Thurn & Taxis nach Bayern

  • Liebe Freunde,


    als bekennender Fan des kleinen Grenzverkehrs konnte ich den folgenden Brief nicht liegenlassen:



    Er wurde am 2.3.1865 mit 1 Sgr. frankiert in Fulda aufgegeben. Von dort lief er dann in das knapp 20 km entfernte fränkische Motten und von dort dann nach Schmalnau. Von hier trug dann der Landbote den Brief die restlichen 1,5 km nach Hättenhausen (heute Hettenhausen geschrieben) und bekam dafür 1 Kreuzer.


    Text korrigiert. Die 1 Sgr.-Marke ist natürlich die Mi.-Nr. 29 (Erstausgabe Februar 1863)


    Zu den bayerischen Orten:
    Zu Motten wird in meinem (alten) Winkler-Handbuch angegeben, dass die Post-Expedition nur vom 1.4.1861 bis zum 28.2.1869 bestand und dass es bisher keinen Stempel-Beleg gibt (außer dem MR-Stempel)
    Kann jemand von den Bayern-Spezialisten hierzu etwas sagen ?
    Zu Schmalnau rein informativ noch: Dies ist einer der Postorte, die Bayern 1866 an Preußen abtreten musste.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    den hätte ich auch genommen (wenn ich ihn denn nur gesehen hätte ... ). :P


    Motten hatte von 1828 bis 1846 eine eigene Post, die aber dann geschossen wurde. Stempel sind selten.
    Wie du richtig schreibst, wurde dann 1861 wieder eine Postexpedition eröffnet, die 8 Jahre später wieder geschlossen werden musste. Stempel sind bekannt - sowohl der Mühlradstempel, als auch der hier gezeigte Halbkreisstempel der Winkler Type 12a. Soweit ist alles im grünen Bereich. :)


    Zur Erscheiung der TT - Marke müsste sich unser TT - Spezialist äußern, gell Heinrich? ;)


    Zu Hettenhausen: Wenn es zu Bayern gehörte, dann war der Kreuzer einer eines privaten Boten. Wenn nicht, dann war es das Bestellgeld, welches es in Bayern nicht geben konnte. Ein bayerischer LBT durfte keine Gebühr für das Austragen von Briefen erhalten.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    danke für die schnelle Antwort.
    Zu schnell, als dass Du meine Korrektur zu der Taxis-Marke gelesen hättest: Auch einen Michel-Katalog sollte man (ich) mit einem Mindestmass an Sorgfalt benutzen :S


    Schmalnau war 1865 noch bayerisch, dann war es also ein privater Bote, der den Kreuzer anstrich.
    Der Winkler-Band ist schon ergänzt.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Sammlerfreunde,


    Hettenhausen gehörte zum Zustellbezirk von Schmalnau und liegt von dort nicht einmal 2 km entfernt.


    Der Rötelstrich "I" wurde bereits in Fulda angebracht. Er bestätigt, wie bei Taxis ab und zu vorkommend, nochmal das Franko von 1 Silbergroschen.


    Anbei ein Brief aus Ostheim nach Mainberg bei Schonungen in Bayern. Hier wurde das Franko von 1 Silbergroschen ebenfalls mit Rötel zusätzlich angeschrieben.


    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Sammlerfreunde,


    jetzt haben wir zwei Briefe gesehen, die aus dem Silbergroschenbereich nach Bayern wechselten und das Franko zusätzlich mit Rötel angeschrieben wurde.
    Ich kann euch noch einen Brief aus dem Kreuzerbereich zeigen, bei dem das Franko folglich in Kreuzer zusätzlich angeschrieben wurde.


    Königsberg in Sachsen-Coburg-Gotha nach Würzburg vom 21.6.1867


    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo,


    wenn ich den nachfolgenden Brief schon dank unseres @bk erwerben konnte, so möchte ich ihn hier auch zeigen:


    1+2 Sgr auf Brief von Gotha 23. Juni 1860 nach Krankenheil in Tölz.
    1860 war auch das Gründungsjahr der Jodquellen AG, welche die Vermarktung der am Sauersberg bei Tölz entdeckten Jodquellen vorantreiben sollte. So enthällt der Brief z.B. eine Bestellung über 6 Pfund Jodsoda-Schwefelseife. :) Und man war auf Zack in Tölz ! Wie aus einer Randnotiz hervorgeht, wurde die Bestellung bereits am "2. Juli 1860 expedirt".
    Ich habe schon etliche solcher Briefe aus den verschiedensten altdeutschen Staaten vorliegen. Was mir jetzt eigentlich noch fehlt wäre eine (frankierte) Werbedrucksache der Jodquellen AG aus dieser Zeit.... :love: Der Finder wird gebeten, sich umgehend bei mir zu melden.... 8)


    beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo zusammen,


    nach Schorsch`s wunderschöner Buntfrankatur nachstehend eine Einzelfrankatur mit der sehr schön tiefblauen und nahzu schon dreidimensional wirkenden T & T Mi-Nr. 8.


    Es handelt sich ausweislich des Inhaltes um eine Bestellbestätigung von Waren im Wert um die 200 Gulden.


    Die Marke ist unten links extrem lupenrandig, aber nicht berührt, der vollständig gebliebene Postvereins-Faltbrief ins linksrheinische Bayern insofern insgesamt eine wirklich schöne Sache.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Sammlerfreunde,


    auch wenn der nachstehende Beleg ein wenig gerupft und mit Registraturbug daherkommt; um eine zumindest kleine Rosine handelt es sich dennoch. Gelaufen von Bingen nach Ludwigshafen-Rheingönheim zum Chemieunternehmen Lefo wurde er nur mit 3 Kr freigemacht. Die Strecke lag wohl aber knapp über 10 Meilen, also wären 6 Kr Postvereinsgebühr fällig gewesen. Insofern musste mit 3 Kr nachtaxiert werden, das verklebte Franco wurde offenbar anerkannt.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    ich muss dich leider enttäuschen - sind nur 66,5 km Luftlinie, daher waren die 3x ausreichend (s. Vortaxierung der Aufgabepost).


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    so kann man der PO prompt auf den Leim gehen. Aber okay, vortaxiert ist ja auch recht nett. ^^


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    eine Nachtaxe in Folge von weiterer Entfernung bzw. höherem Gewicht als einfach hätte die Aufgabepost in blauer Farbe notieren müssen. Die geringste Nachtaxe im Postverein betrug 6x; 3x fehlendes Franko und 3x Portozuschlag.


    Taxis schrieb seinen Leuten vor, neben dem Wort "franco" in kleinen, roten Ziffern die bezahlte Gebühr zu notieren. Man findet dergleichen mit und ohne Marke, denn eine Markenfrankatur war dort nicht vorgeschrieben. Warnhinweis: Manchmal werden Marken so "plaziert", dass sie vom Nummernstempel her zum Aufgabeort "passen". Eine vorhandene Röteltaxe, hier die "3", weist nicht auf eine Verfälschung hin. Oft werden auch die (bei Verfälschungen naturgemäß) fehlenden Übergänge gemalt - da muss man schon ein wenig aufpassen, zumal das auch bei relativ günstigen Belegen praktiziert wurde/wird.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    Taxis schrieb seinen Leuten vor, neben dem Wort "franco" in kleinen, roten Ziffern die bezahlte Gebühr zu notieren.


    ok, verstanden ! Scheint allerdings nicht jeder der T&T-Leute so ganz genau genommen zu haben, es gibt ja auch eine Menge Belege ohne solche Vermerke. Aber ok, die Pflicht ist das eine, die Praxis das andere. Bei mit Marken freigemachten Briefen war der Taxvermerk dann wohl auch weniger wichtig, oder ?


    Manchmal werden Marken so "plaziert", dass sie vom Nummernstempel her zum Aufgabeort "passen". Eine vorhandene Röteltaxe, hier die "3", weist nicht auf eine Verfälschung hin.


    Habe ich richtig verstanden, dass markenlose T&T-Belege schon öfters mit zum Aufgabestempel passenden Marken - sozusagen - "aufgepludert" worden sind ? Uff, das ist natürlich ein ganz extrem wichtiger Hinweis, da muss man dann wirklich höllisch aufpassen 8|


    Besten Dank + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    Zitat

    Bei mit Marken freigemachten Briefen war der Taxvermerk dann wohl auch weniger wichtig, oder ?


    vermutlich - warum man dort "doppelt" moppelte, weiß ich auch nicht. Jedenfalls war der Frankovermerk, wie man ahnen kann, sehr wichtig, denn ohne diesen konnte es keine Barfrankatur geben, weil " ... 3" wenig verständlich gewesen wäre, im Vergleich zu "franco 3", wobei zu beachten ist, ob der Brief im Kreuzer- oder Groschenbezirk aufgegeben wurde, denn 3 Kreuzer gab es genau so wie 3 Groschen Briefe (nach Bayern).


    Zitat

    Habe ich richtig verstanden, dass markenlose T&T-Belege schon öfters mit zum Aufgabestempel passenden Marken - sozusagen - "aufgepludert" worden sind ?


    So isses - allerdings gingen die Ringnummernstempel bei TT immer auf den Brief über, weil sie viel größer waren, als "unsere" Mühlräder (die ganz wenigen Vorausentwertungen bei TT können wir getrost vergessen - auf Briefen nach Bayern gibt es sie nicht).


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    diese häufige Potostufe zwischen den beiden Ländern kam heute mit der Post
    bei mir an und erfreute mich.


    Nicht ganz so häufig ist die gute Erhaltung bei dieser Ausgabe, links noch mit Teilen
    der Nachbarmarke:
    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/ScanPic0075c4f89ce0jpg.jpg]
    und die Siegelseite
    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/ScanPic0076dfc3cc2ejpg.jpg]


    Wegen der Siegelseite die Frage, war die Leitung so üblich?


    Und hier noch zum Absender, die Sophie, J.P. Schöppler, einer Demokratenfamilie
    entstammender Politiker, Uhrmachermeister und Industrieller:
    http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=316


    Beste Grüsse
    Bayern Social


    PS: Für die ganz bewanderten unter euch ;)
    vorne sehe ich eine violette"9" hat jemand eine Idee, woher die stammen könnte?
    Und das Datum, 30.6-2.7.186_, da kommt schon fantasie auf.....Oder?

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Lieber Bayern Social,


    Zitat

    Wegen der Siegelseite die Frage, war die Leitung so üblich?


    ja, warum nicht?


    Zitat

    vorne sehe ich eine violette"9" hat jemand eine Idee, woher die stammen könnte?


    Die hat die Aufgabepost angebracht und später die Marke verklebt.


    Zitat

    Und das Datum, 30.6-2.7.186_, da kommt schon fantasie auf.....Oder?


    Für eine Erstausgabe ist 1866 ein wenig problematisch - hier stammt der Brief aus 1860, daher muss man die Phantasie leider beerdigen.


    Aber ein schöner Brief ist es trotzdem.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern Klassisch,


    danke für Deine Anmerkungen und schön, dass der Brief Dir gefällt. :)


    Ja,ja....Da hast Du Recht, 1860 wird es sein, aber wie sagt Peter Sem so schön:
    "Man wird doch noch träumen dürfen" :whistling::sleeping:


    Aber zu der Leitung:
    Ich wusste nicht, dass Weiler und Röthenbach/Bhf nur wenige Kilometer auseinander
    liegen, habe die Orte über Mittag mal in Falk.de nachgesehen.


    Lief der Brief dann so:
    Mainz-Röthenbach/Bhf-Weiler-Lindenberg?
    Und Mainz-Röthenbach mit der Bahn im geschlossenen Packet?
    Und die 11Km von Weiler-Lindenberg mit Boten oder Kutsche?


    Liebe Grüsse
    Bayern Social

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo bayern social


    Wenn du hier Röthenbach als Suchbegriff einstellst findest du auf jeden Fall etwas interessantes. Ob nicht alle Antworte auf deine Fragen.


    Der Leitweg war ganz normal, Lindenberg hatte wohl erst 1861 ein Postablage.
    Mehr über Röthenbach findest du auch bei Sem.


    Schöner Brief :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Bayern Social,


    dein Brief lief von Mainz lief entweder über Darmstadt - Heidelberg - Stuttgart - Ulm - Augsburg Richtung Lindau oder Darmstadt - Aschaffenburg - Würzburg - Bamberg - Nürnberg - Augsburg Richtung Lindau.


    Da siegelseitige Stempel der württembergischen Bahnpost fehlen, halte ich die 2. Variante für wahrscheinlicher bei einer Kartierung auf Augsburg.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    ich erlaube mir eine Anmerkung: Ich will nicht ausschließen das irgenwann einmal selbst praktiziert zu haben, es sollte wenn möglich aber nicht (mehr) so sein, wegen einem einzelnen Beleg einen extra thread aufzumachen. Der hier diskutierte Beleg hätte gut und gerne auch unter den bereits erstellten Ordner Taxis - Bayern gepasst, auch wenn Thurn&Taxis - Bayern in der Bezeichnung sicherlich eindeutiger wäre. Letztgenannte Maniküre ist m.E. Aufgabe der Forenleitung. Ich denke ich spreche damit im Sinne aller Teilnehmer, nämlich für den Erhalt der Übersichtlichkeit.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer