Schleswig-Holstein - DÖPV

  • Moin,


    ich kenne (und hatte auch) Dienstbriefe aus Dänemark, die als portofrei im DÖPV angegeben wurden und die nur das jeweilie Transitporto aufgeschrieben bekommen hatten.


    Gerade bei Mehrländer - Dienstbriefen gab es oft bis fast immer keine griffigen Vorgaben, wie was zu taxieren war, wenn überhaupt etwas zu taxieren gewesen sein sollte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Zum nachfolgend gezeigten Brief hat sich im Nachbarforum niemand aus der Deckung gewagt, vielleicht klappt es hier.

    Der 1 Loth schwere Brief wurde in Kleinwelka als einfach schwer behandelt und mit 1 (Ngr.) Weiterfranco gekennzeichnet.

    Tatsächlich war die Progression 1 Loth exclusive, der Brief also doppelt schwer und als solcher als unfrankierter Brief mit der Portotaxe von 2 2/3 Ngr. pro Loth für den Postvereinsanteil zu belasten, wobei die Frankatur anzurechnen war.

    Daraus folgte die von der preußischen Post vermerkte Portobelastung mit 2 1/3 (Sgr.).

    Da Portobriefe nach Sachsen insgesamt 4 Ngr. pro Loth kosteten, müßte die Differenz von 1 1/3 Ngr. der Anteil für Schleswig sein. Somit hätte der Empfänger insgesamt 5 Ngr. (Sgr.) resp. dessen Gegenwert in Landeswährung zahlen müssen.

    Eine solche Belastung fehlt aber auf dem Beleg. Stattdessen findet sich in Blaustift neben der Zahl 2 3/4 ein für mich nicht identifizierbarer Zusatz.

    Hat jemand eine Erklärung dafür und für die Behandlung der Portoforderung am Bestimmungsort?

    PS: Die Siegelseite enthält nur den Eingangsstempel des Bestimmungsortes.

    Einmal editiert, zuletzt von Altsax () aus folgendem Grund: Tippfehlerbeseitugung

  • Anfang 1867 war die Situation meines Wissens folgende:

    Schleswig und Holstein waren preußische Provinzen geworden, gehörten aber noch nicht dem Postverein an.

    Zur Anwendung kam weiterhin die Regelung vom August 1865 mit der sogenannten Provisorischen Posttaxe.

    Nach dieser galt:

    - Für die Taxberechnung zwischen den Herzögtümern (jetzt preußisch) und Postvereinsstaaten galt das Loth inclusive.

    - Ungenügend frankierte Briefe wurden als unfrankierte behandelt, wobei der frankierte Anteil berücksichtigt wurde.

    - Ein unfrankierter Brief kostete 4 Sgr.

    - Der Postverwaltung des Aufgabegebietes standen 2 2/3 Sgr. zu, 1 1/3 Sgr. gingen an Preußen.

    - Bruchteile <1/2 Sgr. wurden auf 1/2 Sgr. gerundet.

    - Diese gerundeten 1 1/2 Sgr. entsprachen 2 Schillingen. Dieser Betrag wurde mit 2 ./3 noch notiert (oder doch auf 2 1/3 aufgerundet?).


    Bin mir nicht sicher, ob die Blaustift-Notiz postalischen Ursprungs ist. Könnte auch ein Datum sein.


    So weit meine Interpretation, die nun nicht mein Kerngebiet betrifft.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

    2 Mal editiert, zuletzt von Michael ()

  • In der sächsischen Briefportotaxe von 1866 findet sich die folgende Regelung.

    Der wesentliche Unterschied liegt im exclus.

    Da das Weiterfranco von 1 (Ngr.) gestrichen worden ist, haben wohl auch die Preußen so gerechnet.

  • Hallo Altsax,


    nur passt die Taxierung dann nicht, oder?

    Hier die anderslautende Quelle:

    rätselhaft ...


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo Michael,


    der Schlüssel zum Rätsel ist die Gewichtsangabe. Die von Dir gezeigte Verordnung rechnet das Loth als 15 Gramm, während im Postverein mit 16 2/3 Gramm (500/30) gerechnet wird.

    Auf Basis des Vereinsgewichts als exclus. paßt folglich das incl. beim niedrigeren schleswigschen Gewicht.


    Beste Grüße

    Altsax

  • Hallo Altsax,


    in der entsprechenden preußischen Verordnung wird auch exclusiv gerechnet. Dann passt es so.

    Die Briefbehandlung ist aber trotzdem sehr ungewöhnlich, um nicht zu sagen unvollständig bzw. fehlerhaft, und bei einer Kontrolle hätte es die eine oder andere Rüge gegeben.

    Bei korrekter Behandlung wären 5 Sgr. bzw. 6 2/3 Sch. nachzufordern gewesen. Nachgefordert hat man aber nur den Anteil für die eigene preußische Kasse. Eine Korrektur der Briefkarte gegenüber Sachsen hat man sich anscheinend geschenkt.


    Jedenfalls ein ungewöhnliches Stück!


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo Michael,


    daß in der Summe 5 Sgr. resp. das Äquivalent in Landeswährung hätte dem Empfänger belastet werden müssen, ist klar. Addiert man zu den eindeutig "preußischen" 2 1/3 Sgr. den Blaustiftbetrag von 2 3/4 als Silbergroschen, käme das ja etwa hin.

    Könnte es denn irgend einen Grund geben, die fehlenden 2 2/3 (Sgr.) in 2 3/4 darzustellen?


