Briefe von Briefsammlungen

  • Lieber Erdinger,


    das wäre ja perfekt! :P


    Deadline zum nächsten RB wird ja erst in ein paar Monaten sein, also keine Bange wegen der Zeit.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Verehrte Freunde,

    das schwäbische Wallerstein ist ein Beispiel dafür, wie schwer es sein kann, anhand offizieller Quellen Briefsammlung und Expedition zu unterscheiden.
    Der abgebildete Brief ist ein gutes Beispiel dafür: er stammt aus dem Jahr 1837, aber von welcher Art Postanstalt wurde er eigentlich expediert?

    Bei Feuser/Münzberg findet sich die Feststellung, die Briefsammlung sei 1835 zur Expedition erhoben worden.
    Und tatsächlich, im Vortrag des Abgeordneten Bestelmeyer vor dem Landtag über die Rechnungen der General-Postadministration 1832-35 erscheint der Ort als Postexpedition ohne Relais ab 1.4.1835.
    Die Redaktion des Hof- und Staatshandbuches - also des offiziellen Nachschlagewerks, dem alle Behörden (MInisterien!) Veränderungen melden mussten – sah es anders, und führte den Ort weiterhin, bis 1843, als Briefsammlung.

    Alles nur eine Frage der Namensgebung?

    Nun möchte man meinen, Expedition ist Expedition, und basta, wie Kanzler Schröder gesagt hätte.
    Wie fast jeder Wahnsinn hat aber anscheinend auch dieser Wirrwarr Methode.

    Auch andere Postorte befanden sich in der gleichen Situation wie Wallerstein:

    • Remlingen (in Bestelmeyers Bericht im Mai 1835 Postexpedition ohne Relais),
    • die Rhönorte Bischofsheim, Gersfeld, Hilders, Thann, Wüstensachsen (1.11.1836) sowie Marktsteft (März 1836), bei Bestelmeyer jeweils Postexpedition, im Hof- und Staatshandbuch Briefsammlung.

    Möglicherweise zählte das Letztere offenbar Expeditionen erst als vollwertig, wenn sie mit einem Poststall verbunden waren.
    Mitterteich, bislang Briefsammlung, erhielt am 1.8.1834 einen Poststall zur Briefexpedition, und siehe da: das Hof- und Staatshandbuch stufte es fortan unter die Expeditionen ein.

    Ab der Ausgabe 1844 des Hof- und Staatshandbuchs wurden alle verbliebenen Briefsammlungen pauschal als Postexpedition ohne Relais geführt.

    Viele Grüße aus Erding!

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Königliche Dienstsache vom kgl. bayer. Rentamt Hall in Tirol (ab Febr. 1806 zu Bayern - ab 24. Juni 1814 wieder zu Österreich - während dieser Zeit war in Hall eine k.b. Briefsammlung), zur kgl. bayer. Finanzdirektion in Innsbruck. Briefhülle, daher ohne Datum.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo Vorphilabayern

    Briefhülle, daher
    ohne Datum.

    Weil der Stempel fast perfekt ist, sollte man 1811-1812 schätzen. Alle Punkte sind noch deutlich vorhanden.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Verehrte Freunde,


    wie der von VorphilaBayern so schön belegte Postort Hall (die Briefsammlungen in den ehemals österreichischen Gebieten sind die Kür auf diesem Gebiet, die übrigen die Pflicht, wenn auch eine schöne) gehörte auch Schongau zum Oberpostamt Augsburg.


    1808, anlässlich der Übernahme der Taxis-Post, ist hier von einer Postanstalt noch nicht die Rede. Im November 1810 führt das Regierungsblatt Schongau als Briefsammlung, vermutlich stellte das benachbarte Schwabbruck die übergeordnete Expedition dar. Als Briefsammler wird Johann Joseph Forthuber genannt.


    Am 14.9.1811 machte das Regierungsblatt eine Entschließung vom 27.8. bekannt, wonach Schwabbruck als Expedition aufgehoben und statt dessen in Schongau eine solche errichtet worden sei. Schongau war Stadt und Landgerichtssitz, Schwabbruck dagegen nur ein Dorf, das an einer Postroute lag, eine Konstellation, die im Taxisschen System durchaus öfter vorkam. Die Entscheidung zur Verlegung kann man also gut nachvollziehen.


    Der Rayon-Stempel von Schongau ist im Grunde nicht selten - aus der kurzen Zeit als Briefsammlung allerdings wohl schon. Der gezeigte Brief mit vollem Inhalt stammt vom 13.10.1810 und war Teil der bekannten ZumStein-Korrespondenz.


    Viele Grüße aus Erding!

  • Lieber Erdinger,


    ein wahlich seltenes Stück, aber lese ich da im Stempel Rayon 2? Das würde mich jetzt aber wundern, denn Augsburg und ganz Bayern rechtsrheinisch lag im 3., 4. und 5. Rayon zu Frankreich.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch ,


    nein, das ist ein R4 - der Stempel ist etwas unglücklich abgeschlagen (dem dicken Hadernpapier zu verdanken, auf dem er niederging).
    Keine neue Weltrarität, hélas.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo die Runde


    Die Frage ist wohl auch ob eine R2 hier überhaupt möglich wäre? Und falls falsch von Hersteller gemacht, dann wohl sofort wieder zurück.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    falsch geschnittene Stempel gab es immer mal wieder, denken wir an seitenverkehrte "Z" oder echte Fehler im Ortsnamen.
    Da wurde trotzdem nicht unbedingt beim Stempelschneider reklamiert und manches Gerät blieb über längere Zeit im Einsatz.


    Von Schongau ist in der Literatur kein R2 bekannt. Der Stempel ist in diesem Fall verwischt, mit sehr flüssiger Stempelfarbe (oder Tinte) abgeschlagen, dem Erscheinungsbild nach ist er aber nicht alt (alle Serifen sind bei den Buchstaben noch gut erkennbar).


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Von Schongau ist in der Literatur kein R2 bekannt.

    Hallo Erdinger


    Ja, falsch geschnittene Stempel sind kein grosse Seltenheit in altdeutschen Zusammenhang. Sicher auch nicht sonst. Und manchmal machten die Fehler kein Unterschied. Aber eben die Rayonangabe waren in manche Falle wichtig bei der Taxierung bei Briefe nach Frankreich.
    Obwohl Schongau sicher kein grosse Korrespondanze mit Frankreich hatte, waren wohl diese Fehler wenig beliebt. Gab es in Bayern, auch kurzzeitig, Stempel mit falschen Rayonangabe?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    auf die Schnelle fällt mir nur Hollfeld mit dem nicht existierenden "R5" ein. Amberg, Eichstätt und Ingolstadt wiederum wechselten ihre Rayonnummer, offenbar aus guten Gründen.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Erdinger


    Was heisst hier nicht existerende "R5"? Es gab wohl in Bayern mal ein R5? Oder hast du was anderes gemeint.


    Hat Amberg, Eichstätt und Ingolstadt die falsche Stempel benutzt, so dass man auf falsgemachte Stemepl achten soll? Ich kann nicht erinneren so etwas gesehen zu haben (heisst ja nichts).



    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    während der Laufzeit des ersten Postvertrags von 1801 gab es keinen R5 in Bayern.
    Amberg, Eichstätt und Ingolstadt haben (wie einige andere Orte auch) einmal den Rayon gewechselt.




    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Verehrte Freunde,


    das oberfränkische Burgkunstadt (früher Burgkundstadt geschrieben) erhielt laut Feuser/Münzberg zum 28.5.1828 eine Briefsammlung.
    Ab 1.10.1843 kam eine Fahrpostexpedition dazu, damit offenbar auch eine Relaisstation, wodurch die Postanstalt zu einer vollwertigen Expedition aufstieg.


