Württemberg - Bayern Markenzeit

  • Morsche Pälzer,


    im Einzeltransit gelaufen, also von Postlerhand zu Postlerhand - sehr schon und dokumentierend, dass es von dort nicht viel Post in die Pfalz gab ...


    So einen Brief darf man immer kaufen. :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo liebe Freunde,

    ja die Optik und die auf zwei Kurse hinweisenden Bahnpoststempel sind schon recht charmant, von Württtemberg etwas aus dieser Zeit passendes zu finden ist auch nicht gerade einfach. Insofern freut es micht besonders, dass das Belegstück auch bei Euch so gut ankommt. Bemühungen für Weiteres werden fortgesetzt. :thumbup:

    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Guten Abend zusammen,-


    die weiter oben versprochenen Bemühungen wurden unternommen. Dass es einen "schwarzen Einser" gibt, wissen die meisten, dass es aber auch einen in brauner Farbe gibt, hab`ich heute zugegebenermaßen erst dazugelernt. Hier handelt es sich um die Württemberg Mi-Nr. 11a, welche erfreulicherweise top-tadellos geschnitten daherkommt. Auch der Inhalt der federleichten Drucksache der Pfullinger Papierfabrik Laiblin ist bemerkenswert..


    Ein Rätsel ist mir der Adressat: Die Aufschrift Bins....gers / Söhne sieht nach unterbrochen aus, aber man kann an der Fehlstelle rein gar nichts an Spuren einer ehem. Aufschrift und/oder deren teilweise Entfernung erkennen. Möglicherweise war noch ein Papierstreifband zum Zusammenhalt um die DS gewickelt, aber macht das überhaupt einen Sinn ? -.


    Der rückseitig angebrachte Besitzerstempel Gaston Nehrlich / Gotha stammt von dem Inhaber der in Gotha ansässigen Stollbergschen Buchdruckerei / Gotha. Der als Buchdrucker ausgebildete Gaston Nehrlich (1876-1929) hatte das Unternehmen im Jahre 1914 übernommen. Das Hauptgeschäft der Firma war neben der Herausgabe des "Gothaischen Tageblattes" ein ausgedehnter Handel mit Drucksachen. Vielleicht hat ihn das dazu veranlasst, solche philatelistischer Art zu sammeln ?-


    Viele Grüße-


    vom Pälzer

  • Liebe Freunde,


    einen Brief aus Ulm vom 5.12.1851 nach Kaiserslautern in der Pfalz zeige ich heute. Es ist ja bekannt, dass zahlreiche Ulmer ihre Briefe im nur über die Donau gelegenen, bayerischen Neu-Ulm aufgaben, weil sie damit, wenn der Empfänger in Bayern residierte, günstige Inlandsbriefe generierten, während bei einer Postaufgabe im heimischen Württemberg immer DÖPV - Briefe geschaffen wurden, denen andere Gewichts- und Gebührengrenzen aufzuerlegen waren und die in der Regel das Franko oder Porto erhöhten, teils sogar sehr beachtlich.


    Ob man in Ulm, seit 1.9.1851 war Württemberg ja erst im Postverein, immer so genau wusste, welche Landesteile nach welchem innerbayerischen Tarif welches Franko oder Porto nach sich zogen, weiß ich nicht. Die besser informierten Kreise wussten sicherlich, dass man mit 200 Meter Überquerung der Donaubrück auch dann Geld sparen konnte, wenn der Absender in der bayerischen Pfalz wohnte und nicht nur im rechtsrheinischen Stammland selbst. Der Absender hier gab aber seinen Brief in Ulm auf und zahlte so 9 Kreuzer für einen unter 1 Loth gewichtigen Brief über 20 Meilen in den Postverein. Von diesen 9 Kreuzern waren wegen des notwendigen Transits durch Baden intern 1 Kreuzer an die badische Post zu vergüten, so dass der württembergischen Staatspost nur 8 Kreuzer netto verblieben.


    Bei einer Postaufgabe im nahen Neu-Ulm wäre es ein bayerischer Inlandsbrief gewesen, der bis zu einem Loth inklusive (!) wiegen durfte und dennoch nur 6 Kreuzer gekostet hätte. In diesem Fall wären Bayern aber nur 4 Kreuzer netto verblieben, weil man an Württemberg und Baden jeweils ca. 1 Kreuzer inneren Vereinstransit hätte bonifizieren müssen. Eine ganz andere Kostensturktur also wäre die Folge gewesen.


    Die Leitung erfolgte über Stuttgart - Heilbronn - Heidelberg - Mannheim - Ludwigshafen nach Kaiserslautern, wo er am 7.12. ankam.


    Es wäre interessant zu sehen, ob bei der recht umfangreichen Orth - Korrespondenz in Kaiserslautern württembergische Briefe dabei waren, die in Neu-Ulm aufgegeben wurden und 3 Kreuzer weniger Franko bzw. Porto aufweisen mussten.

  • Guten Morgen bk,
    .

    by the way: Der vorliegend noch einschlägige DÖP-Vertrag vom 5. Juli 1850 regelte im Artikel 13a das - im vorliegenden Fall Baden begünstigende - Transitporto von 1/3 Silberpf. pr. Meile bis zu einem Maximo von 7 Pf. Das muss doch dann immer noch eine recht aufwändige entfernungs- und manchmal auch währungsbedingte Rumrechnerei gewesen sein. Was ist bspw. 1/3 Silberpf. in Kreuzern ? In Artikel 9 Satz 3 war nun für Abrechnungszwecke der Vereinsmitglieder mit unterschiedlichern Währungen geregelt: "Die Festsetzung des Reductionsverhältnisses bleibt besonderer Verständigung vorbehalten". Gibt es dazu evtl. gesicherte Quellen ?

    .

    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    gute Fragen ... ;)


    1/3 Silberpfennig entsprach der preussischen Wertangabe. 1 Silbergroschen war ja in 12 Silberpfennige zu teilen, so dass 1/3 Silberpfennig = 1/36 Silbergroschen war.


    1 Silbergroschen entsprach 3,5 Kreuzer paritätisch, so dass eine Meile zu 1/3 Silberpfennig praktisch 0,1 Kreuzer im stillen Vereinstransit kostete.


    In den Postverträgen mit Baden und Württemberg (auch denen mit TT, Preussen, Sachsen und Österreich) wurden die festgesetzten Routen benannt und die ermittelten Meilen angegeben. Allerdings erfolgten diese Angaben zur Briefpost bei den Paragraphen in den Verträgen unter dem Kapitel der Fahrpost. Aber das nur am Rande. Auch durfte die tatsächliche Route(auf Grund neuer Bahnlinien, neuer Straßen oder anderer Gründe) von den Leitungen, die 1850 bzw. 1851 einst festgesetzt worden waren, abweichen, ohne dass sich das auf die Transitkosten auswirkte. Sprich: 1851 festgesetzt eine Route mit 20 Meilen, 1853 aber die Leitung über eine Strecke von nur noch 15 Meilen, dann blieb die Höhe der Vergütung immer noch auf dem Level der 20 Meilen und wurde nicht reduziert auf das Level von nur 15 Meilen. Das tat man aus politischen Gründen, die aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde.


    Das Verfahren war sehr umständlich, denn die Briefe mussten individuell gewogen werden und aus dem Wiegeergebnis, dem Leitweg und der Herkunft der Briefe dann die Forderung für die weiteren Postverwaltungen gestellt bzw. befriedigt werden.


    Erst im Jahre 1854/55 änderte man dies, als man zuvor statistische Erhebungen angestellt hatte, wer wem wann wieviel Geld üblicherweise zu überweisen bzw. von wem zu bekommen hatte. Dann gab es Pauschalen aufs Quartal gerechnet zwischen Baden, Württemberg und Bayern. Nachlesen kann man das nur im Englram, der dies aus den Akten des OPA Speyer gekramt hatte - in der Primärliteratur ist über diese Pauschalierungen nichts zu finden, weil diese wohl nur von den OPÄ erfasst und dann nach München geschickt wurden, und die ja nicht den allgemeinen Postbetrieb zu kümmern hatten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,
    ,

    vielen Dank, halten wir mal die 0,1 Kr pro Meile fest.

    .

    Allein schon zur Art und Weise der Entfernungsberechnung der Transitstrecke kann man dann noch weitere Fragen stellen. Ich bin bspw. bisher immer davon ausgegangen, dass die Entfernungen für die Briefpost in Luftlinie gemessen wurden. Trägt man nur den badischen Teil der Luftlinie Ulm - Kaiserslautern ab, das wäre in etwa die Strecke etwas weiter östlich von Bretten bis zum Rhein bei Dettenheim (vis a vis von Hördt), dann wären dies ca. 33 km = 4,44 Meilen. So würden sich dann rd. 0,5 Kr Transitgebühr errechnen.

    .

    Nimmt man nur die Luftlinie für den innerbadischen Transit, also etwa von der damaligen Grenze zwischen Württemberg und Baden nahe bei Neckarzimmern bis Mannheim, dann sind dies ca. 55 km = 7,4 Meilen, dann wären es rd. 0,75 Kr. Nimmt man für den letzten Fall alternativ den badischen Bahnstrecken-Transportweg Neckarzimmern - Mannheim, dann wären dies ca. 75 km = 10 Meilen = 1 Kr. Natürlich habe ich keine Ahnung, wie das in Wirklichkeit gerechnet wurde, aber da deutet sich eine kleine Wissenschaft für sich ab.

    .

    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    das ist richtig mit der Wissenschaft in sich - wenn sich meine Kätzin von mir bewegt hat und die Bundesliga vorbei ist, schaue ich mal in den PV Bayern - Württemberg vom 1.9.1851 und sage dir, wie Briefe gerechnet wurden.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ... so, die Chefin liegt auf ihrem Bettchen, jetzt ist wieder etwas Zeit für Postgeschichte. :)


    Zum 1.9.1851 galt der unter der lfd. Nr. 13.191 im 46. Verordnungs- und Anzeige - Blatt Bayerns wiedergegebene Vollzug des Postvertrages. Dort lesen wir auf den Seiten 298 + 299 im § 7, dass Württemberg beim Transport von Sendungen durch ganz Württemberg 14 Meilen zugesprochen wurden, somit also ca. 1,4 Kreuzer pro Brief bis 1 Loth intern vergütet bekam. Statistisch gesehen wog ein Brief damals zwischen 1/2 und 3/4 Loth, so dass hier ca. 1 Kr. pro Württemberg später verrechnet worden sein dürfte.


    P.S. Für Transite Pfalz - Württemberg bekam Baden 6 Meilen je Brief angerechnet, also für Einlöthige Briefe etwa 0,6 Kreuzer. Addiert man beide Werte, bekam Bayern tatsächlich 2 Kreuzer weniger für seine inländische Korrespondenz, als die 6 Kreuzer, die auf der Marke standen.

  • Guten Abend bk,

    .

    das ist zwar eine ziemlich einfach gestrickte, aber die wichtigste Tabelle, die ich seit langem gesehen habe ! Das stärkt ungemein das Verständnis für das "Reifen" des DÖP-Vertrags, das ist Postgeschichte pur. Die offen transitierenden Sendungen gewinnen damit umso mehr an Interesse. Im geschlossenen Transit erfolgte die Berechnung der Transitgebühr durch Wiegen des ganzen Briefpaketes. Fragt sich der Pälzer jetzt nur schon wieder dabbisch daherkommend, was entscheidungserheblich dafür war, dass ein Brief ins Briefpaket und nicht in die offene Beförderungsschiene gegangen ist.

    ..

    Viele Grüße


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    Einzeltransite waren die Ausnahme - sie kamen praktisch nur für kürzere Entfernungen zum tragen, also i. d. R. 3 - 6 Meilen. Dann wurde von Post A auf Post B und von Post B auf Post C kartiert, immer zu sehen an den siegelseitigen Stempeln, die jeden Einzeltransit verraten.


    Alles andere lief in Briefbeuteln, ob von Wien über Bayern, Württemberg, Baden und die Pfalz ins preussische Saarland, oder von Luxemburg via Preussen, Pfalz, Baden, Württemberg und Bayern nach Liechtenstein. :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    das einzige Objekt der Begierde beim heutigen Tauschtag in Darmstadt liegt hier vor euch: Eine schöne Postkarte aus Stuttgart vom 23.4.1874 an Herrn Georg Benda in Fürth bei Nürnberg, der folgender Text aufgeschrieben wurde:



    Stuttgart April 23 / 1874


    Ich bitte Briefe etc für Herrn Henry Benda bis auf Weiteres nach Genf Adresse Charles Köhler zu senden. Freundlichst grüßend Heinrich Benda


    Demzufolge könnte es Briefe aus Bayern mit 3 Kreuzern frankiert nach Stuttgart geben, die dann kostenpflichtig in die Schweiz weiter geleitet wurden (mit 40 Rappen Nachtaxe, oder, das wäre der Hammer, auf 7 Kreuzer auffrankiert dort mit einer Württembergmarke). Wer dergleichen hat, darf sich gerne bei mir melden.

  • Liebe Freunde,


    im Rahmen der Exploration der Besonderheiten zwischen Ulm und Neu-Ulm konnte ich den hier schnappen, der am 1.9.1857 in Ulm geschrieben und zur Post gebracht wurde mit 3 Kreuzer Franko, da der Zielort, Schloß Reisenburg bei Günzburg, nur 25 km (gut 3 Meilen) entfernt lag und eine Aufgabe in Neu-Ulm keine Ersparnis nach sich gezogen hätte.

    Absender war die Firma Gebrüde Leube, Ulm, die eine Zementfabrik betrieben.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Ernst_Leube