Niederlande-Bayern Vorphila

  • Hallo bayern klassisch


    Ja, 1815 ist absolut glaubhaft :)


    Wenn es um die Taxierung geht kann vielleicht liball was sagen.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo,


    meiner Meinung nach wurde der Brief auf jeden Fall vor dem 1.12.1815 abgesandt. An diesem Tag trat ein Postvertrag zwischen den Niederlanden und Thurn u. Taxis in Kraft. Hierin steht, dass alle Grenzpostämter einen Stempel "Franco frontieres" und "Franco-Tout" erhalten. Dieser Brief erhielt jedoch keinen derartigen Stempel.
    Es gibt einen weiteren Vertrag mit Taxis vom 23.2.1814. Danach kostete ein einfacher Brief nach Bayern bis Frankfurt 7 Sols. 12 Sols kostete ein Brief bis zu einer Unze. So schwer war der Brief jedoch wahrscheinlich nicht.
    Davor galt die französische Taxe. 12 Stüber wäre das Franko bis Frankfurt für einen Brief ab 10g.
    Hieran wird deutlich, dass für undatierte Briefe, gerade in dieser schwierigen Zeit, meist keine verlässlichen Aussagen getroffen werden können.


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    vielen Dank für deine Informationen - ich denke, dass 12 Stuiver für einen Brief über 10g bis FFM die Lösung sind, denn das Kuvert ist nicht klein und halbleer war es wohl auch nicht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    nun also ein weiterer Beleg ins linksrheinische Bayern, hier von Utrecht nach Speyer. Es ersucht der in Utrecht weilende Theologiestudent Friedrich Becker um Zulassung zum philologischen Examen in Speyer und danach um Anstellung in einer der pfälzischen Lateinschulen. All das fiel nun in den Zuständigkeitsbereich des Adressaten, dem Königlich Bayerischen Hofrath, Kreisscholarch und Rector des Speyerer Lyceums Dr. Georg von Jäger.


    Bis 1817 hatte der am 08.03.1778 in Düsseldorf geborene Lehrer Jäger das Gymnasium in Kempten geleitet und wurde im gleichen Jahr vom Regierungspräsidenten des bayerischen Rheinkreises Joseph von Stichaner nach Speyer gerufen, um dort als Rektor des dortigen Gymnasiums eingestellt zu werden. Er wurde dann auch Inspektor für das Schulwesen im Bezirk Speyer und reformierte ab 1824 die gesamte bayerische Schulordnung.


    1830 wurde er zum Königlichen Hofrath ernannt und erhielt am 11.11.1842 das Speyerer Ehrenbürgerrecht wegen seiner Verdienste gegen Kinderarbeit, für eine absolute Schulpflicht und einen ordentlichen Schulabschluss. 1842 ernannte ihn die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor. Er erhielt ferner das Ritterkreuz 1. Klasse des bayerischen St.-Michelis-Ordens, 1850 folgte der Verdienstorden der Bayerischen Krone. Von Jäger stand bis nur wenige Tage vor seinem Tod am 20.11.1863 im Dienst der bayerischen Schulen.


    An eine Interpretation der Taxierung wage ich mich mal besser nicht dran, das Franco toùt in dem vorderseitig angebrachten Kastenstempel wird heißen, dass es ein voll bis zum Empfänger freigemachter Brief war. Ich kann mir nur vorstellen, dass vorne in Rötel eine Transitgebühr für Preussen notiert wurde. Auf den "Rest" bin ich - da bitte ich um das geschätzte Verständnis - durchaus "ein wenig" gespannt.


    + Gruß


    vom Pälzer


    verwendete Quellen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_J%C3%A4ger
    http://www.speyer.de/sv_speyer…Georg%20von%20J%C3%A4ger/

  • Hallo Pälzer,


    ein ganz toller Brief, aber für mich nicht so einfach zu klären.


    Hinten lese ich 65 NL - Cents und 5 1/4 Silbergroschen. 65 NL - Cents entsprachen, so glaube ich mich erinnern zu können, damals ca. 11 1/2 Silbergroschen. Das Weiterfranko vorne von Preußen ausgeworfen kann ich nicht sicher lesen und daran scheitert die weitere Interpretation.


    Bayern müsste zwischen 4x und 6x für ihn erhalten haben (entsprechend 1 1/4 Sgr. bzw. 1 3/4 Sgr.).


    Der Postlauf ist klar: Via Emmerich (dort die rote Weiterfrankotaxe), Köln, Koblenz, Kreuznach - Speyer.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    vielen Dank erst einmal für die Mühewaltung. Wenn Bayern auch etwas von dem Franco toùt zu erhalten hatte, könnte es sein, dass Preussen in Rötel 6x zur Verrechnung mit Bayern angebracht hat ? Sieht mir jedenfalls mal so nach "6x" aus.


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    das wäre denkbar unwahrscheinlich, aber ganz ausschließen kann man es auch nicht. Sie hätten aber sicher nicht in roter Tinte in Kreuzern notiert, sondern in Silbergroschen, weil sie Bayern auch Silbergroschen gutschrieben.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ein nettes Auktionshaus bescherte mit diese Rosine, die ich euch nicht vorenthalten möchte.


    Haarlem 19.8.1837 über Preussen und Taxis nach Ellingen und dann weiter nach München. Es war ein reiner Portobrief, der Absender zahlte hier gar nichts.


    Die Niederlande taxierten ihn mit 25 Cents, die ca. 4 1/2 Silbergroschen entsprachen (100 Cents entsprachen 17 Sgr. und 3 Pfennigen), welche in roter, preussischer Tinte unten links im Zähler stehen, dazu 5 Silbergroschen für Preussens Transit, so dass wir hier auf total 9 1/2 Silbergroschen fremde Porti kommen. Diese wurden in Würzburg mit 34 Kreuzer korrekt in Auslage genommen.


    Nun aber kommt der Clou: Der Empfänger war kein geringerer als der Feldmarschall und Fürst von Wrede, der in Bayern portofrei gestellt war. Zuerst setzte man in Würzburg bis Ellingen 10 Kreuzer an, so dass der Empfänger hätte 44 Kreuzer zahlen müssen. Da er aber in Ellingen im heimischen Schloß nicht mehr weilte, sondern zu Regierungsgeschäften in München war, sandte man den Brief weiter, womit weitere 15 Kreuzer hinzu kamen (jetzt: 34 Kreuzer fremdes Porto + 25 Kreuzer Inlandsporti, in summa also 59 Kreuzer).


    Doch auch diese wurden in München abgestrichen und die bayerische Post hatte zwei Mal gratis gearbeitet und musste noch, ohne etwas dafür bekommen zu haben, an Preussen und damit später auch an die Niederlande total 34 Kreuzer bezahlen. War es nicht schön, unbedingt portofrei gewesen zu sein?

  • Liebe Freunde,


    ein nettes Briefchen ging mir ins Netz, das ich euch nicht vorenthalten möchte.


    Aus S´Gravehage, deutsch: Den Haag, wurde am 23.2.1842 ein 1 Loth schwerer Brief an seine Erlaucht, den regierenden Grafen von Castel in Kastell am Steigerwald in Baiern unfrankiert aufgegeben.


    Die Aufgabepost taxierte ihn mit 25 niederländischen Cents, die rechts notiert wurden. Diese nahm Preussen mit 4 1/2 Silbergroschen in Auslage und addierte zuerst 5 weitere Silbergroschen für sich dazu, stellte dann aber fest, dass der Brief im 2. Gewicht lag und rechnete daher 1,5fach 5 Silbergroschen = 7 1/2 Silbergroschen für sich, womit der Brief mit 12 Silbergroschen belastet in Bayern (Würzburg) ankam.


    Würzburg rechnete diese in 43 Kreuzer um (nach meiner Rechnung 42 Kreuzer, aber ich will nicht streiten) und addierte sein Porto von Aschaffenburg, der Postgrenze Bayerns, bis Kastel von 9 Kreuzern. Die mittig notierte 34 Kreuzer waren voll daneben.


    Was mich immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass selbst bei Briefen wie hier, die gewisse Taxierungs- und Interpretationskünste verlangen, nicht das Gesamtporto für den Empfänger notiert wurde. Inklusive der 43 Kreuzer kamen so nämlich 52 Kreuzer zusammen - nur stehen die nirgendwo. Das war ja eben nicht gerade wenig und ob jeder bei der Post bzw. jeder Empfänger hier gleich die richtigen Intentionen gehabt hatte, weiß ich nicht.

  • Liebe Freunde,


    ein Portobrief aus Rotterdam vom 13.11.1839 an die Firma Carl Barth in Reuth bei Weiden in der Oberpfalz zeigt den niederländischen Inlandsanteil von 25 Cents, die 4 1/2 Silbergroschen entsprachen. Mit dem Transit von Preussen i. H. v. 5 Sgr. ergaben sich an der bayer. Grenze von Aschaffenburg 9 1/2 Sgr. Fremdporto, die korrekt mit 34 Kreuzern in dem Nürnberger Auslagestempel vermerkt wurden. Mit dem bayer. Inlandsporto bis Weiden von 10 Kreuzern ergab sich ein Totalporto von 44 Kreuzern, die oben links notiert wurden.

    Mittig oben lese ich etwas, das "Nach Abgang" bedeuten könnte, bin mir aber nicht sicher. Weiß jemand mehr über diesen scheinbaren Verzögerungsstempel? Hinten ist er blank ...

  • Mittig oben lese ich etwas, das "Nach Abgang" bedeuten könnte, bin mir aber nicht sicher. Weiß jemand mehr über diesen scheinbaren Verzögerungsstempel?

    Hallo Ralph

    Es ist der Na Posttijd Stempel ja, was ja Nach Abgang Stempel entspricht.

    Scheint nicht besonders selten zu sein, aber ist ja immer etwas extra :)

    viele Grüsse

    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.