    Beste Grüße


    Altsax

  • Hallo Altsax,


    von 2 2/3 Sgr. wüsste ich keinen Weg zu 2 3/4.

    Auch von 2 1/3 Sgr. sehe ich keine Möglichkeit.

    Höchstens von 2 Sgr. - wenn man die mittige (preußische) Taxe als 2 ./3 liest - ergeben sich 2 2/3 Schillinge, die dann auf 2 3/4 aufgerundet wurden. Ob dies eine schlüssige Möglichkeit ist, sollten S-H-Kenner beurteilen.

    Das letzte Zeichen der Blaustift-Notiz könnte vlt. eine Schilling-Zeichen sein?


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    hier ein Brief von 1862/3 (Eingrenzung über die rs. Stempel) aus Düsseldorf ins holsteinische Kiel.
    Mit 3 Sgr. wurde nur der preußische Anteil frankiert, aber ein selbstbewußtes franco! darüber notiert.
    Dies wurde noch von preußischer Hand (in Hamburg?) korrigiert, meiner Meinung nach könnte das blaue Kürzel für f(ranco) Gr(en)z(e) stehen.
    Das preußische Postamt in Hamburg übergab den Brief an das dortige dänische Postamt, das seinerseits den Brief nach Altona Bahnhof weiterleitete, von wo aus er dann ohne weitere Vermerke nach Kiel lief.
    Die fehlenden 2 Sgr. wurde als Portoforderung in Höhe von 9 Sk. notiert.



    Hatte jemand eine Idee, woher der FRANCO-Stempel rechts unten stammt?


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • lieber Michael,

    meiner Meinung nach sollte daqs Kürzel Franco Grenze heißen. Mich wundert aber der franco-Stempel, da der Brief ja nicht komplett franco war. Leider weiß ich auch nicht, wo er aufgestzt wurde.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Michael,


    ein wunderbarer Brief - m. E. kam der Stempel im k. dänischen Oberpostamt auf die Briefe.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Liebe Freunde,


    danke.
    Nach dem Ausschlußverfahren kann der FRANCO-Stempel eigentlich nur vom dänischen Oberpostamt stammen, da stimme ich Ralph zu. Ob man sich was dabei gedacht hat? (Das ist jetzt mehr eine rhetorische Frage)


    Zu dem Adressaten Dr. Esmarch in Kiel: Es könnte sich um den später sehr bekannten Chirurgen und Militärarzt Friedrich von Esmarch handeln.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    danke! :)


    Ich denke, man wollte damit weniger ausdrücken, dass ein Brief voll durchfrankiert worden war, sondern dass man ihn in HH "franco" angeliefert bekommen hatte, sich also um fremde Ergänzungsporti nicht mehr zu kümmern hatte und ihn nur noch intern abzurechnen brauchte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo Sammlerfreunde,

    ich bin auch schon auf der Suche nach dem Verwendungsort dieses Stempels. Hier nochmal der dazu gehörige Brief aus dem Thema Bayern - Dänemark vom 12.4.1855/56.

    Vielleicht hilft das irgendwie weiter?

    Gruß

    bayernjäger


  • Hallo,

    der FRANCO-Stempel stammt nicht vom dänischen OPA. So ein Stempel wurde dort nicht geführt und wäre dann auch auf vielen anderen Briefen, die das Postamt berührten.
    Der Stempel kommt vom preußischen OPA in Hamburg (und die preußische Gebühr war auch frankiert).

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,

    Der Stempel kommt vom preußischen OPA in Hamburg (und die preußische Gebühr war auch frankiert).

    Gut, dann war es das preußische Postamt.
    Aber wir sind uns einig, dass dies eigentlich keine reguläre Verwendung auf diesem Brief darstellt?


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Moin,
    nach Durchsicht meines Archivs habe ich einige Briefe mit dem Kastenstempel FRANCO gefunden. Fast alle sind auf Briefen aus oder nach Preußen (aber auch Sachsen) und es gibt ihn in schwarz, blau und rot.
    Daher gehe ich davon aus, dass dieser Stempel auch preußisch ist, und da das Postamt in Hamburg nicht zwei verschiedene Franko-Stempel geführt haben wird, tippe ich auf Bahnpost.
    Es war ein Brief dabei, der erkennbar nur teilfrankiert bis Hamburg war und trotzdem FRANCO gestempelt wurde. Vielleicht ist es also doch eine reguläre Verwendung, um anzuzeigen, dass Preußen keine Gebühren mehr zu erhalten hatte.
    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,

    Es war ein Brief dabei, der erkennbar nur teilfrankiert bis Hamburg war und trotzdem FRANCO gestempelt wurde. Vielleicht ist es also doch eine reguläre Verwendung, um anzuzeigen, dass Preußen keine Gebühren mehr zu erhalten hatte.

    Eine solche Vorgehensweise scheint nicht ganz abwegig zu sein. Vom Text her drückt FRANCO nicht das selbe aus wie z.B. ein P.D. Allerdings verschwimmt bei einer solchen Handhabung die Unterscheidung zwischen Voll-Franko (alles bis zum Zielort bezahlt) und Teil-Franko (in diesem Fall bis Hamburg bezahlt). Eine Erleichterung für die dänischen Postbeamten ergibt sich da nur sehr bedingt - eine Kontrolle des dänischen Portos verbleibt. Zumal ich den handschriftlichen Zusatz franco Grenze auch als preußischen Ursprungs ansehe.

    Eine vergleichbare Vorgehensweise ist mir von anderen preußischen Grenzpostämtern bislang nicht bekannt.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte