    andern die Bestimmung:
    " daß Niemand aus einem andern
    " Orte Rind Vieh einbringen darf, wenn
    " er nicht darüber ein zuverlässiges
    " Gesundheits-Attest vorzeigen kann.
    " Dies muß den Namen des Käufers
    " und Verkäufers, die Zeit und den
    " Ort des Kaufs, Stückzahl, Geschlecht,
    " Farbe und etwaige Abzeichen
    " nebst der Versicherung enthalten,
    " daß in dem Orte, wo das Vieh
    " bisher gewesen ist, keine Spur
    " einer ansteckenden Krankheit
    " binnen den lezten drey Monaten
    " sich gezeigt hat.
    Wir sind angewiesen, auf die Befolgung

    dieser Vorschrift in dem gegenwärtig
    Zeitpunkt, wo im benachbarten Aus=
    land das Anstau(?) Vieh von den Armeen
    gewöhnlich sehr weit mitfortgeführt
    und angestrenget wurde, und daher
    leicht Seuchen unter dem Vieh ent=
    stehen, mit Strenge zu sehen.
    Damit jedoch die Unbekantschaft der
    Einwohner benachbarter Territorien
    mit dieser Bestimmung zu keinem nach=
    theiligen Zwang für den wechselseitig
    ViehHandel Anlaß gebe,und überhaupt
    der wichtige Zweck vollkommener er=
    reicht werden möge, so verfehlen wir
    nicht, vor Erlassung einer geschärften
    desfallsigen Verordnung Dieselben
    hievon mit der Bitte ergebenst zu be=
    nachrichtigen, nicht nur die jenseitig
    Behörden davon in Kentnis zu setzen,
    sondern solche auch zu gleichen Vorschrifts-
    Maasregeln gefälligst zu veranlassen.
    Wir bemerken hiebei, daß die Ein=
    führung der GesundheitsAtteste auch
    für die innländische ViehKäufe, wenn
    die Absicht erreicht werden soll, nicht

    wohl zu umgehen seyn dürfte, weil
    ohne diese Legitimation an den Gränz
    leicht fremdes Vieh als vorgeblich inn=
    ländisches eingebracht werden könnte.
    Zur Verhüthung dieses möglichen Unter=
    schleifs möchte jedoch ein Attest des
    Orts-Schulzen, daß das Vieh würcklich
    da oder dort im Lande verkauft, und
    kein fremdes sey, wohl hinreichen.
    Wir ersuchen Dieselben ergebenst uns
    Dero Beschluß und Verfügung bald gefäl=
    ligst mittheilen zu wollen, und
    bleiben übrigens zu freundlichen ..<Siegelausschnitt>
    erweisungen stets willig und ..<Siegelausschnitt>
    Ansbach den 13.n Febr: 1806.
    Königl: Preußis: Königs- und Domainen-
    Kammer, als Landeshoheits Collegium
    < Drei Unterschriften>

    Übrigens habe ich zufällig vor ein paar Wochen ein solches Attest aus dem Jahre 1800 für meine Heimatsammlung ersteigert.
    Besonders schön ist das Papiersiegel mit dem preussischen Adler des Kreises Neustadt/Aisch:

    Der Text lautet:
    Vorzeiger dieses, dem Jud Joseph Gabriel
    von Mt. Burgbernheim wird hiemit bescheinigt, daß er ein
    Paar 5. jährige Ochsen von rother Farbe aufgeworfenen Hörnern
    und besonders daran kenntlich, daß sie beide weiße
    breite Blassen haben
    in hiesigem Orte, wo Gottlob keine Viehkrankheit grassirt,
    von dem Gastwirth Johann Veit Deyer dahier
    erkauft hat, und muß dieser Schein, an der Zollstätte des
    Bestimmungs=Orts abgegeben werden.
    Mt. Ipsheim den 15. Decbr 1800.
    Königl. Kammeramt
    Kretschmann

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    ein orthographisch sehr anspruchsvolles länderübergreifendes Schreiben.
    Es ging wohl um eine Ausreißerin, die wieder an die Schweiz ausgeliefert werden sollte:

    An
    HochGErter Hern
    Gemeind Aman
    in
    Reinach in der Schweitz
    Kanton ArGau

