Briefe von Briefsammlungen

  • Hallo Dieter,


    vielen Dank.

    Ein Verzeichnis über die Briefsammlungen in Bayern gibt es nicht. Heraussuchen kann man sie lediglich im Handbuch von Feuser / Münzberg Deutsche Vorphilatelie und im Handbuch der Bayerischen Vorphilatelie von Friedrich Pietz. In diesem Handbuch sind die einzelnen bayerischen Postorte bis zum 31.10.1849 ausführlich beschrieben. Es ist in Loseblattform und Herr Pietz hat mehrmals jährlich dieses immer in Nachlieferungen ergänzt und erweitert. Außerdem mußte man hier Abonnent sein. Wieviele Abonnenten es gab, kann ich nicht sagen. Komplett wird dieses sehr selten einmal angeboten, wenn dann empfehle ich jeden Vorphilasammler von Bayern sofort zuzugreifen. Dietmar hat aber schon einige Belege hier vorgestellt, die in diesen Handbüchern nicht als Briefsammlungen aufgeführt sind, wie z.B. Schesslitz. Hier zeige ich einen Brief von Schesslitz nach Rosenberg vom 30. August 1840. Ich denke, daß Dietmar zu Briefsammlungen sicherlich einmal einen größeren Artikel in den Rundbriefen unserer Arge bringen wird.


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    ich gratuliere zu dem Beleg aus Abensberg! Ein Heimatsammler aus der Gegend würde wahrscheinlich sagen: Davon habe ich doch ein Dutzend. Aber auf dem Markt taucht jahrelang so gut wie nichts auf. Jetzt noch ein Privatbrief, und unser Glück ist vollkommen.



    Lieber Dieter,


    wie Hermann schon sagte, sammle ich seit vielen Jahren Material. In den Archiven gibt es zwar Unterlagen, aber ich brauche endlich einmal ein paar Tage am Stück, um diese anschauen zu können.


    Es gibt nämlich keine offizielle Liste der Briefsammlungen, die man abarbeiten könnte. Während der bayerische Postapparat auf vielen Gebieten unglaublich pedantisch sein konnte und auf seine Deutungshoheit größten Wert legte, war der Umgang mit Fragen, die man für nicht so wichtig erachtete, manchmal erstaunlich lax.


    Die Briefsammlungen gehörten wohl dazu. Es gab offizielle und inoffizielle, die Bezeichnungen schwankten (mal schrieb man Briefsammlung, mal Expedition). Es gibt welche mit Fahrpost und ohne, und alles hängt daran, ob ein Poststall angeschlossen war oder nicht und wo genau die Briefsammlung örtlich angesiedelt war, an einer Postroute oder abseits. Immer, wenn man meint, man hätte alles beisammen, taucht irgendwo ein Quellenhinweis auf, dem man noch nachgehen muss.


    Wenn Erding nicht von 1808 bis 1843 eine Briefsammlung besessen hätte, wäre ich nie auf das Thema gekommen – und außer Hermann und mir gibt es nicht viele Sammler, die es für sich entdeckt haben. Große materielle Werte winken nicht, obwohl es mehr Fossilien vom Archaeopteryx gibt als Briefe von bestimmten Orten.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    herzlichen Dank.


    Liebe Sammlerfreunde,


    man freut sich immer Briefe zu finden, die von einen Ort mit Briefsammlung an einen Ort gesendet werden, der ebenfalls eine Briefsammlung hat. Hier ein Dienstbrief von Gräfenberg (Briefsammlung vom 1.1.1810 bis 31.10.1839) nach Lauf (Briefsammlung vom 1.4.1828 bis 28.2.1834) vom 14. Oktober 1833.


    Beste Grüße,

    Hermann

  • Hallo ihr Beiden,


    vielen Dank für die Ausführungen zu den bayerischen Briefsammlungen. Mir war bei der Arbeit mit dem Feuser Vorphilatelie aufgefallen, daß es in Bayern bei vielen Postanstalten längere Einträge bezüglich des Status gibt. Jemand könnte doch mal einen Versuch starten, die Briefsammlungen aufzulisten. Es ist vollkommen normal, daß immer wieder neue Geräte entdeckt werden. Ich möchte nur an die Entdeckung eines bisher unbekannten preussischen Versuchsstempels nach fast 200 Jahren durch Erwin erinnern.


    ein schönes Pfingstfest wünscht


    Dieter

  • Hallo Dieter,


    vielen Dank.

