Briefe von Briefsammlungen

  • Liebe Sammlerfreunde,


    in Abschnitt 173 hat Dietmar zu Trostberg interessantes vermerkt und zwei Briefe gezeigt:
    Hierzu ein sehr früher Brief aus Trostberg vom 28. Juni 1793 mit "frei" Vermerk, nach Tittmoning im Fürstentum Salzburg. Der Brief wurde sicherlich nach Stein an der Traun gebracht. Dort befand sich eine Kaiserliche Reichspoststation (Thurn und Taxis). Stein war die letzte Kaiserliche Reichspoststation zur Grenze zum Fürstentum Salzburg auf dem Postkurs "München-Salzburg". Interessant ist der beiliegende Zettel des Briefabsenders "Joseph Peter Silveri" aus Trostberg. Vielleicht kann ihn jemand ausdeutschen.



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    dieser Beilegezettel ist ganz sicher nach dem Geschmack von Filigrana und verrät viel über den Wandel im Geschäftsgebaren dieser Zeit, in der der Geist der Aufklärung langsam auch in der Provinz Fuß fasste. Der Adel, an dessen Sitten sich auch das Bürgertum orientierte, verlor als Vorbild an Bedeutung. Umständliche Höflichkeitsfloskeln ein- wie ausgangs von Briefen kosteten einen Briefschreiber viel Zeit.
    Der Zettel bat die Korrespondenzpartner um Verständnis dafür, dass man sich diese Mühe – wie es bereits viele andere im Wirtschaftsleben taten – in Zukunft sparte, und darum, dass man das nicht als Unhöflichkeit auffassen, sondern vielmehr ebenfalls so halten solle.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Zum Posting #179:


    Lieber Ralph,


    danke für die Schützenhilfe, so weit alles klar.
    Rückseitig wurden also 8 Décimes angeschrieben? Warum wurden dann vorderseitig nur 16 Décimes als Gesamtportobetrag ausgeworfen?


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Freunde,


    wie schon bei Trostberg angesprochen, gibt es auch Briefsammlungen, die nicht offiziell anerkannt waren und in keiner amtlichen Aufstellung auftauchen. Und das, obwohl sie sich in ihrer Art kaum von "anerkannten" unterschieden (Dachau, Deggendorf).


    St. Ingbert, heute im Saarland gelegen, von 1816 bis 1920 aber bayerisch, war kein unbedeutender Ort: mehrere Tausend Einwohner, mit Bergbau, Verhüttung und Fabriken, hatte bis 1844 keine eigene Post, so unglaublich das auch klingt. In Michael Englrams Buch „Das Postwesen in der Rheinpfalz seit 1816“ erfahren wir auf Seite 86, wie man sich behelfen musste.


    Es bestand ein Privatabkommen der Postverwaltung Homburg mit J. J. Ehrhardt sen. bezüglich einer privaten Briefsammlung. Der gesamte „sehr bedeutende“ Postverkehr vor allem mit den Nachbarstaaten wurde über diese Verbindung abgewickelt, was teuer und zeitraubend war, wie ein Gesuch vom 30. Mai 1843 betonte. „Ehrhardt übergibt nämlich die ihm zur Weiterbeförderung übergebenen Briefe und Pakete dem Kondukteur des Postwagens [Eilwagen Mainz-Saarbrücken bzw. Mallepost Frankfurt-Forbach-Paris berührten St. Ingbert] zur Remission an das 5 Stunden von hier gelegene Postamt Homburg ohne jede zu leistende Garantie.“ Wertbriefe und -pakete für St. Ingbert mussten nach Benachrichtigung gegen Vollmacht oder persönlich in Homburg abgeholt werden. „Z. B. hat ein Brief von Saarbrücken, welcher auf direktem Wege in 2 Stunden auf hierher gelangen könnte, dadurch, daß er erst über Homburg auf hierher gehen muß, einen Umweg von 10 Stunden zu machen und trifft aus dieser Ursache noch einen Tag später ein.“
    Nach Saarbrücken (und wohl weiter nach Frankreich) behalf man sich, indem man Briefe und Pakete privaten, täglich fahrenden Bötinnen mitgab, zum Schaden der bayerischen Post.
    „Von jedem Briefe, welchen Ehrhardt von der K. Postverwaltung zur Abgabe empfängt, läßt sich derselbe zu der vom benannten Postamte angegebenen Posttaxe noch 3 Kreuzer und von einem Pakete mit oder ohne Wert mehr als das Doppelte als Provision bezahlen.“ Von der bayernweiten Ermäßigung der Portosätze vom 10. November 1842, wonach ein einfacher innerbayerischer Brief nie mehr als 12 Kreuzer kosten sollte, merkte man in St. Ingbert daher nichts.