    Der hier gezeigte Brief besitzt zwar keinen Inhalt und ist daher nicht datierbar, er zeigt aber den Abschlag eines Einkreiser-Sondertyps, der laut Winkler von 1839 bis 1842 zum Einsatz kam.
    Das Schreiben an die Militärfonds-Commission in München (näheres dazu siehe http://bavarica.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10378301_00081.html?prox=true&phone=true&start=35&context=Militärfonds&ngram=true&hl=scan&fulltext=Militärfonds&rows=7&mode=simple) stammt ausweislich des Siegels von einer Privatperson, wurde daher freigemacht und zusätzlich eingeschrieben. Der einfache Satz in der 6. Entfernungsstufe bis 36 Meilen betrug nach dem Reglement von 1810 12 Kreuzer, dieser Brief lag jedoch in der 4. Gewichtsstufe bis 2 Loth, wofür 30 Kreuzer fällig waren.
    Mit der Gebühr für die Einschreibung bezahlte der Absender also 34 Kreuzer.


    Interessanterweise trägt der Brief auch einen Blindabschlag eines Fingerhutstempels (rechts vom Aufgabestempel bei der handschriftlichen 1), vermutlich von Pegnitz, das an der Strecke lag.
    Möglicherweise wurde die Sendung hier umkartiert (es gibt zwei Nummern 296 und 1, aber sie könnten auch mit der gleichen Tinte geschrieben sein).


    Viele Grüße aus Erding!

  • dieser Brief lag jedoch in der 4. Gewichtsstufe bis 2 Loth, wofür 30 Kreuzer fällig waren.
    Mit der Gebühr für die Einschreibung bezahlte der Absender also 36 Kreuzer.

    Hallo Erdinger


    Ein interessanter Brief, und dieser Stempel sieht man nicht oft. Danke fürs Zeigen :)


    Ich glaube aber nicht dass der Absender 36 Kreuzer bezahlt hatte. Einschreibegebühr war nur 4 Kreuzer.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    du hast recht, bis 30.6.1850 waren es nur 4 Kreuzer.
    Danke für den Hinweis. Ich werde das ändern.
    Ein satter Betrag war's trotzdem ... Umgerechnet auf die Kaufkraft war der Erwerb des Belegs vor kurzem geradezu ein Schnäppchen.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu eine Dienstbriefhülle (K.D.S.= Königliche Dienstsache) aus Waldsassen in der Oberpfalz nach Amberg (Hauptstadt der Oberpfalz, bis 1810, dann wurde es Regensburg) mit noch Churfürstliches Dienstsiegel auf der Rückseite. Dement sprechend wird der Brief aus den ersten Monaten des Jahres 1806 sein. Aufgabestempel "WALDSASSEN R.4." der Briefsammlung Waldsassen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber @Vorphila Bayern,


    Waldsassen ist ein interessanter Ort. Nicht nur bestand hier eine der langlebigsten Briefsammlungen Bayerns (wobei ich vor 1808 noch keine Quelle kenne, die sie so bezeichnet), sie dürfte auch die einzige sein, die während der Cholerazeit 1831 einen Briefreinigungsstempel führte!


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Erdinger,


    vielen Dank für die Kommentierung.
    Im Vorphila-Handbuch von Herrn Friedrich Pietz steht zu Waldsassen u.a. folgendes: 21.2.1758 K.R. Postspedition (= Briefsammlung) am 2 x wöchentlichen Reitpostkurs Waldsassen-Amberg.
    Briefsammler (bezeichnet als Ordinari und Staffetten Post Expeditor): Franz Joseph Anton Nerschmann. Churfürstlicher Mauth- und Umgeld-Gegenschreiber (gestorben 14.2.1771). usw.
    Dann ab 29.8.1808 als K.B. Briefsammlung bezeichnet.


    Viele Grüße aus der Oberpfalz