    Haagen, d 17. t aberlis (=April ?) 1843

    Das Bürger Meister Amt Haagen
    An tenen H Herrn Löblichen Gemeind
    Aman in Reinach wirt dienst
    Freundschaftlich Benachrichtet, das
    erste Schreiben Richtig Erhalten
    worden ist, da aber vor hin die
    Anna Hediger abGewißen worden ist
    da sie keinen Heimadschein vor weißen
    konte in ihr Heimat-ort, da man wohl
    ein Mistrauen auf sie faßte das sie
    wegen ihrer Straffe entgangen ist
    sie ist 3 Wochen verschoben (=verschollen ?) geblieben
    und melded sich Bey dem Bürger
    Meisteramt Haagen sie wehre zu
    Hauße gewesen aber auf ihr Schreiben
    Hat sie den Herr Gemeindamann
    so wohl als das Bürger Meister
    Amt Haagen Belogen, dieße
    AusSchweifferin wirt durch die
    Schandarmerie aufgesucht und
    der Löblichen Gemeinde Reinach
    eingelifert da dieße sich schon
    Lengst in Haagen nicht mer auf
    Haltet
    Hochachtung Empfohen
    Schelker B.Meister

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    ein interessanter Lagebericht über das Soldatenleben während der Unruhen 1848 in Baden:

    An
    Jungfer Karoline Keller
    in Dienst bei Snr: Wohlgeb:
    Herrn Kaufmann Hermann
    in
    Karlsruhe


    Lörach den 5 ten Septemb Oktober 48

    Liebe Karoline !

    Nachdem ich heute zum erstenmal seit=
    dem wir von Freiburg weg sind
    Zeit und Gelegenheit habe zu schrei=
    ben, will ich es nicht unterlassen
    Die einige Nachricht von mir zu
    geben. Den Brief welchen ich Dir
    von Freiburg aus den 29 ten Septb: ge=
    schrieben habe wirst Du erhalten ha=
    ben, da aber jener Brief für Dich
    nichts beruhigendes hatte im Gegen=
    theil derselbe nur Deine Besorgniß
    vermehren könnte indem ich damals
    einem Tag entgegenging an dessen
    Morgen ich, so wenig als Du wissen
    konnte wie es am Abend desselben
    Tags um mich stehen werde, so beeile
    ich mich Dich durch einen zweiten Brief
    zu benachrichtigen daß jener Tag glück=
    lich für mich vorübergegangen ist, es ist
    ein wichtiger Tag für uns Soldaten
    denn es ist der Tag unserer Feuertaufe und
    wir haben ihn Gott sei Dank herrlich be=
    standen. Seit jenem Treffen in Staufen

    hatten wir harte Strapazen durch zu=
    machen bei Tag Marschieren und bei der
    (Nacht ?) auf die Wache oft unter dem freien
    Himmel ohne irgend ein ander Obdach zu haben
    als einen Baum, und ich bin seitdem vom
    24 ten September bis den 4 ten Oktober nur
    3 Mal ins Bett gekommen, doch wir haben
    alle diese Mühseligkeiten gern getragen
    aus Liebe zum Vaterland, und freuen
    uns daß wir unsern Zweck, Ordnung
    und Ruhe wieder herzustellen so bald
    erreicht haben, wir sind gestern hieher nach Lör=
    rach gekommen und dieß ist heute der
    erste Tag seit wir von Karlsruhe weg
    sind wo wir der Ruhe genießen.
    Ich habe oft und viel an Dich gedacht
    meine Liebe denn ich weiß wie sehr
    Du in Sorge und Kümmerniß lebst
    und hätte Dir diese Zeit her manch=
    mal gern gesagt sei unbekümmert
    um mich es geht mir wohl, wenn
    Du meine Stimme hättest vernehmen
    können. Ich sehne mich nach dem Au=
    genblick wo ich Dich wieder umarmen
    kann und hoffe, diese Sehnsucht wird
    bald erfüllt werden.
    Unterdessen Lebe wohl
    Dieß wünscht
    Dein bis in den Tod getreuer
    Philipp Wenz
    Feldwebel

    Grüße auch Deine guten Freundinnen
    Die mich kennen.

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Ralph,

    der Brief zeigt interesssante politische Aspekte kurz vor der Märzrevolution 1848.
    Leider fehlen Angaben zum Absender, der wohl zeitweise Abgeordneter im Landtag war und dann zurücktrat.

    Hier der Text, soweit ich ihn bei 36 Grad im Zimmer entziffern kann:

    Friedberg 20. Januar 1848.

    Wenn ich das Datum Ihres Briefes, lieber Herr
    von Biegeleben betrachte, so finde ich, Sie müssen
    mich sehr undankbar und sehr läßig finden.
    Allein, ehe ich mich bedankte, wollte ich gern erst
    das Prachtwerk sehen. Da kam der Landtag, zu
    dem mich der Adel wählte, so daß ich erst Weih-
    nachten die Bund(?) hier vorfand. Als ich nach
    Darmstadt zurückkehrte besorgte ich alsbald meine
    Schuld; hoffentlich ist Ihre Auslage in Ihren
    Händen, ich bezahlte sie an Hrn. Bronner
    nebst der Cursdifferenz; sollte noch etwas
    fehlen, so bitte ich es mich wissen zu lassen.
    Sehr dankbar bin ich Ihnen für die freundliche
    Besorgung. Der Pelz ist ganz zu meiner
    Zufriedenheit und vortrefflich; ich begreife
    nicht, wie ich habe 40 Jahr alt werden können
    ohne Bunde. Ich habe sie vervollkommet

    indem ich aus dem Kragen eine Caputze
    machen ließ. So fahre ich dann im offenen
    Wagen gehüllt in mein Pelzhäubchen u
    trotze jedem Wind u Wetter. Hat je eine
    gütige Gefälligkeit Resultate gehabt, so ist das
    gewiß die Ihrige.
    Meine Verhältniße haben sich inzwischen
    auch ganz anders gestaltet. Wenn ich bei
    der kläglichen Art zu Dienen, wie ich sie
    verführte, schon längst mit der Idee um-
    ging meinen Abschied zu nehmen, so konnte
    ich mich doch nicht entschließen, eine bestimmte
    praktische Thätigkeit aufzugeben. Ich zögerte
    deshalb immer. Nun kam der Landtag u.
    die oppositionellen Elemente unsrer jetzigen
    zweiten Kammer ließen es bestimmt
    vorher sehen, daß sie das Prinzip der vori-
    gen umstoßen, u. den Capitel des Wahlge-
    setzes, nach dem Justiz=Beamte nicht

    wählbar sind, auf EGAssessoren anwenden u.
    die Ferhälnisse entschieden mich, mein
    Abschied zu nehmen u. nun deliberirt die
    Kammer, ob sie mich zulassen will, was um
    des willen zweifelhaft ist, weil man sagen
    kann, eine nichtige Wahl kann nicht gültig
    werden. Das Resultat warte ich hier ab,
    gehe dann zum Landtag oder nicht,
    u. ziehe dann sobald thunlich nach Steden
    Somit ist meine ungeheure Car-
    riere beendigt. Dank der freund-
    lichen Teufelssonne(?) meines Polterabends
    sind alle bösen Geister verbannt u. ich ziehe
    beruhigt in die Einsamkeit. Diese Geister-
    bannung u. die Bunde machen mich diese
    Einsamkeit mit Freuden verleben: Sie sehen,
    wie mächtig Sie in mein Schicksal eingegriffen,
    wofür ich wiederholt danke.
    Meine Frau grüßt aufs Freundlichste
    Ich bitte meine Empfehlung Ihrer Frau Ge-
    mahling zu Füßen zu legen ...

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Hermann,

    hier noch die Transkription, in der auch von der fehlenden Frankatur die Rede ist:

    Herrn Th. Beck Michel
    Schuhm. Schönenwerd Solothurn
    Schweiz.

    Absender
    Jammer Urb. K. K. Lir. N. 4
    10 Komp. Feldpost 53.

    10./6 16.

    Hern Th. Beck !
    Ihre Karte mit Freuden erhalten und den besten Dank!
    Leider ist diese Karte unfrankiert, große Lust zum Schreiben
    habe ich lezterer Zeit überhaupt nicht mehr. Wen ich die Karten
    frankieren kann dan werde ich öfters schreiben.
    Bei Uns ist immer noch Krieg und nur noch Krieg !
    Meine Schwester hat Ihnen eine Ansichtskarte geschickt, hat sie
    es aber leider zurückerhalten indem meine Heimat auch zum
    Kriegsgebiet gehört.
    Indessen seid Ihr Alle herzlich gegrüßt
    vom Jammer Urban.

    Viele Grüße
    Gerd

    Lieber Ralph,

    die Karte ging an den
    Herrn Direktionsassessor F. Ibbach
    Würzburg
    Kgl. Maschinenwerkst<Loch>

    8/6 Buea, Kamerun
    Lb. H. Ibbach
    Wo Sie mich wähnten bin ich seit Ende April - hier
    beim Gouvernement. Im Amt habe meine be-
    wußte Arbeit gl(u)ecklich zum Abschluße gebracht.
    Genaueres schreibe Ihnen wenn mehr zur Ruhe - es
    gibt viel Arbeit, aber mir gefällt es sehr. Ihrer
    Fr. Gemahlin bitte mich unbek. z. empfehlen.
    Von Ihnen zu hören wird mich immer freuen.
    Herzl. Grüße Ihr ergb ...

    Viele Grüße
    Gerd