    Dank Andreas Grünewald konnte ich jetzt diesen Brief kaufen, der am 10. November 1841 in St. Ingbert geschrieben und am 12. November in Homburg aufgegeben wurde. Er war nach Oppenweiler in Württemberg gerichtet, nordöstlich von Stuttgart. Bayern notierte 8 Kreuzer, für den badischen Transit wurden 4 Kreuzer fällig. Württemberg schlug 3 Kreuzer auf, bis der Brief beim Adressaten ankam, summierte sich das Porto auf 17 Kreuzer. Wie viel Ehrhardt für seine Dienste berechnete, ist aus dem Brief nicht ersichtlich, er rechnete mit dem Aufgeber wohl privat ab.


    Viele Grüße aus Erding!

  • Lieber Dietmar,


    # 183


    ich weiiß nicht, ob da hinten 8 Decimes stehen, oder 8 Grammes, oder ob es überhaupt etwas postalisches ist. Als Aussteller würde ich es eher ignorieren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    in Ergänzung zum Brief in Abschnitt 161, folgender Brief:

    Regierungssache vom kgl. bayer. Landgericht Lauingen aus dem Jahr 1831, vom Briefsammler und Postboten in Lauingen nach Dillingen gebracht und dort aufgegeben nach Heidenheim in Württemberg.

    Aus dem Vorphilahandbuch Bayern von Friedrich Pietz zu Lauingen:

    1783: K.R.Briefsammlung: Postbotengang mit Dillingen;

    1810: erwähnt als K.B.Briefsammler und Postbote: Martin Wörnher Postlokal: Wohnung des Briefsammlers Unterstellung: Oberpostamt Augsburg;

    1.7.1843: K.B.Brief- und Fahrpostexpedition ohne Poststall am Eilwagenkurs Ulm-Donauwörth;


    Zwei Stempel der Briefsammlung nur in der Zeit von 1785-1791 registriert (De Lauingen + Von Lauingen); Erst dann ab 1843 bei der Postexpedition (Halbkreisstempel);


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    am 1. Oktober 1809 wurde am Reit- und Fahrpostkurs "Nürnberg-Würzburg" eine königlich bayerische Briefsammlung in Mainbernheim errichtet. Der Gastwirt Karl Arnold wurde als Briefsammler benannt. Am 26. Mai 1810 fiel gemäß Pariser Vertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Großherzogtum Würzburg, Mainbernheim an das Großherzogtum Würzburg. Am 24. September 1810 erfolgte die definitive Übergabe des Ortes an das Großherzogtum Würzburg und Mainbernheim erhielt eine Thurn und Taxissche Lehenspostanstalt (Briefsammlung). Briefsammler blieb weiterhin der Gastwirt Karl Arnold. Aufgrund der kurzen Zeit einer kgl. bayer. Briefsammlung (1.10.1809 - 23.9.1810) in Mainbernheim, Belege zu finden, ist schon fast so, wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Ich kann jedoch einen Postschein von der "Königl. Bayerischen Post=Wagen=Expedition Mainbernheim" für einen Wertbrief nach Wien vom 22. Februar 1811, unterschrieben vom Gastwirt Karl Arnold zeigen, der aus dieser bayerischen Zeit stammt und in "Großherzogl. Würzburg." geändert wurde. Im Max Joel Handbuch der bayerischen Postscheine ist dieser abgebildet. Es wird daher schwer möglich sein, einen weiteren Postschein zu finden. Auch nachdem am 1. Oktober 1814 die staatsrechtliche Rückgabe von Mainbernheim an das Königreich Bayern erfolgte, bestand die Briefsammlung weiterhin mit dem Briefsammler Karl Arnold. Erst nach 1840 wurde sie in eine kgl. bayer. Postexpedition umgeändert.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    Gratulation zu den zuletzt gezeigten Stücken. Das wird ja immer besser - kleine und kleinste Postorte mit Spezialitäten aus denkbar kurzen Zeiträumen.

    Nur wenige Sammler beschäftigen sich mit den Gegebenheiten und Abläufen im engeren Wirkungskreis der Post. Destinationen und Transitpost sind anspruchsvoller und "bunter", daher auch attraktiver. Wer die Zeit vor Einführung der Briefmarken generell schätzt (auch nicht unbedingt die Masse der Sammler), mag und sammelt beides – das "provinzielle Kleinklein" ebenso wie das "große Kino". Zu entdecken gibt es genug.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    vielen Dank.

    Zu Mainbernheim noch folgender Brief:

    Teilfrankobrief (frei Grenze) aus Iphofen vom 30. August 1811, in Mainbernheim (Briefsammlung im Großherzogtum Würzburg), nach Neustadt an der Aisch (Briefsammlung im Königreich Bayern). In Abschnitt 22 schreibt Dietmar, daß in den Hof - und Staatshandbüchern Neustadt an der Aisch bis 1833 als Briefsammlung geführt wurde. Der Absender bezahlte bei der Briefaufgabe 3 Kreuzer bis zur Grenze für das Großherzogtum Würzburg und der Empfänger 5 Kreuzer von da bis Neustadt an der Aisch für Bayern als Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern