Briefe von Briefsammlungen

  • Liebe Freunde,


    ja, das mit dem Landzustellbezirk leuchtet ein.

    Aber irgendwie verrückt: Man lässt einen Brief über die Grenze tragen, ihn bei der Post aufgeben, die ihn ganze drei Kilometer weiter befördert – wenn man den Brief schon von so weit herbringt und dem Adressaten so nahe ist, könnte man den Brief gleich Letzterem in die Hand drücken.

    Aber dann hätten wir den Brief in dieser Form heute nicht. Da wollen wir uns also nicht beklagen.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    in der Nähe von Zettlitz, liegt das Schloß Oberlangenstadt (6 km einfache Wegstrecke) und das gehörte der von Künsberg. Evtl. war der Absender hier zu Besuch (2 Tage liegen zwischen dem Schreib - und Stempeldatum des Briefes und gab den Brief in Zettlitz als Portobrief auf. Der Postbote kassierte das Porto, vermerkte den Betrag jedoch nicht auf dem Brief.

    Von Hersbruck habe ich folgenden Ortsbrief, als Frankobrief, bei dem das Franko auch nicht auf dem Brief vermerkt wurde: Ortsbrief von Hersbruck vom 14. September 1848, der sicherlich dem Briefträger mit einen Kreuzer mitgegeben wurde. Er nahm ihn zur Postexpedition Hersbruck mit (Siegelseite Ankunftsstempel HERSBRUCK). Evtl. holte der Empfänger seine Post in der Expedition selbst ab, oder der Briefträger nahm ihn beim nächsten Bestellgang mit. L. Buch von "Konrad Schwarz - Entstehung und Entwicklung der Postgebühren vom 16. Jahrhundert bis 1918" "Bayern: Hier gab es für alle Postorte eine besondere Ortsbrieftaxe für frankierte Ortsbriefe bis 4 Loth, seit 1843: Bis 1 Loth excl. 1 Kr. 1 bis 4 Loth 2 Kr." In den Verordnungs-und Anzeige-Blätter für die Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten der Jahre 1842 und 1843 kann ich jedoch dazu nichts finden.


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    ich glaube, dass sich der gute Konrad Schwarz hier irrt - die bayer. Post hat bis zum neuen Reglement vom 1.7.1849 nicht für Ortsbriefe interessiert, weil sie nur für Fernbriefe zuständig war und die Expeditoren für ihren räumlich klar umrissenen Bereich; daher konnte ein Postexpeditor im Prinzip fordern, was er wollte für Ortsbriefe, denn auch das Gewicht war nicht normiert für diese. I. d.R. finden wir 2x Frankobriefe/Portobriefe, bzw. gaben die Leute Post an die Briefträger, die sich dann wohl ihrerseits ein bischen etwas dazu verdienen konnten (was ja auch mit einer gewissen Mühewaltung verbunden war).


    Ansonsten ist der Schwarz aber erstklassig. :thumbup::thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Remlingen war nach den Kriterien "Postexpedition ohne Poststall" eigentlich als Briefsammlung zu bezeichnen (Quelle: Vorphilahandbuch von Friedrich Pietz).


    Hierzu folgender Frankobrief von Remlingen nach Tauberbischofsheim (Baden) vom 17.4.1842. Rückseite Franko: 3 Kr. für Baden (3/4 bis 1 Loth) und 4 Kr. für Bayern (1/2 bis 1 Loth), jeweils in der ersten Entfernungsstufe.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    sehe ich auch so, dass Remlingen Briefsammlung war. Hast du schon einmal andere Briefe als vom Herrschaftsgericht Remlingen gesehen? Oder etwas anderes als einen Dienstbrief? Friedrich Pietz hatte wenigstens einen Privatbrief (?) unter Chargé abgebildet. Aber sehr viele Postkunden gab es hier wohl nicht, bei der Errichtung spielte wohl allein die günstige Lage am Eilwagenkurs eine Rolle.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Hermann,


    vielen Dank - hatte ich schon vergessen, dass ich so einen habe. Fein zu sehen, dass man Chargé lieber per Hand appliziert sah, als den Stempel zu bemühen. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Hermann,


    ja, auch prima - aber der ging ins Ausland ... da hatte man vlt. doch ein bisserl Angst, dass es in die Hose gehen könnte, oder man sich auf badischer Seite beschwerte, jedenfalls dürften Remlingenbriefe mit Chargéstempel handverlesen sein. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    der Postexpeditor (Briefsammler) Christian Recknagel, Apotheker, gestorben am 24.10.1849, war nur zu faul, den Charge Stempel abzuschlagen. Nach seinen Tod übernahm am 25.10.1849 seine Witwe Johanna Recknagel die kgl. bayer. Postexpedition in Remlingen. Sie machte es vorschriftsmäßig. (Quelle zu Remlingen Vorphilahandbuch von Friedrich Pietz).


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    sehe ich auch so, dass Remlingen Briefsammlung war.

    Zumindest im "Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Bayern" 1847 findet sich das so:



    Beste Grüße von Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

  • Lieber Werner,


    genau daher beziehe ich übrigens meine Weisheit :-)


    Der von dir gezeigte Ausschnitt kann nicht aus dem Handbuch von 1847 stammen – ab der Ausgabe 1845 wurden alle ehemaligen Briefsammlungen pauschal als Expedition ohne Relais (Poststall) geführt, so auch 1847:


    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgende Parteisache (P. S.) aus Trostberg vom 3. September 1816 nach Stein. Zu Trostberg und Stein schrieb Dietmar folgendes in einen früheren Beitrag: Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Post- und Relaisstation im nahen Stein (an der Route München–Wasserburg–Salzburg–Wien) wurde 1808 als königlich bayerische Poststation übernommen. Dort wurde auch die Post aus dem Markt Trostberg abgefertigt. Im September 1808 wird von einer Botenstelle in Trostberg berichtet, ebenso von zeitweiligen Boten zur »Verführung der officiosen Correspondenz, Gelder und Pakete« der Gerichte. 1831 wird eine Briefsammelstelle erwähnt, aus der der Bote Franz Huber aus Stein die Briefe mitnahm und in die er aus München und Salzburg eintreffende Briefe brachte. Nach dem Tod Hubers im April 1848 übernahm der Trostberger Gerichtsdienergehilfe Josef Kefer diese Botengänge nach Stein und zurück. Erst 1851 bekam Trostberg eine eigene Postexpedition, und zwar unter Leitung des Expeditors Josef Reiner von Stein. Der Bote, evtl. der Briefsammler (sollte es ihn 1816 schon gegeben haben) aus Stein brachte den Brief von Trostberg nach Stein und gab ihn bei der Postexpedition in Stein ab. Aufgabestempel "STEIN.R.4." und machte ihn dadurch zu einen portopflichtigen Ortsbrief. Ortsporto jedoch nicht vermerkt. Präsentiertvermerk vom 4. September 1816.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    einen weiteren Brief ohne Datumsangabe möchte ich zeigen: Frankobrief aus Ering mit Aufgabe in Simbach am Inn mit Einzeiler "SIMBACH am INN", der von 1826 bis 1833 in Verwendung war. In Simbach am Inn bestand eine Briefsammlung (siehe 2 Seiten Vorphilahandbuch von Friedrich Pietz - Simbach am Inn). Der Absender bezahlte bei der Briefaufgabe 9 Kreuzer Franko (12 bis 18 Meilen 1/2 bis 1 Loth). Der Brief ging an Edmund von Schenk in München. Hierzu folgender Link:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_von_Schenk


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    mit der Abbildung des Simbacher Briefes (mein Sammelgebiet) und dem Pietz Beschrieb der Poststelle hast du mir Freude bereitet.

    Unter Contumaz-Station (Pietz) habe ich den Begriff "Desinfektion von Briefen" im Internet gefunden.

    Ist dies zutreffend?

    Meine Frage: gibt es die Pietz Vorphila-Beschreibungen auch digital?


    Norbert

  • Lieber Norbert,


    wenn dir Simbacher Briefe gut gefallen, dann habe ich hier auch noch zwei.


    Zum Pietz-Handbuch: Meines Wissens waren die Herausgabe des Handbuchs in digitaler Form angedacht und alle Inhalte bereits gescannt, der Vorsitzende der Arge Bayern von 1997 hatte allerdings Bedenken wegen möglicher Raubkopien, weshalb er noch nach einer technischen Lösung für die Verbreitung auf CD suchte.

  • Lieber Norbert,


    vielen Dank. Aus dem Vorphilahandbuch von Friedrich Pietz habe ich den Vorspann und den Stempel Nr. 11 von Simbach am Inn zusammen gestellt. Siehe Datei. Im Archiv für Postgeschichte in Bayern sind interessante Artikel zum Briefräuchern erschienen: Hefte 1 und 2 / 1963 "Die Zeit von 1597 bis 1830" und die interessante Zeit 1831/32 im Heft 2/1964. Die Arbeitsgemeinschaft Bayern e.V. hat wie Dietmar schrieb, vor vielen Jahren angedacht, das Vorphilahandbuch von Friedrich Pietz in digitaler Form herauszugeben. Warum das verworfen wurde, kann ich nicht sagen. Evtl. wissen es die ehemaligen Vorstandsmitglieder.


    Liebe Grüße,

    Hermann