    Da bin ich schon lange dabei. Aber man findet im Internet immer wieder Hinweise, die auf weitere Briefsammlungen hinweisen, die bisher nicht im Handbuch der bayerischen Vorphilatelie von Friedrich Pietz und im Handbuch Deutsche Vorphilatelie von Peter Feuser aufgelistet sind. Das wird lange dauern, bis eine vollständige Auflistung fertig ist.

    Lohr am Main ist ein solcher Fall. Bei Feuser steht: 1828 BS; Ab 1.1.1833 PE; Bei Pietz: 1828 Frühjahr BS; Herbst 1828 PE ohne Poststall; ab 1.4.1838 zusätzlich Poststall; Im Internet findet man noch im Jahr 1840, daß in Lohr eine Briefsammlung ist;

    Hierzu eine Briefhülle ohne Datum mit dem Einzeiler LOHR. in fast jungfräulicher Erhaltung, der lt. Feuser von 1829 bis 1833 in Verwendung war.


    Beste Grüße,

    Hermann

  • Hallo Hermann,


    möchtest das mal als Buch herausbringen? Andernfalls würde doch wohl nicht viel dagegen sprechen, der Sammler-Gemeinde die Datei als Word- oder Exel-Datei zur Verfügung zu Stellen.


    viele Grüße


    Dieter

  • Hallo Dieter,


    vielen Dank.

    Ein Buch werde ich sicherlich nicht herausbringen.

    Wenn ich fertig bin, das kann aus Zeitgründen aber noch länger dauern (habe heuer bis in den Spätherbst noch vieles zu erstellen, bzw. abzuarbeiten), kann ich diese Auflistung den Interessenten dann gerne per email zusenden.


    Beste Grüße,

    Hermann

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:

    Portobrief aus Mölten mit Aufgabestempel BOLZANO nach Trient vom 8. Juni 1812 (alle 3 Orte seit 1810 zum Königreich Italien). Der Briefsammler und Postbote von Meran, Radschiller übte dies seit 11.2.1806 bis 3.12.1812 in Meran aus. Am 3.12.1812 wurde er aus dem Dienst entlassen, da er ohne Genehmigung die Botengänge durch seine Frau durchführen ließ. Am selben Tag wurde Johann Nieß dienstverpflichtet. Der Briefsammler und Postbote hatte 2 mal wöchentlich einen Postbotengang von Meran nach Bozen und zurück zu machen. Seit 20.7.1810 durfte er keinen Botenlohn mehr verlangen, denn er erhielt ab diesen Tag von der Generaldirektion der bayerischen Post ein jährliches Gehalt von 100 Gulden (Quellen Vorphilahandbuch Bayern von Friedrich Pietz zu Meran). Der Absender brachte sicherlich den Brief nach Terlan und Herr Radschiller nahm ihn dort auf seinen Weg nach Bozen mit. Der Empfänger bezahlte für diesen Inlandsbrief in Trient 3 Decimes Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayerrn

  • Liebe Sammlerfreunde,

    bei der Bildung des Oberpostamtes Salzburg am 25. Oktober 1810 wurde Mauterndorf als Postexpedition genannt und das nahe Tamsweg als Briefsammlung. Lt. den Vorphilahandbüchern von Pietz und Feuser wird dies auch für die ganze Zeit bis zum 30.4.1816 genannt. Wenn ich aber bei googlebooks.com suche, finde ich ganz andere Veröffentlichungen, z.B. für Mauterndorf von 1811 bis 1815 hatte diese eine Briefsammlung und Tamsweg wird 1811 und 1813 als Postexpedition geführt. Ab 1814 erscheint Tamsweg nicht mehr als Postexpedition oder als Briefsammlung.

    Hierzu folgender Dienstbrief von Salzburg nach Mauterndorf vom 26. Januar 1812.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    solltest du auf die zeitgenössischen nichtamtlichen Reise- und geografischen Handbücher anspielen, dann rate ich zur Vorsicht. Diese Werke haben mich zu Beginn meiner Beschäftigung mit Briefsammlungen auch ins Schleudern gebracht. Sie sind allerdings oft nicht auf dem neuesten Stand gewesen und haben von Auflage zu Auflage auch schon einmal überholte Angaben mitgeschleppt, und das bis in die 1850er-Jahre.


    Viele Grüße

    Dietmar

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    vielen Dank für den Hinweis.

    Zur Briefsammlung Mauterndorf steht dies im Königlich Bayerischen Regierungsblatt von 1814

    und im Personal-Etat der Postbeamten des Königreichs Bayern für das Jahr 1813, jeweils bei googlebooks.com. In diesen beiden Büchern ist Tamsweg nicht als Briefsammlung oder Postexpedition genannt, jedoch jeweils Mauterndorf als Briefsammlung.


    Beste Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    die Regierungsblätter habe ich auch schon durchgearbeitet. Fazit: Gerade in diesen unruhigen Zeiten konnte sich der Status einer Postanstalt schnell ändern.


    Viele Grüße

    Dietmar

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Sammlerfreunde,


    im Jahre 1783 wurde in Lauingen eine Kaiserliche Reichspost Briefsammlung installiert mit Postbotengang mit Dillingen. In Dillingen bestand seit 1708 eine Kaiserliche Reichspost Postverwaltung. Hierzu ein Paketbegleitbrief aus Lauingen vom 7. Mai 1783. Ein genaues Datum der Einrichtung der Briefsammlung in Lauingen steht im Vorphilahandbuch von Friedrich nicht, nur das Jahr 1783. Wenn sie am 7. Mai 1783 schon bestand, brachte der Briefsammler die Sendung nach Dillingen. Von dort lief sie dann nach Memmingen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    von der Briefsammlung in Lauf findet man nur selten einen Brief. Daher freut es einen besonders, wenn man einen CHARGE Brief ergattert. Brief aus Ottensoos vom 12. November 1830, aufgegeben als eingeschriebenen Frankobrief (3 Kreuzer Franko, zuzüglich 4 Kreuzer Charge Gebühr) in der Briefsammlung Lauf. Präsentiertvermerk vom 13. November.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    fein - ganz besonders als Privatbrief und mit dem Chargé-Stempel in großen Antiquabuchstaben, nicht in Schreibschrift!


    Viele Grüße

    Dietmar

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Freunde,


    Briefe aus der Vormasken-, äh, Vormarkenzeit (ein pandemiebedingter Freud’scher Lapsus) freuen mich besonders dann, wenn sie privaten Ursprungs sind.


    Die Herrschaft Ellingen bildete in Bayern mit einigen umliegenden Landorten eine Enklave, die 1815 dem Fürsten von Wrede verliehen worden war. Die Stadt Weißenburg am Sand wurde mitsamt ihrem Forst von diesem Gebilde umschlossen. Nahezu alle erhaltene Post auf dem philatelistischen Markt, die einmal aus und nach Ellingen ging, hat irgendwie mit der fürstlichen Verwaltung zu tun, ist praktisch immer portofrei oder am Ort selbst ohne Bestellkreuzer zugestellt worden. Philatelistisch ist das in der Regel reizlos.


    Belege wie den angehängten nimmt man daher gerne mit. Im Inhalt entschuldigt sich ein Malermeister bei einem unzufriedenen Kunden in unglaublich langen Schachtelsätzen und unterstreicht seine Bereitschaft zur Erfüllung eines erteilten Auftrags. Vermutlich war der Empfänger nach der Lektüre genauso klug wie der heutige Leser (und fühlte sich entsprechend lackiert).

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Briefe von der Briefsammlung Streitberg in der "Fränkischen Schweiz" findet man nicht oft. Am 1. Juli 1798 wurde eine Kaiserliche Reichspost Briefsammlung in Streitberg eröffnet. Briefsammler war Johann Ulrich Äcker (Lehrer). Er machte Postbotengänge nach Erlangen und Bayreuth. Am 1.4.1809 wurde die Briefsammlung aufgelassen. Von 1803 bis 1809 war folgender Stempel in Verwendung: "STREITBERG.R.3." und dieser wird wegen der großen Seltenheit hoch bewertet. Da freut man sich, wenn mal ein Brief vor dieser Zeit angeboten wird, der wesentlich billiger ist. Vor 1803 schrieb Briefsammler Johann Ulrich Äcker "v.Streitberg" handschriftlich den Abgabeort. Hierzu kann ich folgenden Brief zeigen: Dienstbrief vom königlich preußischen Pfarramt in Streitberg vom 10. Juni 1800 an die löbliche Gotteshaus Administration in Seibelsdorf.


    Beste Grüße von VorphilaBayern